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Arbeitszeitstruktur bei Lehrer/innen

Wie viel (und vor allem: wann) Lehrer/innen arbeiten 06.04.2014, 21:20

Vergleich: Arbeitszeitstruktur Lehrer und Angestellte

Die Arbeitszeit von Lehrer/innen ist für Nicht-Lehrer/innen völlig undurchschaubar: mittags auf dem Tennisplatz, dafür Samstagnacht am Schreibtisch? 12 Wochen Ferien pro Jahr, um 13 Uhr Feierabend - und trotzdem über die Belastung klagen? Eine Veranschaulichung der Problematik, basierend auf einer empirischen Erhebung von Herrn Mess.

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  • (geändert: )

Herr Mess, seines Zeichens Lehrer für Latein und Betreiber des Lehrerblogs Herr Mess | Ex libris eines Lateinlehrers, war sich ebenfalls unsicher, wie viel er denn jetzt eigentlich arbeitet. Eine Woche lang hat er seine Arbeitszeit minutiös protokolliert, das Ergebnis findet sich in seinem Beitrag All work and no play.

Zentrale Erkennnis: In der protokollierten Woche hat Herr Mess knapp 60 Stunden gearbeitet; explizit weist er darauf hin, dass diese Woche in einer "Hochzeit" lag, also in einer Häufungsphase von Zeugnissen, Korrekturen usw. Die 60 Stunden sind in keiner Weise repräsentativ (Herr Mess weiß auch: "Klar werden davon auch eingefleischte Kritiker nicht überzeugt sein und fleißig Häme versprühen.").

Der Durchschnittsarbeitnehmer in Deutschland arbeitet pro Jahr ~1645 Stunden, der Lehrer in Deutschland laut OECD ~1793 Stunden pro Jahr (handelsblatt.com); in der Schweiz arbeiten die Lehrer/innen 2072 Stunden pro Jahr (Lehrerfreund).

Besonders interessant an Herrn Mess' Erhebung ist nun nicht nur die pure Anzahl der Arbeitsstunden, sondern die Verteilung der Arbeitszeit über die Woche. In den folgenden Grafiken werden einige gängige Arbeitszeitstrukturmodelle dargestellt. Eine minutengenaue Abbildung wird nicht angestrebt, für die grundsätzliche Veranschaulichung dürften die Grafiken ausreichend genau sein. Auch die Mess'sche Erhebung wurde in ein Stundenraster gepresst und an einigen Stellen entsprechend zünftig gerundet.

a) Arbeitszeitverteilung von Herrn Mess

Am unter All work and no play dokumentierten Selbstversuch zeigt sich, wie Lehrer/innen arbeiten:

Arbeitszeit von Herrn Mess, empirische Eigenerhebung

  • Lehrer/innen haben nie Wochenende. Auffällig ist, dass Herr Mess am Sonntag "nur" vier Stunden arbeitet. Üblicherweise ist Sonntag ja Lehrer/innen-Tag. Dafür hat Herr Mess am Samstag schon ordentlich vorgearbeitet.
  • Lehrer/innen haben meist spät Feierabend. Bei Herrn Mess beginnt der Feierabend unter der Woche um 20 Uhr, den Freitagabend der untersuchten Woche verbrachte er mit Arbeit.

Ganz deutlich zeigt sich auch, dass Lehrer/innen in ihrer Arbeitszeitverteilung sehr flexibel sind. So hätten bspw. die Blöcke am Donnerstag- und Freitagabend beliebig auf den Samstag oder Sonntag verschoben werden können.

b) Arbeitszeitverteilung einer anderen Lehrer/in

Im Vergleich zu anderen Lehrer/innen arbeitet Herr Mess seine Aufgaben relativ früh am Tag ab, z.B. Freitag: "16.30-18.10: Erste Unterrichtsvorbereitung für Montag" oder Montag: "Vorbereitung: 16.00-19.10". Viele Lehrer/innen hätten den Unterricht für Montag nicht am Freitagnachmittag vorbereitet, sondern am Sonntagabend. Die Unterrichtsvorbereitung, die Herr Mess zwischen 16 und 19 Uhr erledigt, hätten viele (unwillig!) am Montag zwischen 20 und 23 Uhr in Angriff genommen.

Die Grafik zeigt eine mögliche Arbeitszeitverteilung einer fiktiven Lehrer/in, die tendenziell abends arbeitet und grundsätzlich "mittags frei hat".

Arbeitszeitstruktur einer Lehrerin, die häufig abends arbeitet

Nun wissen wir auch, woher das Bild von Lehrer/innen in der Öffentlichkeit kommt: Frau Sonstwie wurde am Montag, Mittwoch und Freitag mittags beim Tennisspielen gesehen, am Dienstag sah man sie in der Fußgängerzone beim Shoppen, während sie am Freitag den ganzen Nachmittag ihr Auto reparierte. Die Party ab Samstag 18 Uhr war bei auch nicht zu überhören.

