Intelligenzforschung

Motivation vor allem bei schwächeren Schüler/innen effektiv 19.06.2011, 21:41

»Der ist klug - aber stinkfaul.« In solchen Kategorien definieren Lehrer/innen die Leistungsfähigkeit ihrer Schüler/innen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Motivation tatsächlich einen wesentlichen Einfluss auf die kognitive Leistung hat - vor allem in den niedereren IQ-Rängen. Für den Unterricht bedeutet das: Je »dümmer« der Schüler, desto wichtiger die Motivation.

Unmotivierter Schüler
Bild: flickr-User Orange42[CC by]
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Wenn Lehrer/innen über die Leistungsfähigkeit ihrer Schüler/innen sprechen, dann beschränkt sich das häufig auf:

  • Note 1: klug und fleißig
  • Note 2: klug
  • Note 3: klug, aber faul
  • Note 3/4: dumm, aber fleißig
  • Note 4/5: dumm
  • Note 5/6:dumm und faul

Für die Definition der Leistungsfähigkeit von Schüler/innen werden in diesem Paradigma vornehmlich zwei Parameter verwendet: die kognitive Leistungsfähigkeit und die Arbeitsbereitschaft.

Studie: Hoher IQ-Wert durch Motivation

Diese Vorstellung entspricht der aktuellen Studie “Role of test motivation in intelligence testing” (Der Einfluss der Motivation bei Intelligenztests). Zuerst wurde eine Metastudie durchgeführt, in der der Einfluss von materiellen Belohnungen (Geld, Geschenke ...) auf das Ergebnis des Intelligenztests untersucht wurde. Diese extrinsische Motivation führte im Durchschnitt zu einem um knapp 10 Punkte besseren Abschneiden; die IQ-Steigerung war vor allem bei Personen mit niedererem IQ zu beobachten. Die zentrale Fragestellung eines weiteren Experiments (zwei Untersuchungszeitpunkte mit zwölf Jahren Abstand) bestand darin, einen Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Erfolg im Leben und dem IQ herzustellen. “Erfolg” wurde differenziert betrachtet (akademische Laufbahn, Arbeitsmarkt, Kriminalität ...). Zwar, so die Studie, lässt sich aus dem IQ-Wert ableiten, wie erfolgreich jemand im Leben sein wird. Sobald jedoch die Größe “Motivation” aus dem Ergebnis herausgerechnet wird, ist der IQ nur noch ausschlaggebend für die akademische Karriere:

Mit diesen Daten konnten die Psychologen erfolgreich zeigen, dass die IQ-Zahl offenbar nicht alles erzählt. Ihr Intelligenz-Bestandteil zeigte sich vor allem als mit dem akademischen Werdegang korreliert (was nicht überrascht), während Erfolg in anderen Lebensbereichen vor allem von dem aus unterschiedlichen Quellen herrührenden Faktor Motivation bestimmt wird.

telepolis 30.05.2011: Ist der IQ eine Messgröße für die Intelligenz oder für das Bemühen?

Schlussfolgerungen für den Unterricht

1. Motivierte Schüler/innen bringen mehr Leistung. 2. Je dümmer die Schüler/innen sind, desto effektiver wirken externe Anreize. Der Begriff “dümmer” wurde hier trotz seines despektierlichen Charakters mit Bedacht gewählt. “Schwächer” würde die Wahrheit nicht treffen, da eine schwache Leistung viele Ursachen haben kann (klug, aber faul; fleißig, aber dumm; fehlende Sprachkenntnisse usw.). Leider tritt lösen gerade “dumme” Schüler/innen oft ein destruktives Verhalten der Lehrer/in aus: Die Schüler/innen kapieren nichts und arbeiten nicht mit, weshalb sich die Lehrer/in für den Unterricht keine Mühe gibt. Dadurch sinkt die Motivation, womit Verständnis und Arbeitswille eine weitere Stufe sinken. Wichtig ist ein antizyklisches Vorgehen: Je doofer die Schüler/innen sich anstellen, desto mehr sollte darauf geachtet werden, eine motivierende Umgebung zu schaffen. Der etwas unappetitliche Umkehrschluss: Je besser die Schüler/innen, desto weniger kann man durch Motivation erreichen.

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