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Frank McCourt ist mit seinen Korrekturen überfordert

Cover von McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer

Frank McCourt, Pulitzerpreisträger, hat ein Buch geschrieben, in dem er aus 30 Jahren seines Alltags als Highschool-Lehrer berichtet. Mit den Korrekturen hat er ein ähnliches Problem wie wir alle: die Selbstdisziplin.

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Eingetragen am 09.12.2006, 13:22 Uhr in Korrigieren | Nachrichten |

5 x kommentiert, 144 x gelesen in 2012. Diesen Beitrag kommentieren.

Zur Zeit lese ich Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen - die Autobiografie eines Lehrers, der 30 Jahre lang an amerikanischen Highschools v.a. Englisch unterrichtet hat. Bekanntestes Werk von Frank McCourt ist Die Asche meiner Mutter.

Mit das Schlimmste an seiner Lehrtätigkeit sind - natürlich - die Korrekturen.

Bat man alle Schüer in seinen fünf Klassen, pro Nase dreihundertfünfzig Wörter zu schreiben, und multiplizierte dann 175 mit 350, ergab das 61 250 Wörter, die man abends und am Wochenende lesen, korrigieren, beurteilen und benoten mußte. [...] Man mußte Rechtschreibfehler, falsche Grammatik, schlechte Gliederung, schwache Übergänge und allgemeine Flüchtigkeitsfehler korrigieren. Man mußte Vorschläge zum Inhalt machen und einen Kommentar zur Erläuterung der Note schreiben. Man erinnerte die Schüler, daß es keine Pluspunkte für Arbeiten gab, die mit Ketchup, Mayonnaise, Kaffee, Cola, Tränen, Fettflecken oder Schuppen verziert waren. Man gab ihnen den eindringlichen Rat, die Arbeiten an einem Schreibtisch oder einem normalen Tisch zu verfassen und nicht im Zug, im Bus, auf einer Rolltreppe oder im Trubel von Joes Pizzeria nebenan.

Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen. Luchterhand 2005, S. 242f. 19.95 Euro.

Sein - und wohl unser aller - Hauptproblem ist die Selbstdisziplin, was das Korrigieren am heimischen Herd betrifft:

Jeden Tag trug ich Bücher und Klassenarbeiten in einer braunen Kunstledertasche nach Hause, mit dem Vorsatz,mich gemütlich im Sessel niederzulassen und die Arbeiten zu lesen, aber nach einem Tag mit fünf Klassen und hundertfünfundsiebzig Teenagern hatte ich nicht die geringste Neigung, auch noch den Abend mit ihren Elaboraten zu verbringen.
[...]
Die Tasche stand in einer Ecke neben der Küche auf dem Boden, nie ganz außer Sicht oder aus dem Sinn, ein Tier, ein Hund, der auf Zuwendung wartet. Sie ließ mich nicht aus den Augen. Ich wollte sie aber auch nicht in einem Schrank verstecken, aus Angst, ich könnte völlig vergessen, daß ich noch Arbeiten korrigieren mußte.

Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen. Luchterhand 2005, S. 243. 19.95 Euro.

Ich finde, er bringt es in dieser Stelle sehr hübsch auf den Punkt, welch sinnlose Wörterflut man sich als LehrerIn doch häufig reinzieht - und wie wenig Lust man oft dazu hat. Das heißt natürlich NICHT, dass wir während des Korrekturvorgangs niemals wertvolle, schöne oder sentimentale Momente erleben. Aber 5 Klassen mal 25 SchülerInnen mal 350 Wörter gibt einfach 60.000 Wörter. Eine “normale” DIN A4-Buchseite hat ca. 250 Wörter. Damit entsprechen Franks wöchentliche Korrekturen 240 Buchseiten - einem dicken Roman, den er Wort für Wort durchackern und korrigieren muss.

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5 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Gerd Haehnel meinte am 16.12.2006, 18:33 dazu:
" 

Und ich glaube die Korrektur-Situation wird nicht besser, denn z.B. in NRW herrscht nach meiner Beobachtung mittlerweile Deutschlehrermangel, also verteilen sich die Korrekturen auf immer weniger KollegInnen. Ich habe z.B. im Augenblick fünf Korrekturen, überwiegend in 9, 10 und 12. Und da ist Disziplin natürlich wichtig, wenn man es schaffen will, keine Klassenarbeiten mit in die Weihnachtsferien zu nehmen. Aber genauso wichtig ist eine durchdachte Korrekturstrategie. Ich habe begonnen, hier nach Entlastungsmöglichkeiten zu suchen, und so entstand u.a. die Idee von Bewertungsbögen für Klassenarbeiten. Freundlicherweise haben sich KollegInnen aus der Mailingliste Deutschunterricht bereit erklärt, solche Bögen (insgesamt schon 8) im Forum Deutschunterricht zur Verfügung zu stellen. Wer sich dafür interessiert, der findet sie zum kostenlosen Download hier:
http://www.schule-deutsch.de/forum/thread.php?postid=44#post44
Vielleicht kann ja die eine oder der andere diese Sammlung auch noch vergrößern.

Damit könnten im Laufe der Zeit die Chancen auf möglichst korrekturfreie Weihnachtsferien, die ich uns allen von Herzen wünsche, steigen!

Gerd Haehnel

(#2) Deutschlehrer meinte am 16.12.2006, 20:44 dazu:
" 

Ich kann Herrn Haehnels Kommentar nur unterstreichen. Ich beneide - auch auf die Gefahr hin übelst beschimpft zu werden - alle Sport- und Kunstlehrer, die nicht Klausuren im Umfang über z.T. über 1000 Wörtern pro Klausur korrigieren müssen. Mein Vorsatz, mich in aller Ruhe zu Hause bei guter Musik zum Korrigieren niederzulassen scheitert nicht daran, dass ich keine Muße mehr habe, sondern daran, dass ich nach spätestens 3 Klausuren anfange an mir zu zweifeln: Ist mein Unterricht tatsächlich so inhaltsleer wie diese Klausuren? Dann steigt so langsam mein Frustrationspotential und peu à peu lässt meine Konzentration nach (und die Unlust wächst)...

(#3) Keybert meinte am 03.01.2007, 16:21 dazu:
" 

Vielleicht sollte man die Klausuren unter drei Aspekten angehen:
1. Auch nach einer Einheit sind Schüler/innen niemals perfekt
2. Und was sie manchmal als Vorlage kriegen, ist nicht selten eine Zumutung (Kafka z.B.)
3. Manche schreiben - bewusst oder unbewusst - wie Autoren des Hyperexpressiodadaismus ... und wir erkennen den künstlerischen Wert nicht cool grin

(#4) angehende lehrerin meinte am 21.08.2007, 22:39 dazu:
" 

Frank McCourt’s Buch ist im Original viel authentischer und treffender! Eine wunderbare Sommerlektüre, die mir als noch-nicht-lehrerin einfach nur mut macht! grin

thanks mr. McCourt!

(#5) Elke Matthes meinte am 22.02.2008, 19:55 dazu:
" 

Dear Mr. Frank Mc Gourt,

I have the Hear Book and The DVD ” The ash of My Mother”. Could you please tell me how you mean the title is mean? The Ash in the fireplace?

Best Wishes
Elke Matthes

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