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Beliebte Privatschulen: Warum die Nachfrage das Angebot übersteigt

Privatschulen werden immer beliebter, die Plätze immer knapper. Allerdings können die Betreiber nicht auf die wachsende Nachfrage reagieren, weil die Behörden pädagogische Konzepte und Finanzierungsvorstellungen ziemlich genau unter die Lupe nehmen.

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Eingetragen am 27.10.2009, 11:58 Uhr in Nachrichten |

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Privatschul-Boom

Im Datenreport 2008 des Statistischen Bundesamtest Deutschland heißt es im Kapitel 3 “Bildung”:
Vorschaubild: Statistik Schüler an Privatschulen 2006

In den letzten Jahren ist das Interesse an Privatschulen deutlich angestiegen. Die Definition von Privatschulen ist in den jeweiligen Schulgesetzen der Länder festgelegt. In der Regel können Privatschulen von natürlichen sowie juristischen Personen des öffentlichen Rechts (wie z. B. Kirchen) errichtet und betrieben werden. Im Jahr 2006 besuchten rund 892000 Schülerinnen und Schüler private Schulen, 42 % mehr als im Jahr 1995. Damit wurde 2006 rund jeder 16. Schüler und jede 11. Schülerin in Deutschland in einer Privatschule unterrichtet.

Statistisches Bundesamt der BRD: Auszug aus dem Datenreport 2008, Kapitel 3 - Bildung (pdf), S. 56

Der Trend hält an - im Schuljahr 2007/2008 waren es bereits 912.000 Schüler/innen, die eine Privatschule besuchten.

Warum sind Privatschulen so beliebt?

Zum einen hat das staatliche Bildungswesen Deutschlands flächendeckend einen schlechten Ruf: große Klassen, antiquierte pädagogische Konzepte, schlechte Nachmittagsbetreuung - realisiert von einem starren Beamtenapparat. Zum anderen macht der krisengeschürte Leistungsdruck viele Eltern nervös:

Bereits vor dem Grundschulalter packt viele Eltern die Angst vor schlechten Bildungschancen für ihre Kinder. Um ihnen eine möglichst gute Startposition zu sichern, schotten Eltern aus der Mittelschicht ihre Kinder gezielt vom Milieu der Unterschicht ab, so eines der Umfrageergebnisse. Sie ziehen in den Einzugsbereich von Grundschulen mit besserem Ruf oder geben dort Deckadressen an, damit ihr Kind die dortige Sprengelschule besuchen kann. Viele versuchen ihre Kinder auch gleich an Privatschulen unterzubringen, denn dem staatlichen Bildungsangebot stellen nahezu alle Eltern ein schlechtes Zeugnis aus.

br-online, Dossier Privatschulen: Der Run auf die freien Schulen

Der VDP (Verband deutscher Privatschulverbände e.V.) drückt es so aus:

Viele Eltern wünschen sich eine größere Vielfalt und vor allem eine persönlichere Förderung ihrer Kinder. Freie Schulen beschreiten mit ihren innovativen pädagogischen Konzepten neue Wege und haben die Möglichkeit, individuell auf die Kinder einzugehen. Das ist die Antwort, die viele Eltern in Zeiten der allgemeinen Schulmisere suchen. Der Trend, der sich seit Jahren in den offiziellen Statistiken wiederfindet, zeigt deutlich: Die Nachfrage nach Alternativen zum staatlichen Schulsystem steigt. Dabei spielt sich der eigentliche Boom derzeit noch auf den Wartelisten ab: Aufgrund bürokratischer und finanzieller Hürden ist es in Deutschland nämlich immer noch sehr schwer, eine Schule in freier Trägerschaft zu gründen. Daher hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher.

VDP, Pressemitteilung 12.12.2008: Zahl der Privatschulen in Deutschland wächst rasant (pdf), Hervorhebung Lehrerfreund

Nur die wenigsten Privatschulen werden genehmigt

Die Situation schreit förmlich nach Investoren, die das Geschäftsmopdell “Privatschule” entdecken und realisieren. Allerdings sind die oben angesprochenen “bürokratischen und finanziellen Hürden” hoch. Damit scheitern viele Privatschulen schon in der Gründungsphase:

Zwar wird nach Angaben des VDP statistisch gesehen jede Woche eine neue Privatschule eröffnet, aber viel mehr scheitern schon im Vorfeld an der Lehrerlaubnis. In Mecklenburg-Vorpommern etwa wurden im vergangenen Jahr von 22 Anträgen nur 3 genehmigt. In Hamburg wurde zu diesem Schuljahr kein einziger von drei Anträgen positiv beschieden.

Nicht immer ist ein negativer Bescheid Behördenwillkür - es gibt gute Gründe, eine Privatschule nicht zu genehmigen. Manche Träger kommen mit recht abstrusen Konzepten oder wackliger Finanzierung. “Wir schauen da schon sehr genau hin”, sagt eine Sprecherin der Hamburger Schulbehörde, “schließlich geht es dabei auch um den Schutz von Kindern.”

Darüber hinaus sieht der Staat die wachsende Nachfrage von Eltern nach Privatunterricht zunehmend als Bedrohung für das öffentliche Schulsystem.

finanztreff.de 03.10.2009: FTD: Viele Gründer von Privatschulen scheitern schon beim Antrag

Die FTD bringt das Dilemma so auf den Punkt: Der Staat muss seine Schüler/innen vor Privatschulen schützen, die nur der Geldmacherei dienen - auf Kosten der Kinder. Andererseits verhindert der sklavische Bürokratengehorsam häufig die Realisierung innovativer Konzepte. Eine Lösung ist nicht in Sicht - und die Behörden sitzen am längeren Hebel.

 

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