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Eintrag vom 20.06.2009 * 13948 Views in 2010

5 Tipps, wie man Schüler/innen richtig bestraft

Strafarbeit, kleiner AusschnittNachsitzen, Strafarbeiten, Unterrichtsausschluss - fast alle Lehrer/innen haben solche Mittel schon einmal angewendet, um ihre Schüler/innen zur Ordnung zu rufen. Sie finden hier Hinweise dazu, worauf Lehrer/innen bei der Ankündigung und Realisierung von Strafmaßnahmen achten sollten, um Missverständnisse zu vermeiden und zwischenmenschlichen Spannungen vorzubeugen.

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Jemanden zu bestrafen ist grundsätzlich nur dann ein Vergnügen, wenn man ein/e Sadist/in ist. Ein Blick in die Schulgesetze der Länder zeigt, dass Bestrafung nach Möglichkeit vermieden werden sollte und immer nur als Konsequenz am Ende einer Entwicklung steht, durch die eine pädagogisch sinnvolle Lösung gesucht wird. Einer Bestrafung gehen deshalb als sozialpädagogische Maßnahmen stets erzieherische Gespräche, mündliche Abmachungen u.ä. voraus. Die Bestrafung stellt keinen Versuch der Konditionierung dar, sondern eine letzte Grenze.

Gegenstand dieser Abhandlung ist die Bestrafung von Schüler/innen durch Lehrer/innen - nicht aber der Prozess, der jeder Bestrafung vorausgehen muss.

Gesetz und Strafe in menschlichen Gesellschaften

Jede menschliche Gesellschaft verfügt über Kontroll- und Bestrafungsmechanismen, die i.d.R. in ihren Gesetzen verankert sind (nulla poena sine lege). Gesellschaften ohne solche Gesetze gibt es nur in Utopien oder in archaischen Zonen. Eben solche Gesetze gibt es für das Schulleben (z.B. Schulgesetze).

In der westlich-abendländischen Tradition (und darüber hinaus) bilden die Menschenrechte eine wichtige Grundlage dieser Gesetze, im Grundgesetz der BRD sind sie als die “Grundrechte” formuliert: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, die Menschenwürde ist unantastbar usw. Missachtet eine Gesellschaft bei der Auslegung der Gesetze die Menschenrechte (wie z.B. die USA im Kampf gegen den Terror), führt das stets zu Protesten.

Gesetz und Strafe in der Schule

Auch in der Schule gelten solche Gesetze und ihre Einschränkungen. Im Lehrerfreund-Beitrag Hausaufgaben/Referate aus dem Internet: Gegenstrategie für Lehrer/innen werden u.a. Sanktionen für das Abschreiben von Hausaufgaben vorgeschlagen (Sechsen, Elterngespräche usw.). Der Bildungswirt schreibt in einem Kommentar dazu:

Der Schüler erscheint hier als Gegner, dem man auf die Schliche kommen muss. [...] Mit neuen Lernkulturen und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, einem reflektierten Lehrer-Schüler-Verhältnis hat das nichts zu tun.

Damit skizziert er eine (höchst wünschenswerte) Idealvorstellung, die in der Realität nur selten anzutreffen sind. Bestrafungsmaßnahmen in der Schule sind bisweilen unumgänglich. Sie müssen in jedem Fall den oben skizzierten Anforderungen genügen. Damit dürfen schulische Strafen in keinem Fall körperlich oder seelisch verletzend sein.

Ziel der Bestrafung in der Schule

1. Bestrafung als pädagogische Maßnahme (“Erziehungsmaßnahme”)

Bestrafung als pädagogische Maßnahme zur charakterlichen “Erziehung” des Menschen gilt heute nicht mehr als adäquates Erziehungsmittel, da die Auswirkungen von Bestrafung multipel und unkalkulierbar sind (weiterlesen: Wikipedia: “Strafe”, Abschnitt “Erziehungswissenschaften”). In der Schule hat diese Art der Bestrafung einen weiteren Nachteil: Lehrer/innen sind grundsätzlich auch für die Erziehung all ihrer Schüler/innen verantwortlich (Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule). Damit wird bei >100 Schüler/innen pro Schuljahr jeder Unterrichtstag zur Strafexpedition. Es gibt Lehrer/innen, die dieser psychischen Belastung nicht gewachsen sind und die Grenze zwischen pragmatischer und emotionaler Bestrafung überschreiten, was nicht in Frage kommen darf (siehe oben oder hier: Hausaufgaben nicht gemacht - Lehrer schlägt Schüler tot).
Es ist der Lehrperson daher grundsätzlich davon abzuraten, aus erzieherischen Gründen zu strafen. In schwierigen Fällen kann die Schulleitung Erziehungsmaßnahmen nach den entsprechenden Katalogen in den Schulgesetzen der Länder vornehmen, z.B. Sachsen §39, Baden-Württemberg §90, Hamburg §49 (im eigenen Abschnitt “Maßnahmen bei Erziehungskonflikten”).

2. Bestrafung als Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung (“Ordnungsmaßnahme”)

Bestrafung als Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung zielt auf eine Optimierung der organisatorischen Abläufe im Schulbetrieb ab, damit alle Schüler/innen während ihres Schulbesuchs möglichst effektiv lernen können. Ziel ist die Sicherstellung von Schul- und Unterrichtsqualität. Diese kann seitens der Schüler/innen beeinträchtigt werden durch

  • aktives Stören, wobei ein optimaler Unterrichtsverlauf durch unerwünschte Aktivitäten behindert wird. Beispiele: unerwünschte Wortbeiträge, Unterhaltungen mit dem Nachbarn, Kreide werfen.
  • Arbeitsverweigerung, wobei der eigene Lernfortschritt willentlich oder unwillentlich behindert wird. Beispiele: Arbeitsmaterialien vergessen, fehlende Mitarbeit, absichtliche Unlust.

Essen im Unterricht dürfte eine Mischung dieser beiden Ordnungswidrigkeitstypen darstellen.

Welche “Strafen” gibt es in der Schule?

Die Schulgesetze (z.B. Hamburgisches Schulgesetz (pdf) §49, Hessisches Schulgesetz, §82, Thüringer Schulgesetz, Abschnitt 8, §51, Schulgesetz Baden-Württemberg (pdf), §90) kennen nach den zentralen sozialpädagogischen Maßnahmen (Gespräche, Übereinkünfte, etc.) folgende schulische Strafen (Collage aus den verschiedenen Schulgesetzen):

  • mündliche oder schriftliche Ermahnung
  • Eintrag ins Klassenbuch
  • Nachsitzen bis zu zwei/vier Unterrichtsstunden (vier nur durch Schulleiter)
  • die Beauftragung mit Aufgaben, die geeignet sind, die Schülerin oder den Schüler das Fehlverhalten erkennen zu lassen [“Strafarbeit”]
  • der strenge Verweis durch den Schulleiter
  • Androhung des zeitweiligen Ausschlusses vom Unterricht
  • Unterrichtsausschluss (bis zum Ende der Stunde, des Tages, bis zu fünf Tagen, bis zu sechs Tagen, bis zu vier Wochen)
  • der Ausschluss von besonderen Klassen- oder Schulveranstaltungen
  • Androhung des Schulausschlusses
  • Schulausschluss
  • Nachholen schuldhaft versäumten Unterrichts
  • zeitweise Wegnahme von Gegenständen
  • Überweisung in eine Parallelklasse

Die härteren dieser Strafen dürfen nur von der Schulleitung (evtl. in Übereinkunft mit Schulamt o.ä.) verhängt werden.

Tipps zum richtigen Bestrafen

Nur wenige Lehrer/innen haben in ihrem langjährigen Berufsleben noch nie eine/n Schüler/in des Zimmers verwiesen oder noch nie einen Klassenbucheintrag verfasst, denn im Regelschulbetrieb gibt es hin und wieder Situationen, in denen die Lehrer/in eine Strafmaßnahme durchführen muss. Das ist unvermeidlich.

Schüler/innen akzeptieren Strafen nur dann, wenn sie diese als gerecht wahrnehmen. Durch nicht korrekt durchgeführte Strafmaßnahmen kann sich das Verhältnis zu den Schüler/innen außerordentlich verschlechtern. Um dies zu vermeiden, orientieren Sie sich an den folgenden Tipps.

1. Strafen Sie transparent

Obwohl es sich bei der Strafe um einen “aggressiven Akt” (Wikipedia: Strafe) handelt, dient sie einem konstruktiven Zweck (z.B. Sicherung der Unterrichtsqualität). Benennen Sie deshalb den Grund für Ihre Strafmaßnahme stets präzise.

Bevor Sie eine Strafe verhängen, müssen Sie diese immer androhen. Die Schüler/in muss die Möglichkeit haben, die Strafmaßnahme zu vermeiden - oder sie billigend in Kauf zu nehmen. Es ist ein trockener Deal zwischen Lehrperson und Schüler/in: “Du kannst die Kreide werfen, kein Problem, aber dann geschieht X.” Kein Grund zur Aufregung.

2. Strafen Sie berechenbar

Wenn Sie eine Drohung aussprechen, müssen Sie sie im Aktivierungsfall konsequent realisieren. Das macht Sie berechenbar und enthebt Sie dem Vorwurf der Willkür.

Regeln sind häufig hilfreich, um zeitraubenden Diskussionen aus dem Weg zu gehen (“Wer sein Deutschbuch zum dritten Mal vergisst, der ...”). Machen Sie klar, dass diese Regeln der Aufrechterhaltung der Ordnung dienen und nicht der Befriedigung Ihrer sadistischen Gelüste. Stellen Sie die Regeln gemeinsam mit der Klasse auf.

3. Strafen Sie emotionslos

Emotionen wie Zorn oder Hass haben bei der Bestrafungsaktion ebensowenig zu suchen wie die Freude und Lust. Wenn Sie die Strafmaßnahme explizit angedroht haben und sie vermeidbar gewesen wäre, dann ist die Bestrafung eine unangenehme Formsache, die sachlich-kühl erledigt werden kann. Geben Sie der bestraften Person gerne den Hinweis, dass die Bestrafung keine persönliche Wertung Ihrerseits darstellt und dass Ihnen die Bestrafung keinerlei Vergnügen bereitet - aber es gibt nun keine Alternative mehr.
In Situationen, in denen Ihr Puls vor Aufregung gestiegen ist, sollten Sie niemals strafen, sondern die Strafe nur ankündigen und erst dann verhängen, wenn Sie wieder bei Verstand sind.

4. Strafen Sie sinnvoll

Mit Ihrer Strafmaßnahme wollen Sie die betroffene Schüler/in zur Ordnung rufen - nicht ihm/ihr möglichst viel Leid zufügen. Deshalb müssen Ihre Strafen angemessen und sinnvoll sein. 15 Seiten aus dem Geschichtsbuch abschreiben ist fast nie angemessen und zudem völlig sinnfrei. Das wird bei der bestraften Schüler/in negative Emotionen Ihrer Person gegenüber wecken. Stellen Sie bei Ihren Strafen nach Möglichkeit einen Unterrichtsbezug her.

5. Strafen Sie rückstandslos

Durch das Verhängen der Strafe haben Sie das letzte Mittel gewählt. Wenn die Strafe vollzogen bzw. abgegolten ist, beginnt der Prozess von Neuem. Nehmen Sie keine emotionalen Reste mit in die nächste Runde - dieses Recht hat sich die Schüler/in durch das Absitzen oder Ableisten der Strafe verdient.

Fazit

Als Lehrer/in sollte man Strafmaßnahmen nach Möglichkeit vermeiden und versuchen, Probleme durch Gespräche oder Abmachungen gemeinsam mit dem/der betroffenen Schüler/in zu beseitigen. Das funktioniert in den meisten Fällen, wenn man sich die dafür erforderliche Zeit nimmt und nach wirklichen, dauerhaften Lösungen sucht.

Wer diese Option nicht vollständig ausschöpft, den wird auch eine gerechte und transparente Strafkultur nicht vor destruktiven zwischenmenschlichen Spannungen schützen.

