Korrekturentlastung: Schüler korrigieren ihre Klausuren selbst
Eine unorthodoxe Art der Korrektur von Klausuren besteht darin, das die Schüler/innen selbst übernehmen zu lassen: Jeweils zwei Schüler/innen korrigieren ihre Klausuren/Klassenarbeiten, woraufhin die Lehrperson nur noch eine abschließende Kontrollkorrektur vornimmt. Erklärung des Vorgehens und Tipps zur Umsetzung von Rüdiger Borrmann.
Vorbemerkung: Der Autor hat diese Korrekturmethode bereits selbst mit Erfolg in naturwissenschaftlichen Fächern erprobt. Eine Adaption des Konzepts für geisteswissenschaftliche Fächer steht noch aus. Besonders apart an dieser Methode ist die Tatsache, dass die Schüler/innen (auch) ihre eigenen Klausuren bewerten und das Ergebnis der Lehrer/in mitteilen, was die Anzahl der Streitereien um Noten stark minimieren dürfte.
Ich arbeite aktuell systematisch daran, meine Schüler selbst die Arbeiten korrigieren zu lassen. Dieses hat große Vorteile. Ich komme wieder weg von Multiple Choice und kann sinnvollere Textaufgaben stellen. Der Nachkorrekturaufwand nach mehreren Anläufen ist minimal. Ich kann statt Korrekturen durchzuführen mich besser auf den Unterricht vorbereiten.
Und so geht’s:
Klausurkorrekturen durch Schüler
Warum macht man so etwas? - Didaktischer Mehrwert
Durch die Korrektur verarbeiten die Schüler den Stoff erneut, festigen das neue Wissen und erwerben sogar noch neue Kompetenzen - nämlich das Bewerten ihrer eigenen und fremder Arbeitsergebnisse.
Wie funktioniert es? - Vorgehen
- Damit die ordnungsgemäße Durchführung vom Lehrer ggf. bewertet werden kann, erhält die Klausur ein Feld ‘korrigiert von: ‘, in das sich der jeweilige Korrektor einträgt. Zusätzlich bekommt die Klausur einen Randstreifen für Anmerkungen und Punkte des Korrektors, denn die Farben der verwendeten Stifte der Schüler könnten gleich sein.
- Die geschriebene Klausur wird sofort nach dem Schreiben der Arbeit zweimal kopiert. Das Original verbleibt beim Lehrer. Eine Musterlösung kann gleich zur Korrektur ausgeteilt werden bzw. die Erwartungen an die Klausurergebnisse zusammen mit den Schülern an der Tafel nach Schreiben der Klausur erarbeitet werden.
- Jeder Schüler bekommt zur Korrektur die Kopie seiner Klausur und die eines anderen Schülers ausgeteilt, d.h. jeder Schüler korrigiert zwei Klausuren, wobei sichergestellt sein muss, dass ein Schüler nicht beide Exemplare seiner Klausur erhält bzw. das Exemplar des Korrektors seiner Klausur.
- Die Schüler vergleichen anschließend die Korrekturen und einigen sich durch Diskussion auf gleiche Punktezahlen, so dass ein unstrittiges Endergebnis erzielt wird.
- Das Punkte-Endergebnis wird zusammen mit der Note dem Lehrer mitgeteilt.
- Der Lehrer sammelt alle Korrekturen ein zur Durchsicht, ob die Korrekturen ordnungsgemäß durchgeführt worden sind und überträgt das Ergebnis in das Original.
Folgende Dinge sollten zusätzlich bedacht werden:
- Es bietet sich an, die Korrektur als Teil der Gesamtnote zu berücksichtigen, z. B. 0,3 Abzug bei schlechter bzw. keiner Korrektur.
- Es werden u. U. nicht immer beide Exemplare korrigiert, wenn Schüler sich sofort zusammensetzen, anstatt die Klausur erst einmal unabhängig durchzuführen. Unterbinden!
- Es werden manchmal Korrekturen mit unterschiedlichen Punktzahlen abgegeben. Zurückweisen!
- Manchmal wurden gar keine Punkte zusammengerechnet bzw. ins vorgesehene Feld notiert. Nachfordern!
- Es bietet sich an, schwarz als Farbe beim Schreiben der Klausur nicht zu benutzen. Dann sind die Kopien leichter erkennbar.
Ich denke, auch im Deutschunterricht sollte es eindeutige Kriterien geben, nach denen die Schüler ihre Arbeiten selbst korrigieren können. Ein Nebeneffekt dürfte sein, dass die Arbeiten nach einiger Zeit aufgrund transparenter Kriterien besser ausfallen dürften, da die Schüler diese Kriterien dann auch bereits beim Schreiben berücksichtigen.
