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Exkursion:Karlsruhe - Residenz des Rechts+Besuch einer Inszenierung von »Michael Kohlhaas«

Eine Exkursion nach Karlsruhe im Rahmen des Themenkreises "Recht und Gerechtigkeit" mit Besuchen beim BVG/BGH, im rechtshistorischen Museum und dem Platz der Grundrechte, passend zu den Lektüren "Die Räuber", "Michael Kohlhaas" und "Der Proceß". Am Abend schließt sich ein Theaterbesuch der Inszenierung von "Michael Kohlhaas" an (mit Vorschlägen zur Organisation und Arbeitsblättern zur Auswertung). Von Db (JKG Bruchsal).

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Eingetragen am 31.10.2008, 22:59 Uhr in Deutschunterricht | Die Räuber | Michael Kohlhaas |

3 x kommentiert, 164 x gelesen in 2012. Diesen Beitrag kommentieren.

Der folgende Beitrag wurde von Db (JKG Bruchsal) verfasst - vielen Dank!

„Bis nach Karlsruhe gehen“ - das geflügelte Wort ist bekannt, die Stadt selbst eher weniger. Ein Be-Gehen zusammen mit Schulklassen / Oberstufenkursen lohnt nicht nur zum Besuch des Schlosses und der vielen Museen. Hier einige Anregungen und Link-Tipps zur Vorbereitung einer Exkursion im Rahmen des Themenkreises „Recht und Gerechtigkeit“ (Deutsch-Abitur Baden-Württemberg, Pflichtlektüren ab 2007: F. Schiller „Die Räuber“ Kleist „Michael Kohlhaas“, F. Kafka „Der Proceß“), fächerübergreifend möglich z.B. mit G, GK, Eth.

Rund hundert Jahre nach der Badischen Revolution wurde mit der Ansiedlung der Hohen Gerichte Karlsruhes Tradition als "Residenz des Rechts" begründet. (...) Seither haben die Hohen Gerichte in dieser Stadt eine weltweit angesehene Rechtskultur geschaffen, die die Entwicklung der Bundesrepublik entscheidend mitbestimmt und unseren demokratischen Rechtsstaat gefestigt hat. (...) Und häufig blickt ganz Deutschland auf diese Stadt, wenn eine höchstrichterliche Entscheidung Normen für unser freiheitlich demokratisches Gesellschaftssystem setzt. "Man sagt Karlsruhe und meint damit den Rechtsstaat", brachte der frühere BGH-Präsident Dr. Walter Odersky diesen Tatbestand auf eine einprägsame Formel.

zitiert aus www1.karlsruhe.de/Stadtraum/Faecher/demokratie.de.htm

1. Besuch von Prozessen / Führungen durch die Gerichte

Sowohl im BVG (Bundesverfassungsgericht) als auch im BGH (Bundesgerichtshof) ist ein Besuch der öffentlichen Verhandlungen und/oder eine Führung möglich, allerdings unter Voranmeldung und strengen Sicherheitsauflagen.

Termine der nächsten Sitzungen und genaue Informationen finden sich unter www.bundesverfassungsgericht.de (Aktuell → Termine → am Ende der jeweiligen Pressemitteilung) und unter www.bundesgerichtshof.de (Presse/Infos → Besucherdienst).

2. Rechtshistorisches Museum

Im Bibliotheksgebäude des Bundesgerichtshofs (Herrenstraße 45a) befindet sich diese kleine, aber feine Museum. Es entstand aus einer Jubiläumsausstellung und wird von einem privaten Verein getragen, dessen derzeitiger Vorsitzender Dr. Detlev Fischer, Richter am BGH, ist. Daher sind die freien Öffnungszeiten z.Zt. begrenzt auf Dienstage (außer an Feiertagen) zwischen 10.00 und 12.00 Uhr. Gruppenführungen sind nach tel. Voranmeldung werktags in der Zeit von 18.00 bis 20.00 Uhr möglich. Wie im BGH müssen Sicherheitsauflagen beachtet werden (u.a. vorab Namensliste mit Geburtsdaten einreichen, Personalausweise mitbringen).