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Beitrag vom 20.06.2009, 10:51 | diesen Beitrag versenden

83 Kommentare von LehrerfreundInnen
(#1) Mister M. meinte am 20.06.2009 dazu:
" Der wichtigste Tipp fehlt allerdings:
Die Erziehungs- oder Ordnungsmaßnahme niemals "Strafe" nennen. Denn "Strafen" gibt's laut Schulgesetz nicht...
(#2) joee meinte am 20.06.2009 dazu:
" Einige Ergänzungen zum Artikeln möchte ich anfügen.
Ein Lehrer, der von "Strafen" spricht, zeigt in seinem Menschenbild m.E. ein äußerst hierarchisches Menschenbild. Lehrer oben, Schüler unten. Das ist in vielen Unterrichtssituationen sicherlich das immanente Verhältnis zwischen den beiden Gruppen, sollte aber sicherlich nicht das handlungsleitende Bild sein (das wird z.T. auch angesprochen oben).
Bei Fehlverhalten eines Schüler soll durch die Reaktion zum Einen die Missbilligung des Verhaltens ausgedrückt werden, zum Anderen ein Lerneffekt erfolgen. Deshalb würde ich den Begriff logische Konsequenz dem Begriff Strafe vorziehen (vgl. Dreikurs et al.), denn hier zeigt sich eben eine andere Haltung hinter der Reaktion.

Außerdem sollte m. E. neben den verhängten/angekündigten Konsequenzen auch Feedbacks zu Verbesserungen des Schülerverhaltens gehören - denn ein Schüler, der auf eine Wenn-Dann-Ansage des Lehrers reagiert und Verhalten ändert hat ja schon etwas geleistet, ein Feedback gibt ihm die Bestätigung: richtiger Weg.

Vielleicht ergibt sich in einem späteren Artikel des Lehrerfreunds nochmals die Gelegenheit, das Thema Reframing/Umdeuten von Verhalten anzusprechen (sicherlich: eine präventive Maßnahme, und hier im Artikel ging es um Reaktionen, wenn Grenzen bereits verletzt wurden; doch auch hier lässt sich einiges erreichen).

Was meint Ihr dazu?
Gruß, joee
(#3) Yoshimo meinte am 22.06.2009 dazu:
" "...ein Feedback gibt ihm die Bestätigung: richtiger Weg."

*jauchz* Welch biblische Wortwahl! Und wer bestimmt, was der "richtige Weg" ist? Ach ja, genau: Die Befürworter der anti-antiautoritären Erziehung. (Oder zumindest würden sie das gerne...)
(#4) joee meinte am 22.06.2009 dazu:
" @yoshimo:
also von wegen: anti-antiautoritäre erziehung. Davon distanziere ich mich hiermit, und verweise auf die Lernpsychologie. Da steht, das Strafen alleine zu wenig ist. Positive Verstärkung dazu macht Sinn.
Aber die Wortwahl der beiden Richtungen (antiautoritäre Erz./lernpsychologie) ist in vielen neueren Publikationen doch sehr ähnlich, aber das liegt wohl eher am angloamerikanischen Background einiger Autoren.

Mich wundert es, dass ein Hinweis auf Menschenbild und eine Methode Einen sofort in eine plakative Ecke einer doch sehr Extremen pädagogischen Richtung schiebt. In meinem Arbeitsbereich verbietet sich diese antiautoritäre Erziehung schon von vorneherein, das kannst Du mir glauben, Yoshimo.
(#5) Schülerfreund meinte am 22.06.2009 dazu:
" "Ein Lehrer, der von "Strafen" spricht, zeigt in seinem Menschenbild m.E. ein äußerst hierarchisches Menschenbild"

Hierarchien gibt es im ganzen Leben und in jeder Sozialisation, warum also soll es sie in der Schule nicht geben? Ein junger Mensch sollte sehr wohl lernen, Hierarchien anzuerkennen und sich in ihnen zu bewegen. Wer das nicht kann, driftet ins Asozioale.
Was allerdings ganz wichtig ist, dass Hierarchien nicht dazu missbraucht werden, die Menschen, die in der Hierarchie tiefer stehen, zu demütigen.

Ich erwarte von meinen Schülern absolut, dass sie anerkennen, dass ich nicht Ihresgleichen bin und sie mich auch nicht so ansprechen oder behandeln, also dass ich in der Hierarchie über ihnen stehen. Dafür kann ich auch z.B. eine Schutzfunktion übernehmen.
Ich weiß von meinen Schülern, dass auch die das gar nicht anders wollen.
So bin ich z.B. auch nicht die Freundin meiner Tochter, sondern ihre Mutter, also stehe in der Hierarchie über ihr. Ich lege schließlich auch die Grenzen fest. Hier demokratisch vorzugehen, kann bei einem Teenager fatal sein. Dafür ergbringe ich auch Leistungen, die ich bei Gleichberechtigten nicht bereit wäre zu übernehmen.

"Strafen" als solche habe ich noch nie verhängt. Dennoch hat jedes Verhalten eine Konsequenz (und das ist keine Erbsenzählerei)
Wenn mir z.B. ein Schüler bei einem Opernbesuch abhaut, nehme ich ihn nicht mit ins Phantasialand, weil ich mich nicht auf diesen Schüler verlassen kann. Das ist eine Konsequenz und keine Strafe.
(#6) joee meinte am 22.06.2009 dazu:
" "Was allerdings ganz wichtig ist, dass Hierarchien nicht dazu missbraucht werden, die Menschen, die in der Hierarchie tiefer stehen, zu demütigen."

"Ich erwarte von meinen Schülern absolut, dass sie anerkennen, dass ich nicht Ihresgleichen bin und sie mich auch nicht so ansprechen oder behandeln, also dass ich in der Hierarchie über ihnen stehen. Dafür kann ich auch z.B. eine Schutzfunktion übernehmen."

So sehe ich das auch, aber konnte es wohl nicht so auf den Punkt bringen, wie der Kommentar von yoshimo vermuten lässt.
Die beschriebene Lehrerrolle zeigt sich dann auch darin, wie die Konsequenz vermittelt wird.

Gruß, joee
(#7) Schülerfreund meinte am 22.06.2009 dazu:
" €joee

Ja stimmt, ich muss zugeben, dass ich deinen Beitrag nur überflogen habe und erst jetzt genau gelesen habe
(#8) zum_bleistift meinte am 23.06.2009 dazu:
" Mir gefällt der Artikel und auch die Beiträge.
Ich wollte auch noch was beitragen als ehemalig Betroffener.

Führung ohne Hierarchie ist nicht gut möglich. Aber sie sollte aufgrund von Kompetenz erfolgen. Nicht aufgrund von Dienstzeit, Alter, Parteibuch, Sparbuch usw.

Gerechtigkeit war für mich als Schüler immer wichtig.

Strafen wurden von mir nie wirklich ernst genommen. Wichtig war mir, ob ich vertreten kann, was ich vor hatte (gegenüber meinen Idealen, meinem Selbstverständnis, den Mitschülern und dem Lehrer) und dann tat ich es oder unterlies es. Strafen habe ich zwar mit ins Kalkül genommen, aber ich gab ihnen kaum Beachtung, v.a. als Teeny.

Es geht ja meist um unliebsames Verhalten, das korrigiert werden sollte. Denn in irgendeiner Weise würde es der Klasse oder dem Lehrer schaden.
Was ich oft gesehen habe, war, dass der Schüler abgewertet wurde. Aus meiner Sicht sollte die HANDLUNG abgewertet werden - nicht die Person. Sobald man die Person angreift, degradiert man. Vor allem der Lehrer degradiert sich dabei selbst. Er zeigt, dass er am Ende mit dem Latein ist und er nun zu solchen Mitteln greifen muss.

Die meisten Menschen sind ok. Sobald man ihnen zeigt, dass eine Handlung nicht in Ordnung ist und wie man es besser machen könnte, sind sie bestrebt, es richtig zu machen. Der wichtige Punkt dabei ist, dass der Schüler versteht, was er da verursacht. Man muss ihm aus dem Leben gegriffene Beispiele geben, die er verstehen und akzeptieren kann.

Es gibt allerdings ganz, ganz wenige, bei denen das nicht hilft. Die sind eine Plage.
(#9) Mister M,. meinte am 23.06.2009 dazu:
" @zum_bleistift:

Ihre Argumente mögen aus einer rationalen Perspektive richtig sein ("Sobald man ihnen zeigt, dass eine Handlung nicht in Ordnung ist und wie man es besser machen könnte, sind sie bestrebt, es richtig zu machen."), aber Sie vergessen einen ganz entscheidenden Punkt:

Als Lehrkraft muss ich mich nicht nur um den "Störer" und seine Motivation kümmern, sondern ich muss auch sicherstellen, dass für die übrigen ca. 30 Schülerinnen und Schüler der Unterricht geordnet weitergehen kann, und zwar relativ schnell. Es ist leider so (und das meine ich ernst!), dass die dichten curricularen Vorgaben insbesondere am 8-jährigen Gymnasium kaum Zeit lassen für ausgedehnte, pädagogische Interventionen. "Verfügungstunden" in denen man solche Probleme unbelastet klären könnte sind an den Gymnasium bis auf die Anfangsklassen (5. evt. 6. Klasse) schon seit langem "eingespart" worden.

Ohne angemessene "Sanktionsmaßnahmen" würde die Schüler schnell merken, dass "Störungen" ein effektives Mittel wären, den "langweiligen" Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten und sei es nur durch andauernde Diskussionen.

Und ein weiterer, wichtiger Punkt:
Oft wissen die "Störer" ganz genau, dass ihre Handlung nicht in Ordnung ist. Sie tun es aber trotzdem, da sie dadurch in ihren Augen bei ihren Mitschülern soziale Anerkennung gewinnen können. Solch einem Schüler braucht man nicht zu erklären, dass seine Handlung "falsch" ist, denn er weiß es bereits.
(#10) julia k. meinte am 23.06.2009 dazu:
" interressant. vier stunden nur durch den schulleiter. ein freund von mir (sechste klasse, bin selbst schülerin, klasse 8) hat 25 strafstunden abzuarbeiten. warum werden schüler eigentlich nie über ihre rechte hinsichtlich bestrafung aufgeklärt und müssen sich im sekretariat die BASS erbetteln um dann mir irgndwelchen gummiparagraphen konfrontiert zu werden?
(#11) Schülerfreund meinte am 23.06.2009 dazu:
" @zum_bleistift
Ich kann Mister M. nur beipflichten, aber noch um ein paar Hauptschulvarianten ergänzen:

1. Um die ADHS-Kinder, die in jedem Fall durchdrehen, wenn sie nicht ihr Ritalin nehmen, egal ob ihnen ihr Verhalten klar ist.
2. Um die, die jedes Mittel nutzen, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Denen kommen Störungen auch gelegen, weil sie häufig nicht durch Leistung auffallen können.
3. Um die verhaltensauffälligen mit allen möglichen Syndromen.
4. Die Querulanten hatte Mister M. ja schon erwähnt.
5. Und hin und wieder gibt es auch die, die du beschrieben hast. Die, die einfach nur mal Mist gemacht haben
(#12) joee meinte am 23.06.2009 dazu:
" @schülerfreund bzgl. der HS-Varianten:
ja, aus der Ecke komme ich auch, allerdings ist der Zeitdruck im Gym wohl auch ungleich höher, der Erziehungsauftrag ist hier dann doch eher in Richtung Wissensvermittlung verlagert.

Punkt 2. & 3. kann ich auch nur zustimmen.
Punkt 4, die Querulanten: auch diese haben oftmals (latente) Gründe, warum sie bestimmtes Verhalten zeigen. Dahinter kommen und dann noch eine sinnvolle Intervention zu entwickeln ist allerdings oftmals mühsam und nicht immer von Erfolg gekrönt.
(#13) zum_bleistift meinte am 24.06.2009 dazu:
" @Mister M.

Es stimmt, das der "Rest" der Klasse wichtiger ist. Wenn im Schulsystem keine Möglichkeit einzelne Schüler zu handhaben eingeplant ist, hat dies aber, meiner Meinung nach, eine Schwächung des kompletten Apparates zur Folge.

Als junger Mensch möchte man sich schon gar nicht gerne einschränken lassen. Also gehört es "dazu", Grenzen auszuloten und auch Regeln zu übertreten. Ich hätte aber Lehrern viel weniger Problemchen gegeben, wenn ich deren Situation und Gesichtspunkt gekannt und verstanden hätte.

