Nur nicht aufschieben

Korrekturen bis zu 50% schneller - mit antiprokrastinativer Technik 21.12.2013, 14:28

Korrigieren verläuft in der Regel schleppend zäh. Dabei ist diese Langsamkeit oft keine Frage der Arbeitsgeschwindigkeit. Viel mehr liegt das Problem darin, dass man vor und während des Korrigierens aufschiebt ("prokrastiniert"), wann immer es geht. Dieses Verhalten gilt es zu vermeiden.

Geschirrspülen als Korrigier-Prokrastination
Bild: Shutterstock / ucchie79
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In den meisten Fällen ist das Korrigieren von Klassenarbeiten eine abscheuliche Arbeit: langweilig und doch geistig fordernd. Man kann kaum in einen Zustand kognitiver Monotonie verfallen, sondern muss immer konzentriert und aufmerksam bleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Nutzen der Korrekturen oft in keinem Verhältnis zum Aufwand steht: Die Lehrer/in korrigiert eine halbe Stunde oder länger an einem Aufsatz, die Schüler/in nimmt die Note in wenigen Sekunden auf, liest den Kommentar nicht und motzt über die Ungerechtigkeit der Lehrer/in.

Verständlich, dass man als Lehrer/in keine Lust auf diese oft zeitverschwendende Tätigkeit hat. Um so wichtiger ist es, den Korrekturvorgang bis ins kleinste Detail zu optimieren, damit nicht noch mehr Zeit verschwendet wird.

Prokrastination im Vorfeld vermeiden

Als Prokrastination bezeichnen wir die Kunst des Aufschiebens (s.a. Lehrerfreund: Einführung in die Prokrastination). Beispiel gefällig? @Frl_Rot twitterte:

Ganz klar: Frollein Rot prokrastiniert - sie schiebt den Beginn der Korrekturarbeit verzweifelt vor sich her. Besonders dankbar ist sie dabei für Tätigkeiten, die als "Ausreden" sich selbst gegenüber gelten können: Es ist jetzt wirklich unaufschiebbar, die Küchenschränke auszumisten.

Noch viel schlimmer sind aber die Tätigkeiten, die wir unbewusst dem Korrekturvorgang zurechnen. Wir sitzen am Schreibtisch, um zu korrigieren, und checken zu Beginn kurz (10 Minuten) unsere Mails. Gefühlt zählt diese Zeit zum Korrekturvorgang.

Wenn Sie zusammenrechnen würden, wie stark Netto- und Bruttozeit beim Korrigieren von einander abweichen, wären Sie entsetzt. Es gibt Schätzungen, nach denen die prokrastinierte Zeit ungefähr der Hälfte der tatsächlichen Korrekturzeit entspricht:

Diagramm: Tatsächliche Arbeitszeitverteilung beim Korrigieren

Die "verschwendete Zeit während einer Korrekturphase" betrifft Tätigkeiten, die während des Korrigierens ausgeübt werden: telefonieren, pinkeln, aufräumen, einen Kaffee holen, frische Luft auf dem Balkon schnappen, Mails checken, das Virenprogramm aktualisieren + Neustart des Rechners, die Schultasche packen. Wer hiermit Probleme hat, dem hilft die Pomodoro-Technik für das Korrigieren.

Die "Prokrastination vor Beginn einer Korrekturphase" bezeichnet den Zeitraum, der zwischen dem Beschluss "Ich werde mich jetzt hinsetzen und mit den Korrekturen anfangen." und dem tatsächlichen Beginn des Korrekturvorganges liegt. Beispiel:

Sie setzen sich an Ihren Schreibtisch und nehmen sich vor, mit dem Korrigieren zu beginnen. Zuerst müssen Sie die Blätter wegräumen, die noch in der Mappe mit den Arbeiten liegen (6 Minuten). Dann fahren Sie Ihren Rechner hoch (2 MInuten), weil Sie die Noten in eine Exceltabelle eintragen. Sie schauen kurz nach Ihren Mails und beantworten eine (7 Minuten). Nun sind Sie bereit. Sie holen sich einen Kaffee (4 Minuten) und beginnen.

Hier haben Sie knapp 20 Minuten verschwendet, bevor Sie überhaupt die erste Arbeit angefasst haben! Und wie wir alle wissen, kann man auch drei Mails beantworten statt einer (14 Minuten) und dabei rasch die aktuelle Nachrichtenlage im Web checken (8 Minuten), noch ein kurzes Telefonat führen (13 Minuten) und die Pflanzen gießen (8 Minuten), die Kaffeetasse wegräumen, damit alles auch seine Ordnung hat (1 Minute) und dann noch schnell die Schultasche ausräumen (6 Minuten), damit die Organisationshygiene gewahrt bleibt. In diesem Falle haben Sie mehr als eine volle Stunde verplempert, ohne auch nur eine Arbeit anzufassen. Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt.

Es gibt gegen diese Art der Prokrastination nur eine Lösung: Sie müssen SOFORT anfangen zu korrigieren. Und Sie dürfen sich durch nichts unterbrechen lassen (Anwendung der Pomodoro-Technik), bis Sie ein gewisses Pensum geschafft haben.

Wenn Sie beschließen, sich zum Korrigieren hinzusetzen, dann setzen Sie sich hin und fangen UMGEHEND damit an. Die Mails checken können Sie auch noch später, der Kaffee schmeckt in 40 Minuten noch viel besser und die blöden Blätter müssen auch nicht gleich aufgeräumt werden. Sie dürfen zum Beginn des Korrigierens NICHTS tun, was nicht direkt zum Korrekturvorgang gehört. Im Beispiel oben haben das Verhältnis bei 2 Minuten (Rechner hochfahren) zu 54 Minuten (Prokrastinieren).

Ein Teil des Problems ist wie so oft das Problem, sich des Problems bewusst zu werden. Wer 60 Minuten prokrastiniert, dann 30 Minuten korrigiert, der weiß das oft nicht, sondern stöhnt: "Jetzt korrigiere ich schon seit eineinhalb Stunden!"

Die Idee

Die Grundidee dahinter ist so klar wie banal: Wer früher anfängt, ist schneller fertig. Nicht gemachte Korrekturen stören den ganzen Lebensablauf in Form von schlechtem Gewissen ("Ich müsste doch jetzt endlich ..."). Das ist nicht gut. Und beim Korrigieren gilt noch mehr als anderswo: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Setzen Sie sich also hin und fangen Sie an.

Jetzt.

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