Weitere Informationen: www.rechtshistorisches-museum.de

Beginnend mit dem Codex Hammurabi um 700 v. Chr. - das Museum besitzt eine Nachbildung der berühmten, im Louvre in Paris befindlichen Diorit-Säule - und dem Griechischen sowie Römischen Recht werden die Grundlagen der späteren Rechtsentwicklung dargestellt. Es folgt die frühe deutsche Entwicklung mit Land- und Stadtrechten und die weitere Ausgestaltung der Rechtsordnung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, unter besonderem Einbezug des Reichskammergerichts. Anschließend werden die sogenannten Naturrechtsgesetzbücher - das Allgemeine Preußische Landrecht, der französische Code Civil - in den linksrheinischen Gebieten in der ursprünglichen Fassung und mit Modifikationen als Badisches Landrecht bis 1900 in Kraft - sowie das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch erläutert. Der Weg zur deutschen Rechtseinheit und die Entwicklung zum modernen Verfassungs- und Rechtsstaat werden im Einzelnen dokumentiert.

zitiert aus: www.rechtshistorisches-museum.de/rhmd.html

3. Platz der Grundrechte

Mit einem ungewöhnlichen Kunstwerk unterstreicht die Stadt Karlsruhe ihre Bedeutung als deutsche "Hauptstadt des Rechts": Am 2. Oktober 2005 wird der "Platz der Grundrechte" eingeweiht, ein Kunstwerk von Jochen Gerz für den öffentlichen Raum (...). Der "Platz der Grundrechte" - ursprünglich ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen des Bundesverfassungsgerichts - soll ein sperriges Thema erlebbar machen: Was bedeuten Recht und Gerechtigkeit für den Einzelnen, was für unsere Demokratie? (...) Gerz hat 48 prägnante Aussagen zu Recht und Gerechtigkeit aus Interviews zusammengestellt. Der Künstler konfrontiert 24 Aussagen von Juristen, Wissenschaftlern und Rechtsexperten mit ebenso vielen Statements von Personen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind oder bisher keine einschneidende Erfahrung mit dem Recht gemacht haben. Indem Gerz jeweils eine Antwort der befragten Gruppen auf die Vorder- und Rückseite eines Straßenschildes emailliert, stoßen zwei Ansichten zum Recht direkt aufeinander: "Die beiden Seiten könnten sich nicht näher sein, doch zweifellos sprechen sie Rücken an Rücken." (Gerz)

karlsruhe.de - Platz der Grundrechte

Hier ist kreativer Umgang mit dem Kunstwerk denkbar – z.B. Wörtlichnehmen der Künstler-Aussage durch lautes Vorlesen Rücken an Rücken usw.

(...) Das Kunstwerk ist zentral und dezentral zugleich angelegt. Der zentrale Ort befindet sich zwischen dem Karlsruher Zirkel und Schlossplatz, auf der historischen Achse der badischen Metropole. Dieser Ort wurde auf Vorschlag von Herrn Oberbürgermeister Heinz Fenrich vom Karlsruher Gemeinderat bestimmt und erhält den Namen "Platz der Grundrechte". Hier werden 24 Metallschilder montiert. Die gleiche Zahl Schilder wird als zweite Version des "Platz der Grundrechte" an ebenso vielen Orten der Stadt aufgestellt. Diese 24 dezentralen Standorte hat die Karlsruher Bevölkerung in drei Bürgerforen bestimmt (...).

karlsruhe.de - Platz der Grundrechte

Auf der Seite, von der die Zitate stammen, findet sich auch ein Link zu den Texten der weiteren, dezentral aufgestellten Schilder.

4. „Michael Kohlhaas“ im Badischen Staatstheater Karlsruhe, Spielzeit 08/09

Das Badische Staatstheater zeigt in seiner Außenstelle „INSEL“ (Karlstraße 49b) seine Version der Novelle „Michael Kohlhaas“ von H. v. Kleist, Premiere war am 21. Juni 2008. Der Ansatz ist „post mortem“ im Westernambiente und außer drei Stimmen aus dem Off ist nur ein Schauspieler in Aktion.

Abweichend von seinem historischen Vorbild trägt Kohlhaas bei Kleist den Vornamen Michael, was in seinem hebräischen Ursprung bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Die Karlsruher Inszenierung zäumt das Pferd von hinten auf und stellt diese Frage post mortem. Wie kann der tote Kohlhaas mit seinen Handlungen leben, für deren Fatalität er selber der nicht lebende Beweis ist? (...) Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Kann es eine Frage der Schadenssumme sein, wann das Private politisch wird?

