Durchlauferhitzer: Über das Trinken im Unterricht
norberto42, bekannt für seine fachlich kompetente, scharfsinnige Schreibe, wettert auf atemberaubende Weise gegen das Trinken im Unterricht. Dabei ist sein Text nicht wörtlich zu verstehen.
Manche Lehrer meinen, es sei gesund und fördere das Denken, wenn man zu jeder Tages- und Nachtzeit „bei Bedürfnis“ Wasser trinke; [...] sie ermuntern auch die Schüler, gesund zu leben und ständig etwas zu trinken. Zwar gehört es zu einer erwachsenen, also halbwegs kontrollierten Lebensführung, dass man seine Bedürfnisse nicht sofort erfüllen muss und ihre Befriedigung „plant“ oder regelt; aber wenn genügend Kollegen dies nicht einfordern, ist es erst recht für Schüler schwer, den Sinn einer geregelten Lebensführung einzusehen und in den Pausen zum WC zu gehen, auch wenn der Druck auf der Blase noch nicht unerträglich ist.
Nun ist im Unterricht aber Konzentration erforderlich, und ständig etwas anderes zu tun (trinken, essen, zum Klo rennen, Bleistift spitzen, quatschen) steht der Konzentration entgegen. Zu Deutsch, die Wassertrinker regen mich auf, weil aus der beständigen Wasserzufuhr natürlich das Bedürfnis entsteht, den Körper wieder zu entwässern, also pippen zu gehen, und zwar während des Unterrichts - „ich muss aber mal“. - Vielleicht könnte man seine Energie im Arbeiten statt im Wassererhitzen verbrauchen?
[...]
Wenn die Theorie von der Notwendigkeit sofortiger Bedürfnisbefriedigung weiter um sich greift, müssen wir in ein paar Jahren nicht nur Schlafzimmer, sondern auch noch Onanierstübchen in den Schulen der Sekundarstufe einrichten.
Wir kennen norberto42 zu gut als außerordentlich professionelle Lehrkraft, als dass wir diesen Artikel wörtlich verstehen könnten - denn dass ausgedörrte SchülerInnen schlechter lernen, ist unbestritten. Gelangweilte JournalistInnen, MedizinerInnen und PolitikerInnen käuen diese Weisheit wieder und wieder wieder.
Was also ist mit diesem Text gemeint? Beim Erörtern dieser schwierigen Frage erhitzt sich unser Gehirn - allerdings OHNE das wässrige Resultat. Denn: Wenn man nichts reintut, kommt nichts raus außer sinnloser Hitze. Es geht also offensichtlich nicht um das Trinken, sondern um das Austreten.
Formulieren wir als Trinkregel für den Unterricht: Sollen sie wie die Kühe saufen - solange das nicht in eine viehische Rennerei aufs Klos ausartet.

Beitrag vom 20.11.2007, 08:24 | diesen Beitrag versenden
Nur weil man nicht ständig trinkt, ist man nicht gleich "ausgedörrt". Es gibt inzwischen genügend Studien/Aussagen die sagen, dass ständiges Trinken NICHT erforderlich ist. Falls ich mich recht erinnere (habe die Quelle nicht parat) wurde die ursprüngliche "Studie" von der Mineralwasserindustrie in Auftrag gegeben
Dort wird "Trinken im Unterricht" als PR-Aktion dargestellt. Zitat: "Als Katastrophe gelten unter Fachleuten die Arbeiten von Psychologen der Universität Erlangen und dem Institut für Sporternährung in Bad Nauheim, auf die sich die Broschüre „Trinken im Unterricht“ beruft."
Aber trotzdem frage ich mich: Hilft es beim Lernen, wenn der Schüler Durst hat? Wohl kaum... Wie immer in Glaubenskriegen ist Toleranz, Maß und Ziel gefragt.
Früher haben es Schüler ja auch geschafft, ZWISCHEN den Stunden zu trinken. Mir ist noch nie einer im Unterrichtet verdurstet.
> Wie immer in Glaubenskriegen
Davon sind wir doch noch (gottseidank) ein bisschen weg, oder?
Ursache für die mangelnde Konzentrationsfähigkeit während des Unterrichts ist wohl weniger der Durst, sondern eher die Überreizung unserer Jugendlichen und Kinder durch zuviel Medienkonsum.
Früher hat man auch noch mit Griffeln auf Schiefertafeln geschrieben und konnte sich nicht vorstellen, dass ein Heft und Stifte eine sinnvolle Verbesserung darstellen könnten.
Es ist doch zum einen eine Frage der Absprachen und zum anderen der Qualität des Unterrichts, wenn der interessant genug ist, dann müssen die SchülerInnen sich nicht die Zeit damit vertreiben, an ihren Trinkflaschen zu nuckeln.
Durch Bewegung können übrigens Intelligenzsteigerungen von bis zu 27% erreicht werden. Dies wurde wissenschaftlich untersucht und es gab keine Ausnahme. Wäre mal ein neuer Ansatz Bewegung verpflichtend in den Unterricht einzubauen.
http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/druck_artikel.asp?artikelid=958
Es muss ja nicht alles ganz verboten werden - und zur Glaubensfrage werden...
Herzen auf! Früher war nicht alles besser.
Das Trinken im Unterricht hat für mich noch andere Gründe: 1. Da ich selbst nur etwas von meinem Schülern verlange, was ich selbst einhalte, kann ich nach einer längeren Sprechphase auch mal einen Schluck nehmen. 2. Unsere Pausen sind eng bemessen, teilweise nur 5 min und dazu für alle Raumwechsel, da kommt das Trinken bei acht Unterichtsstunden wirklich zu kurz - auch bei mir.
