Gelungene Einstiege im Geschichtsunterricht - Skript
Skript zu Gerhard Schneider: Gelungene Einstiege. Voraussetzung für erfolgreiche Geschichtsstunden. 4., vollst. überarb. u. erg. Aufl. Schwalbach 2004, S. 7-26.
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Eingetragen am 27.08.2006, 19:41 Uhr in Geschichtsunterricht | Fachdidaktik Geschichte |
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Das Buch Gerhard Schneider: Gelungene Einstiege. Voraussetzung für erfolgreiche Geschichtsstunden (amazon-Link) kostet 14.30 Euro. Das hier verfügbare Skript (pdf) fasst die wichtigsten Inhalte der Seiten 7-26 zusammen.
Inhalt des Skripts “Gelungene Einstiege im Geschichtsunterricht” (pdf)
Gerhard Schneider: Gelungene Einstiege. Voraussetzung für
erfolgreiche Geschichtsstunden, Schwalbach 2004, S. 7-26.
1. Vorbemerkungen
- Kritik Bodo von Borries: Geschichtsdidaktik vernachlässige die Unterrichtspraxis- und methodik.
- Wahrscheinlich wird man die Gründe für erfolgreiches Unterrichten (und Lernen) dann am zuverlässigsten herausfinden können, wenn man die Wirksamkeit unterrichtlicher Strategien in kleinen Unterrichtsanschnitten nachgeht und nicht einer unbewiesenen Überzeugung nachhängt, dass als besonders fortschrittlich erachtete Globalkonzepte, wie z.B. Handlungsorientierung, Schülerorientierung oder Gruppenunterricht den Lernerfolg automatisch und sicher garantieren würden.
- Eingangsphase dient:
1. Wiederholung
2. Einstimmung
3. Vorbereitung des neuen Stoffes
4. Hinführung
5. Anknüpfung
6. Zielangabe
7. Problemstellung
8. Hypothesenbildung
9. Motivation (Warming up)
Der Erfolg einer Geschichtsstunde scheint nicht unwesentlich davon abzuhängen, wie der Unterricht eröffnet wird.
- Günstig für den Verlauf einer Unterrichtsstunde dürfte es sein, wenn bereits der Einstieg dem Schüler die Chance eröffnet, seine Welt der Vergangenheit weiter auszugestalten. Es sollte also beim Einstieg darauf geachtet werden, dass das in dieser Phase benutzt Material die Imagination der Schüler beflügelt.
2. Die Funktion der Einstiege in der geschichtsdidaktischen Diskussion
- Lernprozess vollzieht sich in 5 Stufen:
1. Vorbereitung Einstieg ist Teil der Vorbereitung
2. Darbietung
3. Verknüpfung
4. Ordnung
5. Anwendung
- Verfahren ‚Einstieg’
| früher (1960er) | heute |
| - Einstieg soll an das früher Gelernte anknüpfen - Lehrer nennt dann Thema der Stunde (deduktiv) und nennt Bedeutung des Lehrgegenstandes Zweck: | - Einstieg hat eine integrierende Funktion; er verhindert, dass der Unterricht, wenn er komplizierter wird, eine Dynamik entfaltet, die sich von dem löst, was ursprünglich eigentlich geklärt werden sollte. Zweck: |
| -> starke Abhängigkeit des Schülers von den Vorgaben des Lehrers -> Lehrer trifft Entscheidungen über inhaltlichen Zugang, über mögliche Unterrichtsverfahren, über Schwerpunktsetzung meist ganz allein | -> Schüler sollen beim Beginn der Unterrichtsstunde über Planung und Durchführung des Unterrichts diskutieren, ihre Einstellungen und Vorurteile zu einem Thema artikulieren, schon Kenntnisse, Erfahrungen und Wünsche bezüglich des anstehenden Themas äußern etc. -> Am Ende der Einstiegsphase sollen die Schüler eine Vorstellung davon haben, was wie warum und wie lange im Unterricht behandelt werden soll. |
- Phasen des Geschichtsunterrichts:
1. Motivation als Einstieg
2. Arbeitsphase (neuer Stoff soll erarbeitet werden)
3. Transfer (Schüler sollen die Handlungsrelevanz des Gelernten in Erfahrung bringen bzw. das Gelernte bei der Bearbeitung anderer Probleme oder bei aktuellen (politischen) Entscheidungen sinnvoll anwenden.
