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Umstrittene Werbekampagne

Bravo! Die Bundeswehr versucht Kinder anzufixen

Logo: Bravo + treff.bundeswehr.de: BW-Adventure-Camps

Bildquelle: bw-adventure-camps.de

Leider nicht geil: Die Bravo beschießt ihre minderjährigen Leser/innen mit Bundeswehr-Werbung: "Action - Adrenalin - Abenteuer!" bzw. "Beach oder Berge?" Als Lehrer/in muss man hier unbedingt mithelfen. Einige Tipps vom Lehrerfreund.

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Eingetragen am 20.09.2012, 01:08 Uhr in Nachrichten |

6 x kommentiert, 1293 x gelesen in 2013. Diesen Beitrag kommentieren.

Auf bravo.de dick angeteasert findet man aktuell die Werbung der Bundeswehr: "Berg- oder Beach-Typ?" (bravo.de/specials/bw/adventure-camps)

Screenshot: Bundeswehr-Werbung auf bravo.de

Die Zielseite ist aufgemacht wie die Werbung für ein Feriencamp, der kindlich-jugendliche User hat die Wahl zwischen "Anmeldung Alpen" und "Anmeldung Sardinien" (bw-adventure-camps.de). Und das beste: FOR FREE!

Screenshot: Bundeswehr-Kampagnenseite

Da fühlen sich die Jugendlichen aber richtig angesprochen. Hören wir zuerst mal den Text an, der auf dem zugehörigen YouTube-Video zu hören ist, das Bravo.de auf seinem YouTube-Kanal den Kindern anbietet:

(Update 20.09.: Na, zum Glück haben wir gestern den Text noch rasch transkribiert. Heute ist das Video nämlich schon nicht mehr online - "Dieses Video wurde vom Nutzer entfernt.")

Action, Adrenalin, Abenteuer. Die Herausforderung deines Lebens wartet auf dich. Bundeswehr-Adventure-Camps 2012.

Du bist sportlich und topfit? Dann tritt jetzt zur großen Team-Challenge an. Bravo.de und die Bundeswehr schicken dich in die Berge oder zum Beach. Du entscheidest, wohin deine Reise geht. Und das Beste daran: Für den Spaß musst du absolut nichts bezahlen. Alle Kosten, die Anreise, die Unterkunft und Verpflegung werden für dich übernommen.

Krasse Wasserwettkämpfe, crazy Strandspiele und coole Beachparties - das gibt's nur im sonnigen Süden. Mit einer echten Bundeswehrmaschine geht es ab zur Luftwaffe nach Sardinien. Lass dir am Strand die Sonne ins Gesicht scheinen und plansch zur Abkühlung im Meer.

Kletterfreaks aufgepasst! Hier kommt ihr auf eure Kosten. Bei den Gebirgsjägern in den Berchtesgadener Alpen seilst du dich von schwindelerregenden hohen Klippen ab. Wie du die Nächte verbringst? In einer coolen Bundeswehrhütte weit oben auf dem Berg. Zelten, Grillen und Lagerfeuerparties sorgen außerdem für jede Menge Fun.

Du willst dabei sein? Dann bewirb dich jetzt für das große Action-Event. 

Bundeswehr-Adventure Camps 2012! (auf Bravo WebTV-YouTube-Kanal)

Kindern und Jugendlichen wird das Dasein als Soldat hier als "Fun" angepriesen, als "Challenge" (Herausforderung), als "crazy" und "cool" - und alles auch noch umsonst ("for free!"). 

