Unterrichtsmaterial Deutschunterricht

Erzählperspektiven: Tafelbild, Erläuterungen + Arbeitsblatt

Am Beispiel eines Bankraubs werden im Tafelbild die Erzählperspektiven erklärt (auktorial, personal und neutral), außerdem ein Arbeitsblatt mit Informationen zu den Erzählperspektiven. Geeignet für Sek I und Sek II.

Ausschnitt: Tafelbild Erzählperspektiven
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Die Grundformen des Erzählens (= Erzählperspektiven) werden im Deutschunterricht fast aller Stufen für die Literaturinterpretation benötigt. Sie finden hier Materialien, um die Erzählperspektiven einzuführen oder wiederholend zu besprechen.

Die Erzählperspektiven werden am Beispiel eines Bankraubs beschrieben. Die Zeichnung kann an der Tafel als Tafelbild entwickelt oder als Folie aufgelegt werden.

Tafelbild: Erzählperspektiven

Andere Versionen (neues Fenster):

Tafelbild Erzählperspektiven - große Version zum Ausdrucken auf Folie (Farbe)
Tafelbild Erzählperspektiven - große Version zum Ausdrucken auf Folie (Graustufen)
Tafelbild Erzählperspektiven - Version für Arbeitsblätter (Farbe)
Tafelbild Erzählperspektiven - Blanko-Version für Folien (ohne Texte, ohne Markierungen)

Weiterhin werden die Grundlagen der einzelnen Erzählperspektiven auf diesem Arbeitsblatt erklärt: Arbeitsblatt "Erzählperspektiven" (PDF). Die Inhalte des Arbeitsblatts finden Sie im Folgenden aufgeführt, erweitert um Erläuterungen zum Beispiel "Bankraub". Teile des Arbeitsblattes sind an das Lehrerfreund-Skript "Epik - erzählerische Mittel und Formen" angelehnt.

Die Erzählperspektiven

Die Grundformen des Erzählens sind auktorial, personal und neutral. Nur selten kommt eine Perspektive in Reinform vor (-> Mischformen). Häufig stößt man bspw. auf Übergänge zwischen auktorialem und personalem Erzählen.

Fast immer mischen sich die drei Erzählperspektiven; in der Analyse stellt sich die Frage, welche Funktion der Wechsel der Erzählform hat.

Auktoriale Erzählperspektive

Mögliche Mittel:

  • Der Erzähler spricht aus einer souveränen Überschau; er kann sogar allwissend sein (er kennt die Gedanken und Gefühle der Handelnden).
  • Der Erzähler kommentiert und bewertet das Erzählte (z.B. in einer Leseransprache: "Lieber Leser, du hast jetzt erfahren, wie ..."). Der Erzähler tritt aus dem fiktionalen Zusammenhang.

Der Erzähler kann ohne Rücksicht auf die Handlung abschweifen. Diese Eigenmächtigkeit bewirkt eine deutliche Distanzierung zu der von ihm dargestellten Welt bis hin zur Ironisierung.

Beispiel für auktoriale Erzählperspektive: E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann

Bankraub: Auktoriale Erzählperspektive

Im Beispiel wäre eine auktoriale Situation so gestaltet, dass der Erzähler über sämtliche Details Bescheid weiß - die Gefühle des Bankräubers, den unentdeckten Inhalt des Tresors, den geheimen Alarmknopf und die Tatsache, dass in wenigen Minuten die Polizei heranrasen wird.

Personale Erzählperspektive

Es wird aus der Perspektive einer Figur des Handlungszusammenhangs selbst erzählt. Diese Figur hat damit - im Gegensatz zur auktorialen Erzählperspektive - kein souveränes Wissen und keine Distanz zu den Geschehnissen.
Die erzählende Figur ist in ihrer Wahrnehmung beschränkt auf das, was sich in ihrem Gesichtsfeld befindet -> beschränkte Wahrnehmungsmöglichkeiten (zeitl./räuml.)

Der personale Erzähler kann dem Leser innere Vorgänge intensiv vermitteln. Der auktoriale Erzähler kann zwar Gedanken und Gefühle mitteilen, jedoch nicht so subjektiv und emotional. Die Entfaltung der Innenwelt hat also gößere Bedeutung als die Darstellung der Außenwelt.

Öfters trifft man gemäßigtere Formen an. Wird aus der Erlebnisperspektive verschiedener Personen erzählt, nennt man das personale Multiperspektive (z.B. Virginia Wolf).

Personales Erzählen wird erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. betrieben; auktoriales Erzählen bleibt jedoch weiterhin vorhanden.

Beispiel für personale Erzählperspektive: Kafka: Die Verwandlung

Bankraub: Personale Erzählperspektive

Im Bankraub-Beispiel würde eine personale Erzählperspektive bedeuten, dass bspw. aus Sicht des Bankräubers erzählt wird. Der ist in seiner Wahrnehmung auf seine Sinne beschränkt - er kann also nicht sehen, dass der Bankangestellte gleich den Alarmknopf drücken wird.

Neutrales Erzählen

Erzählt wird weder aus der Sicht einer Figur (personales Erzählen), noch wird der Erzähler in den Vordergrund gerückt.

Die Figur selbst spricht in direkter Rede (wie im Drama) --> Dialoge bewirken den Schein der Unmittelbarkeit und dramatisieren das Geschehen. Kurze Dialogeinschübe bedeuten aber nicht unbedingt neutrales Erzählen, da der Erzähler im Blick behalten wird.

Der Erzähler ist unbeteiligt, fast nur dokumentierend (keine Kommentare, kein Überblickswissen wie in der auktorialen Erzählperspektive).

Das neutrale Erzählen hat keinen so großen Stellenwert wie das auktoriale oder personale Erzählen.

Bankraub: Neutrale Erzählperspektive

In der Bank wird beim neutralen Erzählen das Geschehen von der Überwachungskamera gefilmt und entsprechend dokumentierend-emotionslos dargestellt.

Sonderform: Ich-Erzählung

Dieser Punkt ist in systematischer Hinsicht falsch: Ein Ich-Erzähler kann sowohl auktorial (z.B. Münchhausen, der seine eigenen Abenteuer kommentiert) als auch personal erzählen. Die Ich-Erzählung ist also kein Erzähltypus, der neben die oben dargestellten Formen gestellt werden kann. Sie hat jedoch gewisse Eigenheiten.

Der Erzähler tritt als “Ich” hervor und ist zugleich eine Person der Erzählung, gehört zur Welt der Romancharaktere. Er muss dabei nicht immer die Hauptperson sein.

  • Abenteuerroman -  Ich-Form hat Funktion der Beglaubigung
  • Briefroman (z.B. Werther 1774) - Subjektivität kommt ins Spiel
  • Autobiographie - eigene Identität wird dargestellt; Selbstinterpretation.

Alle Materialien zur Erzählperspektive

Tafelbild Erzählperspektiven - große Version zum Ausdrucken auf Folie (Farbe)
Tafelbild Erzählperspektiven - große Version zum Ausdrucken auf Folie (Graustufen)
Tafelbild Erzählperspektiven - Version für Arbeitsblätter (Farbe)
Arbeitsblatt "Erzählperspektiven" (PDF)






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