- Zweck:
1. Planungsgespräch Einstieg soll auch bereits die in der Arbeitsphase angestrebten Informationser- und –verarbeitung sowie die Wege, die zur Urteilsbildung führen können, vorplanen und die späteren Arbeitsschritte strukturieren.
2. Motivations- und Aktivierungsfunktion (Gerade wenn es in der Einstiegsphase gelingt durch geeignetes Material widersprüchliche, dem Allgemeinempfinden widersprechende Eindrücke zu vermitteln, darf mit länger anhaltender Motivation bei Schülern, gar mit Lust an der Exploration gerechnet werden.)
3. Er soll durch Anbahnung kontroverser Diskussionen, ggf. auch durch Provokation, zur Entwicklung von Arbeitshypothesen führen. ( Es müssen um das Schülerinteresse zu aktivieren solche Fragen aufgeworfen werden, die es den Schülern sinnvoll erscheinen lassen, sich mit dem betreffenden Sachverhalt über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Viel ergiebiger, weil die Lernmotivation
dauerhafter erhaltend ist, ist es, wenn sich aus den sich möglicherweise widersprechenden Fragen bzw. Behauptungen der Schüler kontroverse Hypothesen ergeben, die für den Schüler Anreiz beinhalten, der Sache auf den Grund gehen zu wollen.)
3. Einstiege – so oder so? Kontroversen über Einstiegsphase
- Es muss die Funktion des Einstiegs klar geklärt sein, bevor man sich für eine bestimmte methodische Form entscheidet.
- In den meisten Fällen verhilft die Wahl eines bestimmten Verfahrens zur Erreichung gleich mehrer, in der Eingangsphase angestrebter Ziele.
- Kontroverse:
contra (Jochen und Monika Gell) | pro (Horst Rumpf/Martin Wagenschein) |
- auf dem Weg des informierenden Einstiegs soll sofort zur ‚Sache’ gekommen werden - Schüler sollen mit Ungewöhnlichen verunsichert werden, um sie auf eine falsche Fährte zu locken - Lehrer würden sich bei der Planung des Unterrichtsbeginns den Kopf darüber zerbrechen, wo und wie sie sicher – von Schülern unbemerkt – in deren Erfahrungs- und Themenhorizont einsteigen können. Dazu würden sie raffinierte Ablenkungsmanöver starten. (didaktische Kuckuckseier) - Gag-Didaktik: spektakuläre, animationsartige Einstieg | - Wenn es stimmt, dass menschliches Handeln von Anziehungs- und Anreizkräften von außen bzw. von inneren Antrieben beeinflusst ist, wenn es also Schub- und Zugfaktoren für die Motivation gibt, dann müssen in der Eingangsphase solche Materialien zum Einsatz kommen, die genau auf die Aktivierung dieser Voraussetzungen für das Handeln abzielen. - Es schadet nicht, wenn Schüler zu Beginn der Stunde auf den neuen Stoff neugierig gemacht werden etc.; danach muss eine klare Zielsprache (ggf. mit Problematisierung) kommen, dass Schüler ernst genommen werden müssen. - In der Einstiegsphase soll jedoch nicht der Beliebtheit Tür und Tor geöffnet, sondern Geist und Sinne und Imaginationskraft herausgefordert werden. - ‚unkonventionelle Einstiege’: Man müsse den Einstieg nicht unbedingt von ganz unten, vom einfachen her, beginnen; man solle vielmehr sofort eine relativ komplexe und damit die Spontaneität des Kindes herausfordende Frage vornehmen. |
- „Erstaunliche Phänomene“ des Einstiegs sollen nicht zerredet werden; Schüler sollen vielmehr das Erstaunliche beobachten und dann benennen und auf den Begriff bringen können.
