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Der Autor

Hermann MetzIch bin Hermann Metz. Als Ma­schinen­bau-Ingenieur (FH) arbeitete ich von 1977 bis 2005 als Fach­lehrer an der Gewerbe­schule Brei­sach, wo ich alle gängigen Fächer der Land- und Baumaschinen­technik und der Kraft­fahrzeug­technik unterrich­tete. Dabei hatte ich mit Fach- und Meister­schülern zu tun. Aus meiner Lehr­erfahrung habe ich hier Vorlagen für den Technik­unterricht zusammen­gestellt. Sie finden darin methodische und didaktische Anregungen, Folien, Arbeits­blätter usw.

Technik von gestern (1): Dezimalwaage

Warum sollte man im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht nicht auch einmal eine Technik von gestern in den Blick nehmen? Die Dezimalwaage verdient es schon deswegen, weil sie jede Menge physikalisch-mathematische Wissenschaft beinhaltet.

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Eingetragen am 17.09.2008, 10:06 Uhr in Naturwissenschaft und Technik | Kräfte, Drehmomente |

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Technik von gestern (1)

Dezimalwaage

Waage_Oberbalken_klein.jpg


Warum sollte man im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht nicht auch einmal eine Technik von gestern in den Blick nehmen? Sie verdient es schon deswegen, weil sie oft erstaunlich viel physikalisch-mathematische Wissenschaft beinhaltet. Dass dies für die Dezimalwaage (auch »Sackwaage«) zutrifft, erkennt man sofort, wenn man sich mit ihrer wohlüberlegten Mechanik beschäftigt.

Die Dezimalwaage wurde aufgrund der Hebelverhältnisse auch - und im Gegensatz zur Parallelogrammwaage - als Trapezwaage bezeichnet. Sie war die notwendige Weiterentwicklung der einfachen Balkenwaage, die sich aus praktischen Gründen für das Wiegen größerer Lasten nicht mehr eignete. Die im deutschen Raum gebräuchliche Dezimalwaage ist eine Erfindung von A. Quintenz, einem Benediktinermönch aus Gengenbach/Südbaden, der sie 1821 zum Patent anmeldete.

Anforderungen an Waagen


Stabilität des Gleichgewichts: Wird eine Waage aus ihrem Gleichgewicht gebracht, muss sie von selbst nach wenigen Schwingungen dorthin zurückkehren.
Empfindlichkeit: Fähigkeit der Waage, gemessene Lasten in ausreichender Feinheit anzuzeigen.
Fehlerquellen:
Für die verlässliche Funktion und die Genauigkeit einer mechanischen Waage kommt der Reibung in den Lagerstellen die größteSchneidenlager_Waage_klein.jpg Bedeutung zu. Die sonst üblichen in Lagerschalen laufenden Zapfen sind bei Waagen zu Schneidenlagern (Bild) verformt, die mit minimaler Reibung pendeln. Die Schneide bewegt sich in der Pfanne.

Material-Elastizität: Soweit Balken und Hebel auf Biegung beansprucht sind, sind sie so dimensioniert, dass sich die Materialverformung bei Belastung in Grenzen hält und damit den Gleichgewichtszustand nicht stört.


Um missbräuchlichem Wiegen vorzubeugen, wurde jede Waage regelmäßig vom staatlichen Eichamt geprüft.  

Zur inneren Konstruktion
Eine Dezimalwaage muss so gebaut sein, dass bei Wiegebewegungen die Brücke ihre horizontale Position beibehält. Ganz präzise ist dies mit dem Gelenkparallelogramm möglich.

Da aber die Bewegungsausschläge der Brücke sehr gering sind, gewährleistet auch ein moderates Trapez einigermaßen die Parallelitätsforderung. Allerdings treten dann Querbewegungen in den Schneidenlagern auf; dies hat zu unzähligen Hebelkonstruktionen geführt, die dieses Problem ausschalteten, denn Lagerquerkräfte sind der Empfindlichkeit einer Waage abträglich.