Jugendliche verstoßen gegen eine Einschränkung, eine Regel, einen Kodex. Aber sie haben meist nicht den Weitblick zu erkennen, welche Probleme das für andere bewirken könnte. Deshalb wäre MEIN THEORETISCHER Ansatz, einzelne Schüler zu handhaben. Würde das schon in der Grundschule mit dem nötigen Einfühlungsvermögen gemacht, hätten Lehrer in den oberen Stufen weit weniger mit Störern zu tun.

Aber ich kann sehen, dass Lehrer aufgrund der Stoffmenge usw. überfordert wären, wenn sie das so machen würden. Ich rede da aus der Sicht eines ehemals Betroffenen (wie ich schon im vorigen Beitrag geschrieben habe) und nicht aus der Sicht eines Lehrers. Also sind meine Ideen möglicherweise ein klein wenig schwierig umzusetzen.


Es ist den meisten Menschen sofort klar, wenn sie sich entschließen, etwas tun, das nicht in Ordnung ist. Hier ist für mich aber ein Fragezeichen. Denn ich wußte damals nicht, ob es nur der Bruch einer Tradition oder eines Moralkodex ist, der schon überholt ist, oder ob es tatsächlich was Negatives bewirkt. Und ich war immer bereit, zu neuen Ufern aufzubrechen und Grenzen zu sprengen.


@Schülerfreund

zu 1.: Ritalin-Kinder haben wahrscheinlich das Problem, dass sie durchdrehen, wenn sie die Pille abgesetzt oder nur vergessen haben. In den USA wurde einmal nachgeforscht (bei etwa 15 Fällen von denen man Blut abgenommen hatte) und die Mehrzahl der Schüler die ein Massaker angerichtet haben, hatte entweder Spuren von Psychopharmaka oder Drogen im Blut. Ebenso war es in Winnenden.

zu 2. etc.: Es gibt viele Gründe, warum Schüler stören. Sicherlich sind das alles Schwächen der Schüler, die dazu führen.

Um es abzuschließen: mich hätte man damit – wie ich oben beschrieben habe – ganz leicht zur Vernunft bringen können. Vielleicht hätte ich noch 3 oder 4 Mal danebengehauen ...
(#14) joee meinte am 24.06.2009 dazu:
" @bleistift

ich bin mir nicht sicher, ob Ritalin den Psychopharmaka zugeordnet wird. Suizidgefährdete, depressive Menschen werden eher nicht damit behandelt. Wirkstoff bei Ritalin ist Methylphenidat, bei Psychopharmaka sind bspw. Präparate finden, die sedieren oder Stimmungen aufhellen.
(#15) Schülerfreund meinte am 24.06.2009 dazu:
" @joee
Das mit dem Zeitdruck stimmt sicher. Jedoch sind auch wir an der Hauptschule durch die ZP inzwischen unter Zeitdruck, wenngleich der bei uns ungleich geringer ist.
Mutmaße ich denn falsch, dass es dafür am Gymnasium weniger solcher Schüler gibt?

@zum_bleistift
zum Rotalin: Stimmt das mit den Drogen oder Psychopharmaka? Das wusste ich nicht. Auch nicht, dass auch in Winnenden Drogen im Spiel waren.

Zu Schülrn wie uns grin
Ich wäre auch eine Schülerin gewesen, bei der das funktioniert hätte. Auch mich hätte man schnell zur Vernunft bringen können grin
(#16) zum_bleistift meinte am 25.06.2009 dazu:
" @Schülerfreund
Sorry, was ich bezüglich Winnenden geschrieben habe stimmt nicht. Ich habe mich gerade noch einmal erkundigt. Es wurden bei einer Schnelluntersuchung keine Spuren gefunden. Mehr wurde nicht veröffentlicht, da das Verfahren noch läuft.

@joee
Es gibt Wirkstoffe, die vorwiegend aufputschen und welche, die dämpfen. Aber wenn man die Menge erhöht, dämpfen auch die aufputschenden, dann lähmen sie, dann töten beide. Die Grundsubstanz ist meiner Meinung nach einfach Gift, das Nebenwirkungen hat. Bei Rauschgift ist es das Gleiche. Was die Pharma als Psychopharmakon deklariert oder nicht, hat viel mit Marketing zu tun.
(#17) Alois Buy meinte am 25.06.2009 dazu:
" Lasst mich hier noch über eine Variante als »Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung« im Unterricht berichten. Sie wird manchem gewissenhaften Pädagogen die Haare zu Berge stehen lassen, aber ich habe sie Jahre lang mit ordentlichem Erfolg praktiziert.

Mir war in meinen vorgerückten Lehrerjahren aufgefallen, dass die Ausdrucksweise unter den Schülern immer unflätiger wurde. Das hörte ich mir eine Weile an, um dann zu beschließen, dem einen Riegel vorzuschieben. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass etwa das Wort »geil« noch vor 30 - 35 Jahren ganz unmöglich war. Es ist inzwischen so abgedroschen und normal, dass auch ich mich bremsen muss, es nicht hier und dort zu verwenden.

Im Einvernehmen mit der Klasse führte ich eine »Unflätigkeitsliste« ein. Unter diesem Stichwort zierte sie die letzte Klassenbuchseite; dort standen untereinander Schülernamen mit zugehörigen Strichen, den Geldbußen. Diese wieder wurden - immer im Einvernehmen mit den Schülern - im Laufe des Schuljahrs erhöht, wenn der erwartete Rückgang der Unflätigkeiten nicht eintrat.

Was überhaupt nicht funktionierte: In meiner Duselei von der Vollkommenheit der Menschen schlug ich anfangs vor, das eingenommene Geld einem wohltätigen Verein nach Wahl der Schüler zukommen zu lassen. Dieses Ansinnen lehnten sie in der Regel rundweg ab. So blieb das Geld in der Klassenkasse und wurde zum erfreulichen Schmieröl für den Jahresausflug o. Ä. Ausnahmsweise wurde es auch ausbezahlt.
Die Strichaktionen liefen zumeist mit viel humorgespicktem Beiwerk ab und hatten eigentlich nur den Nachteil, dass manche wertvolle Unterrichtsminute buchstäblich im Unflat landete.

Der Vollständigkeit halber muss ich noch berichten, dass auch ich immer wieder meinen Strich erhielt. Eines Tages jedoch kam mich meine Erfindung über die Maßen teuer. In einer zähen Klasse hatten wir den Strichpreis von einer auf 5,- DM erhöht, als allzu viele Schüler gegen Schuljahresende leichtsinnig wurden. In dieser Situation muss ich mich auf einen nicht hinnehmbaren Ausrutscher eingelassen haben - wenigstens wurde meine Redensart als Vergehen gedeutet. Der Klassensprecher stand auf um zu konstatieren, jeder Einzelne fühle sich von mir beleidigt. Er zählte durch, stellte 27 anwesende Schüler fest und multiplizierte mit fünf. So war ich unter schändlichem Gegröle auf einen Schlag 135,- DM los.
(#18) zum_bleistift meinte am 02.07.2009 dazu:
" @ Alois Buy
Das ist ja abenteuerlich! Da haben sich die Schüler aber gefreut.
Wie schnell hat das die ganze Schule gewußt?
So lange der Lehrer mit in dem Spiel ist und den gleichen Bedingungen unterliegt, und die Schüler damit übereinstimmen, ist das ein zu befürwortendes Spiel, bei dem sie einiges für das Leben lernen.


Diese Anekdote zeigt auch einen anderen Level im Umgang miteinander, obwohl er auch heftig ausgetragen wird:

Ein Reisender sah in China an der Straßenecke zwei Jungs die beide mit einem Wortschwall auf den anderen einwirkten. Da dies irgendwie auffällig war, fragte er seinen Begleiter, was die da machen. Der Chinese sagte, die streiten.
Als der sich nach einer viertel Stunde zufällig wieder umdrehte, sah er die beiden immer noch da stehen und unaufhaltsam aufeinander einreden. Da fragte er seinen Begleiter, warum die Jungs denn nicht raufen?
Da lächelte der Chinese und meinte mit einem Grinsen: Der Junge, der als erster seine Faust ballt, hat verloren.

Die Lehre daraus?
- Wenn man sich herab lässt und straft, hat man zugegeben, dass man aufgegeben hat.
- Man muss nicht jemand umbringen, um zu wissen, dass man überlegen ist, sich durchgesetzt oder gewonnen hat.

_
(#19) Elvira meinte am 13.09.2009 dazu:
" Also ich bin eine junge Lehrerin an der Grenzen Bayern-Österreich. Wie ich feststelle, werden Jungs und auch Mädels hierzulange noch oft auf den Po geschlagen. Eltern und Kinder reden offen darüber. Mich macht das ganz verlegen, und ich habe an die Kolleginnen und Kollegen ne Frage: Wie soll ich damit umgehen, und habt ihr das auch schon erlebt?
(#20) Schülerfreund meinte am 13.09.2009 dazu:
" Waaaaaaaaas????? Die Kids werden geschlagen?

Ich dachte, dass das in ganz Deutschland verboten sei. Das macht dich nur verlegen?
Puhh, ich hätte nie gedacht, dass es das noch gibt
(#21) Elvira meinte am 14.09.2009 dazu:
" Ja, aber wie soll ich mich nun verhalten?
(#22) Schülerfreund meinte am 16.09.2009 dazu:
" Sorry, aber ich bin immer noch fassungslos, dass es sowas gibt. Ich habe keine Ahnung, an wen man sich wenden soll. Ans Schulamt? An die Presse? An die entsprechende Bezirksregierung? Die Landesschülervertretung? Personalrat? Gewerkschaft? - oder gleich an alle.

Keine Ahnung, aber es ignorieren ist genauso schlimm wie mit machen
(#23) hans meinte am 16.09.2009 dazu:
" die schulleitung ist hier der richtige ansprechpartner.
gruß hans
(#24) zum_bleistift meinte am 16.09.2009 dazu:
" Die beste Möglichkeit:
Sie könnten ja das Spiel von Alois Buy (#17) nehmen und hier auf die Lehrer anwenden. Jeder Verstoß 25 Euro. Wenn sich der Lehrer nach einem Verstoß nicht selbst meldet und es aufkommt, muss er 100 in die Gemeinschaftskasse zahlen. Am Schulschluss gibt es ein großes Happening.
Augenzudrücken darf es keines geben, sonst verwässert dieses Spiel sofort.


Die mögliche Alternative:
Machen Sie es leise, schriftlich und nicht emotionell.

Geben Sie denen, die etwas verkehrt machen eine Chance, es zu korrigieren. Wenn Sie es schriftlich machen, kann später keiner behaupten, Sie hätten es anders gesagt.
Beobachten Sie es und bestätigen Sie jeden Fortschritt. Es wird nicht von Heute auf Morgen alles richtig gemacht. Es wird auch Ausrutscher geben. Wichtig ist, dass es in die richtige Richtung geht und ein Ende absehbar ist.

Ich würde mich an den Rektor wenden – außer er ist derjenige, dem diesbezüglich alle nacheifern. Wenn dem so ist, müssen Sie eine Etage höher gehen. Die Sachlage stellt ja für die Schule eine gewisse Gefahr dar. Z. B. Eltern könnten plötzlich etwas unternehmen. Also ist es im Sinne der Schule dies abzustellen.


Es an die Presse zu geben ist keine Alternative:
An die Presse würde ich aus 3 Gründen NICHT gehen:

- Erstens hat die Schule nach dem Spektakel weniger Schülerzugang.
- Zweitens: Sie haben in den vielen kommenden Jahren das Problem, dass sie keine Schule anstellen möchte.
- Drittens: Ihre Kollegen und Kolleginnen werden sich rechtfertigen, einander gegenseitig die Hauptschuld zuschieben und Sie angreifen. Viele andere Dinge werden ausgegraben. Das entzweit die Lehrerschaft und wirkt sich negativ auf das Klima und v.a. auf die Schüler aus.

Es verursacht also viel mehr Schaden als Nutzen. Der Nutzen liegt eindeutig bei der Presse, die ein paar Exemplare mehr verkauft.
(#25) Kathi meinte am 17.09.2009 dazu:
" @ Elvira: Bitte, ich bitte dich inständig, geh zum Personalrat!!! Auch mit dem Hintergrund, dass du eventuell (vor allem als Junglehrer) "Probleme" mit deinen Kollegen bekommst. Und wenn das nicht hilft, dann ab ins Regierungspräsidium/Schulamt.