- Ein Einstieg, der in keinem Zusammenhang mit dem nachfolgenden Unterrichtsthema steht, ist zu verwerfen, weil das daraus resultierende Schülerinteresse nur kurz aufflackern würde, um dann ins Leere zu laufen.
- Einstieg = Teil des Unterrichtsgegenstandes: Da bereits hier das Denken der Schüler auf bestimmte, vom Lehrer ggf. in Zusammenarbeit mit den Schülern fixierte Ziele gelenkt werden soll, die ja nicht losgelöst vom Unterrichtsgegenstand der Stunde sind, ist eine enge Verzahnung von Eingangsphase und späterer Arbeitsphase unabdingbar.
- Nichts ist wichtiger als Erfolg und Bestätigung, und wenn die Schüler erkennen, dass sie die in der Eingangsphase aufgekommenen Fragen durch Arbeit an Quellen und Materialien in einer sie befriedigenden Weise beantworten können, ist schon viel gewonnen. (Einstieg keine Eigendynamik, vgl. Gieseke)
- Einstiege sollen jenen Reiz auslösen, der eine weitere Beschäftigung mit einem Thema als lohnend und belohnend erscheinen lässt.
4. Was Einstiege leisten sollen
- Er ist ein immer wiederkehrendes Ritual.
- Er ist Bestandteil einer jeden Unterrichtsplanung und integrativer Bestandteil eines Unterrichtsgegenstandes, zu dem er hinführt.
-> In jedem Fall steht das, was den Schülern in der Einstiegsphase an Material, Bild, Spiel, Text, mündlicher Information usw. angeboten wird, thematisch im engen Zusammenhang mit dem Lerngegenstand der Arbeitsphase.
- Einstieg soll Freiräume für Spekulationen lassen (spontane Fragen, Entdeckung von Problemen)
-> Neugier wecken, Staunen hervorrufen, Identifikation ermöglichen und Problembewusstsein schaffen sind jene Impulse, die die Schüler in der Eingangsphase am besten mit dem Unterrichtsgegenstand in Beziehung bringen. (vgl. Hug)
- An dem Ende der Einstiegsphase müssen die Lernenden genau wissen, was in der betreffenden Stunde behandelt werden soll.
- In der Eingangsphase sollen immer auch die Gefühle und Stimmungen, Werthaltungen, Vorstellungen und Vorurteile, die der ins Auge gefasste Unterrichtsinhalt bei Schülern auslöst, angemessene Berücksichtigung finden. (emotionale Beschäftigung mit dem historischen Sachverhalt)
- z. B. durch Inszenierung der Einstiegsfiguren:
1. Verfremdung durch Rollenspiel
2. Polarisierung durch Streitgespräche
3. Provokation durch Vorspielen einer (vorbereiteten) Szene, in der zwei oder drei Schüler sich Stereotypen oder vorbereitete Vorurteile an den Kopf werfen
- In der Eingangsphase des Unterrichts muss die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass ich Schüler dem Neuen öffnen, dass sie neugierig werden auf das, was kommt, dass sie sich historisch anstecken lassen.
- Verbindung von Kopf- und Handarbeit in der Eingangsphase: Das angestrebte Ziel eines jeden Einstiegs soll es sein, Schülern auf geeignete Weise neben kognitiven auch affektive und psychomotorische Zugänge zu den Unterrichtsinhalten zu eröffnen.
- Einstiege sollen überschaubar und zeitlich auf wenige Minuten begrenzt sein.
-> Am Ende kennen die Schüler den Lerngegenstand der Stunde; sie sollten darüber hinaus wissen, auf welche Art und Weise das Ziel der Stunde erreicht werden soll.
-> Sie darf weder in inhaltlicher noch in methodischer Hinsicht überfrachtet werden.
-> keine zu großen Kontraste zu der nüchternen Arbeitsphase (Gefahr: kontraproduktiv)
- Skript: Gelungene Einstiege (pdf)
- Amazon-Link: Gerhard Schneider: Gelungene Einstiege. Voraussetzung für erfolgreiche Geschichtsstunden
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