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Eintrag vom 02.11.2009 * 982 Views in 2010

Vernetzungsstellen Schulverpflegung - jetzt in allen Bundesländern

In allen Bundesländern der BRD gibt es seit 1. Oktober 2009 "Vernetzungsstellen Schulverpflegung", wo Schulen, Eltern ... sich beraten lassen können. Nach den katastrophalen Schulverpflegungsstudien in NRW, Thüringen, Sachsen-Anhalt und im Saarland wurde es dafür auch höchste Zeit. Dass die telefonische Beratung teilweise kostenpflichtig ist, muss man eben schlucken.

Mit dem Ausbau der Ganztagesschulen bieten immer mehr Schulen ein warmes Mittagessen für ihre Schüler/innen an. In der Regel handelt es sich dabei um qualitativ minderwertigen Fraß (wir berichteten: Sachsen-Anhalt, Saarland, NRW, Thüringen). Bisher kümmerten sich nur einige einsame Verbraucherzentralen oder Hochschulprojekte um dieses Problem. Von der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner war ja auch kein größeres Engagement zu erwarten (vgl. foodwatch.de zur Nährwert-Ampel).

Bund und Länder haben nun im Rahmen des nationalen Aktionsplans “IN FORM” für jedes Bundesland eine Ansprechstelle eingerichtet:

Die Vernetzungsstellen Schulverpflegung fungieren als zentrale Anlaufstellen für alle Einrichtungen, die Fragen rund um die Verpflegungsangebote in Schulen haben. In drei Bundesländern beraten sie als “Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung” auch alle Interessierten an einer vollwertigen Verpflegung in Kindertagesstätten.

[...]

Einheitliche Qualitätsstandards für die Schulverpflegung sollen die Einführung und die Umsetzung eines vollwertigen Verpflegungsangebotes in den Schulen unterstützen. Im Auftrag des Bundesernährungsministeriums hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) daher Qualitätsstandards für die Schulverpflegung und für die Verpflegung in Kindertagessstätten erarbeitet. Die Vernetzungsstellen unterstützen die Schulen bei der Umsetzung der Qualitätsstandards für Schulverpflegung sowie gegebenenfalls für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder.

Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 20.10.2009: Vernetzungsstellen Schulverpflegung in allen Bundesländern eingerichtet

Das heißt im Klartext: Für jedes Bundesland gibt es nun mindestens eine/n Ansprechpartner/in, der oder die kompetente Auskunft geben können sollte (Liste aller Ansprechpartner/innen bzw. Vernetzungsstellen Schulverpflegung).

Webauftritte und Kontaktmöglichkeiten sind teilweise suboptimal. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern versteckt ihre (zahlreichen!) Telefonnummern auf einem pdf-Flyer, die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bremen bietet als Kontakt die Senatorin Renate Jürgens-Pieper höchstpersönlich an (ob die sich wirklich gut auskennt und die Zeit für ordentliche Beratung hat?). Am unverschämtesten wird man in Mecklenburg-Vorpommern bedient, wo man zwar auf eine hübsche Website stößt, allerdings bei telefonische Anfragen mit 6 Cent/Minute zur Kasse gebeten wird (!). Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen.

Andererseits gibt es auch sehr transparente und umfangreiche Angebote (z.B. Rheinland-Pfalz, Hessen oder NRW). Auch die Anlaufstellen innerhalb der DGE-Sektionen dürften zumindest teilweise mit kompetenten Ansprechpartner/innen besetzt sein.

Damit sind nun die Beteiligten gefragt: Schulleiter/innen, Eltern und Schüler/innen, an deren Schule ein Schulverpflegungskonzept umgesetzt werden soll, sollen sich nun intensiv und wiederholt von diesen Stellen beraten lassen und es nicht beim Austausch von Allgemeinplätzen belassen (“Achten Sie auf die Qualität.”). Fragen Sie bei den Beratungsstellen anderer Bundesländer nach und vergleichen Sie, was man Ihnen erzählt. Fordern Sie einen Termin vor Ort ein, aktuell sind die Vernetzungsstellen Schulverpflegung in keiner Weise ausgelastet.

Wer dieses Angebot nicht nutzt, darf sich nicht beschweren, wenn die Schüler/innen dann mit lauwarmen, aromatisierten Schlachtabfällen vollgestopft werden. Fordern Sie deshalb als Eltern, Schüler/innen oder Lehrer/innen die Entscheidungsträger (Schulleitung, Schulbehörden ...) auf, sich umfangreich beraten zu lassen.


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Beitrag vom 02.11.2009, 14:59 | diesen Beitrag versenden

2 Kommentare von LehrerfreundInnen
(#1) Michael Thun meinte am 15.02.2010 dazu:
" Ich würde mich freuen, wenn sich die Sprachwahl der AutorInnen und die inhaltlichen Aussagen stärker an den Gepflogenheiten der Zielgruppe (Eltern, Lehrer, Entscheidungsträger, engagierte Schüler) orientieren würden als an den Platitüden der Gosse. Es ist inzwischen tatsächlich allgemein bekannt, dass die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler außer Haus qualitativ vielerorts nicht akzeptabel ist. Allerdings handelt es sich bei diesem Unterfangen um eine riesige Aufgabe, die auch in 5 Jahren nur teilweise gelöst sein wird. Es findet hier ein kultureller Wandel statt, der entsprechende Zeit und Kraft braucht. Vielleicht wird es ja auf dem Lehrerfreund mal eine Seite mit empfehlenswerten Lösungsansätzen für den Aufbau einer Außer-Haus-Verpflegung von perspektivisch über 10 Mio. Schülerinnen, Schülern, Lehrern und Lehrerfreunden geben? Falls Input gebraucht wird, werden einige Vernetzungsstellen Gesprächspartner sein können - sobald sie aufgebaut und betriebsbereit sind.
Mit freundlichem Gruß,

Michael Thun
(#2) Der Lehrerfreund meinte am 15.02.2010 dazu:
" Lieber Michael Thun,

Vielleicht wird es ja auf dem Lehrerfreund mal eine Seite mit empfehlenswerten Lösungsansätzen für den Aufbau einer Außer-Haus-Verpflegung von perspektivisch über 10 Mio. Schülerinnen, Schülern, Lehrern und Lehrerfreunden geben?

Ich glaube, Lösungsansätze sind so schwer nicht zu finden: Der Markt wird sich einfach selbst regulieren. Wenn die Verantwortlichen ungeprüft und leichtsinnig irgendwelche Anbieter installieren (wie bisher häufig der Fall), dann wird die mindere Qualität in kürzester Zeit zum Standard werden. Deshalb ist es ja so hilfreich, dass es die Vernetzungsstellen Schulverpflegung überall gibt. In deren Verantwortung liegt es, strenge Kriterien für gutes Schulessen zu vermitteln.

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