Jeder, der sich entschieden hat, sich mit Kindern u Jugendlichen zu beschäftigen, ist einen inneren Kodex eingegangen: die Kinder u Jugendlichen zu beschützen u ihnen zu helfen, sich in unserer multiplen Gesellschaft zurecht zu finden. Wie sollen die Kids denn je lernen, was Solidarität ist u welche Werte wir in unserer Gesellschaft haben, wenn es die Erwachsenen, die sie beschützen soll(t)en, es nicht machen??

Tut mir echt leid, aber darüber reg ich mich echt auf. Von allen Ecken hört man nur, dass "diese Jugend von heute, keinen Anstand, keine Werte hat", sie nicht wissen, was Solidarität bedeutet. Aber woher sollen sie das wissen, wenn es ihnen keiner vormacht??? So viel zum Thema "Generation Doof".

Das kann im 21. Jahrhunder nicht angehen, dass in aller Öffentlichkeit Kids körperlich gezüchtigt werden, sei es in der Schule oder im Supermarkt.

Also bitte Elvira, mach was. Stimme da Schülerfreund zu, nichts tun ist wenn nicht sogar schlimmer als mitzumachen.
(#26) Karlheinz meinte am 17.09.2009 dazu:
" Es ist für eine junge Lehrerin kaum möglich, eingefahrene Sitten der Erwachsenen zu verändern. Ich selbst besuchte ein schottisches Internat, und da tanzte oft der traditionelle Erziehungsriemen "tawse" auf unseren bloßen Backen, besonders für uns Jungs bei den Lehrerinnen. Es gab einen detention room; dort hatte man auf einem treppenartigen Prügelbock zu knien. Dafür herrschte eine wunderbare Disziplin.

Dazu der umfangreiche Beitrag "Wie aus Kindern Genies werden" über das Bildungswesen in Singapur in der "Welt" vom 31. August 2009. Das Bildungswesen hat in dem Stadtstaat den höchsten Stellenwert. Dafür ist man sehr streng mit den Schülerinnen und Schülern. Jeder Schulleiter hat das Recht, über die Anwendung der Prügelstrafe zu entscheiden. Er vollstreckt sie auch selbst. Außerdem gibt es einen "Disziplinierungsmeister", der den Rohrstock überzieht.
(#27) zum_bleistift meinte am 18.09.2009 dazu:
" @Karlheinz:
Ein Klapps auf den Po ist kein schlimmes Verbrechen. Als ich zur Schule ging war das an der Tagesordnung. Ritalin & Co sind viel heftiger!

Trotzdem ist noch niemand zu einem Genie geprügelt worden. Im Gegenteil, die hatten normalerweise mehr Freiheiten als andere Kinder und weniger aufgezwungene Regeln (soweit ich darüber gelesen habe). Ein Genie ist nicht jemand, der alles auswendig lernt und sich jedem und allem unterordnet. Unter Zucht und Ordnung verwelken solche Typen.
Man kann ja auch vernünftig handeln. Dazu muss einem vorher das Recht zugestanden werden, eigenständige Entscheidungen zu fällen. Übertriebene Regelungen sind gut für Roboter, nicht für denkende Menschen mit Herz.

Gewalt und Einschüchterung sind Unterdrückung! Sie bewirken gebrochene, ängstliche Mitmenschen die selbst wiederum Gewalt auf Schwächere ausüben.
Völlig gegen die Menschenrechte!

Es geht viel besser, wenn man an die Vernunft appelliert, Ideale hoch hält und es vorlebt (so gut es geht).
(#28) Kathi meinte am 18.09.2009 dazu:
" @ zum_bleistift
ich höre sehr oft, dass ein Klaps auf dem Po noch niemanden geschadet hat. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Klaps auf den Po bekommen und das hat mir auch nicht geschadet.

Da wären wir nämlich bei dem alten Thema: Wie definiert man Gewalt? Und von der Redewendung her "einen Klaps auf den Po" sieht man ja schon, dass das verharmlost wird u vor allem gesellschaftlich toleriert wird. Leider muss ich sagen.

Wenn jemand Gewalt - ob körperliche oder verbale - auf jemanden anderen ausübt, kann sich diese Person nicht mehr anders helfen und stellt sich meines Erachtens unter das Niveau des Betreffenden. Hier muss man nur bedenken, dass die betreffenden Personen Kinder/Jugendliche sind, die es schlichtweg einfach noch lernen müssen.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die Störungen einfach provozieren. Da sollte man sich aber fragen, warum sie es tun. Liegt es am Unterricht? Sind sie unterfordert oder überfordert? Langweilen sie sich einfach? Desinteresse an der Themenwahl? Manchmal haben auch Schüler einfach einen schlechten Tag. Vielleicht ist aber auch was in der Familie oder im Freundeskreis etwas passiert. Die typischen Fragen die man sich stellen sollte. Da muss man dann einfach spontan sein u eine andere Methodik zum Beispiel ausprobieren.

Es ist traurig, dass sich Erwachsene - ob Lehrer, Eltern oder sonst wer - nicht anders zu helfen wissen.
Daraus schlußfolgernd kann man da auch nicht von den Schülern erwarten, dass sie respektvoll und tolerant mit ihren Mitschülern umgehen. Oder was machen die Lehrer, wenn ein Schüler einen anderen "einen Klaps" mitgibt???

Ich weiß, dass es auch anders geht, ohnen Klapse zu verteilen. Es gibt ein altes Sprichwort: "So wie's in den Wald reinschreit, so schreits auch raus". Und damit fährt man ganz gut.
(#29) Kathi meinte am 18.09.2009 dazu:
" @Karlheinz
Zwar herrscht eine "wunderbare" Disziplin, aber schon mal die Selbstmordrate von Jugendlichen in Singapur angeschaut? Der Druck, der auf den Jugendlichen lastet, ist so groß bzw. steigt immer mehr, dass die Selbstmordrate stetig wächst.
(#30) zum_bleistift meinte am 18.09.2009 dazu:
" @Kathi
Ich bin NICHT für den Klaps auf den Po.
Ich wollte ihn nur in ein Verhältnis setzen. Schwarz-Weiß nehme ich gerne zur Veranschaulichung. Im tägliche Leben gibt es nicht 100% richtig und 100% falsch. Es spielt sich immer ZWISCHEN diesen beiden Extremen ab.
(#31) Ingelore meinte am 02.10.2009 dazu:
" Als frühere Praktikantin in einem hochherrschaftlichen schottischen Haushalt konnte ich die Strafpraktikenin diesen gesegten Landstroch studieren. Betroffen waren drei "junge
Herren", 16, 14 und 10 Jahre alt. Die allein erziehende Dame des Hauses ging nach einem traditionellen Ritual vor.
(#32) Oliver Posener meinte am 04.10.2009 dazu:
" Ich wage zu behaupten: körperliche Machtdemonstrationen - wie ein Klaps eine darstellt - sind immer, sind in 100% der Fälle falsch.
(#33) Heidi meinte am 05.10.2009 dazu:
" Hallo Ingelore,

darf ich fragen: wie sah denn das traditionelle Strafritual für die "jungen Herren" aus?
(#34) Ingelore meinte am 07.10.2009 dazu:
" Hallo Heidi. Also die Podexe der "jungen Herrn" waren alle paar Wochen straffällig. Meist mussten sie die traditionelle Schulbückstellug einnehmen: Beine weit gegrätscht, Hände an die Knie. Dann zog die Dame kräftige Hiebe mit dem biegsamen traditionellen Schulrohrstock über, mindetens drei, höchstens 6 Hiebe, genannt six of the best. Bei gößeren Vergehen: Hose und Unterhose runter, über einen schwarzen Polsterhocker legen, der nur Erziehungszwecken vorbehalten war. Dann wurde der schottische Erziehungsriemen über den Po gezogen. Beonders bei dieser Version haben sich die Jungen stark vor mir geschämt; ich wa ja nur etwas älter als die Sünder. Vorher mussten sich die Jungen vor der strengen Dame aufstellen und bekamen ausführlich ihr Sündenregister vorgehalten. Die Hausherrin hatte eigene Erfahrungen in einem strengen Internat hinter sich.
(#35) Kevin meinte am 07.10.2009 dazu:
" Ich habe einen englischen Vater. Ja, so gings in britischen Haushalten früher zu, meines Wissens auch heutzutage noch. Ich besuchte eine private school, da wurde auch noch streng gestraft; auf die bloßen Gesäße der Jungen besonders durch die weiblichen Lehrkräfte und die Praktikantinnen.
(#36) Elfi meinte am 08.10.2009 dazu:
" Als junge Pädagogin kann ich feststellen, dass die häusliche Disziplin wieder eine größere Rolle spielt als früher. Ja, einigen Schülern und Schülerinnen droht daheim zunehmend der Povoll, wenn sie sich daneben benehmen. Und bei Elterntreffen wird offener darüber gesprochen. Oft wird bedauert, dass wir Lehrer nicht mehr zum Rohrstock greifen dürfen. Haben Sie in Ihrer pädagogischen Praxis ähnliche Erfahrungen gesammelt? Hinzufügen muss ich, dass dass ich in einer ländlichen Gegend arbeitete, die als konservativ gilt. Da kriegt man es leicht mit, wenn jemand übers Knie gelegt wird.
(#37) zum_bleistift meinte am 08.10.2009 dazu:
" Was bringt denn das Schlagen? Angst oder Vernunft?
Möchten Sie Sklaven/Untertanen heranziehen oder freie Menschen?
Das ist doch reine Überwältigung. Dazu kommt noch, dass so mancher Erwachsene damit seinem Frust freien Lauf lassen kann.

