iPad-Ära

Apples iPad als iErlegende Wollmilchsau für den Unterricht? 01.02.2010, 12:40

Apples neues Hybridgerät "iPad", eine Mischung aus iPhone und Notebook, könnte auf die Digitalisierung der Schule starken Einfluss nehmen: kein lästiges Hochfahren, keine nervigen Musterlösungen, keine zerschossenen Betriebssysteme. Verändert Apple mit dem iPad ungeplant das schulische Lernen?

iPad (Ausschnitt)
Bild: pixabay
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Was ist das Apple iPad?

Ende Januar 2010 stellte Apple ein neues elektronisches Gerät vor: Das “iPad”. Ein daumendicker Bildschirm (“fettabweisende Beschichtung”) in der Größe eines DIN A4-Blattes, mit dem man surfen, Texte lesen und schreiben kann. Kurz: Ein iPhone in groß (ohne Telefon-Funktion). Je nach Ausstattung kostet das iPad zwischen 500 und 1000 Euro. (mehr: iPad-Produktseite bei Apple)

“Taugt das iPad für die Schule?”

“Taugt das iPad für die Schule?”, fragt Ulf Blanke und gibt im Forum “mobiles lernen-21” auch gleich die passende Antwort: Er sieht ein großes Potenzial für die erfolgreiche Verwendung in der Schule, denn:

Während PCs und Notebooks offene Systeme sind, ist das iPad - genauso wie das iPhone, welches ja mit dem gleichen Betriebssystem läuft - ein geschlossenes System. Was für Power-User einen großen Nachteil darstellen mag, weil keine tiefgreifenden Systemveränderungen vorgenommen werden können, ist für den schulischen Einsatz ein enormer Vorteil. Der Aufwand, um Notebooks vor versehentlichen oder absichtlichen Veränderungen der Softwarekonfiguration zu schützen, würde ebenso entfallen wie der Zwang, die Geräte in regelmäßigen Abständen per Image mit neuer Software zu versorgen. Ein Segen für alle Schuladministratoren!

Darüber hinaus bietet die Software-Grundausstattung des iPad bereits vieles, was in Schule zum Einsatz kommt: Allen voran die Möglichkeit - per WLAN oder im Mobilfunknetz - durch das Internet zu surfen und Webanwedungen (wie z.B. Google Docs) zu nutzen.

Forum ‘mobiles lernen-21’, Beitrag ‘Taugt das iPad für die Schule?’ von Ulf Blanke, 30.01.2010

Dieses Posting bringt es genau auf den Punkt: Das primäre Hindernis für die schülerseitige Nutzung von Computern (Notebooks ...) im Schulalltag ist der Wahnsinn mit der Technik: Die Netzwerkkarte funktioniert nicht, hier haben die Schüler/innen eine Installation zerhauen, dort einen Virus eingefangen; heute können sich drei Schüler/innen nicht mehr anmelden, morgen kann die ganze Klasse nicht mehr drucken, übermorgen funktioniert der Zugriff auf das Netzlaufwerk nicht mehr, nächste Woche sind alle Einstellungen weg. Das Hochfahren der Rechner dauert brutto zwischen 5 und 15 Minuten (Laptopwagen!), weitere 5 Minuten gehen drauf, weil bei einem Rechner das Word-Icon aus dem Startmenü verschwunden ist.

All diese Probleme hätte man mit einem iPad-ähnlichen Gerät nicht oder nur in äußerst reduzierter Form. Ob das iPad den tatsächlichen Anforderungen im Unterricht genügen kann (Zugriff auf Netzlaufwerke, Dateihandling ...), muss sich erst noch in der Praxis zeigen.

iPad im Unterricht

Man wird einwenden, dass auch mit dem iPad die üblichen Probleme nicht verhindert werden können: Schüler/innen spielen und surfen heimlich während des Unterrichts, vergessen ihr Passwort oder zerstören das Gerät mit einer spitzen Schere. Das sind jedoch Probleme, die durch den pädagogischen Rahmen (Unterrichtsgestaltung, Nutzungsbedingungen ...) bestimmt sind. Natürlich werden Viele auf den alten Trick reinfallen und die iPads sofort mit massenhaft Apps und Sondereinstellungen vollstopfen - und sich dann wundern, warum die Schüler/innen die ganze Zeit “etwas anderes” tun. Und nach einem Reset des Geräts hat der Systemadministrator wieder stundenlang zu tun, bis er den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt hat. In genau diese Falle tappen die meisten Schulen bei der Nutzung ihres neuen interaktiven Whiteboards (vgl. Lehrerfreund 21.01.2009: Unterricht mit interaktivem Whiteboard - 3 Tipps zum Einstieg).

Der Vorteil des iPads liegt darin, dass den Schüler/innen ohne technischen Firlefanz eine Station mit den wesentlichen notwendigen Funktionalitäten zur Verfügung gestellt werden kann: Internetzugang und Zahlen-/Textgestaltung in einfacher Form. Mehr braucht man für den normalen Unterrichtsalltag nicht, auch wenn die zahlreichen Berichte über erfolgreiche Laptopklassen etwas anderes suggerieren. Keiner braucht Powerpoint. Sollen die Schüler/innen ihre Informationen ersurfen und dann ihre Präsentation von Hand gestalten. Keiner braucht spezielle Lernsoftware. Zur Steuerung des Lernprozesses ist schließlich die Lehrer/in da - und nicht das iPad.

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