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Jugendliche werden zu Eltern

»Die Mutter hat ein Arschgeweih ...« - Die neue Elterngeneration

Arschgeweih, Foto

Bildquelle: flickr-User FaceMePLS, CC BY 2.0

Jugendliche verschicken Nacktfotos von sich selbst, haben das Handy zum Fetisch erhoben und besaufen sich bis zur Besinnungslosigkeit. Gisela Gille sieht darin eine Rebellion gegen eine Elterngeneration, die selbst schon ganz neue Lebensformen pflegt: "Die Mutter hat ein Arschgeweih, der Vater trägt das Baseballcap falschrum".

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Eingetragen am 01.04.2009, 13:19 Uhr in Nachrichten | Jugendliche |

9 x kommentiert, 4963 x gelesen in 2013. Diesen Beitrag kommentieren.

Unter Jugendlichen verbreitet sich eine neue Unsitte: Mit dem Handy (o.ä.) fertigt man Nacktfotos von sich selbst an oder filmt sich bei sexueller Interaktion. Diese Produkte geraten häufig (von den Darsteller/innen ungewollt) ins Internet, von wo sie sich nicht mehr entfernen lassen.

Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass 20 Prozent aller Jugendlichen in den USA schon einmal Nacktfotos von sich selbst verschickt haben. [...]

In Deutschland forscht vor allem die Medienwissenschaftlerin Petra Grimm zu dem Phänomen. Sie hat vor drei Jahren in einer Befragung herausgefunden, dass 71 Prozent der Jungen und 66,6 Prozent der Mädchen schon einmal Sexvideos auf einem Handy gesehen hatten.

Frankfurter Rundschau 16.03.2009: Pornographie-Vorwurf - Nackt im Netz

Mehr über das Phänomen des “Sexting”: Frankfurter Rundschau 16.03.2009: Nackt im Netz.

In diesem Artikel kommt auch die Frauenärztin Gisela Gille zu Wort, die an schulische Aufklärungsarbeit mit Mädchen betreibt. Sie spricht ein geflügeltes Wort aus:

Sie interpretiert die Sex-Clips als Rebellion, ein immer verzweifelterer Versuch der Abgrenzung zu den Eltern. “Die Mutter hat ein Arschgeweih, der Vater trägt das Baseballcap falschrum”, sagt sie. Um sich zu unterscheiden, fühlten sich die Jugendlichen gezwungen “die Grenze noch etwas weiter zu überschreiten.”

Frankfurter Rundschau 16.03.2009: Pornographie-Vorwurf - Nackt im Netz, Hervorhebung Lehrerfreund

Frau Gille spricht mit diesem Gedankengang eine Entwicklung an, die Lehrer/innen bei Elternabenden mit flauem Gefühl im Magen wahrnehmen: Die Eltern heutiger und morgiger Schüler/innen entstammen einer Generation, die in einem kulturellen Umfeld aufgewachsen ist, das wir gestern noch ausschließlich als die Exzesse von Teenagern wahrgenommen haben: Flatratesaufen, SMSen, Baseballkappen, Gewaltspiele, Arschgeweihe, Alcopops und mittägliche Gerichtsshows in der Glotze.

Die Frage, ob sich die nächste Generation Jugendlicher nun noch weiter von den “alten” Normen wegbewegen wird, ist nicht relevant. Denn Arschgeweihe und Alcopops markieren trotz ihrer Kurzlebigkeit die Kultur der nächsten Generation - und damit die Norm. Ob damit auch eine massive Verschiebung grundlegender (wichtiger? guter?) Werte verbunden ist, bleibt zu diskutieren.

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9 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Sarah meinte am 14.05.2009, 14:19 dazu:
" 

Ich kann gar nicht glauben, was ich hier zu lesen bekommen.Eine derartige Pauschalisierung einer kompletten Generation.Ich gehöre der vermeintlichen “Arschgeweih-Elterngeneration” an und kann kaum ausdrücken wie mich bedrückt solch einen pseudo-wissenschaftlichen Artikel hier zu finden.Ich kann wenige dieser bschriebenen Menschen sehen und wenn doch unterscheidet sich dieser von seiner Denkart und Handlungsweise kein Stück von einer spießigen, auf äußere Werte bedachten Mutter, die ihr Kind bei jedem Tritt aus ihrer genau vorausgeplanten Linie einen Tadel erteilen.Und wenn ich von solch einem falschen Schluss ausgehe, dann müsste doch “meine” Generation nur so von Hippies wimmeln.Oder war dies nicht die meist kritisierteste Jugendgruppe?
Ich kann nur entsetzt sein….....

