Klassenarbeit: Kreativer Schreibauftrag zu Kabale und Liebe III,4 (Luise)
Im Drama "Kabale und Liebe" verlässt Ferdinand am Ende von III,4 ergrimmt die Bühne ("Ein Liebhaber fesselt dich, und Weh über dich und ihn, wenn mein Verdacht sich bestätigt! (Geht schnell ab.)"). Ein kreativer Schreibauftrag in Form einer Klassenarbeit mit einigen Hinweisen zur Durchführung/Bewertung.
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Eingetragen am 18.09.2008, 16:51 Uhr in Deutschunterricht | Literatur | Kabale und Liebe | Kreatives Schreiben |
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Der kreative Schreibauftrag kann in einer Klasse der Oberstufe entweder als Übung/Wiederholung während des Unterrichtsverlaufs oder als Klassenarbeit verwendet werden. Die Hinweise zur korrekten Durchführung des Schreibauftrags dienen auch als Bewertungskriterien.
In jedem Fall muss das Kreative Schreiben vor der Bearbeitung des Auftrags geübt worden sein, damit die SchülerInnen nicht einfach nur kreativ sind, sondern auch tatsächlich eine Interpretatonsleistung erbringen können. Kreatives Schreiben behandelt man im Unterricht beispielsweise mithilfe dieser Unterrichtsmaterialien:
- Lehrerfreund: Alle Beiträge zum Kreativen Schreiben
- Lehrerfreund 21.03.2008: Kreatives Schreiben: Analyse einer literarischen Vorlage
- Lehrerfreund 10.04.2006: Vorlagen zum Kreativen Schreiben - 2 Arbeitsblätter
Kreativer Schreibauftrag und Hinweise zur Bearbeitung
Das Arbeitsblatt als pdf finden Sie hier:
Inhalt des Arbeitsblattes:
Kabale und Liebe – Klassenarbeit: Kreatives Schreiben
Ende Akt III, Szene 4:Ferdinand verlässt am Ende der Szene die Bühne. Verfassen Sie einen Brief, den Luise nun an eine der Figuren des Stücks schreiben könnte. Die Wahl des/der Adressaten/in steht Ihnen frei.
Hinweise:
Der Brief sollte
- sich sowohl vom Inhalt als auch von der Form her nahtlos in das Handlungsgefüge einreihen. Verwendung altertümelnder Sprache führt nicht zur Aufwertung.
- den aktuellen Gefühlszustand Luisens wiederspiegeln.
- zum Ausdruck bringen, dass Sie die im Stück und in der Figur Luise angelegte komplexe Problematik verstanden haben.
- zwischen zwei und vier Seiten lang sein.
Zeit: zwei Stunden.
Die Hinweise zum Brief dienen nicht nur den Schüler/innen als Orientierungshilfe, sondern auch als Bewertungskriterien für Sie als Lehrer/in.
Einige Standbilder (Fotografien) zu Kabale und Liebe III,4: Lehrerfreund 04.11.2005: Standbilder zu Kabale und Liebe III,4.
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1 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Klare, detaillierte Arbeitsanweisung, dennoch wegen a) der Textsorte “Brief” mit b) festgelegtem Adressaten “Figur des Dramas” für mich nicht passend zum “Original” und daher für SchülerInnen schwer, nur nach intensiven Vorüberlegungen lösbar.
Zu a) Grundsätzliche Überlegungen zur Situation:
Luise will aus Pflichtgefühl dem Vater gegenüber und aus Einsicht, dass die Ständeschranken zu groß sind, ihrer einzigen, ersten großen Liebe entsagen. Den Regieanweisungen kann man entnehmen, dass es ihr sehr schwer fällt und sie nur mit Mühe die Beherrschung behält (“zitternde Hand” - “im Ton des tiefsten inwendigen Leidens”). Kaum vorstellbar, dass Luise sich anschließend hinsetzen und in Ruhe die Feder halten kann, um einen geordneten Brief zu schreiben - noch dazu über ihr Innerstes, eine “verbotene” Liebe.
Aus der Situation ergibt sich eigentlich von selbst die Aufgabenstellung Innerer Monolog (vgl. die Regieanweisung zu Beginn der nächsten Szene: “Sie bleibt noch eine Zeitlang ohne Bewegung und stumm in dem Sessel liegen” - was denkt sie dabei?)
Zu b) An wen sollte Luise diesen Brief schreiben? In Frage kommen Vater oder Mutter, Wurm, der Präsident und Ferdinand, zu den anderen hatte sie bis hierher noch keinen Kontakt.
An den Präsidenten würde sie nie über ihre großen Gefühle schreiben, ebenso an den trockenen Wurm, den sie ja Ende III,6 heftigst ablehnt. Auf die Eltern wartet sie in Sorge (Beginn III,5), diese müssten schon längst wieder zu Hause sein. Ein Brief wäre also schwer in die Handlung einzupassen. Vorstellbar vielleicht ein Brief an den Vater mit Erklärung zur zerstörten Violine (”...und jetzt gehe ich zu Bett, lasst mich in Ruhe.”). Zur Mutter hat sie kein enges Verhältnis, diese wäre außerdem enttäuscht vom Ende der Beziehung. Ferdinand ist gerade wütend mit bösen Behauptungen abgerauscht. Ein Brief an ihn wäre möglich, birgt aber die Gefahr, eine Nacherzählung des gerade gehaltenen Dialogs zu werden.
Wenn die Textsorte “Brief” beibehalten werden soll (schließlich spielen Briefe im Drama eine entscheidende Rolle), fände ich es passender, einen Brief an eine fiktive Vertrauensperson außerhalb des Dramas zu schreiben, z.B. eine beste Freundin, Großmutter etc.
Da ich diesen Klassenarbeits-Vorschlag so “zerpflückt” habe, stelle ich hiermit meinen zur Diskussion:
Szene IV,7 Luise bei Lady Milford.
Im Anschluss an diese Szene schreibt Luise ihren letzten Brief an Ferdinand. Gestalten Sie den Inneren Monolog Luises, in dem sie ihre Gedanken zum Verfassen des Briefes sammelt.
Bin gespannt auf Kommentare und Anregungen…
Nebenbei: Zu meinem großen Bedauern sollen ab Abitur 2013 die “kreativen” Aufgabenformen, d.h. das Gestaltende Interpretieren (Aufgabe II) und das Adressatenbezogene Erörtern (Aufgabe V, z.B. Leserbrief, Rede…) ersetzt werden durch einen Interpretationsaufsatz zu Kurzprosa und ein Essay, vgl. www.deutsch-gymnasium.de/abitur/2013/Ministerschreiben_zum_Deutschabitur_ab_2013.pdf
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