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Skript: Die Gordon-Methode

Gerade im schulischen Alltag kann uns die Gordon-Methode bei Konflikten behilflich sein. Die Ausführungen sollten nicht unbedingt als wasserdichtes, starres Konzept betrachtet werden, sondern zu fruchtbarer Reflexion über eigene Interaktionsstrategien und Rollenrealitäten anregen.

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Eingetragen am 16.05.2004, 20:25 Uhr in Paedagogik | Methoden |

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Konfliktlösung nach der Gordon-Methode

Ein Skript nach den Ausführungen des Kollegen Dick, in Bovet/Huwendiek: Leitfaden Schulpraxis 1994:447-460

Zum Umgang mit Konflikten im Schulalltag: Die Gordon-Methode

Es gibt zunehmend mehr Konflikte zw. Schülern und Lehrern. Wie mit ihnen umgegangen wird, hat Einfluss auf Klima in der Klasse. Und tatsächlich sind die Lehrer überfordert (Werteverfall usw.). Nicht die Kategorie “Erziehung” ist vorrangig gefragt, sondern Verständnis und Auseinandersetzung.

Ziel der L muss es sein, Berufsfreude, -zufriedenheit zu bewahren und Zeit zu haben für befriedigende Unterrichtsarbeit.

Die Bedeutung der Gordon-Methode

Grundfrage Gordons: Wie kommt es, dass LehrerInnen und Eltern im Umgang mit Kindern Methoden anwenden (=den Kindern Leid zufügen), die ihren Absichten geradewegs zuwiderlaufen? Alle L sagen, dass sie Konflikte auf demokratische Weise (also in fruchtbarem Miteinander) lösen wollen - wenn es zu einer Problemsituation kommt, wenden sie aber Methoden an, die sie theoretisch verurteilen.
——> Bücher “Familienkonferenz”, “Lehrer-Schüler-Konferenz”; Kurse in Gordon-Methode werden seit 70ern millionenfach besucht (US und D)

Dick meint: G-Methode ist kein Patentrezept, vermittelt aber wertvolle Einsichten und Fähigkeiten, mit Konflikten im Schulalltag umzugehen.

G-Methode in Grundzügen

“Die folgende Kurzdarstellung ... ersetzt nicht den Besuch eines Gordon-Lehrertrainings oder die intensive Lektüre der L-S-Konferenz.”

DAS VERHALTENSRECHTECK DES LEHRERS

DU hast das Problem<——————Fähigkeiten unterstützen
Annehmbares VerhaltenLern- und Arbeitsbereich<——————fördern
vergrößern
Unannehmbares VerhaltenICH habe das Problem<——————konfrontieren
Methode III
beeinflussen

Ziel des Unterrichts: Herstellung einer Atmosphäre, in der fruchtbares Lernen und Arbeiten möglich ist (“Lern- und Arbeitsbereich”).

Es gibt zwei Grundtypen

- Ich habe ein Problem (Schülerverhalten verletzt meine Bedürfnisse, ärgert mich, bereitet mir Angst usw.): EFFEKTIVES KONFRONTIEREN MIT ICH-BOTSCHAFTEN
- S haben Probleme, bei denen ich ihnen helfen möchte: AKTIVES ZUHÖREN

*** Welche Lösungswege sind ungeeignet?

Ein S hat Schwierigkeiten, mit einer Aufgabe fertig zu werden:
verurteilen, kritisieren, widersprechen, beschuldigen Du gibst dir einfach keine Mühe. herabsetzend und deshalb nicht hilfreich
beschimpfen, etikettieren Du führst dich auf wie ein Versager.
analysieren, interpretieren Du hast einfach keine Lust, dich anzustrengen.
befehlen, kommandieren -> S kriegt Gefühl, dass sein Problem nicht ernst genommen wird: “Sprache der Nichtannahme” (Gordon)
drohen, warnen
moralisieren
Lösungen anbieten
belehren, Vorträge halten
loben, positive Bewertungen geben Schwierigkeiten des S werden als unbedeutend oder eingebildet hingestellt.
beruhigen, trösten
Fragen stellen (um Problem für S lösen zu wollen) S kriegt da Gefühl, nicht in Ordnung zu sein
Ablenken, sarkastisch sein, zerstreuen

Viel besser ist doch

*** Aktives Zuhören

Um zu erkennen, ob ich die Botschaft meines Gesprächspartners richtig verstanden habe, kann ich ihm eine Rückmeldung geben, welche die zwei bedeutsamen Elemente dieser Botschaft widerspiegelt: Die Worte und die zugrunde liegenden Gefühle: Aktives Zuhören. ICH GEBE ALSO DIE WORTE SAMT DER DAHINTER LIEGENDEN BOTSCHAFT ZURÜCK.

Beispiel
S macht sich Sorgen wegen der Klassenarbeit, die da kommt. Er will seine Angst nicht zeigen und sagt: “Werden wir schon bald eine Arbeit schreiben?” L macht nun Entschlüsselungsversuch; er vermutet Angst und Besorgnis: “Es macht dir Sorgen, bald geprüft zu werden.” Entweder S bestätigt, dann weiß L, dass er verstanden hat, und S weiß, dass er verstanden wurde.
Wenn aber andere Ursache, z.B. er hat Angst, dass es ein Aufsatz sein wird, und Aufsätze kann er nicht. Dann kann weitere Unterhaltung so verlaufen:

S: Nein, ich weiß nur nicht, was für eine Arbeit Sie schreiben werden. Und ich fürchte, dass es ein Aufsatz wird.
L: Ach, du machst dir Sorgen über die Art der Arbeit, die wir schreiben werden.
S: Ja, Aufsätze liegen mir nicht.
L: Aha, du meinst, dass du in naturwissenschaftlichen Arbeiten besser bist?
S: Ja, Aufsätze verhaue ich immer.
L: Es werden mehrere Themen zur Wahl stehen.
S: Schön! Jetzt mache ich mir keine Sorgen mehr.

