Gehaltsverlierer
Reallohn von Lehrer/innen in 2011 um 1.4% gesunken
Inflationsbereinigt haben Lehrer/innen 2011 Gehaltseinbußen von 1.4% hinnehmen müssen - so viel war es in keinem anderen Beschäftigungszweig. In den letzten 20 Jahren haben Lehrer/innen beim Reallohn mehr als 20% eingebüßt - und sind damit die neuen Melkkühe der Nation. Muh!
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Eingetragen am 03.01.2012, 00:06 Uhr in Im Gespräch | Arbeitsbedingungen | Nachrichten | Statistiken |
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Reallohn und Nominallohn
Unter Reallohn versteht man den preisbereinigten Bruttomonatsverdienst, also die tatsächliche Kaufkraft. Dem gegenüber steht der Nominallohn - der absolut gezahlte Bruttobetrag in Geldeinheiten (in Deutschland also Euro).
Steigt das Preisniveau z.B. durch Inflation, müssen die Nominallöhne erhöht werden, damit die Kaufkraft gleich bleibt.
Statistisches Bundesamt: Reallöhne steigen nur gering
Das Statistische Bundesamt teilt für das dritte Quartal 2011 im Verhältnis zum dritten Quartal 2010 mit: In Deutschland sind die Nominallöhne in diesem Jahr um 3% gestiegen - abzüglich der Inflation bleibt im Durchschnitt ein Anstieg des Reallohns um 0.6% (immerhin, muss man sagen).
Vollzeitbeschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe bekamen im dritten Quartal 2011 im Durchschnitt 4,3 % mehr als ein Jahr zuvor [entspricht einem Anstieg des Reallohns von 1.8%] . Auf Ebene der Wirtschaftsabschnitte war dies der stärkste Anstieg der Bruttomonatsverdienste. [...]
Reallohnverluste mussten vor allem die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes hinnehmen. In der Öffentlichen Verwaltung (+ 1,8 %) und im Bereich Erziehung und Unterricht (+ 1,1 %) lag die durchschnittliche Verdienstentwicklung deutlich unterhalb der Preisentwicklung. Auch Beschäftigte bei Banken und Versicherungen (+ 2,0 %), im Bereich Verkehr und Lagerei (+ 2,1 %), im Gastgewerbe (+ 2,2 %) sowie im Handel (+ 2,4 %) mussten Reallohnverluste hinnehmen.
Statistisches Bundesamt: Reallöhne im 3. Quartal 2011 nur noch um 0,6 % gestiegen (Pressemitteilung Nr.481 vom 22.12.2011) - Hervorhebung Lehrerfreund
Beachten Sie bitte, dass für die zitierte Auswertung ausschließlich die Löhne vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer/innen ausgewertet wurden!
Verlierer: Bildungssektor
Der Bildungssektor hat die größten Verluste hinzunehmen. Inflationsbereinigt verdienen Personen, die in Vollzeit in den Bereichen Erziehung und Unterricht arbeiten, 1.4% weniger als ein Jahr zuvor. Ein Blick in die vom Statistischen Bundesamt mitgelieferten Tabellen zeigt, dass Teilzeitbeschäftigte im Bereich Erziehung und Unterricht wesentlich schlechter dran sind: Sie verdienen nominal 1.2% weniger als im Jahr zuvor. Damit ist für Teilzeitbeschäftigte im Bereich Erziehung und Unterricht der Reallohn im Vergleich zu 2010 um 3.7% gesunken.

Im der Kategorie "Vollzeit" liegt der Bereich "Erziehung und Unterricht" mit 1,1% Lohnzuwachs abgeschlagen auf dem letzten Platz, in der Kategorie "Teilzeit" mit 1,2% Lohnverlust auf dem vorletzten (hinter "Kunst, Unterhaltung und Erholung").
Die zum Sparen verdammte Politik zapft zunehmend den Bildungssektor als Melkkuh an. Der Reallohn von Lehrer/innen ist seit 1990 um mehr als 20% gesunken. Und es geht weiter: In Baden-Württemberg werden die nächsten Besoldungsanpassungen erst einmal verschoben. Der Philologenverband Baden-Württemberg findet das "nicht nur 'grausam', sondern 'skandalös'".
Letztlich ist die Jammerei wegen ein paar Euro natürlich nicht konstruktiv, Lehrer/innen gehören immer noch zu den besser verdienenden Schichten. Das durchschnittliche Bruttogehalt (Vollzeit) liegt in Deutschland bei 3.322 Euro monatlich - da können auch die meisten angestellten Lehrer/innen durchaus mithalten. Auch im EU-Vergleich liegen die deutschen Lehrer/innen noch weit vorne.
Allerdings zeigt die Entwicklung, dass die Arbeit von Bildungspersonen in der Politik keinerlei Wertschätzung erfährt. Was hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor wenigen Wochen erst über die Lehrerschaft gelobhudelt?
