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»Hurra, die Schule brennt« - Härteres Durchgreifen gegen Lernverweigerer?

'Regelschulen im Ausnahmezustand' - sehr lesenswerter telepolis-Artikel über den aktuellen Gewalthype an Schulen, in dem ein Ende der Stricksockenpädagogik und ein härteres Durchgreifen gefordert wird.

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Eingetragen am 03.04.2006, 09:38 Uhr in Nachrichten | Paedagogik |

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“Hurra, hurra, die Schule brennt” - ausgehend von diesem Song der 80s kommt der Autor Rudolf Maresch auf die beiden großen Pleiten des Bildungssystems seit den 68ern zu sprechen. Ausführlich stellt er das Ausmaß der Katastrophe dar (“Bei Lichte besehen ist Rütli nämlich nur die Spitze des Eisberges. Im Prinzip ist Rütli, mehr oder weniger, überall.”), beleuchtet die Interessen und Ansätze der verschiedenen Lobbygruppen und stellt sie den Maßnahmen der Schulen gegenüber.

Das Interessante an diesem Artikel: R. Maresch rechnet mit der “permissiven Gesellschaft” ab, ohne sich dabei in das Lager der Konservativen oder gar Reaktionäre zu begeben. Auch eine ultraharte Gangart müsse zu den Optionen in der Konfrontation mit LernverweigererInnen zählen:

[Nach einem] Gesetzentwurf, den das bayerische Kultusministerium gerade vorgelegt hat, [...] soll es künftig Regelschulen, erlaubt werden, latente Störer oder Täter nicht mehr nur für ein paar Tage vom Unterricht auszuschließen, sondern sogar bis zu vier Wochen. In Extremfällen, mithin bei Jugendlichen, die Mitschüler oder Lehrer drangsalieren oder körperlich attackieren, soll sogar die Schulpflicht eines Vierzehnjährigen ganz beendet und die Berufsschulpflicht ausgesetzt werden.

Kaum ist der Entwurf auf dem Markt, melden sich auch schon die Widerständler. Sozialverbände sprechen von einer “bildungspolitischen Kapitulation”, sie melden verfassungsrechtliche Bedenken an und sehen das Recht auf Bildung gefährdet. Psychologen und Berater warnen davor, diese Täter auf der Straße stehen zu lassen und rufen die Gesellschaft (wer immer das auch ist) in die Pflicht. Vom Grundrecht auf Bildung all der anderen, die unter dem Verhalten Unbotmäßiger leiden, spricht hingegen niemand. Und auch nicht davon, dass Unruhestifter in der Schule gar nichts lernen, sondern nur ein Feld für ihr Imponiergehabe suchen. Statt die Opfer vor den Tätern in Schutz zu nehmen, werden die Täter zu Opfern gemacht. Und zwar auf Kosten der Opfer, die dadurch im Nachhinein ein zweites Mal zum Opfer werden.

Erfahrungen in New York mit gewalttätigen Schülern zeigen, dass hartes Durchgreifen sehr wohl etwas bringen kann, wenn kleinste Vergehen wie das Beschmieren von Wänden oder das Anzetteln einer Schlägerei mit drastischen Suspendierungen geahndet werden oder im Wiederholungsfall längere Ausschlüsse bis zur Streichung der Schulpflicht drohen. Und damit auch das pädagogische Personal das versteht, muss “Null Toleranz” auch für es gelten, wenn Vorfälle nicht zur Anzeige gebracht oder Gewalt einfach ignoriert oder verschwiegen wird, damit “der gute Ruf der Schule” nicht leidet.

[...] Ausgrenzung statt Integration muss auch eine Devise sein. Entzug der Schulpflicht zugunsten eines geordneten Betriebs an der Schule. Man muss der Institution Schule den Rücken stärken, damit Erziehung überhaupt wieder möglich wird.

In den letzten Jahren ist man genau umgekehrt verfahren. Man wollte erziehen und hat dabei den Bildungsauftrag vollkommen aus dem Auge verloren. Ohne die strikte Einhaltung von Mindestregeln des Anstandes, des Respekts und der Rücksichtnahme können aber weder Erziehung noch Bildung funktionieren. Wenn es harter und drastischer Maßnahmen dazu bedarf, um diesen Auftrag durchzusetzen, dann muss die Schule auch dazu in Stande versetzt werden. Wobei das Votum einstimmig und ganz klar für die Lernwilligen gegen die Lernunwilligen ausfallen muss. Die Täter und Störer müssen wissen, was sie riskieren, wenn sie mit ihrem Tun weiter fortfahren. [...]

Ende der Permissivität
Findet die permissive Gesellschaft nicht den Mut zum Aussprechen solcher “Wahrheiten” oder den Mut zu solchen notwendigen Korrekturen, dann schafft sie sich über kurz oder lang selbst ab. Verbote und klare Regeln sind nicht letzte, sondern notwendige Mittel, um soziale Ordnung aufrechtzuerhalten.

telepolis 03.04.2006: Regelschule im Ausnahmezustand

Harte Zeiten - harte Thesen.


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1 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) schulsozialarbeit meinte am 11.04.2006, 15:41 dazu:
" 

...bisschen weniger profilstark- doch vielleicht befördert ja aktuell derlei berichterstattung die wieder etwas mehr ans licht, die langjährige erfahrungen und fachliches know how mitbringen um diese probleme an schulen, in stadtteilen gemeinsam mit den schulen anzugehen. in der öffentlichen diskussione wird gerade so getan, als müssten hier völlig neue methoden und maßnahmen entwickelt werden. schulsozialarbeit / jugendsozialarbeit hat mannigfaltige gute und bewährte mittel, benachteiligte kinder und jugendliche adäquat zu fördern! gegen den rat verschiedenster fachleute wurden jedoch die mittel für die integration massiv gekürzt. Die kürzerInnen schreien jetzt nach einem integrationsgipfel!

http://news.jugendsozialarbeit.de/jsa/bagkjs/bagkjs.nsf klick: die rütlischule und der integrationsaufschrei

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