Waage_beschriftet_440.jpg

Wagen_ineinander_klein.jpg

Arbeitsblatt

Dezimw_Arb_blatt_440.jpg

Lösung 

Dezim_w_Arb_blatt_Loes_440.jpg

__________________ 

Bild zur Anfrage eines tec.LEHRERFREUND-Lesers, wie man in der Antike schwere Lasten gewogen habe.

waagen.jpg

Zum Thema »Technik des Alltags« schlägt der tec.LEHRERFREUND weitere Projekte vor:

- Mobile im Gleichgewicht
- Papierlocher
- Spanngurt mit Spannschloss
- Flasche verschließen mit mehrgängigen Gewinden
- Was ist ein guter Zirkel?
- Alter Schiffskran
- Druckknopf
- Wie funktioniert ein Kugelschreiber?
- Seifenspender
- Regenschirm
- Einsteckschloss
- Umschaltknarre
- Saiten spannen
- Reißverschluss
- Wasserventil
- Schnappverschluss

usw.
 

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Eingetragen am 17.09.2008, 10:06 Uhr in Naturwissenschaft und Technik | Kräfte, Drehmomente |

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7 Kommentare von Lehrerfreund/innen

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(#1) Klaus Weber meinte am 01.02.2009, 20:14 dazu:
" 

Eine hervorragende Darstellung dieser Bauweise.
Geeignet für praxisnahe Erklärung des Hebelgesetzes

ich habe hier noch eine Frage. Wie wurden größere Lasten in der Spätantike gewogen? Die Balkenwaage war ja ungeeignet.

danke für Ihren Kommentar

Klaus Weber

(#2) tec.LEHRERFREUND meinte am 02.02.2009, 10:53 dazu:
" 

Hallo Herr Weber,

es scheint, als ob die Balkenwaage - obwohl sie für schwere Lasten unpraktisch war - sehr lange benutzt wurde. Ich habe Ihnen einige Bildbeispiele an den Beitrag »Dezimalwaage« angehängt. Der Holzstich von 1700 ist für mich ein Beweis dafür, dass sich in der technischen Fortentwicklung seit der Antike soviel wie nichts tat.
Viel mehr kann ich Ihnen leider nicht dazu sagen.
Ihr
tec.LEHRERFREUND

(#3) Klaus Weber meinte am 02.02.2009, 13:35 dazu:
" 

danke für Ihre schnelle und kompetente Antwort

Gruß

Klaus Weber

(#4) kassi meinte am 09.02.2011, 15:55 dazu:
" 

hallo
ich habe eine frage kann diese waage alles wiegen oder is das unterschiedlich ?
LG kassi grin  smile

(#5) tec.LEHRERFREUND meinte am 11.02.2011, 14:33 dazu:
" 

Hallo kassi,

keine Waage kann alles wiegen: Die Dezimalwaage z. B. ist für große Gewichte (in Säcken, Körben usw.) gedacht und wäre deshalb nicht geeignet, Gramm-Mengen zu wiegen. WIKIPEDIA meint dazu: »Mit der Dezimalwaage können schwere Gegenstände mit nur wenigen, vergleichsweise leichten Gewichten gewogen werden.«

Gruß
tec.LEHRERFREUND

(#6) Franz Braunschmid meinte am 04.12.2011, 14:28 dazu:
" 

Zum Wiegen [z. B.: in den Schlaf wiegen] gibt es Wiegen.
Zum Wägen gibt es Waagen.

Ich bedaure sehr, dass ihrerseits mit Waagen zu wiegen vorgegaukelt wird!

Eine Spur sprachlicher Scharfsinn wäre angebracht!

(#7) tec.LEHRERFREUND meinte am 04.12.2011, 23:20 dazu:
" 

Lieber Herr Braunschmid,

für Ihren Kommentar meinen besten Dank,
Glauben Sie mir: Er macht mich krank!
Wägen - wiegen, das hat mich mitgenommen,
nie und nimmer wär ich drauf gekommen.
Der Duden aber, meine letzte Medizin,
meint: Schmeiß getrost das Wägen hin.
Die Vorfahren wägten, sagt er, ohne Verdruss,
Mehl, Gold, und was der Mensch so haben muss,
was auf dem Markt sie damals konnten kriegen.
Wer heute eine Waage hat, sagt der Duden, der solle wiegen. 

Grüße
tec.LEHRERFREUND

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