Letztlich sind die Nachbarn davon überzeugt, dass Frau Sonstwie nichts zu arbeiten hat, da sie die ganze Zeit irgendwo rumhängt und sich entspannt. Dabei hat Frau Sonstwie in dieser Woche zusätzlich zu Ihrem Regelunterricht mehr als 40 Zeitstunden zuhause korrigiert, vorbereitet, geschrieben, geschnippselt und jeden Abend der Woche am Schreibtisch verbracht. Das hat kein Mensch mitbekommen.

c) Arbeitszeitverteilung einer Büroangestellten

Betrachten wir eine fiktive Person, die einem geregelten Angestelltenverhältnis nachgeht. Hier könnte die Verteilung ungefähr so aussehen:

Grafik: Mögliche Arbeitszeitstruktur einer angestellten Person

Der Unterschied zur Lehrer/in ist sofort deutlich: Die Arbeitszeit ist wesentlich geregelter, es gibt deutlich definierte Freizeitphasen (Abend/Wochenende), in denen nichts gearbeitet wird.

Wer hat es "besser": Lehrer/innen oder Angestellte?

Hier die beiden Grafiken (Lehrer Mess / fiktive Angestellte/r) im Vergleich.

Vergleich: Arbeitszeit Angestellter / Lehrer

Ob die Lehrer/in nun in einer etwas entspannteren Woche mehr Freizeit hat, die Angestellte freitags schon um 14 Uhr aufhören kann oder einer von beiden tatsächlich 4 Stunden mehr oder weniger arbeitet - das interessiert nicht. Wesentlich ist die grundsätzliche Veranschaulichung der Wochen- und Tagesstruktur (würde man die Grafik auf monatlicher/jährlicher Basis erstellen, sähe es wahrscheinlich ähnlich aus).

Die zerfetzte Tagesstruktur bei der Lehrperson und die absolute Durchgängigkeit der Arbeitsbelastung ist eindeutig anstrengend. Herr Mess hat keinen Tag in der Woche frei. Der Tag, an dem er am wenigsten arbeitet, ist der Sonntag, da sind es ~5 Stunden. Ein solches Leben geht natürlich an die Nerven.

Andererseits ist es auch von unschätzbarem Vorteil, sich die Zeit einteilen zu können. Die Angestellte kann nicht spontan beschließen, die mittwochmittags anfallende Arbeit auf Samstagnacht zu verschieben, weil er gerade Unlust verspürt. Für einen Besuch beim Bürgeramt muss er einen halben Tag Urlaub nehmen.

Fazit

Lehrer/innen und Angestellte außerhalb des schulischen Sektors arbeiten im Jahresmittel ungefähr gleich viel, das hat sich bereits herumgesprochen. Dennoch beschränkt sich die Diskussion um Lehrerarbeitszeit häufig auf genau diesen Punkt.

Meist werden die strukturellen Eigenheiten der Lehrerarbeitszeit übersehen. Für die zahlreichen Burnout-Fälle ist möglicherweise weniger das "Wieviel" als das "Wie" und das "Wann" verantwortlich. Dass die energetischen Belastungen und Befriedigungen der Unterrichtssituation zusätzlich eine gewichtige Rolle spielen, wird an einem anderen Tag diskutiert werden.

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Kommentare

61

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  • #1

    @Anna ...bittebitte..gern geschehen :-)
    es ist Samstag und ich sitze mal wieder am Schreibtisch - schon seit mehrern Stunden. Zwischendurch malen, schneiden, kleben, laminieren usw…. ja… ich sitze an meiner Unterrichtsvorbereitung mit Materialherstellung für nur eine einzige Unterrichtsstunde, wobei ich vermute, dass ich die Materialien wenigstens in den nächsten 3 Stunden zu diesem Fach in dieser einen Lerngruppe, verwenden werde - danach muss ich andere Materialien zusammenbasteln.
    Morgen sind dann wenigstens 3 andere Fächer dran.
    nunja, das ist nunmal der Alltag. Da ich nicht nur ein einziegs Fach unterrichte, dauert es halt immer ein wenig.
    ach ja - für die “Oberschlauen”...
    in unserer Oberstufe sind 80% “Nichtleser”, was bedeutet, dass man altersgemäße Themen immer irgendwie anders - mit viel Bildmaterialien - aufbereiten muss und dabei soll es auch noch motivieren udn Spaß machen und auch noch Wissen vermitteln :-) ..eine interessante aber arbeitsaufwändige und anstrengende Arbeit
    allen, die nicht am Schreibtisch sitzen wünsche ich ein schönes Restwochenende udn denjenigen, die arbeiten sage ich nur “Kopf hoch” es kann nur besser werden ;-)

    schrieb emma am

  • #2

    Danke für Ihren Beitrag!

