USA: Viele Schulen schaffen Laptops wieder ab
Laptops im Unterricht oder gar organisierte "Laptopklassen" gelten als das Nonplusultra mediendidaktischer Bestrebungen. Aus den USA kommen jetzt aber evaluativ gestützte Zweifel am Sinn der Methode, erste Schulen schaffen die Laptops ab. Dabei liegt der Mangel wohl - wie häufig - an fehlenden didaktischen Konzepten.
In den USA wurden - mehr noch als hierzulande - Milliarden von Dollars in prestigeträchtige Laptopprojekte gesteckt. “Jede SchülerIn muss ein eigenes Laptop haben”, war eines der möglichen Ziele, Verbesserung der Unterrichtsqualität und Kultivierung ultrakooperativer Arbeitsformen waren weitere.
Aber ach! Es mehren sich die Stimmen, dass vielleicht alle Dollars nur dem Technikfetisch gezollt waren. Die SchülerInnen nutzen die Laptops für Computerspielchen und Chats - die von pädagogischer Seite intendierten Effekte bleiben offensichtlich aus:
“Nach sieben Jahren gibt es keinen Beleg dafür, dass der Einsatz von Computern im Unterricht die Leistung der Schüler auch nur ansatzweise verbessert hätte”, sagte Mark Lawson der “New York Times”. Lawson ist Chef der Schulbehörde in Liverpool im US-Bundesstaat New York. Sein Bezirk hatte als einer der ersten im Land flächendeckend Laptops für alle Schüler eingeführt - ein Schritt, den Lawson mittlerweile bereut.
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Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine vom amerikanischen Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie: Demnach macht es für die Leistung der Schülern keinen Unterschied, ob im Unterricht neue Medien eingesetzt werden oder nicht.
Einige Schulen in den USA schaffen deshalb die Laptops sogar wieder ab:
So hatte die Matoaca High-School in Richmond, Virginia, bereits vor fünf Jahren Laptops für alle eingeführt. Nun nimmt sie den Teenagern die Geräte wieder weg. Eine Umfrage hatte ergeben, dass jeder fünfte Schüler seinen Laptop grundsätzlich nie zum Lernen benutzt. Die Fortsetzung des Programms aber hätte jährlich 1,5 Millionen Dollar gekostet.
Abgesehen von der eigentlich noch akzeptablen Quote - es gibt sicher auch eine Menge SchülerInnen, die ihre Schulbücher grundsätzlich nie zum Lernen benutzen - kann man in dieser Aussage schon den Kern des Problems spüren: Wenn jede fünfte SchülerIn ihr Laptop “grundsätzlich nie zum Lernen benutzt”, dann bekommt sie offensichtlich keine entsprechenden Aufträge von der zuständigen Lehrperson. Benutzen die ihre Laptops nicht im Unterricht? Oder gibt es keine Hausaufgaben, bei denen die Laptops eingesetzt werden müssen?
Ich unterstelle: Es mangelt an mediendidaktischen Konzepten. Es war schon immer sinnlos, Kindern ein Laptop oder ein Schulbuch zu reichen und darauf zu hoffen, dass damit die Klugheit Einzug hält. Sie tut es nicht. Kein Medium kann Stoff und Methode losgelöst von didaktischem Gefüge vermitteln, kein Medium bringt SchülerInnen voran, wenn nicht die Lehrperson aktiv am Prozess beteiligt ist. Das hat schon die Pleite des programmierten Schulfernsehens in den 70ern gezeigt.
Wer neue Medien pädagogisch sinnvoll einsetzen will, der kommt mit alten Konzepten nicht weit. Für die Entwicklung und Umsetzung neuer Konzepte bedarf es mediendidaktischer Kompetenz und innovativen Feuers - beides fehlt den zuständigen Entscheidungsträgern häufig.
Gefunden bei TeachersNews 08.05.2007: US-Schulen schwören Computern ab
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Beitrag vom 14.05.2007, 09:07 | diesen Beitrag versenden
ja, dass ist richtig: Es scheint, dass es in den USA an den Konzepten gemangelt hat. Wir haben eine Zusammenstellung von Meinungen von Lehrern und Wissenschaftlerinnen gemacht, die da ein differenzierteres Bild liefert.
http://www.schulen-ans-netz.de/meldungen/aktuelles/medienkritik.php
Sehr hilfreich ist auch das ausführliche Statement von Frau Reinmann:
http://medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de/denkarium/?p=143
Ich sehe im Computer ein neues Medium, mit dem Schüler aktiv umgehen lernen müssen und eine gute Gelegenheit zur multimedialen Individualisierung des Unterrichts.
Die Leistungen - wie sie auch immer gemessen werden? - sind damit mit herkömmlichen Leistungen kaum vergleichbar. Der Schüler kann mit Powerpoint präsentieren, Videos schneiden, hört englische podcasts, schreibt französische e-mails, organisiert Wikis ... und zwar mit mehr Motivation und realitätsnäher als bisher! Das reicht.
ich sehe die Sache wie du. Lernerfolg wird schon gesteigert, wenn der Unterricht motivierend ist (Computer üben nun mal eine enorme Anziehungskraft auch auf Jugendliche aus). Zudem weiß ich, dass in unserer ländlichen Region viele Schüler eben auch keinen Computer, keinen Internetzugang, kein Präsentationsprogramm usw. zu Hause zur Verfügung haben (resp. nicht - in unserem Interesse - nutzen) und daher häufig über elementare Funktionen des Gerätes in Unkenntnis sind. Den Umgang könnten sie spielend in der Schule lernen und es ist damit nicht zugleich ein Sittenverfall und Zugrundegehen aller (Lern-)Disziplin vrbunden, wie ich meine.
