Der »Lüneburger Bildungsserver« wird floppen
Die Stadt Lüneburg launcht den "Lüneburger Bildungsserver" und bedient sich dabei eines nicht zeitgemäßen Konzepts.
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Eingetragen am 02.12.2005, 01:56 Uhr in Nachrichten |
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Ein “Kaufhaus für Lehrer im Internet” sei es, verkündet Stefan Spohn vom Kreismedienzentrum Lüneburg. Hineingehen und in der wunderbaren Welt der Unterrichtsmaterialien wühlen. Allerdings seien die Regale noch etwas leer.
Füllen soll sich der Bildungsserver durch die Unterrichtsmaterialien, die die LehrerInnen des Landkreises Lüneburg hochladen. Als nicht-Lüneburg-Lehrperson darf man allerdings nicht auf die Materialien zugreifen - geschlossener Bereich, Zutritt nur für Lüneburglehrpersonen. An allen Ecken und Enden lachen Aufforderungen wie
Auch auf Ihrem Rechner liegen bestimmt hervorragende Materialien für Ihren Unterricht.
Lassen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen von Ihrer Arbeit profitieren -
und profitieren Sie im Gegenzug von der Arbeit Ihrer Kolleginnen und Kollegen!
Veröffentlichen Sie Ihre Arbeit hier - auf dem Lüneburger Bildungsserver!
Überall und zunehmend versuchen sich Institutionen und Personen daran, eine Infrastruktur für den Austausch von Unterrichtsmaterialien zu generieren (wie z.B. das ZUM-Wiki, 4teachers.de oder Gerd Haehnel mit seiner Mailingliste Deutschunterricht). Voraussetzung ist in jedem Fall: Das Material ist frei für alle, Uploads sind außerordentlich willkommen (und leider ebenso selten). Was zum Hochladen von Unterrichtsmaterialien motiviert, ist der Glaube an Effizienz durch gemeinsame Nutzung.
Wenn ein “Bildungsserver” allzu aufdringlich eine Gegenleistung für das Herunterladen von Materialien einfordert, pervertiert er den Gedanken des freien Materialaustauschs. Die Möglichkeiten des Internets werden werden selbstsüchtig auf einige Personen begrenzt, der Kreis potenzieller Materialspender ist klein, und jede/r kocht sein eigenes Süppchen. Letztendlich stellt dann vor allem eine zum Betreiberkonsortium gehörige Person(engruppe) etwas Material ein - wie es z.B. bei den Landesbildungsservern der Fall ist. Diese werden allerdings mit staatlichen Mitteln gesponsort, was dazu führt, dass viele gute Inhalte bereitgestellt werden können. Der Lüneburger Bildungsserver aber wird von der Sparkasse Lüneburg finanziell unterstützt.
Grundsätzlich ist der Versuch, Infrastrukturen zum Materialaustausch zu generieren, sehr unterstützenswert. Dass diese Materialien nur einem bestimmten Personenkreis zur Verfügung stehen, ist ein Konzept, das sich rächen wird. Schon die Abituraufgabentauschbörse Berlin ist daran gescheitert.
- Lüneburger Bildungsserver, momentan 22 Medien vorhanden (02.12.2005)
- “Kaufhaus für Lehrer im Internet” - Landzeitung für die Lüneburger Heide, 01.12.2005
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6 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Ich stimme dem Verfasser des Artikels völlig zu. Wenn das Material schon online ist, warum sollen dann nicht alle davon profitieren können?
Hallo Kollegen/innen,
dieser Fall ist nur ein weiteres Symptom für die Bürokratie im deutschen Bildungswesen, wie Sie schreiben: jeder kocht sein eigenes Süppchen. Warum können die Initiatoren des Projekts sich nicht dem niedersächsischen Bildungsserver anschließeN? Nein, sie müssen es alleine machen - und hoffen natürlich auf die Lorbeeren, die es zu ernten gibt. Ich kann über solche Vorgänge immer nur den Kopf schütteln.
Grüße
Mirjam
Schließe mich meiner Vorrednerin vollkommen an.
Das Hauptproblem im Bildungsbereich ist, dass die meisten, die an den verantwortlichen Stellen sitzen, von Bildung vor allem eines haben: Keine Ahnung!
Auch in Hamburg gibt es selbstverständlich so ein Projekt, wibes genannt. Behördlicherseits werden wichtige Informationen (z.B. Informationspapiere) nur noch darüber zur Verfügung gestellt. Überraschenderweise krankt es aber an fehlenden pädagogischen Inhalten. Runterladen wollen zwar viele, aber…
Zusätzlich bietet wibes die Möglichkeit, virtuelle Klassenzimmer einzurichten. Damit diese Möglichkeit so richtig attraktiv wird, soll nun eine Lizenzgebühr in Höhe von 12,- - 20,- € (noch unklar) pro Schüler erhoben werden. Schließlich kostet so ein System ja. Natürlich gibt es auch kostenlose Systeme (wie z.B. BSCW, das seit Jahren erfolgreich an unserer Schule eingesetzt wird), die jedoch “unerwünscht” sind.
Und so kocht jedes Städtchen und jedes Ländle sein eigen Süppchen und Fremde sollen höchstens mal dran schnuppern dürfen.
Ein weiteres Problem der UE-Tauschbörsen ist die nicht gesicherte Qualität der Materialien. Denn das ist richtig teuer, denn es kostet viel Zeit.
Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Seiler
Fachredaktion Grundschule
www.lehrer-online.de
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