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Sollen LehrerInnen in der Schule fluchen?

Fluchen ist gesund und reinigt die Seele - dies belegen wissenschaftliche Erkenntnisse. Doch wie sieht es mit den LehrerInnen aus - dürfen sie in der Schule fluchen?

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Eingetragen am 05.01.2006, 02:22 Uhr in Zeitloses |

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Fluchen entspannt uns in Stresssituationen enorm. Die Lautstärke, in der der Fluch ausgeschieden wird, steht dabei in proportionalem Verhältnis zur befreienden Wirkung.

1. Die Menschen fluchen viel

2. Bei der Arbeit wird mehr geflucht

3. Angefluchtwerden setzt unter Stress

4. Sollen LehrerInnen also in der Schule fluchen?

1. Die Menschen fluchen viel

Die Malediktologen (Fluch-Wissenschaftler) haben interessante Erkenntnisse über unser Fluchverhalten gewonnen:

Die Wissenschaft vom Fluchen—die Malediktologie—ist noch ein relativ junger Zweig der Psychologie. Trotzdem hat sie interessante Ergebnisse zu Tage gefördert. Demnach bestehen etwa fünf Prozent der Gespräche am Arbeitsplatz und über zehn Prozent der Freizeit-Unterhaltungen aus Fluchen und Schimpfen. Tendenz steigend. [...] Während in einem Kinofilm in den 60er Jahren noch etwa ein- bis zweimal geflucht wurde, kam Schauspielern Ende der 80er Jahre fast 100mal pro Film ein derber Spruch über die Lippen.

Berliner Morgenpost, 26.11.1996: ‘Mistdreck’ Fluchen kann zur Krankheit werden

Semantisch unterscheidet sich der Fluchstil von Nation zu Nation:

Im Deutschen greifen erzürnte Menschen vor allem auf fäkalen Sprachunrat zurück, in Holland, Amerika und Großbritannien stammen die meisten Kraftausdrücke aus dem Universum sexueller Körperfunktionen, während wütende Skandinavier den Teufel und andere religiös aufgeladene Wesen ins Spiel bringen. In Russland könnte einem ein “Geh doch zum Schwanz!” entgegenfliegen, ein aufgebrachter Perser droht einem möglicherweise, “in den Bart zu furzen” und ist ein Ire außer sich, grollt er gerne, dass einem doch “die Scheiße auf dem Kopf explodieren” möge.

Spiegel online, 21.12.2005: Fluchen tut gut, I

2. Bei der Arbeit wird mehr geflucht

Wenn wir vor dem TV-Apparat sitzen, fluchen wir in der Regel nicht. Wir fluchen eher in Situationen, in denen wir Entscheidungen treffen müssen und Verantwortung tragen: Installation eines Betriebssystems (!), Reifenwechsel, Ausfüllen der Steuererklärung etc.

Das Gleiche gilt für Stress am Arbeitsplatz. So haben die Mediziner Fausto Palazzo und Orlando Warner in einer Studie im British Medical Journal einen Beleg für einen alten Ärzte-Mythos vorgelegt. In Operationssälen ist demnach im Durchschnitt alle 51,4 Minuten mit einem Kraftausdruck aus dem Mund des Chirurgen zu rechnen. Und hat ein Orthopäde, der an allerlei Gelenken besonders komplizierte Schnitte setzen muss, das Skalpell in der Hand, steigt die Fluchfrequenz - auf einen Verbalausfall auf alle 29 Minuten. Dabei gilt: Je länger die Operation dauert, je größer der Stress, desto höher die Zahl der Schimpfwörter.

Spiegel online, 21.12.2005: Fluchen tut gut, 2

Ein bekannter Malediktologe, der Psychologe Timothy B. Jay aus Massachusetts, weist darauf hin, dass Fluchen in solchen Situationen einen positiven Effekt hat. Auch Lehrer und Lehrerinnen erwähnt er explizit: Schimpfen hilft auch Lehrern, ihren Schulalltag leichter zu ertragen [...], sagt Jay.

