Handy im Unterricht - Empirie, Tipps, Unterrichtsmaterial
Mobiltelefone werden zunehmend zur Konfliktursache im Unterricht. Wie gehen Schulen und Lehrer und Lehrerinnen mit diesem Problem um? Ist es rechtens, ein Handy zu konfiszieren? Welche empirischen Erkenntnisse liegen vor? Wo finden sich sozialpädagogische Unterrichtsmaterialien zum Thema?
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Eingetragen am 28.05.2004, 18:38 Uhr in Medien und Unterricht |
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80% aller 13-17jährigen besitzen im Jahr 2004 ein Handy (schulprojekt-mobilfunk.de). Einige benutzen es mit Vorliebe im Unterricht - sehr zum Verdruss der Lehrpersonen. Hier finden Sie einige interessante Hintergrundinformationen; weiter unten außerdem Hinweise, wie Sie an entsprechendes Unterrichtsmateriali kommen.
Das Handy ist vielen Jugendlichen ein ständiger Freund
Die Studie “Netzwerkkinder” der Mobilkom-Austria (Juni 2003) hat ergeben, dass 30% aller 200 befragten Kinder und Jugendlichen ihr Handy rund um die Uhr angeschaltet haben.- Morgen 1: Handy weckt Kind.
- Morgen 2: Die Hälfte aller Befragten lässt das Handy während des Unterrichts an.
- Nachmittag: “Drei von vier Jugendlichen verabreden sich am Nachmittag über das Handy.”
Boris Nemsic, Auftraggeber der Studie, erkennt richtig: “Medien und neue Technologien sind für Kinder keine Arbeitsgeräte, die sie zu einer bestimmten Tagszeit ein- und gleich wieder ausschalten. Sie sind Alltagsbegleiter.”
—- Gute Zusammenfassung der Studie bei golem.de
—- Alternativlink bei schule.at
Erlebenswelt von Schülerinnen und Schülern
Wie Schülerinnen und Schüler dies (bezogen auf Schule und Unterricht) erleben, zeigt sich schön in dieser Forumsdiskussion, an der sich Jugendliche und (weiter unten dann auch) Erwachsene beteiligen:Dann konfisziere ich das Dinge eben - Schulordnungen
In fast jeder Schulordnung oder Hausordnung ist der Gebrauch von Handys untersagt. Beispiele:
- “Während des Unterrichtes ist es verboten, das Handy zu verwenden. Bei Lehrausgängen und Ausflügen entscheidet die Lehrkraft über die Notwendigkeit des Gebrauchs.”
http://www.schule.suedtirol.it/ms-me3/schulord.htm - “Elektronische Medien wie Handy oder Walkman und andere? müssen während des Unterrichts abgeschaltet sein. Die Geräte sind bei Verlust nicht versichert.”
http://www.bbsnorden.de/start.htm?/schule/unsere_schule/schulordnung.htm
Auf Grundlage dieser Verordnungen und den Implikationen, die Schulgesetze und allgemeine Schulordnungen haben, darf ein Handy bei Gebrauch im Unterricht konfisziert werden - vgl. z.B. den Handy-Kommentar zur ASchO NRW (Allgemeine Schulordnung Nordrhein-Westfalen).
Usus ist es, das Gerät nach einem oder spätestens nach wenigen Tagen zurückzugegeben. Mehr geht nicht, da der materielle Schaden für die Lernperson (Gebühren) nicht verhältnismäßig wäre.
Besteht der Verdacht, dass das Handy als Spickzettel missbraucht wird, darf es auf Verdacht konfisziert werden (Artikel “Handy als Spickzettel darf konfisziert werden”).
Unterrichtsmaterialien
... bei lehrer-online.de
Die Unterrichtseinheit “Kommunikation mit Internet und Handy” (ca. 12 Stunden, Niveau: Klasse 10/11) ist - wie von lehrer-online.de gewohnt - materialreich, durchdacht und strukturiert. Besonders gefällt die Idee, dass die Lernpersonen sich zu Beginn der Einheit in Gruppen formieren, die sich jeweils mit einem der zu untersuchenden Verständigungswege (Email, SMS, Handy usw.) befassen. Leider müssen einige Arbeitsaufträge modifiziert werden, da der inhaltliche Nutzwert gemessen am Arbeitsaufwand zu gering ist. Aber mit Hilfe der Vorlage sollte das zu schaffen sein.
... beim Bildungsserver Hessen
Diverse ganz gute Arbeitsmaterialien (Berichte, Artikel usw.)
... bei schulprojekt-mobilfunk.de
Das “Informationszentrum Mobilfunk”, eine Interessengemeinschaft der deutschen Netzbetreiber, hat drei Unterrichtsbroschüren zu den Themen
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veröffentlicht (Niveau: Klasse 5-8). Die Hefte können entweder auf schulprojekt-mobilfunk.de/downloads.php als PDF heruntergeladen werden oder einzeln oder als Klassensatz als Print bestellt werden.
Das Material ist von heterogener Natur. Ein großer Teil der Unterrichtsvorschläge und Arbeitsvorschläge ist unserer Meinung nach abstrakt, wenig sinnvoll und kaum praktisch anwendbar, es gibt aber auch wirklich tolles Zeug, z.B.
