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Anklage wegen Körperverletzung

Warum Lehrer Schüler nicht berühren sollten

Ein 59-jähriger Lehrer hat einen 12-jährigen Schüler aus einem Klassenzimmer geschoben und wurde jetzt wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Eingetragen am 10.07.2009, 17:56 Uhr in Nachrichten |

11 x kommentiert, 385 x gelesen in 2012. Diesen Beitrag kommentieren.

Der Schüler hielt sich in einem Klassenzimmer auf, in dem er nichts zu suchen hatte, worauf der Lehrer ihn am Genick aus dem Zimmer schob.

Ein Arzt attestierte anderntags eine „Hautrötung“. Mit der Folge einer Anzeige, die wiederum in einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft mündete.

Mit den 120 Tagessätzen (7200 Euro) wäre der Pädagoge vorbestraft gewesen. Er widersprach. Bei der Hauptverhandlung legte die Anklagebehörde nach und plädierte auf eine Geldstrafe über 11 000 Euro. Die Richterin sah dagegen einen minderschweren Fall, kam auf 2600 Euro Geldstrafe, die aber zur Bewährung ausgesetzt ist, und zu einer Verwarnung über 650 Euro.

suedkurier.de 07.07.2009: Nach Körperverletzungs-Urteil: Anwalt rät Lehrern Distanz zu Schülern

Der Lehrer geht nun ein weiteres Mal in Berufung, da er ohne Freispruch mit einem Disziplinarverfahren zu rechnen hat.

Zu einer angemessenen Beurteilung dieses Falles muss die Frage beantwortet werden, wie druckvoll der Lehrer vorgegangen ist. Jemanden mit einer sanften Berührung aus dem Klassenzimmer zu schieben, ist strafrechtlich zu unterscheiden davon, einem Zwölfjährigen mit trainiertem Unterarm fast die Gurgel abzudrücken (vgl. Wikipedia: Körperverletzung). Die Grenze ist fließend und das wahre Geschehen im Nachhinein nicht unbedingt präzise rekonstruierbar. In Mittelbaden berührte 2001 ein Lehrer eine Schülerin am Arm; am nächsten Tag hatte er eine Anzeige am Hals, in der ärztlich attestierte schwere Prellungen genannt wurden. Eine überregionale Boulevardzeitung sprach vom “Schläger von [Ort]”, es kam zu einem Wust von Gesprächen und einem Gerichtsverfahren. Irgendwann erklärte die klagende Partei (Schülerin/Eltern), dass die Prellungen mit der Aktion des Lehrers nichts zu tun hatten, sondern durch einen Fahrradsturz verursacht worden war. Sein Ruf war jedoch nachhaltig angekratzt.

Ob man als Lehrer/in hin und wieder ein/en Schüler/in berührt (zur Seite schiebt, auf die Schulter klopft o.ä.), ist eine individuelle Entscheidung. Sicher hat das bei einem guten Verhältnis keine negativen Auswirkungen. Andererseits muss man sich fragen, ob eine Berührungskultur im Schulbetrieb notwendig ist. Zum Lehrerfreund-Beitrag Was (männliche) Lehrer im Umgang mit Schülerinnen beachten sollten - 3 Tipps liest man in den Kommentaren:

Manche Schüler gerade mit ADS brauchen “Körperkontakt”, also Schulterklopfen. Wenn die alles verboten sein soll, müsste wir ja alle mit Aidshandschuhen rumlaufen. Mit “Recht” kann man auch viel kaputt machen.
[...]
Mit den Tipps des Artikel gingen wir immer mehr in eine künstliche, kalte, emotionslose, völlig verkrampfte, angstvolle (juristische Konsequenzen!)Art der Beziehungen zwischen Menschen (Lehrern zu Schülern).

Kommentare zu Lehrerfreund 31.10.2008: Was (männliche) Lehrer im Umgang mit Schülerinnen beachten sollten - 3 Tipps

Diese Argumentation ist durchaus nachvollziehbar. Allerdings sollte ein gutes Verhältnis zu Schüler/innen völlig unabhängig davon sein, ob man Schüler/innen (niemals) anfasst oder ob man sie siezt oder duzt. Deshalb gilt für Lehrer/innen im Zweifelsfall immer: Bitte nicht berühren!

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11 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Mister M. meinte am 11.07.2009, 19:56 dazu:
" 

Zitat: “Deshalb gilt für Lehrer/innen im Zweifelsfall immer: Bitte nicht berühren!”

