Es geht auch anders
Südkorea will bis 2015 alle Schulbücher digitalisieren
Während man in Deutschland hier und da unterirdische Begleit-CDs zu Schulbüchern erwerben kann und nicht einen einzigen Quadratzentimeter aus einem Schulbuch einscannen darf, macht Südkorea Nägel mit Köpfen: Bis 2015 sollen alle Schulbücher in digitaler Form vorliegen, alle Klassenarbeiten sollen online absolviert werden können.
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Eingetragen am 05.07.2011, 23:53 Uhr in Nachrichten |
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Dies berichtet c’t (heise) unter Bezugnahme auf koreanische Medien. Und noch mehr:
Ab 2012 sollen jährlich jeweils 25 Prozent der südkoreanischen Lehrer in Informationstechnik fortgebildet werden, damit sie sich auf die neuen Lehr- und Lernbedingungen einstellen.
Die Regierung will für die Umsetzung des Planes für eine “smart education strategy”, der vom Beirat des Präsidenten für IT-Strategien vorgelegt wurde, 2,28 Billionen Won (1,47 Mrd. Euro) investieren.
heise.de 05.07.2011: Südkorea will Schulbücher komplett digitalisieren
Insgesamt scheint Südkorea ziemlich fortschrittlich zu sein, was die digitale Ausstattung betrifft, zu lesen im Halbtagsblog:
Südkorea ist so etwas wie das Digitalien der Welt. Die durchschnittliche (!) Breitband-verbindung beträgt 100 Mbit/s. Ich bin mit meinem 16 Mbit/s schon ganz glücklich. Bis Ende 2012 soll in Südkorea eine Bandbreite von 1 Gbit/s Standard sein. Papiertickets gibt es für den öffentlichen Nahverkehrt seit 2004 praktisch nicht mehr. Alles wird direkt mit dem Handy bezahlt.
... ein Halbtagsblog ... 05.07.2011: Südkorea digitalisiert das Schulsystem
Die südkoreanischen Kinder sind zu beneiden: Während in Deutschland die Interaktives-Whiteboard-Lobby, Lernplattformanbieter und Twitterfetischisten die Medien mit halbgaren Erfolgsmeldungen zumüllen, während die ahnungslosen Kultusminister/innen inhaltsleere Medienstrategiepläne in die Luft blasen und während das Schulbuchnetzwerk dafür sorgt, dass auch ja kein einziger urheberrechtlich geschützter Buchstabe digitalisiert wird, scheint sich in Südkorea richtig etwas zu bewegen - die Kinder werden anständig auf die Anforderungen des dritten Jahrtausends vorbereitet.
Auf der anderen Seite: Sehen Sie den südkoreanischen Jungen im Bild an. Er schreibt gerade etwas, vielleicht eine kreative Geschichte. Oder er schreibt einen Liebesbrief. Vielleicht malt er danach ein Bild für seinen Papa zum Geburtstag. Muss man solche Dinge nicht auf Papier machen, das knistert und wo man den Bleistift abbrechen kann (dann kann man zum Papierkorb schlurfen und ihn genüsslich spitzen)?
Und wenn dann noch der südkoreanische Lehrer-Roboter angerollt kommt und mit den Kindern ein Lied singt und R-Learning [sic] betreibt, dann verblasst der Neid und wir sind froh, dass unsere Kinder noch ein paar Jahre Aufschub kriegen.
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5 Kommentare von Lehrerfreund/innen
Das Schulbuch gehört auf das iPad. So einfach geht das. Papierverschwendung muss nicht mehr sein. Die Verlage verkaufen automatisch wieder mehr und die Kinder müssen sich nicht mehr mit schweren Rucksäcken und Tornister rumquälen.
Vermutlich tippt er lieber: Die Handhaltung des jungen Mannes sieht sehr verkrampft aus. Auch für Handschrift gibt es bald elektronische Lernhilfe - aus Deutschland, entwickelt an der Karlsruher Universität http://www.iuvaris.de/de/products.html (keine Ironie, den Prototypen hatte ich in der Hand).
Unsere Schulbuchverlage sind so stur, die Digitalisierung von Schulbüchern wird in Deutschland nie kommen.
Okay, man soll niemals nie sagen, aber halt in den nächsten 20 Jahren nicht…
“Muss man solche Dinge nicht auf Papier machen, das knistert und wo man den Bleistift abbrechen kann (dann kann man zum Papierkorb schlurfen und ihn genüsslich spitzen)?”
Die Chancen stehen gut, dass man mit der gleichen Wehmut einst über die Verwendung von Gänsekielen und Tintenfäßchen geschrieben hat. ![]()
Ich liege deswegen schon seit Jahren den Schulbuchverlagen in den Ohren. Die haben offenbar kein Interesse daran. Schade.
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