Kein Wunder, dass Kinderrechtler schäumen (z.B. taz 18.09.2012: Abenteurer in Uniform). terre des hommes hat eine Online-Protestaktion eingerichtet, die sich an Verteidigungsminister Thomas de Maizière und den Chefredakteur der Bauer Media Group (= Bravo-Herausgeber) richtet. Dort heißt es:

[...]In einem Werbespot wird Kindern und Jugendlichen mit Begriffen wie »Fun«, »crazy Strandspiele« und »coole Partys« suggeriert, dass es sich bei der Bundeswehr um einen Abenteuer-Ausflug handelt. Dass Soldaten bei Kriegseinsätzen mit hohen Risiken rechnen und dabei unter Umständen Menschen töten müssen, wird nicht thematisiert. Diese irreführende Reklame in Jugendmedien verstößt gegen die Grundsätze der Kinderrechtskonvention, wie das Verbot der Anwerbung von Minderjährigen. Besonders unerträglich ist, dass die Zeitschrift Bravo damit  ihre sehr junge Zielgruppe ab zehn Jahren anspricht. [...]

Bitte sorgen Sie dafür, dass die Bundeswehr keine sogenannten Adventure Camps für Minderjährige anbietet.

Bitte verzichten Sie künftig darauf, in Kinder- und Jugendmedien irreführende Werbeaktionen für die Bundeswehr durchzuführen, die die Gefahren des Soldatenberufs verharmlosen.

terres des hommes: Online-Protestaktion gegen die Militärwerbung bei Minderjährigen

Die Bravo nimmt die Herausforderung an und riskiert damit einen Shitstorm ohnegleichen:

"Die Verantwortung für die Anzeigeinhalte liegt beim Anzeigenkunden - also bei der Bundeswehr", sagt eine Sprecherin [der Bravo]. "Aus unserer Sicht ist die Bundeswehr Teil der demokratischen Gesellschaft und ein wichtiger Arbeitgeber, mit einem breiten Angebot an Ausbildungsberufen."

Spiegel Online 18.09.2012: Palmen, Party, Panzerfahren

Köstlich. Denn es ist mitnichten so, dass der Anzeigekunde eben Werbung schaltet und die Bravo das eben irgendwie hinnimmt. Ganz dick ist die Bravo.de mit im Boot:

Screenshot von bw-adventure-camps.de (Ausschnitt)

Einfach nur eine Bundeswehr-Werbung schalten bringt weniger Geld, als das gute Image der Bravo bei den Kindern mitzuverkaufen. Der Bundeswehr bei aufkommender Shit-Brise den Dolch in den Rücken zu rammen hat Tradition, fragen Sie Ihren Geschichtslehrer.

Und jetzt?

Jede/r verantwortungsvolle Pädagogin freut sich, wenn die deutschen Kinder bereit sind, ihrem Vaterland bedingungslos zu dienen und es gegen die Anfechtungen von außen zu verteidigen (notfalls auch im Ausland).

Aber werden denn die Kinder verstehen, dass Bundeswehr mehr bedeutet als Planschen am Strand? Nein, sie sind doch viel zu jung! Die verantwortungsvolle Pädagog/in hilft so nach:

1. Zeigen Sie den Kindern das Video (Bundeswehr-Adventure Camps 2012!) und die Werbung. Fragen Sie sie, ob es bei der Bundeswehr witzig ist und ob man da eine Menge crazy Fun hat.

2. Zeigen Sie den Kindern eine kleine Beerdigungsfeier für gefallene Soldaten. Vergessen Sie nicht, den Kindern klarzumachen, dass die gefallenen Kameraden vor ihrem Tod eine Menge Fun in Afghanistan hatten und dass alles (inklusive der eigenen Beerdigungsfeier) keinen Cent gekostet hat.
Vorschlag: Spiegel TV-Doku "Fallschirmjäger aus Zweibrücken (1): Sterben für das Vaterland"

3. Absolut ergiebig für die Diskussion (auch in angrenzenden Themenbereichen, z.B. Deutsch - Erörterung, diskutieren, argumentieren) ist die Sendung "Ein Leben als Soldat?" aus der Reihe "Schule als Talkshow" (planet-schule.de = Schulfernsehen des SWR/WDR). Ein junger Mann, Christoph, möchte sich bei der Bundeswehr verpflichten, die Doku begleitet seinen Entscheidungsprozess. Benutzen Sie Kapitel 5, "Ausbildung an der Waffe". Christoph schnuppert bei einer Bundeswehrübung im Gelände:

Christoph kommen Zweifel.

