Drehmomente (2): Kräfte, Druck, Festigkeit
Der Wagenheber ist für eine Hublast bis 2 Tonnen ausgelegt. In den Aufgaben gehen wir davon aus, dass diese Höchstlast mittig auf dem Sattel sitzt. Themen: Kräfte, Drehmomente, Flüssigkeitsdruck und Festigkeitsberechnung.
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Eingetragen am 25.08.2009, 14:42 Uhr in Naturwissenschaft und Technik | Technik des Alltags | Technische Mathematik | Druck | Festigkeitslehre | Kräfte | Geometrie | Kräfte, Drehmomente |
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2., 3. und 4. Ausbildungsjahr
Wagenheber
Der Wagenheber (siehe Drehmomente (1)) ist für eine Hublast bis 2 Tonnen (= 2 000 daN = 20 000 N) ausgelegt. In den Aufgaben gehen wir davon aus, dass diese Höchstlast auf den Sattel aufgesetzt ist. Drehpunkt des Hubarms ist die grau angelegte Achse.
Die folgenden Übungen befassen sich mit den Themen Kräfte, Drehmomente, Flüssigkeitsdruck und Festigkeitsberechnung.
Aufgabe 1
Berechnen Sie die Kolbenkraft FK, wenn die Rückzugfeder mit FF = 1 500 N zieht.
Lösung:
FL und FF erzeugen rechtsdrehende Momente, FK erzeugt ein linksdrehendes Moment.
Summe der ML = Summe der MR, anders geschrieben: Σ ML = Σ MR
FK · lK – FF · lF = FL · lL
FK = (FL · lL + FF · lF) : lK
FK = (20 000 N · 140 mm + 1500 N · 26 mm) : 49 mm
FK = 57 938,8 N = 5 739 daN
Aufgabe 2
a) FK wird vom Kolben ø50 aufgebracht. Wie hoch ist der Öldruck p?
b) Die Kraftübersetzung iK im Hydraulikblock entspricht dem Verhältnis der Kolbenflächen AK : AP . Wie groß ist iK?
c) Mit welcher Kraft FP muss der Pumpenkolben gedrückt werden?
d) Wie groß ist dabei die Handkraft F1?
Lösungen:
a) p = FK : A = FK : (5 cm)2 · π : 4 = 5 635 daN : 25cm2 · π : 4 = 287 daN/cm2 =
p = 287 bar
b) iK = AK : AP = dK2 ⋅ π : 4 : dP2 ⋅ π : 4 = dK2 : dP2 = (5 cm)2 : (1 cm)2 =
iK = 25 : 1
c) FP = p · AP = 287 daN/cm2 · (1cm)2 · π : 4 = 225,4 daN = 2254 N
d) F1 · l1 = FP · lP –> F1 = FP · lP : l1 = 2254 N · 30 mm : 670 mm =
F1 = 100,9 N
Aufgabe 3
Berechnen Sie für die gezeichnete Stellung die auf die Radlager wirkenden Stützkräfte FA und FB.
Lösung:
Drehpunkt im Lager A gewählt.
FL · (316 – 72) mm = FB · 316 mm –> FB = 2 000 daN · 244 mm : 316 mm =
FB = 1 544,3 daN
FA = 2 000 daN - 1 544,3 daN =
FA = 455,7 daN
Aufgabe 4
Geometrieaufgabe: Die Kolbenstange fährt bis Punkt Amax aus und schwenkt dabei den Hubarm nach oben.
a) Zeichnen Sie den Kreis, auf dem sich Amax bei Betätigung des Hubarms bewegt.
b) Zeichnen Sie den Kreis, auf dem sich die Hubarmbohrung A bewegt.
c) Wo steht dann Amax?
d) Wo ist bei Erreichen von c) die Bohrung 1 des Hubarms?
Aufgabe 4 Lösung: siehe Zeichnung
Aufgabe 5
Bei voller Belastung des Wagenhebers ist bei einer Reihe von Bauelementen eine ausreichende Festigkeit gefragt. Wir betrachten z. B. den äußeren Bolzen des Hubarms, der vom U-förmigen Tragsattel auf Abscherung beansprucht wird. Hier spricht man von einer »zweischnittigen« Verbindung, weil sich die Hublast FL auf zwei Scherquerschnitte verteilt.
Beanspruchung auf Abscherung
Bei der Abscherbeanspruchung entstehen Spannungen in einer Querschnittsfläche, die parallel zur angreifenden Kraft liegt. Als Querschnittsfläche S gilt die Summe aller Scherflächen, die im Falle des Trennens Bruchflächen ergeben. Die Scherspannung ist von anderer - man kann sagen, von gefährlicherer - Art als die Zugspannung, weshalb sie nicht das Symbol σ (sigma), sondern τ (tau) erhielt.
Bezeichnungen:
F = FL Scherkraft (in N)
S Querschnittsfläche (in mm2)
τ a zul (tau) zulässige Scherspannung (N/mm2)
τaB Scherfestigkeit (N/mm2)
ν (nü) Sicherheitszahl
In die Festigkeitsberechnungen ist die durch Versuche ermittelte oder Tabellen entnommene Scherfestigkeit τaB einzusetzen; aus ihr lässt sich mit Hilfe einer Sicherheitszahl ν die zulässige Scherspannung τ a zul ermitteln. Für Stahl gilt, wenn τaB nicht bekannt ist, näherungsweise auch τaB = 0,8 • Rm.
