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Geschichtsunterricht

Bismarckzeit: Militarismus in Schule und Gesellschaft - Arbeitsblatt 09.03.2022, 16:10

Bismarck bei der Kaiserproklamation 1871 (Anton v. Werner) - Ausschnitt
Bild: Wikimedia Commons [CC0 (Public Domain)]

Ein Arbeitsblatt zum deutschen Kaiserreich um 1900/Vorabend des Ersten Weltkriegs - drei Textquellen zu Militarismus in Schule und Gesellschaft. Niveau Sekundarstufe I/II.

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Das Deutsche Reich um 1900 - Militarismus und Schule

Die deutsche Gesellschaft um 1900 war durch und durch militarisiert. Die folgenden drei Textquellen zeigen, wie sehr militärische Ideale und Disziplin schon in der Schule vermittelt wurden und sich durch den gesamten Sozialisationsprozess zogen.

Das Arbeitsblatt können Sie hier herunterladen: Arbeitsblatt »Deutsche Kaiserzeit - Militarismus und Schule und Gesellschaft« (PDF)

Das Arbeitsblatt beinhaltet folgende Textquellen:

Aus den Anweisungen eines Schulrats für Lehrer:

Damit jede Störung des Unterrichts unmöglich gemacht werde, hat der Lehrer … darauf zu halten: a) dass alle Schüler … gerade … und in Reihen hintereinander sitzen … b) dass jedes Kind seine Hände geschlossen auf die Schultafel legt … c) dass die Füße parallel nebeneinander auf den Boden gestellt werden …

Alle breiten Auseinandersetzungen und Reden müssen wegfallen; hier muss ein Wink des Auges … oder der einzige … Ausruf ‘Klasse - Achtung!’ genügen, um die gesamte Schulordnung herzustellen.

(Aus Carl Kehr: Die Praxis der Volksschule: Wegweiser zur Führung einer geregelten Schuldisziplin. In: Praxis der Volksschule. Gotha: Thienemann 1903, S. 65ff)

Szene bei der Musterung möglicherweise untauglicher Rekruten, 1892

Arg verkatert stand er tags darauf, inmitten anderer junger Leute, die alle, wie er selbst, ganz nackt ausgezogen waren, vor dem Stabsarzt. Dieser Herr sah angewidert über all das männliche Fleisch hin, das ihm unterbreitet war; an Diederichs Bauch aber ward sein Blick höhnisch. Sofort grinsten alle ringsum, und Diederich blieb nichts übrig, als auch seinerseits die Augen auf seinen Bauch zu senken, der errötet war …

Der Stabsarzt hatte seinen vollen Ernst zurück. Einem, der nicht so scharf hörte, wie es Vorschrift war, erging es schlecht, denn man kannte die Simulanten! Ein anderer, der noch dazu Levysohn hieß, bekam die Lehre: »Wenn Sie mich wieder mal hier belästigen, dann waschen Sie sich wenigstens!« Bei Diederich hieß es: »Ihnen wollen wir das Fett schon wegkurieren. Vier Wochen Dienst, und ich garantiere Ihnen, dass Sie aussehen wie ein Christenmensch.« …

Einer … stellte sich nochmals vor den Stabsarzt hin und sagte laut, mit sorgfältiger Aussprache: »Ich möchte noch hinzufügen, dass ich homosexuell bin.« Der Stabsarzt wich zurück, er war ganz rot. Stimmlos sagte er: »Solche Schweine können wir allerdings nicht brauchen.«
(Aus Heinrich Mann, Der Untertan. Leipzig: Kurt Wolff Verlag 1918, hier Ausgabe S. Fischer 1995, S. 48f)
Der Sozialdemokrat Liebknecht über das militärische Wesen der Schule:

Der dressierende Schulmeister und der drillende Unteroffizier sind die beiden Hauptpfeiler des heutigen Staates … Neben dem drillenden Unteroffizier hat der dressierende Schulmeister … bei Königgrätz 1866 gesiegt … Der Unteroffizier ist die Voraussetzung des Schulmeisters. Die Volksschule ist die Vorschule der Kaserne, die Kaserne die Fortbildungsschule der Volksschule. Ohne den Schulmeister keinen Unteroffizier.

(Aus Wilhelm Liebknecht: Wissen ist Macht. Göttingen 1887, S. 21 und 25)

Methodische Hinweise zur Verwendung des Arbeitsblatts im Geschichtsunterricht

Ziel der Unterrichtsstunde ist es, ein Bild der Gesellschaft herauszuarbeiten, das auf das Militärische, Autoritäre fokussiert und die Gemeinsamkeit von Schule und Militär als »Hauptpfeiler des heutigen Staates« (Liebknecht, s.o.) herausarbeitet.

Wenn Sie sich nicht auf eine oder zwei Textquellen beschränken, können alle drei Quellen von allen Schüler/innen bearbeitet werden, vorzugsweise in der auf dem Arbeitsblatt realisierten Reihenfolge. Auch eine arbeitsteile Bearbeitung ist denkbar, wenngleich nicht notwendig, da die Texte recht kurz sind.

In der ersten Quelle (»Anweisungen eines Schulrats …«) erfahren wir, wie sich der Schulalltag gestaltete. Im Klassenraum wird ein Höchstmaß an militärischer (»gerade … und in Reihen hintereinander …«) Disziplin erwartet. Auf einen einzigen Ausruf hin haben die Schüler/innen sozusagen stramm zu stehen. So bereitet die Schule eine durchmilitarisierte Gesellschaft vor.

An die Schule schließt sich Musterung und Militärdienst an (Quelle »Szene bei der Musterung …«). Die nackten Rekruten sind der Willkür eines autoritären, »angewidert[en]« Stabsarztes ausgeliefert, der mit erniedrigenden Sprüchen und Drohungen nicht spart. Sein »höhnisch[er]« Blick auf Diederichs Bauch führt sofort zu einer Mobbing-artigen Szene (»Sofort grinsten alle ringsum«). Als sich einer der Rekruten scheinbar als homosexuell outet, verliert selbst der gestandene Stabsarzt seine Souveränität.

Die Phase der Erziehung von Schule bis Militärdienst war durch und durch kasernal, wie die von Liebknecht gezogene Parallele zwischen Unteroffizier und Schulmeister zeigt (Quelle »Liebknecht«). Der Unteroffizier wird in der Schule ausgebildet - ohne Schule kein Militär, ist die Implikation.

Das Arbeitsblatt können Sie hier herunterladen: Arbeitsblatt »Deutsche Kaiserzeit - Militarismus und Schule und Gesellschaft« (PDF)

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