150.000 Liter pro Tag

Richtig Kaffee trinken im Lehrerzimmer: 3 Tipps 07.06.2010, 17:18

Kaffeebohnen
Bild: flickr-User Selma90 [CC by]

Deutschlands Lehrer/innen trinken pro Vormittag etwa 150.000 Liter Kaffee in ihren Lehrerzimmern, um sich für die nächste Unterrichtsstunde zu wappnen. Dabei hilft gerade beim Kaffeetrinken viel nicht viel, wie eine aktuelle Studie wieder einmal zeigt - eher im Gegenteil. Drei Tipps, wie man den morgendlichen Kaffeekonsum angenehmer und effektiver gestalten kann.

Anzeige

Direkt springen zu:


Das wichtigste Utensil im Lehrerzimmer ist nicht der (veraltete) Lehrer/innen-Rechner - es ist die Kaffeemaschine. Unablässig arbeitet sie, um die ermatteten Lehrer/innen in den 5-Minuten-Pausen auf ein nächstes brillantes didaktisches Hoch zu heben.

Zahlen und Fakten zum Kaffeekonsum in Lehrerzimmern

1) Trinkverhalten

Die folgenden Zahlen sind Schätzwerte. Je nach Schulart variiert diese Zahl. So wird in Hauptschulen am meisten Kaffee getrunken, an Waldorfschulen liegt die Quote der Nicht-Kaffeetrinker/innen bei über 60 Prozent.
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Nicht-Kaffeetrinker/innen, Gelegenheitskaffeetrinker/innen (regelmäßig null bis eine Tassen/Vormittag), Abhängigen (regelmäßig eine bis drei Tassen/Vormittag) und Süchtigen (regelmäßig vier bis zehn Tassen/Vormittag). Die Süchtigen sind zu 90% männlichen Geschlechts.

Durchschnittliche Verteilung:
- 20% - Nicht-Kaffeetrinker/innen
- 40% - Gelegenheitskaffeetrinker/innen
- 25% - Abhängige
- 15% - Süchtige

Verteilungsdiagramm: Lehrer als Kaffeetrinker

2) Trinkmenge in Deutschlands Lehrerzimmern

Bei einer Kollegiengröße von n=50 werden damit pro Vormittag durchschnittlich 85 Tassen Kaffee getrunken. Die stark 700.000 Lehrer/innen in Deutschland in der BRD trinken also tägliche in ihren Lehrerzimmern 1.2 Millionen Tassen Kaffee, das entspricht bei einer Durchschnittsmenge von 125ml pro Kaffeetasse rund 150.000 Litern Kaffee. Bei einer Quote von 30 Gramm Kaffeepulver/Bohnen pro Liter verbrauchen die Lehrer/innen in Deutschland pro Vormittag rund 4.5 Tonnen Kaffee.

3) Die Kaffeemaschine

Dreckige Kaffeemaschine
Bild: flickr-User Dennis Reimann, CC BY-SA 2.0

Während vor rund einem Jahrzehnt in fast allen Lehrerzimmern noch Filterkaffee (mit Filterkaffeemaschinen) zubereitet wurde, stellen viele Kollegien inzwischen auf druckbetriebene Kaffeeautomaten (bzw. Kaffeevollautomaten, im Volksmund “Espressomaschine”) um, die meist mit ungemahlenen Kaffeebohnen oder Pads befüllt werden. Nur in kleinen Kollegien (unter 10 Personen) arbeitet man mit handbetriebenen Maschinen (z.B. French Press-System).

Die Qualität des Kaffees hängt von vielerlei Faktoren ab: Bei der Kaffeemaschine sind das der Maschinentyp, das Alter der Kaffeemaschine, Häufigkeit der Reinigung/Wartung (Verkalkung; verdreckte Mühle oder Kolben) oder Einstellung der Kaffeemaschine (z.B. Mahlgrad). Eine wichtige Rolle spielen auch Qualität und Alter des Kaffeepulvers/der Kaffeebohnen. Entsprechend unterschiedlich ist die Qualität des Kaffees in den Kollegien.

4) Leider häufig ohne Milch

Wenn ein/e Lehrer/in losfährt und Kaffeebohnen kauft, dann kann er mit einer Fahrt ohne größere Probleme 5kg Bohnen herbeischaffen - das reicht dann in unserem Musterkollegium (n=50, 85 Tassen Konsum pro Vormittag) wieder für einen Monat. Problematischer ist es mit der Milch: Wenn die Kolleg/in 12l Milch (= 1 Palette H-Milch) anschleppt, reicht das für eine Woche. Deshalb geht die Milch meist aus, und die Kolleg/innen sind gezwungen, ihren Kaffee schwarz zu trinken. Bei minderer Qualität des Ausgangsmaterials (s.o.) eine wirkliche Strafe.