Da es keinen Schutz gegen realitätsferne, profilierungssüchtige Schüler,Eltern und Staatsanwälte gibt und ein Hoffen auf einsichtige Richter und Schulaufsichtsämter dem frohen Wunschdenken eines Kapitäns im Orkan auf hoher See entspricht, kann man diesen Tipp nur unterstreichen!

(#2) Rechtsverdreher meinte am 13.07.2009, 1:22 dazu:
" 

Danke, liebe Richter!  Ihr gebt ein Beispiel für ein pervertiertes Rechtsbewusstsein in unserer Gesellschaft. Kleinigkeiten mit saftigen Strafen, Abtreibungen 100 fach jeden Tag : kein Problem.

(#3) sinkam meinte am 13.07.2009, 10:47 dazu:
" 

Unbedingt beachten! Beim Blick ins Mikroskop (unumgänglicher Kontrollblick bei der Einführung ins Mikroskop im Biologieunterricht) einer Schülerin berührten meine Hände beim Fokussieren der Schärfe einmal die Hand einer Schülerin (Klasse 5 oder 6), ich hatte sofort die Eltern “am Hals”!

(#4) K.M. meinte am 13.07.2009, 19:51 dazu:
" 

Ein schwieriges aber wichtiges Thema: es wird nicht ausbleiben, dass jeder sich selbst “seinen Reim” darauf macht. Es gilt, sich professionell zu verhalten, ohne dass bis ins Kleinste geregelt ist, wie das aussehen soll. Ich meine, das die körperliche Distanz den Anforderungen an den Beruf und an die Lehrerolle am ehesten gerecht wird. Dabei begegen wir immer widersprüchlichen Situationen: die Schülerin, die erschrocken zurückzuckt, obwohl wir sie nur leicht an der Schulter berüht haben, (weil sie z.B. nicht auf Zurufen reagierte). Der Schüler, der uns morgens aufmunternd und durchaus wertschätzend gemeint, seine Hand zum “Gib fünf” hochhält und wir nun in Sekundenbruchteile entscheiden müssen, mach ich das und wenn ja warum nicht… .

Wir werden nicht immer optimal reagieren, können es nicht jedem Recht machen, aber müssen täglich versuchen.

(#5) sinkam meinte am 13.07.2009, 21:27 dazu:
" 

K.M. ich stimme Ihnen voll zu , auch das “Gib 5” kenne ich (ich unterrichte am Gymnasium), und man/ich muss dann sehr schnell reagieren!! Da ich seit 30 Jahren im Schuldienst bin, glaube ich zu wissen oder bemerkt zu haben, dass dies früher - ich meine z. B. die Zuwendungsbereitschaft seitens der Schüler - zugenommen hat, die Distanz zum “Lehrkörper” seitens der Schüler also kleiner geworden ist!? Woran könnte dies liegen? Hat sich das Bild der LehrerInnen auch im Bewusstsein der SchülerInnen gewandelt, weg vom entfernten, distanzierten “Wissensvermittler” eher zum Helfer/Kumpel, vielleicht ist Kumpel nicht ganz das richtige Wort, mir fällt aber im Moment nichts Besseres ein!?

(#6) zum_bleistift meinte am 15.07.2009, 19:38 dazu:
" 

#3 sinkam
Vielleicht studiert das Mädchen weiter und verdient sich ein paar Kröten dazu, in einer Gastwirtschaft?
Dann lernt sie das wirkliche Leben kennen.

Wenn ich hier im Forum geschrieben habe, dass ich die vielen gesetzlichen Einschränkungen nicht mag, so habe ich genau solche unnötigen Stolpersteine gemeint. Jetzt sollte man Kinder besser nicht mehr berühren! Also immer einen halben Meter Abstand einhalten! ... Das kann doch nicht sein. Wenn sie aus der Klasse stürmen, berühren sie sich auch gegenseitig. Davon hat auch noch keines einen Knacks bekommen.

Die Ursache für übertriebene Regelungen sind Verrückte, die etwas Verbrecherisches taten und dadurch Gesetze nötig machten (die sie dann noch ständig zu umgehen trachten). Den anständigen Leuten werden darauf hin die Rechte, etwas zu tun, beschnitten. Fragen Sie einmal in Ihrem Verein nach, was alles nicht mehr auf die einfache Art abgewickelt werden kann? Was alles nicht mehr gemacht wird – was früher gut funktioniert hat – wegen der vielen Bestimmungen.

