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Microsoft: Schüler langweilen sich ohne Einsatz digitaler Medien

Martin Bean, "General Manager Education Production Group" bei Microsoft (also Leiter der Abteilung für Bildungsmarketing) fordert, dass sich Schule und Unterricht mehr dem "Digital Lifestyle", der digital geprägten Lebenswelt der SchülerInnen, anpassen sollen. Ohne neue Medien, so die Kernaussage, langweilen sich die SchülerInnen und lernen schlechter.

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Eingetragen am 04.12.2008, 23:26 Uhr in Medien und Unterricht | Newsticker |

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Die Schüler/innen sind in ihrem Alltag umgeben von Internet, mobilen Kommunikationsgeräten, Audio und Video auf Abruf - während Unterricht in der Regel (so Bean) fern der Realität verlaufe: Kreidetafeln statt digitaler Medien, isoliertes Lernen statt vernetzter Projekte etc.

Lehrer und Schulen müssten die verfügbaren Technologien künftig einfach verstärkt für ihre Zwecke nutzen, forderte er deshalb. Neue technische Hilfsmittel müssten ihm zufolge so gut in den Alltag im Klassenraum integriert werden, dass man sie kaum noch als solche wahr nimmt. Bean warnte in dieser Hinsicht davor, neue Technologien in Schulen wegen unbegründeten Vorbehalten auszuschließen.

WinFuture.de 03.12.2008: Microsoft: Schule soll sich ‘Digitalem Leben’ anpassen

Natürlich steht hinter dieser plausiblen Argumentation der unbändige Wille Microsofts, eigene Produkte in den Bildungsbereich zu zwängen. Im Vortrag fehlt es deshalb nicht an Verweisen auf neue bildungsrelevante Office-Funktionen und microsoftnahe Hard- und Softwarevisionen. Auf dem School of the Future World Summit, wo Bean seinen Vortrag hielt, zeigte Microsoft dementsprechende “Visionen” - also Produkte, die in wenigen Jahren den Unterricht unterstützen sollen.

“Technology is not the Issue” (“Es geht um mehr als Technologie”), sagt Bean. Wir wollen euch nicht unsere Technik verkaufen - wir wollen für eine bessere Bildung sorgen. Schön, dass sich endlich mal ein großer Konzern um Bildung kümmert und nicht immer nur um den eigenen Profit.

Grundsätzlich ist das visionäre Konzept Microsofts völlig zu unterstützen. Während Schüler/innen auf dem Pausenhof per Bluetooth Filmchen tauschen, stellen wir den Overheadprojektor scharf. Während sie unter dem Tisch heimlich eine “Willst du mit mir gehen?”-Mail verfassen, bricht uns vorne an der Tafel der Zeigestock ab. Wir versinken in einer Wolke aus Kreidstaub, während die digitale Entwicklung an uns vorbeizieht. Wir dürfen die Potenziale dieser Entwicklung für den schulischen Unterricht nicht unterschätzen oder aus Faulheit brach liegen lassen.

Man sollte dabei aber auch niemals vergessen: Lernen bedeutet Vokabeln büffeln. Lernen bedeutet, sich auf etwas zu konzentrieren. Lernen bedeutet, sich durch lange Texte zu quälen und Exzerpte zu schreiben. Kurz: Lernen ist häufig auch ein anstrengendes (aber sinnvolles) Schuften, das durch Medienfirlefanz nicht einfacher wird. Wird uns suggeriert, dass mit den neuen Medien alles anders wird, dann ist das eine freche Lüge. Wir bilden Schüler/innen eben NICHT dadurch, dass wir sie irgendwelche idiotischen vernetzten Projekte in Laptopklassen abhampeln lassen oder sie langweilige Powerpoint-Präsentationen aus Internetinhalten collagieren lassen. Und wir verbessern unseren Unterricht auch nicht dadurch, dass wir interaktive Whiteboards zum Piepen und Blinken bringen.

Wer wird diese beiden Positionen verbinden können, wenn nicht wir Lehrpersonen?

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