Wirkungsweise von Koffein

Aktuelle Studie (2010):  “Beseitigt nur Entzugserscheinungen”

Kaffee trinkt man i.d.R. nicht nur des Geschmacks wegen, sondern wegen der Wirkung des Koffeins: Koffein vertreibt Müdigkeit, Frustration und macht resistent gegen Anfechtungen von außen. Nicht zufällig wurde Coffein neben Alkohol als die ideale Lehrerdroge bezeichnet.

Einer aktuellen Studie zufolge zeigt sich jedoch, dass bei gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern das Koffein lediglich dazu führt, einen “normalen” Wachheitszustand zu erreichen - wie ihn Nicht-Kaffeetrinker regelmäßig erleben:

Psychologen der Universität Bristol testeten die Wirkung an fast 380 Teilnehmern, von denen etwa jeweils die Hälfte Kaffee entweder mied oder gerne trank. Die Probanden sollten 16 Stunden lang kein Koffein zu sich nehmen. Anschließend bekamen sie entweder ein Koffein- oder aber ein Scheinpräparat, dann sollten sie unter anderem ihre Aufmerksamkeit bzw. Wachheit einstufen.

science.ORF.at 04.06.2010: Kaffee macht nur ‘normal’ wach

Die starken Kaffeetrinker fühlten keine Wirkung durch die Gabe von Koffein (wohl aber durch den 16-stündigen Entzug davor: Kopfschmerzen, Müdigkeit usw.); auch bei computergestützten Aufmerksamkeitstests schnitt keine der beiden Gruppen besser ab.
Die Wissenschaftler/innen folgern daraus: Der Konsum von Koffein bringt keine messbare Leistungssteigerung mit sich.

Koffein erhöht den Stresspegel

Eine andere Studie brachte ans Licht, dass übermäßiger Kaffeegenuss den Stresspegel erhöht. Es wurde beobachtet,

daß persönliche Beziehungen nach dem Genuss einer größeren Menge Kaffees noch angespannter wurden, und daß insbesondere Männer dazu tendierten, deutlich lauter zu sprechen und auch eine leichte Aggressivität bemerkbar war.

zentrum-der-gesundheit.de 17.10.2008: Kaffee reizt das Nervensystem

Hilft bei Kaffee viel viel?

Gerade übermäßiger Kaffeegenuss wurde als destruktiv für die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit beschrieben: Der Konsum größerer Dosen Koffeins in kurzer Zeit führt zu keinen positiven Effekten, denn

[d]as Adrenalin in den Nervenzellen ist bereits stark reduziert oder völlig aufgebraucht. So sehr es der nächste Kaffee nun auch fördern würde, es gibt kein anregendes Hormon mehr auszuschütten, weil es einfach nicht mehr da ist.

zentrum-der-gesundheit.de 23.11.2007: Kaffee macht müde!

Der Gang zum Kaffeeautomaten ist also völlig sinnlos - man erhöht die unangenehmen Effekte, für die positiven hat der Körper keine Ressourcen mehr. Man wird einfach nur noch erschöpfter, als man eh schon ist.

3 Tipps für den Kaffeekonsum im Lehrerzimmer

1. Vermeiden Sie Kaffee-Überdosierung.
Zahlreiche Studien belegen, dass eine Kaffee-Überdosis nicht nur nichts bringt, sondern auch negative Effekte hat, die Sie wahrscheinlich selbst kennen (Dehydrierung, Herzrasen, Aggressivität) und die Ihrem Erfolg als Lehrer/in im Wege stehen.
2. Machen Sie Pausen zwischen den einzelnen Kaffees.
Je länger die Pausen zwischen den Kaffees, desto größer und erfreulicher die Wirkung. Vermeiden Sie den hastig reingeschütteten 5-Minuten-Pausen-Kaffee. Trinken Sie lieber ein Glas Wasser auf Ex, um dann in der Großen Pause genussvoll einen Kaffee zu schlürfen, der Sie wieder fit macht.
3. Trinken Sie nur guten Kaffee.
Treiben Sie Psychohygiene, indem Sie jeden Kaffee während des Schultags zu einem entspannenden Erlebnis werden lassen. Wenn Sie sich aus einer dreckigen Tasse einen ekligen, abgestandenen Filterkaffee ohne Milch reinziehen, werden Sie sich hinterher mit Sicherheit nicht besser fühlen. Sammeln Sie im Kollegium und kaufen Sie eine gute Kaffeemaschine. Sorgen Sie dafür, dass nur hochwertige Bohnen gekauft werden. Da Sie in Zukunft nur noch zwei Tassen Kaffee pro Morgen trinken werden, können Sie sich das auch leisten.
Anzeige