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Bundesdurchschnitt: 4 Stunden Freizeit täglich

Lehrer/innen haben zu wenig Freizeit

Freizeit auf dem Sofa (flickr-User loungerie, CC BY-NC-SA 2.0)

Nach der Studie "Freizeit Monitor 2011" haben die Deutschen pro Werktag durchschnittlich 4 Stunden Freizeit - die sie vor allem vor dem Fernseher zubringen. Eine Modellrechnung zeigt, dass dieser Wert auch auf Lehrer/innen zutrifft.

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Eingetragen am 02.09.2011, 13:10 Uhr in Im Gespräch | Arbeitsbedingungen | Umfragen |

3 x kommentiert, 2361 x gelesen in 2012. Diesen Beitrag kommentieren.

Die "Stiftung für Zukunftsfragen" (eine Inititative der British American Tobacco) hat in der repräsentativen Studie "Freizeit Monitor 2011" 6.000 Bundesbürger/innen ab 14 Jahren zu ihrem Freizeitumfang und ihren Freizeitaktivitäten befragt (persönliche Interviews).

Die wichtigste Frage war die verfügbare Freizeit pro Tag (d.h.: Zeit, in der die Befragten "tun und lassen können, was ihnen gefällt"). Im Durchschnitt haben die Befragten 4 Stunden 3 Minuten Freizeit pro Tag; Jugendliche liegen mit 4:49 Stunden vorne, an letzter Stelle liegen Familienmitglieder mit 3:10 Stunden.

Diagramm: Wie viel Freizeit haben die Deutschen pro Tag (Freizeit Monitor 2011)

Die meisten der Befragten beklagen, dass sie zu wenig Freizeit hätten:

Seit 1950 hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit von 48 auf 38,4 Wochenstunden reduziert. Im gleichen Zeitraum hat sich der Urlaub von 9 auf 30 Tagen sogar verdreifacht. Trotz dieser objektiv deutlichen Arbeitszeitverkürzung herrscht bei vielen Bundesbürgern das subjektive Gefühl vor, über zu wenig Freizeit zu verfügen. [...] Im Gegensatz zu Familien sind die meisten Ruheständler mit ihrem Freizeitumfang zufrieden. Lediglich jeder zehnte innerhalb dieser Lebensphase wünscht sich mehr Freizeit. Deutlich mehr Senioren (25%) beklagen dagegen, über zuviel Freizeit zu verfügen. [Der wissenschafltiche Leiter der Stiftung, Prof.] Reinhardt: „Mit dem Ausstieg aus dem Berufsalltag beginnt für viele Ruheständler eine neue Zeitrechnung. Allein mit etwas längerem ausschlafen und ein wenig mehr Zeit fürs Frühstücken lässt sich der Tag jedoch nicht verbringen. [...]“

Forschung aktuell, 232, 33. Jg., 29.08.2011Neuer Freizeit Monitor 2011 - Bundesbürger haben vier Stunden Freizeit pro Wochentag

Zu den häufigsten regelmäßigen Freizeitbeschäftigungen gehören Fernsehen (97%), Telefonieren (91%) und Radiohören (91%).

Diagramm: Liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen (Freizeit Monitor 2011)

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist laut Studie auffallend:

Frauen gehen u. a. fast doppelt so oft in den Gottesdienst, lesen Bücher oder schreiben Briefe. Und auch erwartete Klischees lassen sich mit Zahlen belegen: Frauen nehmen sich mehr Zeit, um sich in Ruhe zu pflegen, unternehmen öfter einen Einkaufsbummel und verbringen mehr Zeit am Telefon. Männer widmen sich dagegen deutlich häufiger dem Heimwerken, gehen in die Kneipe oder zum Stammtisch und schauen bei Sportveranstaltungen zu.

Forschung aktuell, 232, 33. Jg., 29.08.2011: Neuer Freizeit Monitor 2011 - Bundesbürger haben vier Stunden Freizeit pro Wochentag

Modellrechnung: Freizeit

Leider differenziert die Studie nicht hinsichtlich unterschiedlicher Berufe. Wir wollen deshalb eine Modellrechnung aufstellen. Diese Modellrechnung berücksichtigt weder Wochenendarbeit noch die Ferienzeit - die befragten Nicht-Lehrer/innen haben ihre 28 Urlaubstage pro Jahr bei ihren Antworten wahrscheinlich ebenfalls nicht eingerechnet. 

