Am gesündesten in Norddeutschland

Forsa-Studie »Kindergesundheit« (2009) 18.03.2009, 13:07

Die aktuelle Studie "Kindergesundheit" bringt ans Licht: Die gesündesten Kinder bis 6 Jahre wohnen in Norddeutschland auf einem Dorf und haben gebildete bzw. wohlhabende Eltern. Deutschlandweit leiden 28% aller Kinder unter 6 Jahren unter chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Heuschnupfen.

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Die Studie “Kindergesundheit” (2009)

Die Studie wurde von der Zeitschrift Eltern und der Krankenkasse DAK beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben und im Dezember 2008 durchgeführt. Befragt wurden 1008 Personen mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren zur Gesundheit ihrer Kinder. Fragen waren dabei z.B. “Leidet Ihr Kind/ eines Ihrer Kinder an einer oder mehreren der folgenden chronischen Beschwerden, oder hat es darunter gelitten?”, “Einmal abgesehen von Beschwerden, die Ihr Kind/ Ihre Kinder vielleicht schon einmal hatte/ hatten: Von welcher der folgenden gesundheitlichen Störungen fürchten Sie am meisten, dass Ihr Kind/ Ihre Kinder sie bekommen könnte/ könnten?” oder “Bei der Ernährung meines Kindes/ meiner Kinder ist mir besonders wichtig, dass…”

Die Ergebnisse der Studie sind als Tabellensammlung (PDF) einsehbar; auf eltern.de findet sich eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse der Studie “Kindergesundheit”, die in ähnlicher Form in weiteren Nachrichtenquellen nachzulesen sind (z.B. stern.de, “Jedes vierte Kind ist chronisch krank.”).

Die Seitenzahlen beziehen sich im Folgenden auf den Tabellenband der Studie (PDF).

Bei den folgenden Interpretationen handelt es sich um Aussagen der Eltern. Damit sind viele Interpretationen mit Vorsicht zu genießen: Vielleicht reagieren Dorfmenschen auf Krankheiten nicht so sensibel wie Stadtmenschen, für die die Burger-Pickel der Kinder sofort eine chronische Hautkrankheit bedeuten. Interpretationen wie “Jedes vierte Kind ist chronisch krank” (stern) stützen sich nicht auf eine ärztliche Diagnose, sondern auf die Aussagen (und damit Wahrnehmungen) von Eltern.

Ergebnisse für Gesamtdeutschland

28% aller deutschen Kinder leiden (nach Aussagen der Eltern) an einer chronischen Erkrankung wie Neurodermitis (14%), Heuschnupfen (5%), Asthma (3%) oder Migräne (3%). 64% der Kinder leiden unter immer wieder auftretenden akuten Erkrankungen: Erkrankungen der Atemwege wie Schnupfen, Angina ... (38%), der Ohren (16%), der Haut (16%) oder des Magens/Darms (11%) (S.3).

Auf die Frage “Von welcher der folgenden gesundheitlichen Störungen fürchten Sie am meisten, dass Ihr Kind/Ihre Kinder sie bekommen könnte/ könnten?” antworteten 44% mit ADS/ADHS; 32% fürchten Asthma, 28% Diabetes, 26% Neurodermitis und 23% Übergewicht (S.7). 40% der Deutschen gehen gerne “auf Nummer sicher und suche[n] frühzeitig einen Arzt auf” (S.11). Nur 56% der Eltern finden es wichtig, dass die Ernährung ihrer Kinder nicht zu kalorienhaltig oder zu fett ist (S.19).

Kindergesundheit - differenziert nach Region, Schulabschluss und Ortsgröße

Die Studie ist insofern sehr aufschlussreich, als dass die Antworten auch differenziert nach Aspekten wie “Haushaltseinkommen”, “Schulabschluss” oder “Ortsgröße” dargestellt sind.

1. In der Stadt leben Kinder ungesünder.

In der Studie werden Ortsgrößen “<5.000 Einwohner", "5.000-100.000 Einwohner" und ">100.000 Einwohner” unterschieden. Wir betrachten dabei die beiden äußeren (Dorfbewohner und Stadtbewohner).

In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern leiden signifikant mehr Kinder unter chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Heuschnupfen. In kleinen Dörfern (

<5.000 Einwohner) geben 83% der Eltern an, dass ihr/e Kind/er frei von chronischen Erkrankungen sind (Großstädte: 65%) (S.1). Ähnlich verhält es sich mit aktuen Erkrankungen wie immer wieder auftretende Krankheiten an Atemwegen, Ohren, Haut oder Magen/Darm (S.3). So fühlen sich in der Großstadt auch 10% der Befragten im Alltag durch die Krankheiten der Kinder "sehr" beeinträchtigt, im Dorf sind es nur 2% (S.5). Das kann damit zusammenhängen, dass 34% der Großstädter/innen finden, "Heute ist es schwieriger als früher, Kinder gesund großzuziehen." (Dorf: 20%) (S.9).
Entsprechend häufiger besuchen die Eltern aus der Stadt mit ihrem Kind den Arzt. Während man sich in der Stadt dabei fast ausschließlich einem Kinderarzt anvertraut, hält auf dem Dorfe in 19% der Fälle auch der Hausarzt her (S.37). Auch hinsichtlich der Krankenhausaufenthalte scheint das Stadtleben nachteilhafter zu sein:

Jedes dritte Stadtkind hatte schon einen längeren Krankenhausauftenthalt, im Dorf nur jedes fünfte (S.45); dafür sind die Dorfbewohner siginifikant unzufriedener mit der Krankenhaussituation (S.49).

2. Unterschiede in Nord-/Süd-/Ostdeutschland

In der Studie wird zwischen den Regionen “Nord”, “NRW”, “Mitte”, “Süd” und “Ost” unterschieden.

Im Norden sind die Kinder (nach Angaben der Eltern) am gesündesten, im Osten sind mehr chronische und akute Kinderkrankheiten zu beobachten (S.1,3). Die Furcht vor ADS/ADHS ist in Nord- und Mitteldeutschland (ø 33%) wesentlich geringer ausgeprägt als in Süddeutschland (53%) (S.7). In Ostdeutschland lassen nur 10% ihre Kinder “wann immer es geht” homöopathisch behandeln (Süddeutschland: 27%) (S.27).

3. Wer Eltern mit Hauptschulabschluss hat, lebt ungesünder.

Die Studie unterscheidet als Kategorien “Hauptschulabschluss”, “mittlerer Abschluss” und “Hochschule/Abitur”. Wir betrachten die Hauptschüler und die Abiturienten.

Kinder von Hauptschülern leiden häufiger unter chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis, Heuschnupfen oder Migräne als die Kinder von Abiturienten (S.1), während die Unterschiede bei akuten Erkrankungen nicht so deutlich ausfallen (S.4). Die Furcht vor chronischen Erkrankungen wie ADS/ADHS oder Diabetes scheint bei den Hauptschülern deutlicher ausgeprägt zu sein als bei den Abiturienten (S.7). Besonders fürchten die Hauptschüler ADS/ADHS (52% vs. 33%). Bei den Abiturienten ist vor allem die Furcht vor Zahnproblemen deutlicher ausgeprägt (14% vs. 5%). Informationen zum Thema Kindergesundheit entnimmt nur jeder dritte Hauptschüler Büchern, von den Abiturienten jedoch 57% (S.17). Die Verwendung von Bioprodukten bei der Kinderernährung ist bei Abiturienten ausgeprägter (32%) als bei Hauptschülern (8%) (S.19).

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