Viel Spaß beim Ausprobieren. In meinen technischen Fächern (Elektrotechnik und Informatik) funktioniert’s!
Rüdiger Borrmann
Beitrag vom 10.01.2010, 21:52 | diesen Beitrag versenden
Und wie soll ein Schüler Rechtschreibfehler erkennen, deren Entstehung er nicht fassen kann?
Was werden die Fachleiter/Fachbetreuer sagen? Wie wird die Respizienz einer solchen uneinheitlichen Korrektur aussehen, bei der für 25 Aufsätze 26 Maßstäbe angesetzt werden?
All das beiseite geschoben: Erspart es dem Lehrer im Fach Deutsch wirklich Arbeit oder erhöht es den Aufwand nicht eher, weil neben den ursprünglichen Fehlern eben auch die hineinkorrigierten verbessert werden müssen?
Sorry, fach- und lebensferner war noch kein Beitrag, den ich hier gelesen habe!
Die Chose mag in der Berufsschule in Fächern funktionieren, die eine Korrekturmatrix haben und mehr oder "weniger" Multiple-Choice-Aufgaben (Entschuldigung? Ich unterrichte Deutsch an einem Gymnasium in Bayern!), aber Otto-Normal-Grund-Gesamt- oder Sonstwas-Lehrer kann das für Klassenarbeiten/Schulaufgaben nur als schlechten Witz interpretieren!
Das heißt natürlich nicht, dass die Schülerkorrektur von Schülerarbeiten per se Schwachsinn sei; in der Übungsphase mögen solche Methoden ihre Berechtigung finden, aber bei notenrelevanten Arbeiten?
Get real!
ein wichtiges Kriterium bei der Korrektur sollte die Objektivität sein. Jeder sollte in der Lage sein, bei objektiven Maßstäben die gleiche Note zu geben (auch Schüler!). Wie mir scheint, haben Sie ein Problem damit. Vielleicht sollten Sie ihre Maßstäbe überdenken. Ich halte die Methode durchaus für durchführbar - jedoch bezweifle ich ebenso, dass es weniger Arbeit bedeutet.
Die Bewertung muss ebenfalls einheitlich gestaltet sein. Wie soll das bei 30 Schülern geschehen, wenn x-Vorschläge von Seiten der Schüler vorliegen? Ich muss sie also doch vorgeben!
Fazit: Der Arbeitsaufwand für den Deutschlehrer erhöht sich enorm (ganz zu schweigen von den vielen Kopien)und die Methode ist zumindest für mein Fach leider nicht realisierbar.
Viele Grammatik- und Rechtschreibfehler werden zwar ncht erkannt, aber doch die Mehrzahl, und man muss selber deutlich weniger schreiben.
Als Nebeneffekt habe ich auch eine reflektierte Haltung zur eigenen Leistung UND mehr Verständnis für die Korrekturbelastung der Lehrer beobachtet.
Ich mache dann noch die Zweitkorrektur und schreibe nur dann noch einen Kommentar, wenn meine Begründung abweicht. Insgesamt sehr hilfreich, wie ich finde. Geht natürlich nicht immer, aber bei einer Klausur im Semester doch sehr zu empfehlen.
1. Wer bezahlt die (nicht wenigen) zusätzlichen Kopien, die anfallen?
2. Müssen diese Kopien dann auch irgendwo ein paar Jahre lang archiviert werden?
3. Wie ist es mit Datenschutz, wenn Schüler die Prüfungen anderer in die Hand bekommen? Bin ich da rechtlich abgesichert, wenn Schüler oder Eltern sich beschweren?
Joanne, zu den Einwänden mit den Extrakopien und den rechtlichen Fragen: ich habe das Glück, eine großzügige Kopierregelung an unserer Schule zu haben. Der Austausch der Arbeiten setzt natürlich auch ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen den SuS voraus (also am besten den SuS überlassen, wen Sie als Korrekturpartner haben wollen). Die SuS bekommen bei uns ihre Klausuren mit nach Hause; eine Archivierungspflicht haben wir nicht.
Februar 2010: Von 1 bis 6? Wertschätzen oder bewerten - Noten und mehr
http://blog.rpi-virtuell.net/index.php?op=ViewArticle&articleId=2318&blogId=2
Da gibt es auch noch mehr Anregungen, wie Schülerinnen und Schüler an der Bewertung beteiligt werden können.
Herzlichen Gruß aus rpi-virtuell!
Ich denke, man sollte als Lehrer nicht nur daran denken, ob es einen Mehraufwand für einen selbst bedeutet oder man die Kopierkosten steigert, sondern eher daran, wie man etwas für das nachhaltige Lernen seiner SuS tun kann. Schließlich ist das unser Job!
 
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