  Bankangestellte/r
(39 Std. regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit, tariflich geregelt)
Lehrer/in
Außer Haus bei der Arbeit (inkl. Arbeitsweg) 9.5h 7h
Heimarbeit - 2h
Einkaufen, Putzen, Lebensverwaltung 2h 2h
Körperpflege 1h 1h
Freizeit 4h 4.5h
Summe 16.5h 16.5h

In dieser Modellrechnung verfügt die Lehrer/in über etwas mehr Freizeit als die Bankangestellte. Je nach unterrichteten Fächern und unterrichteter Schulstufe dürfte sich die durchschnittliche tägliche Heimarbeit zwischen ein und vier Stunden bewegen.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Berufsbildern liegt in der Flexibilität der Arbeitseinteilung. Während die Lehrer/in ihre Heimarbeit durchaus abends erledigen kann und die entsprechenden zwei Stunden tagsüber auf dem Tennisplatz verbringt, ist das der Bankangestellten nicht möglich.

Schwierig ist die Einberechnung der Wochenenden und Ferien. Während ein/e Bankangestellte/r an den Wochenenden und in den Ferien wahrscheinlich ausschließlich ihre Freizeit genießt, arbeiten alle Lehrer/innen am Wochenende (Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung) - Sonntag ist Lehrertag. Stark ein Drittel ihrer Ferientage verbringen Lehrer/innen am Schreibtisch, ebenfalls für Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung.

Wer im Schnitt eine halbe Stunde mehr oder weniger arbeitet, lässt sich so pauschal nicht beantworten. Eines aber haben die Bankangestellten und die Lehrer/in gemeinsam: Sie hätten gerne mehr Freizeit.

 

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3 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Ober von Studienrat meinte am 12.09.2011, 13:25 dazu:
" 

...und wieder mal vergleicht man Äpfel mit Birnen…

..und ironisiert zwischen den Zeilen über diese arme Lehrerin, die zu nix kommt als zur Unterrichtsvobereitung, zu Korrekturen und vielleicht noch zum Haare waschen…Toll, toll, toll….

Frage man doch mal, wer denn gerne Lehrer wäre…womöglich wegen der vielen Kohle…im öffentlichen Dienst und damit in gesicherter Euro-Armut

(#2) Jossi meinte am 25.09.2011, 21:58 dazu:
" 

Die freie Zeiteinteilung der Lehrer ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist sie objektiv natürlich ein Vorteil gegenüber anderen Berufen. Andererseits kann sie dazu führen, dass man nie wirklich mit der Arbeit fertig ist. Die meisten Berufstätigen nehmen sich keine Arbeit mit nach Hause. Feierabend ist Feierabend und an die Arbeit braucht man erst wieder morgen früh zu denken; ebenso am Wochenende und im Urlaub. Für Lehrer gilt das nicht; da ist immer noch etwas zu planen, vorzubereiten oder zu korrigieren. Folglich hängt das (subjektive, aber auch objektive) Maß an Freizeit von der eigenen psychischen Konstitution ab, nämlich von der individuellen Fähigkeit zur Arbeitsbewältigung. Wer in der Lage ist, seine Zeit effizient einzuteilen und zu nutzen und die nach der Schule noch anstehenden Arbeiten rasch und konsequent zu erledigen, der kann ebenso viel, vielleicht sogar mehr oder zumindest günstiger gelegene Freizeit haben als in einem anderen Beruf. Wer aber zur Prokrastination neigt (und das tun meiner subjektiven Erfahrung nach viele Lehrer), der ist gekniffen, weil er niemals das Gefühl wirklicher Freizeit ohne Belastung durch den Beruf genießen kann—und zwar selbst dann nicht, wenn er objektiv eine Menge Zeit für andere Dinge als die Schule verwendet. Die bekannten Folgen: subjektive Unzufriedenheit, Gefühl der Überforderung, ständiges Gejammer, hoher Krankenstand, Burnout, Frühpensionierung. Eine Lösung für dieses Problem weiß ich allerdings auch nicht. (Und ich übersehe dabei nicht, dass die beruflichen Anforderungen an die Lehrer qualitativ und quantitativ gewachsen sind. Dennoch halte ich den subjektiven Faktor letztlich für bedeutsamer. Jeder von uns kennt doch auf der einen Seite die stets gutgelaunte, dynamische Kollegin, die einen super Unterricht macht, zwei Leistungskurse, einen Haufen Korrekturen, drei Sonderaufgaben spielend erledigt und sich außerdem noch in der GEW engagiert und auf der anderen Seite die Teilzeitkraft, die außer ihrem Unterricht nichts macht und trotzdem ständig klagt, dass sie alles nicht schafft.)

(#3) Ann meinte am 29.10.2011, 2:35 dazu:
" 

Was soll man von so einer Studie halten, wenn Pensionäre nur unwesentlich mehr Freizeit haben (angeblich) als Berufstätige?

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