Immer mehr Eltern setzen den Anwalt gegen Lehrer/innen ein
Für AnwältInnen öffnet sich ein neuer Markt: Schlechten Noten, Realschulempfehlungen oder Schulverweisen begegnen immer mehr Eltern mit der juristischen Keule. Man sollte mit vorschnellen Schuldzuweisungen vorsichtig sein - Fehlentscheidungen von LehrerInnen sind wohl ebenso häufig wie unangemessene Reaktionen von Eltern.
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Eingetragen am 11.10.2008, 22:11 Uhr in Nachrichten |
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Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des VBE (Verband Bildung und Erziehung, PädagogInnen-Gewerkschaft) teilt mit, dass immer mehr Eltern ohne langes Fackeln einen Anwalt einschalten, um ihr “Recht” in der Schule einzuklagen. Häufig kämen Eltern direkt mit dem Anwalt in die Sprechstunde. Dieser Trend wird von Elternverbänden bestätigt. (Quelle)
Letztendlich dürften nur die Anwälte von der Klagefreude profitieren:
Der Jurist [Christian Birnbaum] spezialisierte sich vor acht Jahren auf Schulrecht. [...] Der Andrang bei ihm hat zugenommen. Im Jahr kümmert er sich um rund 100 Verfahren - um Schulverweise, Versetzungen und immer wieder um den Klassiker, die Anfechtung von Noten. Auch bei der Wahl der passenden Schule scheuen Eltern keine Mühe. Viele versuchen, ihren Nachwuchs mit seiner Hilfe in die Wunsch-Schule einzuklagen.
[...]
Am Verwaltungsgericht Berlin etwa machen die Prozesse zur Einschulung - egal ob an Grundschulen oder weiterführenden Schulen - den größten Anteil an Schulrechtsfällen aus. Rund 200 Verfahren waren es laut Gericht zu Beginn des laufenden Schuljahres.
Streitereien zwischen Eltern und Lehrpersonen sind schon immer fester Bestandteil des Schulbetriebs gewesen: Der kleine X ist doch so belesen, wie kann es sein, dass er in Deutsch nur eine 3 bekommt? Wir haben die Note nachgerechnet und kommen auf 3.492 - wieso geben Sie ihr eine 4 im Zeugnis? Gut, F hat den Musiklehrer als “Schwuchtel” bezeichnet - aber dass er deswegen eine Woche Schulverweis bekommt, sehen wir nun wirklich nicht ein. Usw. Usf. Dabei halten sich Fehlentscheidungen seitens der Lehrkräfte die Waage mit übertriebenen Reaktionen der Eltern. In beiden Bevölkerungsgruppen gibt es nun mal ziemlich große Hornochsen.
Man sollte jedoch nicht übersehen, dass die Entwicklung auch einen positiven Aspekt hat: Unser Schulsystem ist ganz unbestritten verbesserungswürdig - und viele Eltern lassen sich das nicht mehr bieten. Sie haben keine Lust, dass ihr Kind auf eine Schule geht, in der eine in fachlicher und didaktischer Hinsicht völlig inkompetente (aber leider verbeamtete) Lehrerin den Bildungsweg schon vom ersten Tag an verpfuscht. Sie möchten ihr Kind auf eine Schule schicken, an der es einen Schulsozialarbeiter gibt und an der nicht nur der (von den Bildungsplänen vorgegebene) Regelunterricht runtergeleiert wird. Dass sie in solchen Fällen den Anwalt einschalten, ist ein Zeichen dafür, dass sich die Aktionen häufig nicht mehr (nur) gegen einzelne Lehrpersonen richten - sondern gegen das Versagen der Gesetzgeber. Und zum Glück haben die Eltern die mittäglichen Anwaltserien der Rambo-Selbstjustiz-Trilogie vorgezogen.
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2 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Es ist leider so, dass ich als Mutter, die auch gerade sehr viel Unfähigkeit an der Schule im Umgang mit ihrem Sohn erlebt, die Eltern verstehen kann - wenngleich ich auch keinen Anwalt eingeschaltet habe und das auch nicht tun werde. Das Schlimme für mich ist: Als Kollegin weiß ich darum, wie viele LehrerInnen wirklich “Hornochsen” (s. Artikel) sind. Es fehlt an Professionalität an den Schulen - und das liegt auch an der Lehrerausbildung, die dringend eine werden muss, die uns junge Kolleginnen und Kollegen an die Schulen entlässt, die motiviert und gut ausgebildet (für den BERUF und nicht nur in den FÄCHERN) sind.
Vielleicht hilft, auch im Sinne des Kindes, erst einmal ein vernünftiges Miteinander-Reden? Tipps für Eltern, wie man sich auf ein Gespräch mit Lehrern vorbereiten kann, finden sich hier:
www .jako-o.de/wirbelwind/index.php?id=49&tx;_ttnews[tt_news]=86&cHash=6cf2a976b1
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