Mehr als die Hälfte der Deutschen wollen Ganztagsschule (Bildungsbarometer-Umfrage)
Die das zepf heute bekanntgegeben hat, unterstützen 53% der im Bildungsbarometer befragten Deutschen die Ganztagsschule als alleinige künftige Organisationsform der Schule. Man könnte auch sagen: Fast die Hälfte der Deutschen lehnen sie ab. Das liegt auch an den negativen Erfahrungen, die nach PISA mit Husch-Husch-ich-bin-eine-Ganztagsschule gemacht wurden.
Bei der Rezeption dieser Ergebnisse gilt es zu berücksichtigen, dass die Stichprobe (n=1816) nach Aussage der durchführenden Kräfte “spezifisch repräsentativ” ist. Die Umfragen des Bildungsbarometers werden nur online vorgenommen, sodass soziologisch beschreibbare Bevölkerungsanteile an der Studie nicht teilnehmen können.
Der Sinn von solider Ganztagsbetreuung steht seit langem außer Frage; deshalb ist eine grundsätzliche Akzeptanz des Konzepts in der Bevölkerung gegeben. In der Ganztagsschulumfrage des Bildungsbarometers erwarten viele Befragte deshalb auch die entsprechenden zusätzlichen, notwendigen Angebote (“Mittagsessen, Sport- und Freizeitangebote ebenso wichtig wie Hausaufgabenbetreuung, Förderangebote und Rhythmisierung der Unterrichtszeit”).
Was spricht aus Sicht der Bevölkerung gegen die Ganztagsschule?
In der aktuellen Umfrage werden vor allem pragmatische Gründe genannt, die gegen die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule sprechen:
Trotz einiger Vorteile werden aber negative Aspekte der Ganztagsschule betont. Dazu zählen: Zu wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten (27%), Lernen zuhause auch nach der Schule (24%), zu wenig außerschulische Kontakte (22%), Ermüdung durch zu langen Schulalltag (19%) und zu niedriger Gewinn durch die Ganztagsschule insgesamt (7%).
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Bildungsbarometer, Pressemitteilung vom 20.02.2009
Es ist allgemein bekannt, dass viele Schulen unmittelbar nach PISA hektisch zu Ganztagsschulen umfunktioniert wurden; in der Praxis bedeutete das jedoch nichts anderes, als dass man den Schüler/innen einfach noch ein paar Stunden Nachmittagsunterricht aufs Auge drückte. So konnte man stolz das innovative Label “Ganztagsschule” tragen, obwohl keinerlei curriculare, pädagogische und organisatorische Konzepte vorlagen bzw. realisiert wurden. Kurz: Bei vielen Ganztagsschulen handelte es sich um Mogelpakete der politisch Verantwortlichen, die eine rasch wirkende Medizin gegen den PISA-Schock suchten.
Dass immer noch knapp die Hälfte der Personen die Ganztagsschule mit Skepsis betrachten, liegt sicher auch an diesen negativen Erfahrungen (wo die Kinder tatsächlich ausgehungert, müde und genervt um 16.30 nach Hause kamen, um dann noch Hausaufgaben machen zu müssen). Dabei kann Ganztagsschule sinnvoll und schön sein - wenn durchdachte Konzepte vorliegen und entsprechende Geldmittel zur Verfügung stehen, damit nicht unqualifizierte Kräfte sinnlose Hausaufgabenbetreuung vornehmen oder die Schüler mittags einen 1.86-Euro-Fraß in sich hineinstopfen müssen.
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Beitrag vom 20.02.2009, 10:46 | diesen Beitrag versenden
Macht dem Wahnsinn ein Ende - oder schaltet zumindest einen Gang runter, sonst sieht es in Zukunft trübe aus.
Ich finde diesen Trend schade...
Außerdem hatte man sogar weniger Hausaufgaben.
Aber ob das wirklich eine Lösung ist, die ist jedoch meiner Meinung nach fraglich!?
Bitte verwechseln Sie nicht Pädagogen mit Bildungspolitikern und anderen Ideologen. Die wenigsten Lehrkräfte wollen die Ganztagsschule, da sie ganz genau wissen, dass der Staat den Ganztagsschulen in der Breite niemals die finanziellen Mittel bereitstellen wird, um eine vernünftige Betreuung zu organisieren. Was in (auskömmlich finanzierten) Modellprojekten gut funktioniert, muss unter Alltagsbedinungen noch lange nicht funktionieren. Als Bürger bleibt uns nur, bei den Wahlen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Und ich bleibe dabei: Wo bitte schön, sind denn die ganzen vielen Arbeitsplätze für die dann tagsüber-arbeitslosen Erziehungsberechtigten? Und noch was: Wo bleibt der Verdienst? Wie kommt es wohl, dass qualifizierte Arbeitskräfte immer weniger verdienen? Alles NUR Wirtschaftskrise? Oder doch schon ein Quentchen zuviel Mitarbeiterangebot? Und Amokläufer an Schulen, alles NUR durch überforderte Eltern?
Wenn es nicht so sinnlos wäre, dann würde ich in die Politik gehen und versuchen, die Eltern zu unterstützen, die eben ihre Kinder nicht am vom "Frosch/Kommentar 2" erwähnten Standard ausrichten wollen. Aber dafür bräuchte man Rückendeckung - und es traut sich ja scheinbar keiner mehr was zu sagen, oder?