Meine Damen und Herren, ich bin heute sehr gerne hierher gekommen. Der Philosoph Karl Jaspers hat gesagt: "Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet." Ich glaube, damit hat er ein wahres Wort gesprochen.
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4 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer Entwicklung. Die “Schuldenbremsen” in den Verfassungen der Bundesländer (weltweit fast ohne Beispiel!) sind noch gar nicht in Kraft getreten:
Welches ist in den Bundesländer-Haushalten der größte Kostenblock? Die Personalkosten (>50% der Landeshaushalte).
Und welche Berufsgruppe stellt innerhalb dieser Personalkosten eine der größten und dank durchgängiger akademischer Ausbildung auch die bei weitem teuerste Gruppe? Richtig.
Reallohnverluste? Da geht noch was!
Die meisten Lehrkräfte im aktiven Dienst wissen nicht, in welch massivem Umfang die Beamtenpensionär/innen in den vergangenen Jahren zur Kasse gebeten wurden und was auf sie selbst zukommt, wenn sie eines Tages zur Ruhe gesetzt werden. Ich habe als Leiter des Fachbereichs Seniorenpolitik im Landesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg einmal nachgerechnet (und den rot-grünen Landtagsabgeordneten geschrieben), was beispielsweise einer im Jahr 2003 pensionierten Realschullehrerin (Besoldungsgruppe A 13) widerfahren ist.
Damals betrug ihr persönlicher Ruhegehaltssatz 75 Prozent; ferner hatte sie Anspruch auf eine jährliche Sonderzuwendung (damals rund 82% des Dezembergehalts).
Inzwischen wurden zwei massive Eingriffe vorgenommen:
1. Seit dem 1.4.2011 gilt ein neuer Höchstruhegehaltssatz: 71,75 Prozent. Das kostet diese Kollegin 198,68 Euro brutto im Monat, das ist ein Verlust von 5,86 Prozent.
2. 2008 wurde die jährliche „Sonderzuwendung“ (das frühere „Weihnachtsgeld“) abgeschafft und durch eine Gehaltskomponente ersetzt, die bei den Versorgungsempfänger/innen nur noch 30 Prozent eines Monatsgehalts entspricht. Das kostet die Kollegin monatlich noch einmal rund 120 Euro brutto (minus 3,7%).
Insgesamt liegt der Pensionsverlust seit 2003 damit bei rund 9,5 Prozent.
Diese Rechnung gilt analog für alle anderen Lehrergruppen.
Mich nervt der Ländervergleich der Kosten, die Lehrergehälter angeblich verursachen.
Fairer wäre es doch zu vergleichen, wie viele “Schülereinheiten” eine Lehrkraft wöchentlich unterrichtet und was das pro “Schülereinheit” kostet. Bei 27 Wochenstunden mit im Schnitt 28 Schülern ist die Leistung, die eine deutsche Lehrkraft erbringt, doch höher einzuschätzen als 19 Stunden mit im Schnitt 13-18 Schülern, so wie in Finnland.
Dazu müsste man all das Geld rechnen, die die Lehrkräfte einsparen dadurch, dass sie Aufgaben üernehmen, für die es in anderen Länder nichtlehrendes Personal gibt. Platt gesprochen: hier hält der Geschichtslehrer den sich übergebenden Schüler selbst übers Klo, während es in anderen Ländern dafür Schulkrankenpfleger gibt. Die Sekretariatsstunden sind hier geringer als in irgendeinem anderen europäischen Land, das ich kenne, wir haben keine Laborassistenten oder Bibliothekare, Schulassistenten gibt es so gut wie gar nicht. Entlastungsstunden für besondere Aufgaben kennt man besonders in unseren nichtgymnasialen Schulen kaum. Die Liste lässt sich noch weiter führen.
All diese Tätigkeiten verursachen für die Regierung nur EHDA-Kosten (Die Lehrer sind ja “eh da”). Erst um diese Kosten und Tätigkeiten bereinigt, lässt sich unsere Besoldung wirklich fair mit der anderer Lehrer aus anderen Ländern vergleichen
Ist mir nicht neu. Auch die (pleite) Kommune als Schulträger erhöht fleißig ihre Gebühren.
Konsequenz auf meiner Seite: Bestehen auf Kostenübernahme sämtlicher Arbeitsinfrastrukturkosten durch den Schulträger. Unter dem Strich ist damit wenigstens eine Nullrunde für mich möglich.
Außerdem ein Hinweis: DIE MEHRARBEITVERGÜTUNG IM TV-L FÜR (teilzeitangestellte) LEHRER IST EU-RECHTS-WIDRIG! Differenz: ca. 25% gegenüber der rechtsübergeordneten Verpflichtung!
Rechenfehlergrund: Gehalt: Tatsächlich; Arbeitszeit: Kalendertage (statt tatsächl. Arbeitstage).
Soviel zum Thema Melkvieh!
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