Frank McCourt ist mit seinen Korrekturen überfordert
Frank McCourt, Pulitzerpreisträger (Die Asche meiner Mutter), hat ein Buch geschrieben, in dem er aus 30 Jahren seines Alltags als Highschool-Lehrer berichtet. Mit den Korrekturen hat er ein ähnliches Problem wie wir alle: die Selbstdisziplin.
Zur Zeit lese ich Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen - die Autobiografie eines Lehrers, der 30 Jahre lang an amerikanischen Highschools v.a. Englisch unterrichtet hat.
Mit das Schlimmste an seiner Lehrtätigkeit sind - natürlich - die Korrekturen.
Bat man alle Schüer in seinen fünf Klassen, pro Nase dreihundertfünfzig Wörter zu schreiben, und multiplizierte dann 175 mit 350, ergab das 61 250 Wörter, die man abends und am Wochenende lesen, korrigieren, beurteilen und benoten mußte. [...] Man mußte Rechtschreibfehler, falsche Grammatik, schlechte Gliederung, schwache Übergänge und allgemeine Flüchtigkeitsfehler korrigieren. Man mußte Vorschläge zum Inhalt machen und einen Kommentar zur Erläuterung der Note schreiben. Man erinnerte die Schüler, daß es keine Pluspunkte für Arbeiten gab, die mit Ketchup, Mayonnaise, Kaffee, Cola, Tränen, Fettflecken oder Schuppen verziert waren. Man gab ihnen den eindringlichen Rat, die Arbeiten an einem Schreibtisch oder einem normalen Tisch zu verfassen und nicht im Zug, im Bus, auf einer Rolltreppe oder im Trubel von Joes Pizzeria nebenan.
Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen. Luchterhand 2005, S. 242f. 19.95 Euro.
Sein - und wohl unser aller - Hauptproblem ist die Selbstdisziplin, was das Korrigieren am heimischen Herd betrifft:
Jeden Tag trug ich Bücher und Klassenarbeiten in einer braunen Kunstledertasche nach Hause, mit dem Vorsatz,mich gemütlich im Sessel niederzulassen und die Arbeiten zu lesen, aber nach einem Tag mit fünf Klassen und hundertfünfundsiebzig Teenagern hatte ich nicht die geringste Neigung, auch noch den Abend mit ihren Elaboraten zu verbringen.
[...]
Die Tasche stand in einer Ecke neben der Küche auf dem Boden, nie ganz außer Sicht oder aus dem Sinn, ein Tier, ein Hund, der auf Zuwendung wartet. Sie ließ mich nicht aus den Augen. Ich wollte sie aber auch nicht in einem Schrank verstecken, aus Angst, ich könnte völlig vergessen, daß ich noch Arbeiten korrigieren mußte.
Frank McCourt: Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen. Luchterhand 2005, S. 243. 19.95 Euro.
Ich finde, er bringt es in dieser Stelle sehr hübsch auf den Punkt, welch sinnlose Wörterflut man sich als LehrerIn doch häufig reinzieht - und wie wenig Lust man oft dazu hat. Das heißt natürlich NICHT, dass wir während des Korrekturvorgangs niemals wertvolle, schöne oder sentimentale Momente erleben. Aber 5 Klassen mal 25 SchülerInnen mal 350 Wörter gibt einfach 60.000 Wörter. Eine “normale” DIN A4-Buchseite hat ca. 250 Wörter. Damit entsprechen Franks wöchentliche Korrekturen 240 Buchseiten - einem dicken Roman, den er Wort für Wort durchackern und korrigieren muss.
Beitrag vom 09.12.2006, 11:22 | diesen Beitrag versenden
http://www.schule-deutsch.de/forum/thread.php?postid=44#post44
Vielleicht kann ja die eine oder der andere diese Sammlung auch noch vergrößern.
Damit könnten im Laufe der Zeit die Chancen auf möglichst korrekturfreie Weihnachtsferien, die ich uns allen von Herzen wünsche, steigen!
Gerd Haehnel
1. Auch nach einer Einheit sind Schüler/innen niemals perfekt
2. Und was sie manchmal als Vorlage kriegen, ist nicht selten eine Zumutung (Kafka z.B.)
3. Manche schreiben - bewusst oder unbewusst - wie Autoren des Hyperexpressiodadaismus ... und wir erkennen den künstlerischen Wert nicht
thanks mr. McCourt!
I have the Hear Book and The DVD " The ash of My Mother". Could you please tell me how you mean the title is mean? The Ash in the fireplace?
Best Wishes
Elke Matthes
 
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