Entweder man kann für die fragliche Maßnahme einen anderen sinnvollen Grund benennen - dann braucht man nicht auf dieses Argument zurückzugreifen.
Oder man kann für die fragliche Maßnahme keinen anderen Grund angeben als dieses Argument - dann könnte man damit auch begründen, dass Kinder auf dem Fußboden schlafen oder hungrig ins Bett gehen sollten, denn sie müssen ja schließlich lernen, einen bestimmten Grad der Unbequemlichkeit auszuhalten, nicht wahr?
Anders ausgedrückt: Unbequemlichkeit auszuhalten, ist kein Wert an sich, sondern nur dann, wenn es notwendig und sinnvoll ist - das kann (und muss) man dann aber auch begründen. Sonst ist es erzieherische Willkür.
Die Kinder müssen nicht primär lernen sich einzuschränken, sie müssen in erster Linie lernen, sich selbst zu kontrollieren und selbstverantwortlich zu handeln. Das lernen sie, wenn man ihnen Gestaltungsfreiraum lässt. Also werden sie, wenn sie trinken dürfen, nicht ständig den Unterricht dadurch beeinträchtigen, da sie schließlich erfahren würden, dass die negative Folgen (für alle) haben würde.
Wer immer am Gängelband gehalten wird, kann sich auch später schlechter an Regeln halten, sobald er selbstverantwortlich sein darf und muss.
Es ist doch nun nichts Neues mehr, dass man besser und effektiver lernt, wenn die Rahmenbedingungen für den Prozess günstig sind. Das sind sie u.a., wenn die Lernatmosphäre stimmt. Die wiederum bekommt positive Impulse, wenn ich den Bedürfnissen der Schüler ganz unspektakulär entgegenkomme.
Ich gebe dir Recht, Jossi, dass die Argumentation, man müsse die Kinder an Unbequemes gewöhnen, nur sehr bedingt greift. Unbequemlichkeiten gibt es für Schüler ohnehin noch genug.
Also: Lasst die Kinder trinken!
Gruß stine
Marions witz ist für mich in der aussage verborgen, "Trotzdem sind wir nicht verdurstet und erreichten bessere Durchschnittsleistungen als die Schüler der heutigen Zeit."
nett auch die bemerkung von peter zum lehrerverhalten.
Stine müsste eigentlich marion zum widerspruch reizen! ("Wer immer am Gängelband gehalten wird usw.") Das lässt mich für die Zukunft nur positives hoffen...
es stimmt, niemand hat auf Marions Klage eine Antwort gegeben - sicher hat sie auch Recht, aber lässt sich die Zeit zurückdrehen? Verbessern wir etwas, indem wir uns punktuell an früheren Zeiten orientieren? Ich hatte natürlich als Schülerin auch KEINE Flasche mit und eine Schulmilch gab es nicht. Ich hatte auch keine Mensa, in der ich speisen konnte, wenn es bis 15.30 Uhr Unterricht gab. Tja, aber ist das erstrebenswert? Den Medienkonsum der Kinder, den haben wir wenigstens als Eltern bis zu einem gewissen Zeitpunkt noch in der Hand, wir können auch bei den Eltern der Schülerinnen und Schüler als Mahner auftreten (kein TV im Kinderzimmer!!! Nicht mehr als 60min PC pro Tag!!! usw.), das ist das, was wir - neben unserem eigenen vorbildhaftem Verhalten (so es denn so ist
Kinder, die viel trinken, sofern sie ungezuckerte Getränke zu sich nehmen, sind auf jeden Fall weniger dick, würde ich mal sagen, aber auch dazu gibt es sicher Studien (aus den USA?).
Gruß Stine
Im Arbeitsleben "also draußen im Profitbereich" muss man sich zu kontrollieren lernen, vor allem, auch Frustsituationen auszuhalten, ohne den Griff nach einer Ersatzbefriedigung. Und Karriere gelingt nun mal nicht unbedingt dem Suchtcharakter (wobei diese ewige Trinkerei ja vom Buggy-Alter an stark gefördert wird).
Daher versuche ich, 90 Minuten ohne Wasser auszukommen und das Toilette-Rennen von Schülern etwas einzudämmen.
Die Schüler wissen genau, dass das Trinken verboten wird, wenn 1. oder 2. nicht funktioniert.
Siehe da, die Schüler trinken seit Jahren "vernünftig" und es gibt keinerlei Probleme.
So soll es sein.
ich bin selber schüler & mich nervt es imer totel wenn ich im unterricht nachfragen muss ob ich was trinken darf.viele Leherer sind gegen das Trinken im unterricht.Ich kenne aber auch manche die es uns erlauben.Diese sind oft weniger genervt wenn wir etwas trinken da sie nichts störendes mitbekommen.Oft ist es in meiner klasse so dass wir weniger stören (und auch nerven:-)) wenn wir einfach mal kurz etwas trinken dürfen.ich bin gerade in der 8. klasse und wir recherchieren & debattieren gerade genau über dieses Thema.
also liebe Leherer überlegt euch selber mal wie ihr es finden würdet wenn ihr nicht viel zeit hättet das "normalste" auf der welt zu tun
viele Liebe grüsse von mir und meinenFreunden eure Anna :-*
Also meiner Meinung nach ist das Trinken im Unterricht keine Notwendigkeit. Natürlich wird keiner der Schüler verdursten,aber trozdem steigert es meiner Meinung nach enorm die Konzentrationsfähigkeit. Ich bin selber Schüler der Klasse 8 und kenne das Gefühl von Kratzen im Hals, wenn man mal verpennt hat in der Kleinen Pause zu trinken. Da hilft ein kleiner Schluck Wasser erheblich. Wenn das Trinken nicht als permanente Unterhaltung dient ist meiner Meinung nach nichts dagegen Einzusetzen.
mfg Julian
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