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Eintrag vom 09.11.2008 * 2003 Views in 2010

Unterrichtseinheit: Gute Präsentationen entwerfen und halten

Eine 5- bis 10-stündige Unterrichtseinheit zur Gestaltung und Realisierung 'guter' Präsentationen, in denen möglichst wenig Text verwendet wird. Die Ausführungen gelten sowohl für Präsentationsprogramme (Powerpoint ...) als auch für reine Folienpräsentationen. Didaktische Hinweise, Tafelbilder, Ablaufplan. Außerdem das Merkblatt "Tipps zur Realisierung einer guten Präsentation".

Gleich ob mit herkömmlichen Plastik- oder mit Powerpoint-Folien: Wir alle waren schon häufig mit schlechten Präsentationen konfrontiert. Im Gegensatz zu Erwachsenen gehen SchülerInnen in die Schule, um dort u.a. zu lernen, wie man gute Präsentationen realisiert. Dabei lassen wir Aspekte der Interaktion (Körpersprache, Sprachfluss usw.) außen vor und konzentrieren uns auf die maß- und sinnvolle Gestaltung.

Was eine schlechte Präsentation kennzeichnet

Die drei mit Abstand häufigsten Fehler sind - sowohl im schulischen wie im hochschulischen Bereich - diese:

  1. Die/der Präsentierende hat trotz textstrotzender Folien wenig Ahnung vom Thema.
  2. Texte auf den Folien werden vorgelesen oder paraphrasiert.
  3. Die Folien sind unübersichtlich gestaltet.

Das führt dazu, dass die ZuhörerInnen sich langweilen und dem Thema nicht in dem Maße folgen, wie es von der Präsentierperson intendiert war.

Warum SchülerInnen schlechte Präsentationen generieren

Kern des Übels ist die Angewohnheit, sich mehr auf die Gestaltung der Präsentation zu konzentrieren als auf die hörergerechte Aufbereitung von Inhalten, was zu den oben genannten unschönen Nebeneffekten führt. Deshalb müssen wir mit den SchülerInnen üben, sich in ihrer Medienwahl sinnvoll zu beschränken.

Unterrichtskonzept: “Gute Präsentationen entwerfen und halten”

Präsentationsmedien (z.B. digitale oder analoge Folien) dienen der Veranschaulichung von Inhalten, die ohne diese Folien schlecht nachvollziehbar oder vorstellbar sind. Außerdem werden Präsentationsmedien dazu eingesetzt, wichtige Punkte festzuhalten, um sie z.B. als zentrale Konzepte darzustellen. Deshalb sprechen wir hier meistens von “realisieren” und nicht von “gestalten”, da in dieser Unterrichtseinheit ja gerade die Gestaltung zugunsten der Verständlichkeit in den Hintergrund treten soll.

Unterrichtsbaustein 1: Präsentationsmedien sinnvoll einsetzen - Theorie (1-2 Schulstunden)

  1. Wir werden uns darüber klar, was “Präsentationsmedien” sind. Im Gespräch oder in der Gruppenarbeit (evtl.: Metaplan) wird klar, dass neben “Folien” (analoger oder digitaler Art) auch beliebige Gegenstände zum Einsatz kommen können (z.B. ein ferngesteuertes Auto beim Thema “Fliehkräfte”). Diskussion: Sind Folien grundsätzlich notwendiger als Gegenstände? Hätte ich beim Fünfminutenvortrag zum Thema “Fliehkräfte” nur das Auto oder nur die Folien zur Verfügung - was würde ich benutzen?
  2. Die Frage nach dem Sinn von Präsentationsmedien wird nach Lehrervortrag, Gespräch oder Gruppenarbeit im folgenden Tafelbild festgehalten:
    Tafelbild: Sinn von Präsentationsmedien Wenn wir eine Präsentation halten, benutzen wir Medien zum
    1. Veranschaulichung von Sachverhalten, die
      • schwer zu verstehen sind (* “Beschreibung der Verfassung der BRD”, “Wer muss in unserer Schule auf wen hören?”, “Funktionsweise der Kernspaltung”)
      • schwer vorstellbar sind (Statistiken, fremdartige Länder, Tiere, Bauten, Feste ...)
    2. Festhalten/Betonen der wichtigsten Inhalte.

    * Wählen Sie bei den Beispielen in Klammern je nach Schulstufe eines aus.

  3. Anwendung am Beispiel: Erfüllt diese Folie (Bild) ihre Funktion im Sinne des Besprochenen?

Unterrichtsbaustein 2: Präsentationsmedien sinnvoll einsetzen - Übungen (2-4 Schulstunden)

  • Zuhause/im Computerraum wird ein Kurzvortrag eingeübt. Der Kurzvortrag dauert 5 Minuten, die ganze Klasse bekommt das gleiche Thema. Dabei dürfen Medien nur entsprechend der in Baustein 1 genannten Anforderungen eingesetzt werden. Die Kurzvorträge werden in Dreiergruppen gehalten (Folien werden ausgedruckt mitgebracht); die jeweils Zuhörenden notieren sich, wann überflüssiger Medieneinsatz praktiziert wurde. Besprechung im Plenum.
  • Übung: Wenig Text benutzen - In Gruppen konzipieren die SchülerInnen eine 5-minütige Präsentation zu einem beliebigen (möglichst komplexen) Thema - jede/r soll in der Lage sein, den Vortrag eigenständig zu halten. Allerdings darf nur Kreide und Tafel verwendet werden. Drei Präsentationen halten, im Plenum besprechen.
  • Unterrichtsbaustein 3: Fehler vermeiden durch Beachtung von Gestaltungs- und Strukturierungsregeln (2-3 Schulstunden)