Wenn eine Rückmeldung also nicht trifft, muss man seine Botschaft so lange wiederholen/modifizieren, bis Sicherheit besteht, dass verstanden wurde.

und dann erfrecht er sich doch und schreibt: “ich habe vorhin von der zauberkräftigen wirkung des aktiven zuhörens gesprochen. dies mag etwas pathetisch klingen, aber bla bla .... einer meiner ersten und überaus erfreulichen erfahrungen mit der gordon-methode machte ich bei dem versuch, einen streit zwischen einem schüler der 8. klasse und dessen klassenkameradin zu schlichten, und zwar nur durch anwendung von aktiven zuhörens. es wirkte damals fast wie ein kleines wunder auf mich, dass der streit innerhalb weniger minuten zu einem glücklichen ende gebracht werden konnte und die beiden kontrahenten in der folgezeit GUTE FREUNDE WURDEN.” (Hervorhebungen Lehrerfreund)

Effektives Konfrontieren mittels Ich-Botschaften

Ich-Botschaften, wenn L das Problem besitzt. Meistens werden Du-Botschaften eingesetzt (Lass das! Du benimmst dich wie ein kleines Kind usw.); diese beinhalten aber Aussagen über Schüler und werden i.d.R. als negativ bewertend empfunden -> keine Bereitschaft zur Verhaltensänderung. Ich-Botschaften hingegen enthüllen Gefühle.

3 Bestandteile der Ich-Botschaft

1. wertungsfreie Beschreibung des störenden Verhaltens
2. konkrete Folgen für mich, die sich aus dem Verhalten ergeben
3. Schilderung des Gefühls, das bei mir ausgelöst wird.
“Wenn du die Füße in den Gang streckst, stolpere ich leicht darüber, und ich fürchte, dass ich fallen und mir wehtun werde.”
Ganz wichtig und schwierig ist 2. (die konkrete Folge) - wenn diese S nicht stichhaltig erscheint, ändern sie ihr Verhalten nicht.
Letztlich gewinnt durch solche Ich-Botschaften die Beziehung zu den Schülern an Intensität und Befriedigung.
!!! Man sollte nie Wut oder Zorn ausdrücken in der Ich-Botschaft: wird von S als herabsetzend empfunden.

*** Ich-Botschaften und Methode III

Wenn ein Problem nicht durch Ich-Botschaften (oder akt. Zuhören) zu lösen ist, kommt es zum Konflikt.
Methode I: L setzt sich durch auf Kosten der S
Methode II: S setzen sich durch auf Kosten des L

Forderung: Niederlagenlose Konfliktbewältigung
[es folgt ein Gesprächsbeispiel, an dessen Ende alle wieder glücklich und befreundet sind]

Der Problemlösungsprozess durchläuft im Prinzip 6 Stufen:

1. Definition des Problems/Klärung der Bedürfnisse
2. Sammlung möglicher Lösungsvorschläge
3. Wertung der Lösungsvorschläge
4. Entscheidung für die beste Lösung
5. Richtlinien für die Realisierung der Entscheidung
6. Bewertung der Effektivität der Lösung

Also: Eingrenzen des Problems, Lösungen sammeln, Konsens, Umsetzung

*** Warum scheitern Ich-Botschaften häufig? (Auszug 3 von 4)

1. unangemessener Ausdruck (Unechtheit, z.B. Körpersprache): S glaubt mir nicht, dass das Verhalten auch mich so störend wirkt, wie ich behaupte
2. nach einer sauberen Ich-Botschaft besitzt oft der S das Problem (Mich stört es, dass du deine Hausaufgaben nicht machst bla -> S hat nun Angst)-> keine weiteren Ich-Botschaften, sondern aktives Zuhören.
3. Es handelt sich nicht um einen Bedürfnis-Konflikt, sondern um einen Wertekonflikt. Bei Wertekonflikten sind oben beschriebene Verfahren meist unzureichend. Dann gilt es nachzudenken (keine konkreten Angaben) -> Werte- und Bedürfniskonflikt lassen sich nicht leicht unterscheiden (Stricken im Unterricht: Wert Freiheit? (Bsp. v. Der Lehrerfreund (http://www.lehrerfreund.de)))

*** Macht und Ohnmacht

Zentrales Problem bei Auseinandersetzungen ist Macht-Ohnmacht. Gordon fordert, dass man diese Strukturen bei der Konfliktlösung NICHT einsetzt. “Du kannst dich in einer Situation entschließen, auf den Gebrauch von Macht zu verzichten, wenn du das willst.” (Dick)

*** Fazit

1. L muss nicht nach Perfektion streben, soll als Person für Schüler fassbar werden -> macht Job unstressiger. Aber: Man wird verletzlicher.
2. Zuhören lernen (aktives Zuhören!) ist wichtig, um Verständnis für den anderen zu erlangen. Andererseits muss man auch seine eigenen Bedürfnisse erkennen und vertreten (Ich-Botschaften)
3. Wichtig: WER besitzt das Problem? Aber: Wir können nicht alle Probleme unserer Schüler lösen.
4. Bei Wertekonflikten ist es hilfreich, die eigenen Wertvorstellungen zu überprüfen
5. Erst wenn in der Schule richtige Partnerschaft (zw. L und S) besteht, kann man richtig arbeiten.

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