Staatstheater Karlsruhe - Michael Kohlhaas (Spielzeit 08/09)

Übrig bleibt dennoch ein monumentales Textgebirge, bei dessen monologischer Durchmessung Marc-Phillip Kochendörfer bemerkenswert selten stolpert und durch variantenreichen Umgang mit Spiel und Sprache die verschiedenen Figuren plastisch werden lässt, ohne sie zu dick aufzutragen oder sie gar zu karikieren. Ebenfalls stimmig wirken die drei aus dem Off eingespielten Stimmen – neben Annika Martens und Timo Tank ist hier der unlängst verstorbene Friedhelm Becker als Martin Luther zu hören. Bußmann zeigt textnuancensichere Schauspielregie, ein Schuss Kohlhaas’scher Radikalität hätte gleichwohl nicht geschadet."

Staatstheater Karlsruhe - Michael Kohlhaas, Pressspiegel - dort übernommen von Badische Neueste Nachrichten vom 23.06.2008

Persönlicher Eindruck in Kürze:

+ -
Wirklich beeindruckende Leistung des einzigen Schauspielers Kein 'echtes' Theatergefühl, da Dialogpartner fehlen
Sehr durchdachte, stimmige Inszenierung (Bühnenbild, treffende Musikauswahl) Emotional bewegende Massenszenen (z.B. Abdecker - Volksaufstand) bleiben im reinen Nacherleben und -erzählen blass
Neue, verdichtende Symbole (Schachbrett, Aktenordner) Amulett und Zigeunerin fehlen ganz
Sehr textgetreu, keine Verfälschung (außer gestrichener Zigeunerin) Bis auf Schlusseffekt nichts Neues, hat einige Längen

Fazit: Der Theaterbesuch setzt, v.a. zum Verständnis der neuen Symbole, Textkenntnis eigentlich voraus, ist gut zur Wiederholung vor dem Abitur geeignet, weniger zur Einführung vor der Besprechung im Unterricht.

In der Nachbesprechung können die SchülerInnen sich mit der Symbolik der Inszenierung beschäftigen (Arbeitsblatt, PDF); die Arbeitsergebnisse können mit der fertigen Lösung verglichen werden (Lösungsblatt, PDF).

Derzeit bekannte Termine von „Michael Kohlhaas“ (Stand: November 2008) sind
Sonntag, 02.11, 20:00-22:15 Uhr
Sonntag, 16.11, 20:00-22:15 Uhr

Da die „Insel“ nur etwa 120 Plätze hat, empfiehlt sich rechtzeitige Reservierung. Für Schüler und Lehrer kostet eine Karte ermäßigt 5 Euro. Sie gilt ab drei Stunden vor Vorstellungsbeginn und bis Betriebsschluss auch als Fahrkarte im KVV (Karlsruher Verkehrsverbund).

Theaterkasse: www.staatstheater.karlsruhe.de/karten

Begleitende Materialien und Informationen sind über die Theaterpädagogen erhältlich.

Außerdem kann man, ebenfalls über die Theaterpädagogen vermittelt, eine Führung durch das „große“ Haus (am Ettlinger Tor) bekommen, welche einen sehr interessanten Einblick in den Theaterbetrieb gibt. Man lernt die Arbeit der Werkstätten (Schreinerei, Malersaal, Perückenknüpferei usw.) und die Bühnentechnik kennen, streift durch den Kostümfundus und steht auf, unter, neben der Bühne, so dass ihre beeindruckende Größe spürbar wird.
Die Führung ist bei Besuch einer Vorstellung am selben Tag kostenlos und dauert ca. 1,5 Stunden.

5. Weitere nützliche Links

(c) 2008 Db JKG Bruchsal

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3 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Monika Oberle meinte am 25.05.2009, 12:21 dazu:
" 

Während die sehr sehenswerte Karlsruher Michael Kohlhaas-Aufführung mit ihrer Monologlastigkeit die Zielgruppe Hauptschule vermutlich nicht ideal anspricht, möchte ich hiermit auch Haupt- und Realschullehrer/-innen mit einem Kurzbericht über einen rundum gelungenen Theaterbesuch ermuntern, gerade auch ihren Schüler/-innen z.B. Shakespeare auf der Bühne “zuzumuten”. Schule sollte einen Beitrag zur Förderung der kulturellen Teilhabe - aller - jungen Menschen in Deutschland leisten - ein gemeinsamer Theaterbesuch kann dabei ein wertvoller Baustein sein.