Ich habe das auch noch erlebt. In der 4. Klasse hat meine Lehrerin regelmäßig mit einem geschnitzten Stock auf die Fingerspitzen oder auf die Fingerballen geschlagen. Am meisten hat mir weh getan, dass mein Sitznachbar so oft und so hart von ihr geschlagen wurde. Für mich selber war das nicht so schlimm. Die anderen Lehrer haben eher selten geschlagen.
Ihr Mann war Alkoholiker – wie ich später erfahren habe.
(#38) Schulrat meinte am 12.10.2009 dazu:
" Meine Mutter, einen Krieegrwitwe, legte meine Schulaufsicht in die Hände ihre Schwester, von Beruf Lehrerin. Sie war streng, aber gerecht. Sie ließ nichts durchgehen, und sie scheute sich auch nicht, mir als großem Jungenden Rohrstock über das blanke Gesäß zu ziehen. Damals hasste ich das, doch die Antriebskraft trieb mich zu hervorragenden Schulleistungen. Zuletzt wurde ich Schulrat. Damit will ich nicht mehr die Prügelstrafe befürworten, denn heutzutage haben wir andere Mittel, um zu hervorragenden Schulleitungen zu kommen.
(#39) Hanno meinte am 14.10.2009 dazu:
" Arbeite gerade als Austauschlehrer im Sueden der USA, wohne bei einer christlichen Familie. Bei beiden spielt die Koerperzucht noch eine grosse Rolle. In der Schule muessen sich straffaelige "Damen und Herren" mit dem Oberkoerper über einen Spezialtisch legen, bekommen dann ein paddle über den nackten Po gezogen. Zu Hause sind Suenderinnen und Suender ganz nackt für die Strafe, liegen erst über dem Knie, dann auf dem Sessel. Dann werden die Pobacken mit der Hinterseite einer Haarbuerste kräftig bearbeitet.
(#40) Elvira meinte am 22.10.2009 dazu:
" Also in Hamburg regierte der Rohrstock in den Schulen noch ziemlich lange. 1960 wurden die Kriterien festgegt, nach denen der Rohrstock geschwungen werden durfte. Die Rohrstöcke wurden von der Schulverwaltung geliefert. Erst 1969 wurde der Rohrstock endgültig aus Hamburger Schulen verbannt.
(#41) lehrerlaemple meinte am 24.10.2009 dazu:
" Und hat das bei der Disziplin und beim Lernen geholfen? Gibt es messbare Erfahrungen?
(#42) Hella meinte am 04.11.2009 dazu:
" Gerade ist mir was passiert. Ich hatte eine deutschrussische Mutter und ihren Sohn zur Besprechung bei mir. Ich lobte den Sohn wegen seiner Disziplin und seiner guten Leistungen. Darauf die Mutter: und wenn nicht dann gibt es tüchtig was mit dem Peitschchen auf den splitternackten Po. Das hilft am besten. Der Junge bekam einen roten Kopf, und ich war ganz perplex und sagte gar nichts. Jetzt frage ich mich: Wie hätte ich reagieren sollen?
(#43) Horstwerner meinte am 26.11.2009 dazu:
" Ja, wie hätte ich als Lehrer reagiert. Auf Anhieb kann ich gar keine Antwort geben. Irgendwie hätte ich aus dem Bauch heraus reagiert. Aber wir sollten Hella mit ihrer Frage nicht allein lassen und ihre Frage beantworten.
(#44) Nadine meinte am 28.11.2009 dazu:
" Ich lebe im Elsass. In Frankreich hat man ein unverkrampfteres Verhältnis zur Postrafe. Da kann man es oft sehen, dass eine maman ihren Sprößling in aller Öffentlichkeit was über den Po zieht. An den Schulen wird nicht mehr geprügelt. Aber in vielen Familien sind die Prügelstrafe, deren Vollstreckung mit einem gewissen Ritual und bestimmten Instrumenten ein fester Bestandteil der allgemeinen Sitte. In der politischen Öffentlichkeit wird wird über das Für und Wider der Postrafe diskutiert.
(#45) Norbert meinte am 29.11.2009 dazu:
" Hallo Nadine. Wie sieht denn bei Euch die Diskussion über Züchtigungen aus? Und wie muss man sich so ein Ritual vcrstellen? Mit welochen Instrumenten?
(#46) Nadine meinte am 30.11.2009 dazu:
" Hallo Norbert. Also bei uns wird meist entweder die férule odr die martinet (Klopfpeitsche) eingesetzt. Ich kan dir mal schildern, wie der Strafakt ablief, als ich bei einer Familie mit allein erziehender Mutter und zwei Knaben(16 und 14 Jahre) eingeladen war. Vor dem Essen sagte die Madame zu den Jungen: Ihr wisst, was euch nach dem Essen erwartet. Da kriegten sie beide rote Kopfe, und das Essen schien ihnen nicht zu schmecken. So, es geht los, sagte dann die Maman. Den beiden Sündern wurden ihre Vergehen vorgehalten, dann holten sie die beiden die Zuchtinstrumente, stellten sich an die Wand und ließen die Hosen samt Unterhosen herunter. Meine Anwesenheit machte ihnen zu schaffen. Dann legte sich der Jüngere über einen Polsterhocker und empfing sechs Hiebe mit der Martinet. Der große folgte, bekam acht kräftige Hiebe mit der férule. Anschließend rieben sich beide eifrig die Pobacken und zogen sich schnell die Hosen wieder an.
(#47) Helmi meinte am 03.12.2009 dazu:
" Hörst sich ja sehr gefährlich an. Und wie wird das Thema in Frankreich öffentlich duskutiert?
(#48) philip meinte am 11.12.2009 dazu:
" ich finde es nicht gut das sie zeigen wie man Kinder bestraft.
(#49) Nadine meinte am 14.12.2009 dazu:
" Schon richtig, Philip, aber das ist die Realität in vielen französischen Familien. Vorzugsweise die Bubenhintern werden noch oft kräftig durchgezogen. Aber zu deiner Frage, Helmi, nach der öffentlichen Diskussion. In Franreich ist die häusliche Prügelstrafe nicht verboten, anders als in den meisten anderen europäischen Ländern. Die konservative Abgeordnete und Kindrärzin Edwige Nadine findet die konsequenten Erziehungsmethoden in Frankreich als rückständig. Xavier Betrand, Vorsitzender der Partei UMP von Staatsche Nicolas Sarkozy, wies seine Parteikollegin in die Schranken. Auch die Elternvereinigung Union dews familles tritt dafür ein, die Erziehungs- und Strafmethoden den Eltern zu überlassen. Dagegen steht die Elterninitiative "Ni claques, ni fessées ( weder Klapse noch Prügel". 87% beklopfen laut Umfragen die Gesäße ihrer Kinder. Antier hingegen: "Je eher man die Hand gegen ein Kind erhebt, desto eher wird es ungezogen und aggressiv". Doch wie gesagt: Nach wie vor bearbeitet die Mehrheit der Franzosen die nackten Sitzflächen ihrer Kinder tüchtig mit der férule oder der martinet.
(#50) Evi meinte am 28.01.2010 dazu:
" Ich habe ein etwas ungewöhnliches Problem. Ich bin Studentin und möchte eine Au-Pair-Stelle in einem französischen Hauhalt übernehmen. Alles scheint wunderbar zu sein. Es handelt sich um einen hochherrschaftlichen Haushalt, drei allein erziehenden Schwestern mit vier Jungen, 16, 14, 12, 11 Jahre, und drei Mädchen, 15, 14, 12. Aber man machte mich darauf aufmerksam, dass bei bestimmten Vergehen gezüchtigt wird. Und ich müsste bereit sein, die Sünderinnen und Sünder festzuhalten und auch selbst die Instrumente martinet und férule zu führen. Dazu gibt es ein Familienritual. Und man führte mir das vor bei dem ältesten Jungen und dem 14 Jahre alten Mädchen. Eigentlich bin ich ja gegen die Prügelstrafe, aber "Andere Länder, andere Sitten". Soll ich mich darauf einlassen?
(#51) Roberto meinte am 02.02.2010 dazu:
" "Hauhalt" ist gut, wohl ein "Freud'scher Verschreiber", hihi. Mich würde aber mal interessieren, wie so ein familiäres Strafritual ablaäuft. Ansonsten, wie du schon sagst: andere länder, andere Sitten. Also an deiner Stelle würde ich mir die Chance i9n Frankreich nicht entgehen lassen.
(#52) Hans meinte am 19.02.2010 dazu:
" Evi, wie sieht dieses Familienritual denn aus?
(#53) zum_bleistift meinte am 22.02.2010 dazu:
" Auch wenn mein Beitrag Evi nicht direkt hilft, so denke ich, dass er einen kleinen Beitrag zum Thema beisteuert.

Das Ganze ist eine Frage des Niveaus (ich möchte auf die Beiträge #17 und v.a. #18 verweisen).

Man kann auch Mord und Totschlag zur üblichen Sache machen. Jemand könnte auch folgender Meinung sein: Warum sollte man Meinungsverschiedenheiten diskutieren und einen gangbaren Weg suchen? Mord und Totschlag ist sehr effektiv! Niemand meckert mehr (nachdem er tot ist).

Schläge machen untertänig. Sie zeigen dem Geschlagenen, dass er unterlegen ist. Das ist Abwertung. Da ist keine Vernunft beteiligt. "Wenn du das machst, bekommst du Schläge (Schmerz)". Schläge bewirken keine Vernunft. Sie bewirken eine Veränderung des Verhaltens, um Schmerz zu vermeiden. Reine Reiz-Reaktion. Das ist tierisch – nicht menschenwürdig. Der Mensch hat einen Verstand. Auch Kinder haben den von Anfang an.

Die Frage ist für mich:
- Haben Eltern, die ihre Kinder schlagen (statistisch gesehen) weniger Kriminelle hervorgebracht?
- Haben sie besser gebildete Personen hervorgebracht?
- Haben sie es zu mehr gebracht (was auch immer gewünscht ist)?
Das alles kann nicht sein, da sich Schmerz nicht an die Vernunft richtet. Es bewirkt ein Zurückziehen von der Sache, die Schmerz bewirkt. Also folglich auch von den Eltern, die schlagen. D. h. die Kinder verstehen die Eltern und die Sache, wegen der sie geschlagen wurden danach noch weniger.

Man kann nur Sachen erforschen, die man leicht konfrontieren kann. Schmerz verhindert dies in einem gewissen Ausmaß. Also wenn man ein Kind schlägt, weil es in Mathe schlecht ist, bewirkt das, dass es noch schlechter wird, da es Mathe mit Schmerz verbindet und Schmerz vermeiden will. Und so vermeidet es Mathe zu lernen (ist nicht ganz bei der Sache). Es wird auch im Unterricht nicht gut aufzupassen.
Also hilft jemand seinem Kind nicht mit Schlägen (Ausnahmen gibt es nur in speziellen Sonderfällen). Er macht sein Kind damit nur unfähiger.

Es gibt nichts besseres, als vernünftige, liebevolle Zuwendung.
(#54) Lehrerin meinte am 28.02.2010 dazu:
" Wenn ein Erwachsener ein Kind schlägt, so ist das eine Bankrotterklärung seiner Pädagogik.

Ich wurde als Kind von Mutter und Vater geschlagen - und habe dabei meine Achtung vor Ihnen verloren. Ich habe nie begriffen, warum ich für diese "Vergehen" geschlagen wurde.

Ich selbst habe nie und würde nie ein Kind oder gar Jugendlichen schlagen.
Das ist würdelos. Es gibt genug Erziehungsratgeber, die logisch konsequentes Vorgehen bei Konflikten aufzeigen.

In meinen bisherigen 7 Jahren Schuldienst habe ich mit sog. Sozialaufgaben z.B. Müll aufsammeln auf dem Schulhof recht gute Erfahrungen gemacht.
(#55) Schulmeister meinte am 12.03.2010 dazu:
" Bei der gegenwärtigen Diskussion um Züchtigungen an katholischen Schulen darf man einesnicht übersehen: Vor einigen Jahrzehnten gehörte noch der Rohrstock odr ein anderes Zuchtinstrument zu fast jedem Kinderhaushalt und zu vielen Schulen.Vom Ausland ganz zu schweigen. Erst 1996 wurde die Prügelstrafe an britischen Internaten offiziell abgeschafft (wirklich nur offiziell). Um Übertreibungen und Missbräuche zu vermeiden, gab es an den britischen Schulen festgelegte Strafordnungen. Meist führteder Direktor den Rohrstock, und jeder Hieb wurde in einem Strafbuch protokolliert. Auch einige Bundesländer wie Bayern und Hamburg ließen sich viel Zeit, bis sie die Körperstrafen endgültig abschaffetn.
(#56) Evi meinte am 16.03.2010 dazu:
" Ich denke, alle Kinder bis zu einem bestimmten Alter haben mal eine deftige Tracht Prügel auf die "Erziehungsfläche" bekommen oder wurden gohrfeigt. Die Wende kam etwa um das Jahr 1968.
(#57) John meinte am 18.03.2010 dazu:
" Die strengen Abstrafungen im Büro des Internatsdirektors kann ich nur bestätigen. Die handelsüblichen Rohrstöcke in England für die Internate waren genormt: Nursery Cane (6-8 mm), Junior Cane (6-8 mm), Senior Cane (10-12) für hartnäckige Fälle. Der Einsatz richtete sich nach dem Alter des Zöglings, seiner Konstitution und der Größe seines Vergehens. Der am schärften wirksame Rohrstock, Reformatory Cane, wurde fast nur in Erziehungsansalten eingesetzt.
(#58) Melanie meinte am 05.05.2010 dazu:
" Hallo ich bin neu hier und habe eine Frage.

Darf ein Lehrer/in einen Schüler zur "Strafe" eine Schulstunde in der Ecke stehen lassen?

Hat das Sinn oder ist es ein Machtspiel mit Demütigung?