Ich wünsche mir, dass ehrliche Menschen wieder mehr Rechte bekommen – und dadurch ungehindert ihre eigenen und die Ziele der Gesellschaft verfolgen können. (Das ist leider im Moment etwas unrealistisch.)

(#7) K.M. meinte am 27.07.2009, 15:00 dazu:
" 

@sinkam

Ob die innere !! Distanz wirklich abgenommen hat, das weiß ich nicht, da bin ich nicht sicher.

Aber äußerlich scheint das zu sein, zumindest für einige (mehr als früher).

Schwer zus agen woher das kommt. IN gewisser Weise würde ic die neuen Medien mit für die Verantwortung ins Boot nehmen: seit man über das WWW in Forenn. Die Tatsache , dass man über Blogs, Chatrooms, ICQ, Foren etc. überall und sofort jedem sein “Innerstes” öffnen kann (viele dies auch tun)scheint auch in der nicht-virtuellen Weltt eine gewisse Hemmschwelle zu senken.
Dabei ist aber durchaus auch festzustellen, dass die Frage, wann,wo es sehr/zu persönlich wird (auch auf welcher der möglichen Ebenen: körperlich, verbal) sich nicht eindeutig oder grundsätzlich beantworten lässt, es ist diffuser geworden und zunehmend situativ. Das ist zumindest mein Eindruck.

(#8) Fritz meinte am 27.07.2009, 19:00 dazu:
" 

Dazu ist noch zu sagen, dass das Interesse des Staatsanwaltes, der den Strafbefehl noch in Schwindel erregende Höhen treiben wollte, an dem Fall so „gross“ war, dass er seinen Referendar schickte, der laufend telefonisch „Befehle“ einholen musste.

Es ist zu fragen, was denn der Lehrer hätte tun sollen, wenn, wie der Fall sich darstellte, ein Schüler sich nicht durch Worte dazu bewegen lässt, das Klassenzimmer zu verlassen, in das er nicht hingehörte. Sollen künftig Lehrer der totalen Lächerlichkeit preisgegeben werden, indem sie sich gezwungen sehen, selbst das Feld zu räumen und auf das Unterrichten zu verzichten?
Dass hier der Staatsanwalt missbräuchlich instrumentalisiert wurde, ist doch offensichtlich. Man fragt sich, ob die Eltern wenigstens ihren Sprössling fragten, weshalb er denn nicht aus freien Stücken das Klassenzimmer verlassen hatte. Hier nicht eine gezielte Provokation mit geplantem Ausgang zu erkennen, macht ziemlich viel Mühe.

(#9) Thomas meinte am 05.10.2009, 0:17 dazu:
" 

Das war als Durchsetzung des Hausrechts meinesachtens gerechtfertigt, die Strafe auf jeden Fall zu hoch.

Leider wird “echtes” Fehlverhalten von Lehrern meist gar nicht oder viel zu niedrig sanktioniert. Rechtsverstöße eines Beamten zulasten eines ihm anvertrauten Schülers sollte normalerweise nicht mit Geld-, sondern grundsätzlich mit Freiheitsstrafe geahndet werden - und auch die nur in Ausnahmefällen zur Bewährung ausgesetzt.

(#10) kielanwalt meinte am 07.10.2009, 11:46 dazu:
" 

@ #2: was bitte schön hat denn die rechtliche beurteilung des verhaltens von lehrern mit deiner persönlichen meinung zur abtreibung zu tun?

(#11) HarleyMichel meinte am 15.06.2010, 11:58 dazu:
" 

Die Klassenleherin unseres Sohnes hat diesen grundlos vor Unterrichtsbeginn heftig am Arm hinter sich hergerisseund so indie Klasse geschliffen bis an seinen Platz.

Das ganze begleitet mit lautem Anschreien “Du benimmst dich heute nicht wier so wie gestern!”

Was sie leidere übersehene hatte war meine Frau, die mit einem Kuchenblech für die ganze Klasse hinter ihr stand!!!!

Auf den Kommentar meiner Frau “Uber dieses Verhalten will ich mit Ihnen noch sprechen!” antwortetedie Klassenlehrerin lapidar :“Ich rede doch nicht mit Ihnen über meine Verhalten!”

Und nun?

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