    1. Die Lehrperson trägt die drei häufigsten Fehler bei Präsentationen vor, Tafelbild:
      Tafelbild: Die drei häufigsten Fehler beim Präsentieren
      1. Die/der Präsentierende hat wenig Ahnung vom Thema.
      2. Texte auf den Folien werden vorgelesen oder paraphrasiert.
      3. Die Folien sind unübersichtlich gestaltet.
    2. Die SchülerInnen generieren als Hausaufgabe oder im Computerraum eine 2-minütige Präsentation (jede/r zu einem beliebigen Thema), in der alle Fehler exzessiv begangen werden. Das Los wählt acht SchülerInnen aus, die ihre Präsentation vorführen, der Rest der Klasse zählt Anzahl und Qualität der Fehler. In einer Abstimmung wird der Sieger ermittelt.
    3. Wir besprechen das Merkblatt Tipps für die 
Entwicklung
 und
 Gestaltung
 gelungener
 Präsentationen (pdf).

    Inhalt des Arbeitsblattes “Tipps
 für
 die
 Entwicklung 
und
 Gestaltung
 gelungener
 Präsentationen” (pdf-Link)

    Diese Ausführungen beziehen sich zum Großteil auf die Slideshow “Death by Powerpoint” von Alexei Kapterev. Hier werden allerdings Personen angesprochen, die im Marketing beschäftigt sind. Im schulisch-akademischen Bereich steht häufig nicht das Überzeugen oder Verkaufen im Vordergrund, sondern eine solide Vermittlung/Darstellung von Inhalten. Entsprechend wurden in den folgenden Hinweisen die Kapterev-Vorschläge teilweise abgeändert.

    slideshare.net: Präsentation ‘Death by Powerpoint’ von Алексей Каптерев (2006)

    1. Finde an deinem Thema etwas Interessantes, am besten etwas, was dich fasziniert. Entzünde deine Zuhörer damit; sorge dafür, dass sie genau so begeistert sind wie du. Findest du nichts in dieser Art, dann sage die Präsentation ab oder ändere das Thema.
    Vergiss nicht: Es ist schwierig, jemanden von etwas zu begeistern, von dem man selbst nicht begeistert ist.

    2. Gib deiner Präsentation eine nachvollziehbare Struktur. Jede/r muss zu jeder Zeit wissen, warum das, was du gerade erzählst/zeigst, wichtig ist.

    • Du schilderst ein Problem (um dann Lösungswege und die beste Lösung vorzustellen).
    • Du vermittelst einige Fakten (da die Kenntnis dieser Fakten für spätere Erklärungen notwendig ist).

    3. Benutze wenig, aussagekräftigen Text und klare, aussagekräftige Grafiken/Bilder. Bedenke, dass es sich um einen mündlichen Vortrag handelt (und nicht um das Vorlesen einer Powerpoint‐Präsentation).
    Wie man Text auf Präsentationsfolien verwendet:

    • Keine (!) Stichpunktlisten (“Bullets”) verwenden (bis auf gelegentliche Aufzählungen, z.B.: „Wir unterscheiden drei   Gewalten: 1. Exekutive, 2. Legislative, 3. Jurisdiktion“)
    • pro Folie möglichst nicht mehr als 7 Wörter
    • pro Minute nicht mehr als 2 Folien

    4. Du sprichst in einer Präsentation sehr viel frei und musst Vieles erklären. Deshalb solltest du die Präsentation vorher mehrmals üben.

    Die Slideshow “Death by Powerpoint” von Алексей Каптерев

    Alexei Kapterev betreibt seit August das Blog The SlidePost, in dem er Slideshow-Präsentationen vorstellt und kurz bespricht. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte er durch eine Slideshow über gute Powerpoint-Präsentationen, der auch einige der Hinweise auf dem Merkblatt entnommen sind. Das ist sie:

    Death by PowerPoint
    View SlideShare presentation or Upload your own. (tags: tips powerpoint)

    gefunden u.a. bei netzlernen.ch 03.11.2008: Death by Powerpoint


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    Beitrag vom 09.11.2008, 01:25 | diesen Beitrag versenden

    2 Kommentare von LehrerfreundInnen
    (#1) Kay meinte am 11.12.2008 dazu:
    " Warum wird hier ständig von "Powerpoint-Präsentation" gesprochen? Ist das was anderes als eine Keynote- oder Impress-Präsentation? Was ist mit ganzen anderen Softwarepaketen, mit denen man Präsentationen erstellen kann?
    (#2) Der Lehrerfreund meinte am 11.12.2008 dazu:
    " Eine berechtigte Kritik. "Powerpoint" wird im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen als stellvertretender Begriff für Präsentationsprogramme benutzt (wie "Tesa" für durchsichtiges Klebeband oder "Tempo" für Papiertaschentücher). Deshalb schreiben wir ja auch oben

    "Die Ausführungen gelten sowohl für Präsentationsprogramme (Powerpoint ...) als auch für reine Folienpräsentationen."

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