LG

Melanie
(#59) Simone meinte am 27.05.2010 dazu:
" Hallo,
die Erstklässler hatten heute einen kleinen Wanderausflug, auf dem Rückweg war zur Plünderung der Klassenkasse noch ein Besuch der Eisdiele geplant.
Als ich meinen Sohn abholte erklärte mir die Lehrerin dass er (und ein anderes Kind) schon während des Wanderns mehrmals ermahnt werden mussten und sie deshalb angedroht habe dass es kein Eis gäbe.
Auf dem Rückweg hat mein Sohn sich wohl weiterhin danebenbenommen und so durften sich die anderen 20 Kinder eine Eiskugel aussuchen, nur mein Sohn nicht.
Ich war ziemlich schockiert über diese Bestrafung- ich selbst habe ein ähnliches Kindheitserlebnis:
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Ich wollte damals, etwa 8 J. alt, in der Betreuung irgendetwas nicht essen, die Nikolausbeigabe (eine Orange und ein Schokonikolaus)hatte die Betreuerin aber einkassiert und erst rausgegeben wenn man gegessen hatte..nach einigen Tagen hatte ich es meiner Mutter erzählt und diese ging dann empört zu betreffender Dame- immerhin gehörte die Beigabe zu MEINEM Esssen und war per Essengeld von uns bezahlt worden..die Orange war inzwischen schon im Schrank verschrumpelt- meinen Schokonikolaus habe ich gleich vor Ort in mich hineingestopft..passiert ist dies in der ehemaligen DDR, da waren Orangen ja noch was Besonderes wink
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Jedenfalls ist mir diese- in meinen Augen Demütigung/Diskriminierung- bis heute im Gedächtnis als wenn es gestern gewesen wäre :(
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Meinem Sohn selbst hat der Eisverzicht wohl nicht sonderlich beeindruckt weil der Eisladen auf dem Schulweg liegt und wir da sehr oft Halt machen...ihm machte das Verhalten der Kinder zu schaffen, dass ihn wieder alle auslachten, ihn angafften...es mir auf dem Schulhof natürlich brühwarm gepetzt wurde dass er ohne Eis ausging..also kurz gesagt- dass er der AUSSÄTZIGE war :(
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Was halten Sie davon?
Wäre nicht eine andere Art der Bestrafung angebracht gewesen(Zusatzhausaufgabe o.ä.)als 1 einzelnes Kind zuschauen zu lassen wie 20 andere genüsslich ein Eis schlecken?
(#60) Schulmeister meinte am 05.06.2010 dazu:
" Ein kürzlicher Beitrag in der Frankfurter Rundschau: In Texas hätte niemand den Bischof Mixa kritisiert. Im Gegenteil: In der Stadt Temple wurde an den Schulen auf Wunsch der Eltern wieder das Zuchtinstrument paddle eingeführt, bestimmt für die Pobacken von Schülerinnen und Schülern. Dazu gibt es ein Strafordnung. Nur der Schulleiter darf die Strafen vollstrecken, und die Podexe müssen bekleidet sein. In der häuslichen Zucht wandern nämlich Hosen und Slips regelmäßig abwärts.
(#61) Inga meinte am 14.06.2010 dazu:
" Als junge Lehrerin habe ich ein bestimmtes pädagogisches Problem seit meinen jüngsten Ferien. Ich war im Bayerischen Wald bei einer reizenden Familie zu Gast, geführt von einer allein erziehenden Mutter. Die prächtigen Jungen sind 16, 14 und 12 Jahre alt. Sie sind vorbildlich in ihrem Benehmen und ihren Schulleistungen. Als ich mich einmal bei Tische lobend über die Burschen äußerte, antwortete die Frau Mutter mit einem Lächeln: Wenn es mal nicht so klappt, dann haben wir ein durchgreifendes Mittel, nicht wahr ihr Lieben? Da kriegten die Jungen ganz rote Köpfe. Der Jüngste musste das "Hilfsmittel" holen, und ich traute meinen Augen nicht: ein richtiger Rohrstock, so einen hatte ich bisher nicht gesehen.

Ich war entsetzt, protestierte bei der strengen Mama sehr heftig. Doch schnell merkte ich, dass ich mit meiner pädagogischen Weisheit am Ende war. Gegen mein Theoretisches Wissen setzte die Dame ihre Erfahrungen und ihre wunderbaren Erziehungsergebnisse.

Bald war der der 14 Jahre alte Jürgen fällig für eine Erziehungsmaßnahme. Er musste einen Hocker und den Stock herheiholen. Er nestelte an seinem Gürtel. Meine Anwesenheit, zu der mich die Mama ausdrücklich gebenten hatte, machte ihm offensichtlich gehörig zu schaffen. Na, wirds bald, drängte die Frau Mama. Mit einem Ruck zog sich der Sünder die Hose und die Unterhose aus und legte sich schnell über den Hocker. Tapfer empfing er seine fühlbare Strafe.

Hinterher diskutierte ich mit der Mutter unter vier Augen. Seitdem bin ich hin- und hergerissen zwischen dem theoretischen Anspruch und den Erfahrungen. Einige Nichten und Neffen werden modern erzogen, dioch es hagelt Faul- und Frechheiten.
(#62) zum_bleistift meinte am 15.06.2010 dazu:
" @61 Inga:
Das ist sehr trügerisch. Es sieht aus, als ob es funktionieren würde. Aber es ist einfach eine Reaktion auf Schmerz und Überwältigung. Sie tun etwas, um Schmerz zu vermeiden. Ist ja verständlich.
Überwältigung tut diesen Wesen aber nicht gut. Es wird ihnen bewiesen, dass sie schwächer sind. Sie werden also durch die Krafteinwirkung abgewertet.
So erzieht man Menschen mit Schmerz zu Gehorsam. Wenn diese dann erwachsen sind – wonach richten sie sich dann? Wer den meisten Druck auf sie ausübt? Oder entscheiden sie plötzlich auf Vernunftbasis?

Wann werden diese Jugendlichen / Erwachsenen ihren eigenen Verstand benutzen lernen? Die Eltern haben ihnen jedenfalls etwas anderes beigebracht. Genau genommen haben sie gezeigt, dass Gewalt siegt.
Was werden sie dann verwenden, wenn sie etwas durchsetzen möchten?

Wie werden sich diese Jugendlichen den Lehrern gegenüber verhalten?
Erst fallen sie nicht auf und machen alles und dann plötzlich, wenn es ihnen zu viel wird, greifen sie zu dem, was immer gesiegt hat (ihnen schmerzhaft beigebracht wurde) – Kraft.

Die breite Basis jeder Erziehung muss Vernunft und Liebe sein!
Es mag erst mühsam sein und den Eltern viel mehr abverlangen, aber später – in den Sturm und Drang Zeiten – ist es viel einfacher. Außerdem hat man so Freunde für's Leben gewonnen.
(#63) Helga meinte am 21.06.2010 dazu:
" Schöne Worte, aber die Wirklichheit ist leider anders, in den Schulen, in den Kinderstuben und im öffentlichen Leben.
Also ich konnte mich an einer Auslandsschule selbst davon überzeugen, wie verwöhnten Damen und Herrn auf handfeste Weise Fleiß, Disziplin und Manieren beigebracht wurden. Die Ergebnisse von Strafstunden bei der strengen Frau Direktorin waren wirklich hervorragend.
(#64) Elisa meinte am 21.06.2010 dazu:
" Setzte die strenge Direktorin den Rohrstock ein? Als Lehrerin der alten Schule, jetzt im Ruhestand, kann ich dessen positive Wirkungen nur bestätigen, auch auf den Popos meiner eigenen Jungen. Lange Strümpfe bei Jungen waren für mich als junge Lehrerin ein angenehmer Anblick. Nicht zuletzt deshalb, weil bei solchen Buben erfahrungsgemäß eine gewisse häusliche Zucht und Ordnung dahinterstand. "Laßt die Jugend Bleyle tragen", war damals ein bekannter Werbespruch. Auch wir Lehrerinen mochten diese dünn gewebten Hosen. Sie hielten kaum was ab und ließen die Wucht unserer Hiebe voll zur Geltung kommen, wenn sich ein böser Bube über die Schulbank legen musste. Bei Bleylehosen konnten wir uns das Strammziehen der Hosenböden sparen.
(#65) zum_bleistift meinte am 22.06.2010 dazu:
" @63 Helga
Tiere dressiert man mit Schlägen, Nahrungsentzug usw. Das funktioniert. Aber ist das eine adequate Methode, um Kinder zu erziehen?

Bei mir ist das so gelaufen: Ich durfte bspw. das Feuer im Herd anzünden. Mutter zeigte und sagte mir, worauf ich achten muss. Ich erinnere mich noch, dass sie gejammert hat, weil ich oft zu lange rummachte und sie natürlich daneben stehen blieb, damit alles richtig lief. Es wurde aber auch geschimpft, wenn ich mich in Gefahr begab. Der hat manchmal gepufft und da sollte man nicht mit dem Gesicht vor der Öffnung sein und neugierig reinschauen.

Ich lief als kleines Kind mit Klappmesser und auch Streichhölzern rum (Indianer; schon mit 5 Jahren). In unserem Haus wohnte auch eine 5-köpfige Familie. Der Vater schlug die Kinder regelmäßig. Sie waren oft krank und verletzten sich häufig. Sie durften nirgends Feuer machen, durften kein Messer zum Schnitzen und keine Zündhölzer für ein Lagerfeuer haben. Und dann machten sie eines in der Scheune und die brannte lichterloh. Ich verstand weder das Verhalten des Vaters, als er sie ein paar Wochen davor schlug, weil sie Zündhölzer eingesteckt hatten – noch die hirnrissige Idee, auf einem Holzboden ein Feuer zu machen. Und ich war gleich alt (8).

Das war ein einschneidendes Erlebnis für mich, das mich länger beschäftigte und ich kam damals zu dem Schluss, dass man nicht alles verbieten dürfe, was Kinder gerne mögen, sondern den Kindern zeigen sollte, wie man (möglichst) gefahrlos mit gefährlichen Dingen umgehen kann.

Das ist für mich Erziehung, die dazu führt, dass die Kinder selbst richtige Entscheidungen treffen können und im Leben zurecht kommen werden. Es gibt nur wenige Kinder, die vernünftige Erklärungen völlig außer Acht lassen. Wenn man sie voll nimmt, hören sie zu.
Man muss Durchhaltevermögen zeigen – klar. Und wenn es schon lange Zeit falsch gelaufen ist, um so mehr. Dann haben es die Lehrer sehr, sehr schwer. Fernsehen erzieht nicht, sondern vermittelt großteils egoistische, amerikanische Denke (wenn man sich gegenseitig auszuboten für die richtige Umgangsform hält, ist das schon Erziehung).

Man müsste einmal definieren, was man als Produkt der Erziehung erreichen möchte: Einen gehorsamen Staatsbürger, oder einen selbstbewussten Germanen, der es gegen 50 Römer aufnehmen könnte.
(#66) Theodor meinte am 23.06.2010 dazu:
" Wenistens ist es verdienstvoll, das über das Thema diskutiert wird. Der maßvolle Einsatz der Prügelstrafe sollte in Deutschland nicht länger ein Tabu sein.
(#67) Yvonne meinte am 23.06.2010 dazu:
" Als französische Kollegin aus dem Grenzbegiet zu Deutschland verfolge ich mit großem Interesse Ihre Diskussionen. Die Frage der Koerperstrafen in der Erziehung sieht man hier viel locker. Die traditionelle Riemenpeitsche, martinet, ist noch leicht zu bekommen, und man zoegert auch nicht, die in der haeuslichen Erziehung auf den Gesaessen einzusetzen, die in der Regel entbloesst werden. Man kann es in Frankreich und Belgien leicht beobachten, dass eine maman dem Nachwuchs in aller Oeffentlichkeit einen satten Klatscher ueberzieht, entweder auf den Hosenboden oder selbst den grossen Maedchen auf den Slip, nachdem das Roeckchen nach oben geschoben wurde.

Als ich noch das Internat besuchte, war eine schmerzvolle Besprechung beim Herrn Direktor eine staendige Drohung. Wir waren meist vewoehnte Maedchen und Buben aus begueterten Haushalten, viel an Erziehung musste nachgeholt erden, und die Eltern hatten per Unterschrift die Genehmigung zur Zuechtigung unserer unbekleideten Popos gegeben. Wir versuchten das humorvoll zu nehmen, sprachen von der Peitsche, die uns "troestet". Aber noch lieber setzen wir uns zum Lernen auf unsere Pobacken, um deren schmerzvoller und beschaemender Zuechtigung zu entrinnen.
(#68) zum_bleistift meinte am 23.06.2010 dazu:
" Was noch wichtig zu erwähnen ist:
Alle 3 Kinder versteckten sich.
Es begann zu brennen und sie haben das Feuer nicht gelöscht oder jemand gerufen. Nein, sie liefen davon und versteckten sich! Erst als jemand das Feuer von der Straße aus sah, wurde die Feuerwehr gerufen.
Ihre Wohnung war 20m entfernt und sie hätten nur rufen müssen. Aber die Angst vor dem Vater hat sie getrieben – und eine vernünftige Handlung blockiert.

Sicherlich: Schläge können eine Verhaltensänderung herbei führen. Aber mit Vernunft hat das sehr wenig zu tun. Tierische Reiz-Reaktion wird da benutzt a la Pawlow.

Menschen können auf einem viel höheren Niveau agieren.
Wir wären noch nicht dem Lendenschurz entwachsen, wenn der Mensch nicht andere Möglichkeiten hätte.