- eine Bildergeschichte, in der Sprechblasen ausgefüllt werden müssen und ein neues Ende verfasst werden soll (Heft “Mensch und Mobilfunk”),
- Arbeitsblatt zur Mediennutzung (“Welche Medien nutzt du während eines normalen Tages?”, Veränderung der Mediennutzung anhand Tabelle) oder zur Kommunikation (“Welche Wünsche hast du an das Handy der Zukunft?”) (Heft “Mensch, Medien, Umwelt”).
Es lohnt sich allemal, die Hefte runterzuladen und etwas zu blättern - wenn eine Unterrichtseinheit oder ein paar Stunden zum Thema planen, finden Sie dort sicher eine Menge Inspiration.
Zum Schluss zitieren wir aus dem informativen Artikel ‘Mein Handy und ich’ im Unterricht aus der taz zum Projekt, dem Unterrichtsmaterial und den Herausgebern:
Um sich vom Verdacht der Interessenpolitik reinzuwaschen, hat das Informationszentrum Mobilfunk das Projekt pädagogisch überwachen lassen, unter anderen vom Verein ‘Bildung und Erziehung’ sowie vom Lisum. ‘Wir haben uns redlich bemüht, keine einseitigen Informationen zu verbreiten’, sagt Dagmar Wiebusch, die Vorsitzende des Infozentrums. So haben die Autoren auch Themen wie Elektrosmog, Handyschulden und -entsorgung aufgegriffen. Ausgespart wird allerdings Soziales, wie zum Beispiel die Spaltung in Handybesitzende und Schülerinnen, die keins besitzen.”
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7 Kommentare von Lehrerfreund/innen
ein hele leuke site.
ICh wäre für Störsender (Kino, Theater und Krankenhäusern)
Es gibt in Stuttgart eine Gruppe, die sich als Projektgruppe zusammengefunden haben und das sog. PAULPROJEKT gegründet haben. Das Konzept: Für ein Handyverbot an Schulen ist die vorherige Aufklärung unabdingbar. Das Projekt vertreibt seit Januar ein Gerät (Paul II), dass einen Signalton abgibt, wenn ein Handy an ist. Allerdings wird Paul II als Erinnerer eingeführt, der die SchülerInnen an die Regelung erinnert. Nebenher hat die Gruppe eine Informationsbroschüre zusammengestellt und hält in Deutschland und im deutschen Ausland Präsentationen an Schulen und anderen Institutionen über das Thema Handy an der Schule und Mobilfunk gesamt. Ziemlich interessant! Infos: .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen)
Die Mobilfunklobby, “Informationszentrum Mobilfunk e.V” thematisiert mit ihrem “Schulprojekt-Mobilfunk” alles zum Handy, nur die gesundheitlichen Risiken werden gerne ausgeklammert.
Der Einfluß der Mobilfunkindustrie zeigt ganz besonders bei Studien zum gesundheitlichen Auswirkungen von Handystrahlung.
Finanzierung von Studien beeinflußt deren Ergebnis
“Das eigentlich interessante Ergebnis von Lais Untersuchung aber ist: Rund vier von fünf Studien, die elektromagnetische Strahlung als unbedenklich einstuften, waren von der Industrie finanziert.”
“Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern kam in einer Analyse zu demselben Ergebnis wie Lai: Arbeiten, an deren Finanzierung die Industrie nicht beteiligt war, fanden zehnmal häufiger statistisch signifikante Effekte der Mobilfunkstrahlung als Untersuchungen, die im Auftrag der Industrie durchgeführt worden waren.”
http://www.woz.ch/artikel/rss/19045.html
Mehr Informationen zum Thema Mobilfunk und Gesundheit – Gesundheitsrisiken von Handy, Handystrahlung, Mobilfunksendern, GSM, UMTS, LTE, TETRA, DECT, WLAN
http://www.mobilfunkstudien.de http:,//www.diagnose-funk.de
Blablabla…Gesundheitsgefährdung…blabla.
Ich kann es nicht mehr hören, mit welchen realitätsfernen Argumenten moderner Unterricht boykottiert wird. Mobilfunkstrahlung kann sich mittlerweile niemand mehr entziehen, warum sollte das in dem Elfenbeinturm “Schule” denn anders sein?
Mit genau solchem gefasel werden in unserer Schule (von einigen wenigen) schon seit Jahren ein schulinternes WLAN, interaktive Whiteboards und andere technische Errungenschaften ausgebremst und blockiert.
Es ist eigentlich ein Witz. Ich habe zuhause weder eine schnurlose Maus noch eine ebensolche Tastatur, telefoniere nur schnurgebunden und verwende mein Handy nur in Notfällen.
In der Schule werde ich durch das WLAN und die Tatsache, dass auf engstem Raum 28 Schüler sitzen, unnötig mit Funkwellen belastet. Hinzukommt, dass die Geräte im z. B. Untergeschoss mit Höchstleistung arbeiten müssen, damit sie einen Empfang haben.
@ Hugo Schuster
Sie leben aber schon in unserem Zeitalter?
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