Mit einer sehr lebhaften Klasse 9 einer Karlsruher Hauptschule haben ihr Lehrer und ich es gewagt: “Was Ihr Wollt” im Karlsruher Schauspielhaus. Viele der Jugendlichen waren noch nie im Theater, geschweige denn im Staatstheater. Bei einigen herrschte Skepsis vor (“Theater, das ist nichts für mich, das weiß ich schon.”). Die zwei Schulstunden Vorbereitung am Vormittag, mit einer Art “Familienaufstellung” zu den zentralen Personen inklusive Fotos der Schaupspieler/-innen des Abends und einem kurzen Überblicksritt durch die Handlung per animierter Ppt.-Folien, einer kurzen Einordnung Shakespeares in die Theatergeschichte sowie Textarbeit an einigen Beispielszenen, weckten Interesse am Thema (Liebe! Schmachten! Feiern! Trug! Verkleidung! Kämpfen!), zeigten aber auch Befremdung und Scheu gegenüber der in Schriftform kompliziert und altmodisch daherkommenden Sprache. Auch der Lehrer und ich waren nicht sicher, ob die (nicht alle perfekt deutsch sprechenden) Schüler/-innen mit der Shakespeareschen Sprache zurechtkommen und Zugang zum Stück finden würden.

Doch das „Experiment“ hat sich gelohnt: die Jungs und Mädchen verließen das Theater begeistert, mit leuchtenden Augen; ein morgens noch besonders Skeptischer war besonders angetan und froh, mitgekommen zu sein – vielleicht hatte er Angst vor Überforderung gehabt? Oder er hatte eben bisher im Theater nur für ihn langweilige Stücke gesehen. Die Karlsruher „Was Ihr Wollt“-Aufführung jedenfalls ist durch ihre locker-flockige Inszenierung und die Fähigkeit der Schauspieler/-innen, die Shakespearesche Sprache so lebendig und gegenwärtig vorzutragen, dass man – auch die Schüler/-innen ! – glatt vergisst wie anders wir heute im Alltag reden und denken, ideal, auch ein junges Publikum und nicht unbedingt traditionelles „Bildungsbürgertum“ zu unterhalten, zu faszinieren und zu begeistern.

Die Schüler/-innen jedenfalls möchten wieder ins Theater. Und wenn ihnen dann ein Stück nicht gefällt, werden sie vermutlich nicht gleich die Institution Theater im Ganzen ablehnen, sondern folgern, dass ihnen dieses spezielle Stück bzw. die Inszenierung eben nicht gefallen. Vielleicht „schleppen“ die Jugendlichen sogar mal ihre Eltern mit ins Theater, die großteils ebenfalls das Schauspielhaus noch nicht von innen gesehen haben und möglicherweise auch nur aufgrund von Vorurteilen denken: „Das ist nichts für uns.“

Monika Oberle, Politikdozentin an der PH Karlsruhe

(#2) Desiree Paul meinte am 20.07.2009, 10:16 dazu:
" 

Nur eine zusätzliche Ergänzung. Wenn Jugendliche interessiert sind, gibt es bei entsprechendem Interesse auch die Möglichkeit, Praktika am Theater zu absolvieren.


Darüber hinaus bietet der - gemeinnützige - Freundeskreis des Badischen Staatstheaters einen Jugendclub: JuMus - Die Jungen Musengäule. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit, mit ihresgleichen, aber auch in Begleitung Erwachsener 4 - 5 mal im Jahr, ein spannendes Thema rund ums Theater kennenzulernen, Vorstellungen zu besuchen, Künstler persönlich kennenzulernen. Informationsflyer können über die Homepage (service oder jumus) angefordert werden. Auf jeden Fall wird das Theaterfest eine gute Gelegenheit bieten, Hintergrundinfos und persönliche Eindrücke zu sammeln.

Der Leiter des Jugendclubs meldet sich auch gerne zum persönlichen Gespräch: Schreiben Sie ein Mail an .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen), telefonisch tagsüber nicht erreichbar, da berufstätig. Telefonische Kontaktaufnahme 0721/146-1213(über Frau Goertz). Darüber hinaus bietet der Jugendclub - allerdings ohne altersspezifische Betreuung - die Möglichkeit zum Besuch von Bühnenorchesterproben und Hauptproben fast aller Produktionen. Hier ist aber erfahrungsgemäß eine sehr hohe Schwellenangst zu spüren, so dass dies ohne Anleitung eines Lehrers selten geschieht. Die Theater-Live-AG, ebenfalls Unterabteilung der Gesellschaft der Freunde, hat einen Realschul-Lehrer als “Chef”, welche auch ausgewählte Proben besuchen. Altersklasse hier eingeschränkt auf 15-18 Jahre. Kontaktaufnahme für Theater-Live-AG über den Verein.

(#3) Db meinte am 18.09.2009, 22:08 dazu:
" 

Da schau her, auch “Die Welt” liest (heimlich) Lehrerfreund-Artikel:

http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article4451835/Die-wo-recht-haben.html

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