Ich habe lieber ein paar ungestüme Germanen um mich und "ärgere" mich mit solchen Problemen, als dass ich Sklaven um mich habe, die nach der Peitsche tanzen und ihr Hirn nicht einschalten.
(Dies ist natürlich stark überzeichnet, aber ich denke, so versteht man es besser. Ich habe nichts dagegen, wenn einmal der Watschnbaum umfällt. Aber es darf keinesfalls eine Erziehungsmethodik sein.)
(#69) Schülerfreund meinte am 24.06.2010 dazu:
" ich war jetzt ne ganze Weile nicht hier und stelle fest, dass es jetzt langsam ja richtig heftig wird.

Meine Eltern schafften es, mich großzuziehen, ohne mir das Popöchen mit einer Peitsche zu trösten. Ich wurde daran gewöhnt, Regeln einzuhalten, ohne irgend eine körperliche Maßnahme. Selbst wenn ich die Regeln nicht einhielt, wurde ich in keiner Weise gezüchtigt. Sicher bewirken körperliche Strafen eine Verhaltensänderung (bei mir selbst hätte es wahrscheinlich eher zu massivem Widerstand geführt, also wären schon drastische Prügeleien nötig gewesen).

Bei meinem eigenen Kind hatte ich selbst nie das Bedürfnis, meinen Erziehungsmaßnahmen durch körperliche Maßnahmen Nachdruck zu verleihen. Ich wage auch die Prognose, dass ich damit nicht mehr beginnen werde. Es klappt auch ohne Schläge ganz gut.

Ebenso hatte ich noch nie das Gefühl, einen Schüler schlagen zu wollen. Ich finde das so abartig, dass mir nichts mehr dazu einfällt.

Sorry, ich tabuisiere Gewalt nicht, aber in meinem privaten wie beruflichen Leben ist Gewalt gar kein Thema, es gibt sie nicht.

Ich will sowieso niemals ein Kind "bestrafen" nie.
Es gibt Regeln, die sinnvoll sein müssen und Konsequenzen.
Wenn ich z.B. einen Schüler beim Rauchen erwische, bekommt er keinen Peitschenhieb, sondern muss etwas für seine Lunge tun. Gartenarbeit in unserem Schulgarten bietet sich da geradezu an.

Wenn meine Tochter sich nicht an Uhrzeiten hält, mache ich mir Sorgen, deshalb ist es wichtig, dass sie pünktlich ist. Sie hat verstanden, dass ich sie nicht gängeln will, sondern dass Absprachen eingehalten werden müssen, weil man verlässlich für den anderen sein muss. Also ruft sie an, wenn sie z.B. den Bus verpasst. Das hab ich ihr begreiflich machen können, ohne ihr körperliche Schmerzen zuzufügen.

Vielleicht bin ich ja einfach nicht locker genug, aber Körperstrafen sind abartig. Da gibt es für mich keinen Diskussionsspielraum!
(#70) Lehrerin meinte am 26.06.2010 dazu:
" Ich wurde als Kind von meinen Eltern geschlagen. Nach außen wirkte ich wie ein sehr gut erzogenes Kind. Aber Liebe und Achtung den Eltern gegenüber blieben dabei auf der Strecke.
Ich habe diese Maßnahmen, die ich nie verstand, nie wirklich verzeihen können.

Wie sehen Schüler die Lehrer, von denen sie geschlagen werden?
(#71) gymno meinte am 27.06.2010 dazu:
" Eine Problematik bei Santionen in der Schule wurde meines Wissens noch nicht angesprochen: Ich erlebe es z.Zt. häufiger, dass sich Eltern absolut hinter ihr Kind stellen und dies selbst beim Lügen positiv unterstützen. Schüler gehen nach Hause und erzählen, dass das, was in der Schule abging, gar nicht ihr Verschulden gewesen sei. O-Ton: "Die anderen machen das doch auch!" oder "Ich sehe nicht ein, dass nur ich "bestraft" werde!
Das Problem ist, dass heute viele nicht zu ihrem Tun stehen, d.h. keine Verantwortung übernehmen. Sie bemerken selbst nicht, dass sie stören und meinen frech, dass sie doch gar nichts gesagt hätten, obwohl der Lehrer 1 m davon entfernt stand und das Fehlverhalten gesehen hat. Ich muss feststellen, dass es einige Störer gibt, die eine total falsche Selbstwahrnehmung haben. Es ist egal, wer der 1. Störer gewesen ist. Oft ist es für einen Lehrer unmöglich,diesen ausfindig zu machen. Entweder verhielt sich dieser geschickt, oder die anderen halten dicht. Wenn der nächste dann "erwischt" wird, gibt es lange Diskussionen. Diese lasse ich persönlich nicht zu, ich verwarne 1x (gelbe Karte), beim 2. Mal ist der Schüler draußen. Das setzt allerdings bei Lehrer voraus, dass er neben seinem eigentlichen Auftrag zu unterrichten, sich auch noch um Fehlverhalten und deren Häufigkeit kümmern muss.
Vielen Kollegen ist dies einfach zu viel, besonders dann, wenn sie in "schwierigen" Klassen unterrichten müssen. ( Bei H.XY dürfen wir das aber!)
Fazit: Konsequentes Handeln aller Kollegen w#re der erste Schritt, um eine Besserung zu erzielen.
(#72) Schülerfreund meinte am 29.06.2010 dazu:
" Solche Situationen kenne ich gut. Ich lasse mich da allerdings auf gar keine Diskussionen ein. Ich erkläre meinen Schülern, dass ich eben keine Maschine bin, die mit Videobeweis den einzig "wahren Täter" ermitteln kann. Es ist eher wie im Fußball. Fehlentscheidungen des Schiris werden auch nicht diskutiert, sondern hingenommen.
2. Geht es mir auch gar nicht darum, dass ich den Schuldigen ermittele, damit ich ihn dann pädagogisch sinnvoll mit Sanktionen belegen kann. Ich will die Störung nicht mehr haben, mehr nicht. Niemanden wird es dauerhaft traumatisieren, wenn er mal zu unrecht ermahnt wird.
3. Wenn von einer Gruppe eine Störung ausgeht, nenne ich den ersten Namen, der mir einfällt. Das ist in aller Regel gar nicht der "Übeltäter", sondern einfach ein Mitglied dieser temporären Gruppe. Ich nenne diesen einen Namen, weil ich nicht mehrere Namen gleichzeitig aussprechen kann und weil ich die gesamte Gruppe damit auf mich aufmerksam machen will, um sie hernach dann entsprechend anzusprechen.
4. H.XY macht das wie er es für richtig hält. Ich mache es, wie ich es für richtig halte. Mir ist egal, was die bei H.XY dürfen (Im Zweifel stimmt es auch gar nicht, was die Kids erzählen)
Das alles diskutiere ich nicht.
Wenn die Kids die Motivation verstanden haben, entsteht auch gar kein Diskussionsbedürfnis. Genau hier liegt meine pädagogische Arbeit.
Ich denke zwar auch, dass konsequentes Verhalten hilfreich ist, aber nicht, dass alle Kollegen im Gleichschritt marschieren müssen. Als Lehrer kann man nur glaubwürdig sein, wenn man den Weg findet, der für einen selbst der richtige ist.
Ich lasse mir jedenfalls keinen Maßnahmenkatalog auferlegen, wie ich auf welches Vergehen zu reagieren habe. Ich erlaube mir auch hin und wieder mal ein Auge zuzudrücken... und zwar genau dann, wenn ich es für angebracht halte.
(#73) azdoro meinte am 30.06.2010 dazu:
" zu 59 rolleyes Sorry, aber dieses Kind hat nie gelernt, dass eine Drohung auch ausgeführt wird. Wenn ihm das Eis wichtig war, hätte es sich (eigentlich auch ohne Drohung) ordentlich benehmen sollen. Dass sie dann auch noch keine Einsicht zeigen, wird für das Kind eine Bestätigung seines -falschen - Verhaltens. Durch sein Verhalten wird er zum Aussenseiter und natürlich machen sich die Mitschüler darüber lustig, dass er so dumm ist. excaim
(#74) Jochen meinte am 11.07.2010 dazu:
" Also ich muss von mir sagen, dass ich eindeutig durch Prügel ein besserer Schüler geworden bin. Allerdings stamme ich noch aus einer Zeit, in der die Prügelstrafe zum Standard in Familien, Schulen und vielen Ländern gehörte. Ich komme aus einer alten Lehrerfamilie, und der Vollzug von strengen Strafen gehörte zu den Pflichaufgaben von Pädagoginnen und Pädagogen. Dies geschah maßvoll, und der Rohrstock hatte mit Mißhandlung nichts zu tun. Die Anzahl der Hiebe wurde genau festgelegt, oft vom Schulleiter. Jedenfalls mussten oft die Pobacken für die Sünden ihrer Besitzer und Besitzerinnen büßen. Anders hätte ich wohl das Abitur nicht geschafft, denn ich war ein regelrechter Faulpelz.

Kurz und gar nicht gut: Ich wurde von einer Mama und Kriegerwitwe erzogen, die dem Alter nach hätte meine Großmutter sein können. Sie war ganz dem Wertesytem der wilhelminischen Epoche verpflichtet. Und meine Schwester, eine Lehrerin, war 20 Jahre älter als ich. Da lag es auf der Hand, dass mein Fräulein Schwester der Mutter auf handfeste Weise bei meiner Erziehung geholfen hat. Dies geschah nicht zuletzt mit Hilfe eines Teppichklopfers auf meinen entblößten Hinterbacken. Die Schwester hatte eine strenge Handschrift, und oft meinte ich, ich könnte den Tanz des Klopfers nicht mehr aushalten. Doch ich konnte mich darauf verlassen, dass nicht Aufnahmefähigkeit der "Erziehungsfläche" überschritten wurde.

Die Maßnahmen waren mit der Klassenlehrerin, zugleich Kollegin meiner Schwester, genau abgestimmt. Nach dem Vollzug der Postrafe wurde ich ins Bett gesteckt. Natürlich war das schmerzhaft und beschämend.

Heutzutage finde ich es berechtigt, auf Prügelstrafen ganz zu verzichten. Aber es waren halt andere Zeiten damals nach dem Kriege.
(#75) Alois Buy meinte am 12.07.2010 dazu:
" Auch ich gehöre zur Jochen-Generation. Was er erzählt, ist mir geläufig.
Ich möchte allen sagen, die heute allzuschnell bei der Hand sind, einen späteren Bischof und andere zu verurteilen, die schon mal einen Raudi geschüttelt haben: Das Klapsen und Schlagen war in der Nachkriegsgeneration einfach Mode. Niemand regte sich darüber sonderlich auf. Ich selbst erlebte noch einen Ausbilder, dessen Standardhilfe ein 3/4-Zoll-Schlauchstumpen war. Soll ich ihn vor Gericht bringen und dort meine geschundene Seelenlage ausbreiten?
Worüber ich ganz sicher bin: Kinder und Jugendliche wurden damals oft ungerecht und unangemessen behandelt. Und was Jochen beschreibt, stimmt: Den Schlauchstumpen oder die Watschn bekam oft genug der Falsche ab, denn da wurde meist nicht lange gefackelt.
Heute, scheint mir, ist in dieser Hinsicht gottseidank vieles besser - auch wenn ich meine ernsthaften Zweifel daran habe, ob wir mit inkonsequentem Machenlassen und mit unserm ängstlichen Über-die-Dinge-Hinwegsehen Kindern einen Gefallen tun.
(#76) teacher meinte am 14.07.2010 dazu:
" Also ich bin bestimmt kein Anhänger der Rohrstockpädagogik. Aber in früher Zeit war sie doch besser als ihr Ruf, zumindest wurden die angepeilten Erziehungsziele erreicht. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Mit 13 bekam ich eine Stiefmama, von Beruf Englisch- und Sportlehrerin, mit Erfahrung von einem strengen schottischen Internat. Damals vrwünschte ich den Moment, in dem es hieß: Hol den Rohrstock (oder den tawse) und runter mit der Hose. Heute bin der Stiemama sehr dankbar. denn sie war hart, aber fair.
(#77) Ludwig meinte am 14.07.2010 dazu:
" Die Prügelzucht in der Schule erhielt ein literarisches Denkmal in dem Jugendroman "Die Räuberbande" von Leonhard Frank.