Aufgaben:
a) Die Achse aus SR275JR wird auf Abscherung beansprucht. Mit welcher Scherkraft F (hier FL) darf sie belastet werden?
Scherfestigkeit τaB = 340 N/mm2; Sicherheitszahl ν = 1,4
b) Wie hoch ist die Flächenpressung bei einer Blechdicke s = 3 mm? Bei mittelhoch belastbaren Stahlsorten wie SR275JR soll p = 50 N/mm2 nicht überschreiten. Der Wert hängt auch von der Genauigkeit ab, mit der die Teile ineinander gefügt sind. Sitzt der Bolzen mit großem Spiel im Lagerblech, was bei unserem einfachen Wagenheber angenommen werden darf, dann bewegt sich die Auflagefläche auf eine kritische, nur bedingt belastbare Punktauflage zu.
Lösungen:
a) τ a zul = τaB : ν = 340 N/mm2: 1,4 = 242,9 N/mm2
FL = 2 • S • τa zul = 2 • d2 • π :4 • τa zul
FL = 2 • (12mm)2 • π :4 • 242,9 N/mm2
FL = 54 943 N = 5 494 daN ≙ 5 Tonnen. Abscherung ist demnach keine Gefahr für die Achse, weil sie nur mit max. 2 t beansprucht wird.
b) p = FL/2 : A = FL/2 : (d ⋅ s) = 10 000 N : 12 mm : 3 mm =
p = 278 N/mm2
Dieser Wert, der auf einer Belastung von 2 Tonnen beruht, überschreitet also die zulässige Flächenpressung um das annähernd Sechsfache!
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13 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Hallo,
doofe Frage, aber warum tauchen die Öldruckräume in der Zeichnung mit 10 mm und 50 mm auf in den Rechnungen werden aber noch 2 mm addiert? Die Wandstärke ist doch bei der Druckverhältnisberechnung irrelevant?
Jan
Hallo Jan,
Ihre Frage ist nicht doof: In der Lösung steht fälschlich 52; gemeint ist aber 5 hoch 2 = 25 cm2. Die Wandstärke hätte in der Rechnung tatsächlich nichts zu suchen.
Gruß
tec.LEhRERFREUND
Und die 12 bei Antwort c)?
... muss unglücklicherweise auch 1 cm im Quadrat (= 1 cm2) heißen.
tec.LEHRERFREUND
“FL erzeugt ein rechtsdrehendes Moment, FF und FK erzeugen linksdrehende Momente.”
Das ist meiner Meinung nach falsch. Die Feder erzeugt ein rechtsdrehendes Moment;wirkt somit in dieselbe Richtung wie FL. Die Rechnung müsste doch so lauten:
FK = (FL · lL + FF · lF) : lK
und da kommt bei mir 57939 N heraus… oder nicht?!
Hallo Christoph,
da haben Sie uns kalt erwischt! Sie haben recht: die Feder erzeugt ein rechtsdrehendes Moment. Dann kommt allerdings auch nicht FK = 57 939 N heraus, sondern 65 102 N.
Vielen Dank; Grüße
tec.LEHRERFREUND
hm, also wie sie auf 65102 kommen ist mir schleierhaft. 20000*140= 2800000 und 1500*26=39000
addiert=2839000 und dieses geteilt durch 49? 57939.
Hallo Christoph,
ich gebe mich geschlagen! Ist im Beitrag richtiggestellt.
Gruß
tec. LEhRERFREUND
Hallo,
Warum wurde denn, bei Aufg. 5, die Scherfestigkeit durch den Sicherheitswert geteilt? Die Scherfestigkeit müsste doch mit dem Sicherheitswert multipliziert werden, da sich das sonst negativ auf das Bauteil auswirken würde!!!
MfG,
Andi
Sorry, denkfehler!!! ![]()
Guten Tag
Ich habe da mal eine Frage wie sieht es bei diesem Beispiel mit der Biegung auf die Kolbenstange aus ist diese nicht etwas zu hoch daraus folgt ja ein Dichtungsschaden oder übersehe ich da etwas
bitte um hilfe
Hallo Harald,
Ihre Bedenken leuchten uns ein.
Was sie entkräftet, ist die Geometrie des Hubarms: Seine Druckrichtung weicht nur schwach von der Kolbenachse ab, d.h. auch die Biegekomponente ist nicht Besorgnis erregend. Trotzdem ist sie vorhanden. Eine zweite Kolbenstange (links vom Kolben) könnte diese Komponente aufnehmen. Ob diese Lösung im Wagenheber eingesetzt wird, können wir leider nicht mehr nachprüfen.
Gruß
tec.LEHRERFREUND
Naja leider muss ich gerade bei meinem Projekt ein solchen Wagenheber konstruieren mit 3 Tonnen Tragkraft.Die Komponente in y Richtung ist ,egal wie ich es drehe ,im 10 KN bereich das ist meines erachtens Wahnsinn für die Kolbenstange ,aber vielen Dank
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