3. Angefluchtwerden setzt unter Stress

Es gibt zwei Arten des Fluchens: Das Vorsichhinfluchen (“Fuck”) und das Anfluchen (“Du Sack”). Beide Formen helfen, Stress abzubauen. Beim Anfluchen jedoch wird die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen:

Bei ähnlichen Versuchen stellten Forscher auch fest, dass sich bei Testpersonen, die sich Schimpfwörter anhören mussten, nicht nur im übertragenen Sinne die Nackenhaare aufstellten. Der Puls der Geschmähten beschleunigte sich, die Atmung wurde flacher, die elektrische Leitfähigkeit der Haut veränderte sich - Anzeichen einer heftigen emotionalen Reaktion. So ist auch die Gegenwehr der Sprachpolizisten und Fluchgegner unter physiologischen Gesichtspunkten nachvollziehbar, sie sind angesichts derben Vokabulars echtem Stress ausgesetzt.

Spiegel online, 21.12.2005: Fluchen tut gut, 2

4. Sollen LehrerInnen also in der Schule fluchen?

Einerseits wäre es sehr nützlich, wenn Lehrer und Lehrerinnen in der Schule fluchen würden. Es wäre ihrer Gesundheit dienlich und würde zu mehr Entspannung führen. Dennoch ist ein zu hoher Fluchanteil während des Unterrichts nicht angebracht.

Ist es überhaupt möglich und sinnvoll, während des Unterrichts nie zu fluchen?



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7 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Förster meinte am 08.01.2006, 16:24 dazu:
" 

Ich denke, es gibt einen wesentlichen Unterschied: Als Lehrer darf man schon mal herzhaft fluchen (im Rahmen des Ethischen, natürlich); wir leben in einer Zeit, in der auch der Bundeskanzler (oder die Bundeskanzlerin grin im Fernsehen “scheiße” sagen darf, ohne dass die Nation sich erhebt. Was ich jedoch vollständig ablehne und destruktiv finde, ist die Beschimpfung von Schülern, also das von Ihnen als “Anfluchen” bezeichnete Fluchen.

(#2) Nosferatu meinte am 15.01.2006, 13:13 dazu:
" 

ich finde es ganz normal, dass lehrer auch mal fluchen. warum sollten wir uns verstellen?

(#3) OnkelKlaus meinte am 23.01.2006, 0:21 dazu:
" 

Also mich stört der ständige Gebrauch des Wortes “Scheiße” - ich sage dann öfter: “Was du in den Mund nimmst, nehme ich noch nicht einmal in die Hand!” - Mein Versuch, das Wort durch das Wort “Exkremente” ersetzen zu lassen, hat auch schon zur Heiterkeit beigetragen - manche erinnern sich aber dann auch daran und benutzen es. Ist doch auch witziger, oder?
Weil mir diese verdammte beschissene Flucherei in der Kack-Schule dermaßen auf den Sack geht, versuche ich Flüche im Unterricht zu vermeiden - man soll ja auch Vorbild sein, ne? wink

(#4) Tante Frieda meinte am 23.01.2006, 16:24 dazu:
" 

Man soll nicht fluchen. Weder in der Schule noch sonstwo.
Sonst geht die Bildung in den Arsch.

(#5) Jamei meinte am 23.01.2006, 17:04 dazu:
" 

Bin ich Mensch oder politisch korrekte Maschine?

(#6) Ursula meinte am 23.01.2006, 20:51 dazu:
" 

Ja zum Kuckuck - ganz ohne geht’s doch nicht!!!

War das nun schon geflucht?

(#7) Paulchen meinte am 25.01.2006, 13:04 dazu:
" 

An der Uni lernte ich während des Studiums eher *heitatei*-Leute kennen und habe sie - ich geb’s ja zu - erst mal still und heimlich zu dieser schon stoischen Ruhe beneidet. Während des ersten Unterrichts mit schülmüden, -verweigernden 15- bis 17-Jährigen merkte ich aber doch sehr schnell, dass eben dies gar nicht so ohne Weiteres möglich ist. Ich habe festgestellt, dass zumindest meine Schüler bei Weitem besser mit einem - ab und an - fluchenden Lehrer-menschen umgehen können, sich dann auch schnell wieder “einkriegen” als mit einem o.g., der dann eher als Karikatur “gehändelt”, also gar nicht ernst genommen wird (auch wenn die Soz-Päds der Umgebung wenig begeistert waren). Allerdings vermeide ich das Anfluchen…  wink

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