Frust am Ferienende

Haben Lehrer/innen zu wenig Ferien? 09.08.2011, 17:43

Die meisten Lehrer/innen haben am Ende ihrer jeweiligen Ferien ein Problem: Sie haben nicht das erledigt, was sie erledigen wollten. Schlechtes Zeitmanagement - oder zu wenig Ferien?

Lehrer arbeitet in den Ferien
Bild: pixabay[CC publicdomain]
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Haben Lehrer/innen viel Ferien?

Die scheinbar üppigen Ferienzeiten von Lehrer/innen sind stets Anlass für kontroverse Diskussionen. Arbeitnehmer/innen mit 28 Urlaubstagen pro Jahr verstehen nicht, warum Lehrer/innen mit 12 Urlaubswochen pro Jahr gestresst sind; auf der anderen Seite stehen realistische Rechnungen, die im Jahresschnitt auf 40-Stunden-Wochen oder mehr für Lehrer/innen kommen (wie z.B. im Leser-Kommentar Mister M.).

Was Lehrer/innen in den Ferien tun (wollen)

Sechs Wochen Sommerferien scheinen lang, zwei Wochen Weihnachtsferien oder zwei Wochen Pfingstferien ebenfalls. Wir betrachten als Extrembeispiel die Sommerferien. Das Gesagte gilt in leichter Variation für alle anderen Ferien mit einer Dauer von einer Woche oder mehr.

Neben dem Abschalten ("Urlaub machen") haben Lehrer/innen in den Ferien eine Menge schulische Dinge zu erledigen: Nachbereitung des letzten Schuljahrs, Vorbereitung des nächsten, Aufräumen des Schreibtisches usw.

Das ist nicht trivial, da bspw. neue Themen inhaltlich erschlossen und didaktisch aufbereitet werden müssen. Der Lehrer-Schreibtisch quillt über; alles Material muss gesichtet, sortiert und archiviert werden, möglichst so, dass es bei nächster Gelegenheit schnell wieder auffindbar ist. Das sind Tätigkeiten, die mindestens eine Woche der Sommerferien verschlingen, abhängig von unterrichteten Fächern und Schulstufe/-form gerne auch zwei oder drei.

Neben den rein schulisch-unterrichtlichen Angelegenheiten nehmen sich Lehrer/innen für die Ferien das vor, was sie während der Schulzeit aufgrund von Überlastung nicht leisten können (z.B.: das Moped frisieren; mit den Kindern spielen; die Briefmarkensammlung ordnen; die Steuererklärung machen). Angemerkt sei, dass viele Lehrer/innen während der Schulzeit ihre Samstage und Sonntage regelmäßig am Schreibtisch verbringen und deshalb ihr Moped nicht an den freien Wochenenden frisieren können.

Viele Pläne, kurze Ferien

Das klassische Problem der Lehrer/in in den Ferien besteht nun darin: Sie nehmen sich viel vor - und kommen zu nichts. Das Gefühl am Ferienende drückt frl. krise aus:

Die letzte Woche der Ferien! Aber das sind schon keine Ferien mehr…irgendwie legt sich ein dunkler Schatten aufs Gemüt, sämtliche nicht erledigten Sachen treten vor und rufen immer lauter: Erledige mich endlich! [...]

Freitag morgen war ich um halb zehn in der Schule. Jawohl! Ich wollte mehrere Ordner holen, deren Inhalt abzuhelften ich mir schon lange vorgenommen hatte und den Kaffeeeinsatz meiner kleinen Espressomaschine reinigen, weil ich befürchtete, dass der inzwischen schimmelt (was der Fall ist).

frl. krise interveniert 08.08.2011: Die Uhr tickt….

Warum Lehrer/innen ihr Pensum in den Ferien nicht erledigt bekommen, ist unklar. Neider werfen der Lehrerschaft ein schlechtes Zeitmanagement vor. Würden sich die Lehrer/innen zu Beginn der Ferien diszipliniert hinsetzen und den Schreibtisch aufräumen, das Schuljahr nachbereiten und das nächste vorbereiten, verblieben ihnen viele schöne und unbeschwerte Wochen.

Viele Lehrer/innen halten dagegen, dass der hohe Arbeitsaufwand, der stoßweise (gerade vor den Ferien in Form von Notenterminen, Prüfungen etc.) geballt auf Lehrer/innen zukommt, einen hohen Erholungsbedarf erzeugt. Nicht wenige Lehrer/innen arbeiten in den letzten zwei Wochen vor Sommerferienbeginn deutlich mehr als 60 Stunden die Woche und vermeiden die Nähe ihres Schreibtisches (der ihnen, bedeckt von Korrekturen und Arbeitsblättern, schon das ganze Jahr versaut hat) danach erst einmal wie die Pest. Wer will es ihnen verdenken?

Für große Pläne sind die Ferien immer zu kurz. 6 Wochen Sommerferien scheinen auf den ersten Blick eine lange Zeit zu sein. Deshalb planen Lehrer/innen viel: Garage streichen, Freunde in Bonn besuchen, mit den Kindern zum Zelten gehen, eine neue Sprache erlernen. Zieht man 2 Wochen Urlaub in der Provence und 2.5 Wochen schulbezogene Arbeiten ab, verbleiben gerade noch 10 Tage - viel zu wenig. Die Garage schafft man gerade halb, beim Zelten und bei den Freunden in Bonn ist man bereits hektisch und das Chinesischlernen lässt man ganz. Bei vielen Lehrer/innen bleibt das Gefühl, dass die Ferien zu kurz waren. Schade eigentlich.

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