(#2) Florian meinte am 07.12.2009, 23:42 dazu:
" 

Viel mehr vermute ich, dass die nächsten Generationen ihre Distanzierung durch eine Orientierung in Richtung der “alten Normen” vollziehen wird. Dieser “Trend” wird sich meiner Prognose erst schleppend seinen Lauf finden.

(#3) Sascha meinte am 09.11.2011, 9:57 dazu:
" 

„Nichts zeigt das Alter eines Menschen so sehr, als wenn er die neue Generation schlecht macht.“
Adlai Stevenson

(#4) Marc meinte am 17.11.2011, 12:34 dazu:
" 

Ist es nicht eher ein Zeichen dafür, dass die neue Generation Lehrer dermaßen von den alten Normen ihrer älteren Kollegen verführt ist, dass sie auch deren soziokulturelle Verachtung für fremdes und von der Norm abweichendes angenommen haben? Genau wie Schüler, Eltern und all die anderen Milliarden Menschen lassen Lehrer sich sicherlich auch nicht in eine Schublade einpassen, doch jeder von uns kennt den Lehrertyp, der so gar keine Toleranz versprüht.

Lehrer dieser Welt: Habitus mag zwar wichtig sein, um Kinder zu verstehen, nicht aber, um sie aburteilend in Fächer zu stecken, aus denen sie es unter Umständen niemals wieder herausschaffen.

Sarah hat verdammt recht, wenn sie sagt: Kann man nur entäuscht sein…

(#5) eric meinte am 11.12.2011, 18:28 dazu:
" 

Es geht doch nicht um richtig und falsch oder gut und schlecht, sondern daurm, solche Trends zu erkennen, die Schüler aufzuklären, ernst zu nehmen und sie vor Schaden zu schützen. Leider ist das eine Schattenseite des WWW, mit der man umgenen muss. Da kann man doch nicht so tun als gäbe es keine Selbstdarstellung von Jugendlichen im I-net.

(#6) André meinte am 06.09.2012, 23:46 dazu:
" 

Da kann ich mich anschließen. Eine Pauschalisierung, die - eben genau deshalb - die Realität in keinster Weise abbildet. Man kann von äußeren Merkmalen wie “Arschgeweih” oder Basecap nunmal NICHT auf Werte oder Haltungen von Menschen schließen. Tut mir leid. Auch wenn konservativ denkende Mitbürger das mitunter gern tun. Wäre dies so, dann hätte der Sozialpädagoge, der an meiner Hauptschule arbeitet wohl keinerlei Erziehung genossen, da er an beiden Armen - und wer weiß wo noch - tätowiert ist. Menschen urteilt man nicht anhand von Äußerlichkeiten ab, auch das gehört zur Sozialkompetenz!

(#7) Dr. Vinni meinte am 29.10.2012, 20:20 dazu:
" 

Ich gehe davon aus, das dieser Oberflächliche Artikel keine tiefer gehender Recherche vorausgegangen ist und rein der subjektiven Wahrnehmung der Autors entspricht. Nicht jeder mit einer Tätowierung ist heute ein Mitglied der bildungsfremden Bevölkerungsschicht.

(#8) Der Lehrerfreund meinte am 29.10.2012, 21:08 dazu:
" 

Eine interessante These; der Artikel ist von 2009, da war das noch anders (Tätowierungen waren nicht so stark verbreitet). Man könnte auch fragen, ob Arschgeweihe möglicherweise einen größeren Grad an Bildungsfernheit implizieren als, sagen wir, ein Anker auf dem Unterarm.

(#9) Ralf Schmidt meinte am 12.04.2013, 15:31 dazu:
" 

Genau so sind viele der neuen Elterngeneration .... haben selbst genügend und reichlich Probleme .... die Kinder werden nicht erzogen und dann soll die Schule .... genauer die armen lehrer sollen es sensibel, vorsichtig und konsequent richten !!!!  Nein - die Erziehung ist Aufgabe der Eltern ... leider können es immer mehr junge Eltern nicht mehr .

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