Eine Bande von Klassenkameraden kommt vors Jugendgericht und wird freigesprochen, denn es fehlen die Beweise. Stattdessen werden sie der Bestrafung durch den Lehrer Maber anempfolen.

Der lächelt die "Räuberbande" an, führt erst mal seinen Unterricht, als sei nichts gewesen. Einen Buben verlässt der Mut, auf die sicheren Prügel zu warten, und er verschwindet.

Plötzlich der Befehl: Michael Vierkant! Raus! Der legt sich wohl oder übel über den Stuhl, ein Kamerad presst ihm den Kopf nach unten, und "Oldshatterhand" schnalzt untr dem Rohrstock des Herrn Mager.

"Für die anderen Räuber existierte unterdessen nur die eine bange Frage: Wer nach Oldshatterhand dran? Einer nach dem andern wurde übergelegt."

Und bei jedem sagt Herr Mager: So! Heute diese sechs, das nächste mal wieder sechs, bis die vierundzwanzig voll sind. Tut mir leid,daß ich nicht zwölf auf einmal geben darf."

Ein Junge wehrt sich. "Wie in höchstem Entzücken brüllte er in allen Tonarten:'Ah! Ah! Ah! Ah' und schleudert mit den Beinen." Ein gerade geprügelte Kamerad weigert sich voller Mut, den Schreiber festzuhalten und wird ins Gesicht geschlagen.

"Hans Lux! Raus"

"Der König der Luft faßte den Stuhl bei der Lehne. rückte ihn umständlich zurecht, visierte, legte sich dann darüber, rutschte eine Weile hin und her, bis er die bequemste Lage gefunden hatte, und nahm die Prügel entgegen."

Das war zur Kaiserzeit, in der der Rohrstock an allen Schulen und allen Familien zum Einsatz bereit war. Heute zum Glück nicht mehr,
(#78) Elvira meinte am 14.07.2010 dazu:
" Als deutsche Auslandslehrerin kann ich nur sagen: Im Ausland hat man nicht so ein kompliziertes Verhältnis zur corporal punishment. In Deutschland darf man ja nicht einmal darüber diskutieren.

Bei uns in den USA wird sehr intensiv darüber debattiert, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen und Ansichten.

Auch in Internet. Unter spank with Love zum Beispiel, in den Suchmaschinen leicht zu findet. Die Übersetzung in die deutsche Sprache ist ein wenig holperig, doch verständlich. Da gibt es für die Eltern sogar Anleitungen in Wort in Wort und Bild über die Schlagtechniken und die Strafpositionen der Spösslinge. Die Poflächen sind meist entblößt-

Etwas darf ich verraten: Mein Mann, ebenfalls ein "Pauker" und ich bevorzugen bei unseren Kindern (Mädchen 16 und 14, Jungs 12 und 10) die Position "Stehen": Der oder die Straffällige beugt sich nach vorn und wird mit unserer Hand um die Taille genommen. Die andere Hand ist frei für das in den USA übliche Strafholz, paddle genannt.
(#79) Der Lehrerfreund meinte am 14.07.2010 dazu:
(#80) Senta meinte am 14.07.2010 dazu:
" Dank Lehrerfreund, für den Hinweis. So ein großes paddle mit Luftlöchern ist mir noch in Erinnerung. Als Austauschschülerin hatte ich mit fünf Kameradinnen in den USA einen Streich ausgeheckt, und wir wurden erwischt. Da gings zum Herrn Direktor und seiner Stellvertreterin, mehrere Lehrer beiderlei Geschlechts waren anwesend. Na, wir bekamen vielleicht eine Strafpredigt. Ich als Austauschschülerin erklärte mich bereit, die gleiche Strafe auf mich zu nehmen wie alle anderen. Das sollte ich bald bereuen.

Das Ende vom Lied: Wir wurden zu sechs Hieben mit dem paddel verdonnert. Da wurde mir schon mulmig. Wir mussten uns die Röcke hinten hochstecken, und vor aller Augen die Slips ausziehen. Das Herz wäre mir ins Höschen gerutscht, hätte ich nur eins angehabt. Wir mussten uns in einer Reihe aufstellen, ich als die Größte als Letzte. Nun hieß es für das erste Mädchen: Überlegen, mit dem Oberkörper über einen speziellen Prügeltisch im Direktionsbüro. Ein junger Sportlehrer führte die Strafen aus. O weh, das angeordnete Mitzählen der Schläge wurde zu einem Schrei- und Heulkonzert. Meine " Vorgängerinnen" wurden auch immer nervöser. Eines der Mädchen nach dem anderen musste sich über den Prügeltisch beugen und sich dann mit weiterhin blankem Po an die Wand stellen. Alle anderen Sünderinnen wurden vor mir durchgestraft, und mich verließ der Mut, als ich dran war. Ich meinte, ich könnte das nicht mehr aushalten, musste mich anschließend Po-massierend zu den anderen in die Reihe stellen. Wir durften uns eine Weile ausheulen und uns die brennenden Backen kneten. Dann durften wir uns wieder anziehen, und es gab noch eine kurze Standpauke,
Nie möchte ich sowas noch mal erleben.

Übrigens eine Korrektur zu dem Bericht von 2008. Paddles werden auch von gewerbsmäßigen paadd makern hergestellt werden, und si sollen einen guten Ansatz haben.
(#81) Schülerfreund meinte am 15.07.2010 dazu:
" Hier haben anscheinend einige Kommentatoren ihren zweifelhaften Spaß an solchen Schilderungen.
Ist das hier neuerdings ein Sado-Maso-Forum?

Dass es Zeiten gab, in denen Körperstrafen als normal empfunden wurden, weiß ich auch. Ich verurteile auch niemanden, der damals in der Überzeugung, richtig zu handeln, Kinder schlug.
Aus der zeitlichen Distanz und als jemand, der nie geschlagen wurde (und dennoch ist etwas aus mir geworden), mutet es mich dennoch eigenartig an, dass man es normal empfinden kann, Kinder mit Werkzeugen zu schlagen... sei´s drum.

Wie aber hier über Schläge geschrieben wird, finde ich höchst bedenklich. Hier wird ja geradezu lieblich und wehmütig geschrieben, dass ich unmittelbar an sexuelle Praktiken und Neigungen denken muss, die dem Sado-Maso-Bereich zuzuordnen sind.

@Elvira
Ich denke nicht "kompliziert" über Körperstrafen. Ich lehne sie rundweg ab.
Ja, Diskussionsspielraum gibt es für mich da nicht. Ich wüsste auch nicht, wieso. Du könntest mich nie von was anderem überzeugen und Verständnis kann ich auch für viele andere Straftaten nicht entwickeln.

Da du aber aktuell Prügel anwendest und das auch noch verteidigst, finde ich dich sehr viel perfider als alle die, die davon aus ihrer Vergangenheit berichten.
(#82) Senta meinte am 17.07.2010 dazu:
" Sehr richtig, Schülerfreund. Das Erlebnis in den USA und die Schilderungen waren es nicht zuletzt, die mich zum absoluten Gegener der Prügelstrafe machen.
(#83) zum_bleistift meinte am 17.07.2010 dazu:
" Ich möchte kurz aufzeigen, was die Basis von tierischen (schmerzhaften) Erziehungsmethoden ist – und, wie dabei Sprache zum Verhängnis werden kann.

Der Verstand eines Tieres bewirkt Überleben auf eine bestimmte Art, wie folgendes Beispiel zeigt:
Ein Fisch schwimmt ins trübe Brackwasser und das Nahrungsangebot ist hervorragend. Die Pflanzen wachsen hier sehr groß. Plötzlich wird er von einem größeren angegriffen und in die Schwanzflosse gebissen, kann aber noch entkommen. Den Schmerz merkt er sich, denn er wird irgendwo aufgezeichnet.

Eines Tages schwimmt er wieder an ähnlich großen Pflanzen vorbei. Das Wasser hat keinen so hohen Salzgehalt und ist auch nicht ganz klar. Der Verstand des Fisches setzt die jetzige Umgebung/Situation mit der früheren gleich. Der frühere Schmerz kommt hoch – um so mehr, je länger er verweilt. Der "erinnerte" Schmerz bewirkt nun den Drang zu fliehen.


Es gibt zwei Arten von Schmerz: seelischen und körperlichen. Seelischer Schmerz ist ein Verlust oder ein drohender Verlust (z.B. Tod eines geliebten Menschen/Haustieres; darf nicht auf die Party). Körperlicher Schmerz ist ähnlich, es ist ein Verlust von Körperzellen. Beides wird im "tierischen" Verstand aufgezeichnet (und ist der Analytik verborgen).

Der Mensch ist auch zu außerordentlich viel Analytik fähig. Diese macht den Unterschied und auch die Stärke des Menschen aus. Es gibt stärkere Tiere, schnellere, größere, kleinste usw. Fast hätten die Insekten den Kampf um die Vormachtstellung auf der Erde gewonnen.
Der Mensch kann Inseln im Meer bauen (Dubai), Flüsse umleiten, Kontinente und Meere schnell überqueren, Straßen bauen, telefonieren … Das hat er nicht dem Zurückziehen/Fliehen oder der Muskelkraft zu verdanken. Die Hände waren ein wichtiges Werkzeug. Aber haben sie schon einmal Ratten mit ihren kleinen Fingern beobachtet?
Es ist sein analytischer Verstand, der ihn über das Tierreich erhob. Künstler und Erfinder haben die großen Fortschritte ersonnen und organisierte Gruppen (Familie, Freunde, Firmen, Staaten usw.) haben sie verwirklicht.

Also muss die analytische Stärke weiter ausgebaut werden – die ihn so weit brachte – und nicht das unterlegene reagierende Verhalten, um die Menschheit weiter voran zu bringen.

Die Schule ist für die Analytik da!
Deshalb ist bei einer Zurechtweisung eine kurze Aussprache mit dem Schüler unbedingt notwendig. Dessen Ziel sollte sein, dass beide einander verstehen und weiter vertrauen.


Das Ganze mag bei Tieren hervorragend funktionieren, wird aber beim Menschen durch den Einfluss der Sprache mitunter zu einer Katastrophe. Es werden – während Schmerzmomenten – auch Worte aufgezeichnet und diesen wird wortwörtlich gefolgt (Idiome!!!). Das sind dann Befehle, die ein Mensch ausführt, ohne sich bewusst zu sein, was er da tut. Er muss es zwanghaft tun. Wenn er analytisch keinen Zugriff hat, dann … Deshalb kann er auch nicht jedes Verhalten einfach abstellen. Dies betrifft bspw. viele "angeborene" Gewohnheiten.

Dies klingt unglaubwürdig – nicht wahr? Dann schauen wir uns die Macht von Worten und Symbolik an:

Hierzu fällt mir ein Beispiel aus der Hypnose ein: Ein Hypnotiseur "speichert" Willis Verstand ein, dass er sich seine Jacke auszieht, wenn sich der Hypnotiseur an die Krawatte greift. Wenn er sie los lässt, zieht Willi sie wieder an. Außerdem sagt er Willi, dass er sich an nichts mehr erinnert, was er auch gesagt hat.
Nun berührt der Hypnotiseur seine eigene Krawatte. Willi zieht die Jacke aus. Der Hypnotiseur fragt, warum er dies tue und Willi antwortet, weil es hier auf der Bühne so heiß ist. Nun lässt er die Krawatte aus. Willi zieht die Jacke sofort an. Auf die Frage, warum er sie anziehe, er hätte doch eben erst gesagt, dass ihm heiß sei, antwortet Willi, dass es ihm jetzt halt wieder kühl sei …
Er rechtfertigt sein Verhalten analytisch. Es gibt also noch eine analytische Verstandesebene, die hier im Nachhinein arbeitet. Sie rechtfertigt jede Handlung, die nicht analytisch war.
Ist ihnen schon einmal so etwas aufgefallen: Jemand zimmert im Nachhinein alles zurecht, damit er im Recht ist!?
Aber das führt nun zu weit.

Klar ist, dass Willi auf die Symbolik reagiert und die eingespeicherten Worte ausführt – eben ohne gleichzeitig seine Analytik zu kontaktieren!
Da ist der tierische Verstand am Werk und es kommt zu nicht rational auf die Situation bezogenen Handlungen.

Mit Schmerz erzieht man keine Kinder zu vernünftigen Menschen. Man bekommt dadurch dressierte Sklaven, die ihrer Selbstbestimmung scheibchenweise beraubt wurden.

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