[Christoph:] "Ja, dann auch auf einen Menschen zu schießen, das würde mir dann ... so Probleme bereiten."

Christoph ist nervös. Unbedingt will er zum Thema Schießen und Töten mehr erfahren.

[Christoph:] "Wenn es so kommt, dann können wir nich ... äh, muss dann nicht dann muss man nicht kneifen können, also wenn man auf einen Menschen schießen ..." [stottert nervös]

[Bundeswehrbetreuer in Tarnaufzug:] "Sie werden so weit gedrillt, dass Sie überhaupt keine Angst vor der Waffe haben, also Ihnen soll die Angst vor dem Scharfschuss genommen werden."

planet-schule.de, Sendung "Ein Leben als Soldat" (Sendereihe "Schulstunde als Talkshow"), Transkript 09.00-09.28

Screenshot: Ein Leben als Soldat

Noch nicht genug?

Wer noch nicht genug crazy Adventure-Fun gehabt hat, dem sei ganz fest ein Blick auf die Facebook-Seite des Bundeswehr-Adventure-Camps ans Herz gelegt. Da findet man so richtig markige Bundeswehrwitze.
Man muss der Fairness halber betonen, dass die Bravo für die dort betriebenen Geschmacklosigkeiten nichts kann.

Bundeswehr-Camp 2012 Facebook-Seite (Screenshot, Ausschnitt)

Bravo!

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6 Kommentare von Lehrerfreund/innen

(#1) Clemens P meinte am 20.09.2012, 12:39 dazu:
" 

Ich wohne seit einiger Zeit nicht mehr in Deutschland und konnte diesen Trend der Bundeswehr leider nicht mitbekommen.

Diesen Trend finde ich alles andere als verantwortungsvoll und scheinbar investiert die Bundeswehr (NATO?) sehr viel Geld in die Beschaffung neuer Soldaten.

Ich schätze Ihr Engagement und die Tipps für den Unterricht, die Sie geben. Ich hoffe viele Lehrer folgen diesen Tipps und geben den Kindern einen guten Rat mit.

LG

Clemens

(#2) Db meinte am 20.09.2012, 15:46 dazu:
" 

Das Fach Musik kann den Fixin’-To-Die-Rag beitragen (z.B. in der Woodstock-Aufnahme):
Melodie flott-fröhlicher Marschsong (“And it’s one, two, three…”), Text ironisch-deutlich (“Whopee, we’re all gonna die!”)
http://de.m.wikipedia.org/wiki/I-Feel-Like-I’m-Fixin’-To-Die_Rag
http://www.countryjoe.com/feelmus.htm

(#3) ben meinte am 20.09.2012, 20:05 dazu:
" 

Liebes Dr Sommer Team,
seit seinem letzten Auslandseinsatz schreit mein Freund mich immer an, wenn ich ihn berühre, liegt das an mir?

Stoppt die Kooperation mit der Bundewehr. Kein Werben für’s Sterben! http://wp.me/piHhj-mC

(#4) Das DeuLe meinte am 26.09.2012, 18:36 dazu:
" 

Es gehört zum Beruf eines Soldaten zu töten und getötet zu werden. So einfach ist das.

(#5) MWelslau meinte am 08.10.2012, 18:26 dazu:
" 

Vielleicht ist _das_Video nicht mehr vorhanden aber dafür ein anderes wie hier zu sehen:

http://www.regenbogenwald.de/news/kurzberichte/kinder/jugend/1348543753-was_wuerde_dr__sommer_dazu_wohl_sagen.htm

(#6) dfdfhdfh meinte am 20.11.2012, 7:06 dazu:
" 

Vielleicht ist _das_Video nicht mehr vorhanden aber dafür ein anderes wie hier zu sehen:
http://www.regenbogenwald.de/news/kurzberichte/kinder/jugend/1348543753-was_wuerde_dr__sommer_dazu_wohl_sagen.htm

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