Deutschland 2006: Kaum einer nutzt Computerräume
Die meisten Schulen in Deutschland sind mit technisch hochwertigen Computerräumen ausgestattet. Im Unterrichtsalltag werden sie allerdings kaum benutzt.
Der interessante Artikel “Zutritt nur nach Voranmeldung” bei heute.de beruft sich auf zwei aktuelle Studien zur Nutzung von Computerräumen in Deutschland. Demnach sind zwar rund 90% aller deutschen Schulen mit Computern und Internet ausgestattet, doch gerade mal 20% aller SchülerInnen arbeiten im Unterricht regelmäßig mit dem PC; die meisten kennen computergestützten Unterricht nur aus Erzählungen.
Gründe für die schwache Computernutzung im Unterricht sind den beiden Studien (TNS Infratest, Europäische Komission) zufolge unter anderem:
Langsame Leitungen
Die meisten Schulen surfen mit peinlichen Speeds. Wenn 15 oder 30 Rechner sich also einen ISDN-Zugang teilen, kommen wir auf Geschwindigkeiten von 300 Bytes/Sekunde - der Stand von 1998.
Lediglich 63 Prozent der bundesdeutschen Schulen besitzen einen DSL-Anschluss. Der Rest muss sich im analogen Schneckentempo oder per ISDN durchs Netz schleichen. Selbst eine simple Netzrecherche kann da “Ewigkeiten” dauern. In der Sparte “Schnelle Internetzugänge” liegen Deutschlands Schulen auf Platz 21 von 27 untersuchten Ländern.
LehrerInnen haben zu wenig Kenntnisse und zu wenig Selbstvertrauen
Die meisten LehrerInnen glauben, sie hätten zu wenig “Kenntnisse”. Ich vermute, dass hier recht häufig auch fehleingeschätzt wird - einfache Aktionen kann man auch durchführen, wenn man weiß, wo der Einschaltknopf am Computer ist. Das Problem sind wahrscheinlich vielmehr die didaktischen Kenntnisse und methodischen Fertigkeiten. Ich habe im Jahr 2003 für das SWR Schulfernsehen einen Aufsatz zur Thematik mit grundlegenden Hinweisen geschrieben, da ist er: Berthold Metz (2003): Die Angst des Lehrers vor dem Computerraum (pdf, 500kB)
Wo sind die Fortbildungen?
Die meisten Lehrer, die grundsätzlich ohne Internet und PC unterrichten, meinen, es fehlten ihnen die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten. Andere erklären, der Nutzen von PC und Internet sei ihnen unklar, und eine dritte Gruppe hat schlicht und ergreifend kein Interesse. Die EU-Studie empfiehlt den deutschen Schulbehörden deshalb, rasch zu handeln und das Weiterbildungsangebot in Sachen “Computer und Internet” erheblich auszubauen.
Mit einem gelegentlichen “Windows für Anfänger” sei es nicht getan, meint Daniel Ploetze.
Und da hat er Recht. Es ist allerdings zu vermuten, dass weder die zuständigen Personen in den Ämtern noch die Mehrzahl der FortbilderInnen mehr Ahnung von Softwarebedienung als von Mediendidaktik und Internet haben. Wäre das Schulsystem privatwirtschaftlich organisiert, hätte man sich die kompetenten Leute schon längst über das Interface “Bloggerszene” zusammengesucht.
Ausstattungsstruktur ist suboptimal
Je mehr Klassenräume mit Computern ausgestattet sind, desto höher liegt der Nutzungsgrad. Und der ist in Deutschlands Hauptschulen am höchsten:
Kein Wunder: Mehr als 13 Prozent aller Hauptschulklassenräume sind bereits mit einem oder mehreren Computern ausgestattet. An den Gymnasien sind es bis dato magere 3,5 Prozent.
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Beitrag vom 29.10.2006, 15:13 | diesen Beitrag versenden
An unserer Schule (Laura-Schradin-Schule Reutlingen) steht in jedem Klassenzimmer ein Internet-PC, alle sind vernetzt, von jedem PC sind Drucker erreichbar - DSL ist schnell genug, um zusätzlich vier Computerräume und einen Freiarbeitsraum zu bedienen. Recherchen werden in verschiedensten Fächern angewendet. Sie brauchen also nicht in die USA zu gehen!
W.Kremers Lehrer
sorry liebe lehrer das musste mal gesagt werden. ich glaube nicht mal, dass ihr wirklich schuld daran seid *fg
Insgesamt sind Stunden im Computerraum lauter als im Klassensaal und es kommt fachlich weniger bei raus - zumindest gilt das häufig in Deutsch. Das ist halt auf Dauer keine ser attraktive Kombination.