    schrieb Anna am

  • #3

    jetzt ericht es mir auch mal…
    @Schüler: ja, es gibt solche Lehrer, denn es gibt nicht nur die Grund-,Haupt-, Real- und Gymnasiallehrer, sondern auch die Lehrer an Schulen für behinderte Kinder. Hier sieht es wieder ganz anders aus, denn hier geht der Unterricht regelmäßig bis 14:30 Uhr und anschließend sind noch AGs und der Spätdienst…ja..“Spätdienst”, denn unsere Schüler haben teilweise bis 16 Uhr Unterricht.
    Desweiteren kann man sich leicht vorstellen, dass man nicht einfach alte Arbeitsblätter für die ganze Klasse immer wiederverwenden kann, denn jede Behinderung ist anders und jede Klasse hat ganz verschiedene Schüler mit unterschiedlichen Anforderungen, weshalb ansich immer individuelle Arbeitsaufgaben hergestellt werden müssen, da es diese nicht einfach zu kaufen gibt.
    In Hamburg gibt es das Arbeitszeitmodell, das besagt, dass Lehrer eine 46,57-Stundenwoche haben…die “unterrichtsfreie” Zeit wird also “umgerechnet”. natürlich bleibt es bei dieser Zeit nicht. Für jede Unterrichtsstunde dürfte ich laut Arbeitszeitmodell max. 10 Minuten für die Vor- UND Nachbereitung verwenden…das soll mal jemand probieren - das reicht vorne und hinten nicht aus! Ich unterrichte 30 Stunden, hinzu kommen die verschiedenen Funktionsaufgaben, Elterngespräche, Gespräche mit der Lebenshilfe, Familienhilfe, Therapeuten, Unterrichtsvorbereitung und Nachbereitung usw. dazu Aufsichten und die “Kleinigkeiten” wie die Schülergespräche. Es wäre manchmal etwas leichter, wenn die Eltern wieder mehr “erziehen” würden und die Probleme nicht in der Schule “abladen”.wir haben 85% Migrationshintergrund und 16 verschiedene Nationen - hier sind Konflikte vorprogrammiert. Viele Konflikte entstehen, weil die Schüler keine Werte mehr vermittelt bekommen, respektlos und gewaltbereit sind. Diese “Erziehungsaufgaben” und die vielen bürokratischen Aufgaben, die dazugekommen sind, erschweren das Lehrerdasein m.E. sehr. Statt Bürokratie würde ich diese Stunden lieber am/mit dem Schüler verbringen. Die Rahmenbedingungen erschweren unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht.
    Als das Arbeitszeitmodell hier eingeführt wurde, habe ich meine Zeit über einen längeren Zeitraum dokumentiert. Herausgekommen sind im Schnitt 60-85 Stunden die Woche - und da sind die Elterngespräche usw. nicht eingerechnet. Das waren lediglich die Unterrichtsstunden und die direkte Vorbereitung, also die Schreibtischarbeit. Also durchaus eine Zeit, die man mit der Zeit eines Managers vergleichen kann und im Grunde sind Lehrer auch nur Manager. Der einzige Unterschied liegt zum einen in der Wertschätzung und zum anderen eindeutig am Gehalt, das nicht vergleichbar ist.  Ich bin ansich gerne Lehrerin und “leider” auch sehr engagiert. “Leider” deswegen, da sehr oft meine Familie darunter leidet und mir kaum Zeit für mich selber bleibt. Und so ertappe ich mich ab und an auch dabei, dass mir Gedanken kommen, dass ich diesen Beruf, mit den heutigen Rahmenbedingungen und der heutigen Schülerschaft, wohl nicht gewählt hätte. Für mich war mein Beruf immer “Berufung”, aber durch die Rahmenbedingungen wird es immer mehr zum “Job” und DAS hasse ich langsam.
    Die Freude am Beruf kann auch immer wieder dadurch getrübt werden, dass immer wieder auf dem Lehrerberuf herumgetrampelt wird und vor allem von Leuten, die es angeblich immer besser wissen und den Beruf niemals ausgeübt haben.

    schrieb emma am

  • #4

    Laut Statistischem Bundesamt betrug die Arbeitszeit eines durchschnittlichen deutschen Gymnasiallehrers 2092 Stunden pro Jahr. In der selben Erhebung waren die Arbeitszeiten eines durchschnittlichen deutschen Ingenieurs knapp darunter.

    schrieb GriasDi am

  • #5

    Unsere Arbeit wird geschätzt! Der Philologenverband hat dazu mal eine interessante Umfrage gemacht. Dabei ist sinngemäß rausgekommen: “Ganz allgemein finde ich Lehrer faul, unfähig und überbezahlt. Aber der Lehrer/die Lehrer meines Kindes ist/sind ganz toll, bienenfleißig und motiviert.”
    Das erinnert so ein bisschen an die latente Ausländerfeindlichkeit bei vielen Menschen: “Also eigentlich bin ich ja gegen Ausländer, aber mein ausländischer Kollege ist total nett.”
    Kann das mal einer soziologisch oder psychologisch erklären?

    schrieb Das DeuLe am

  • #6

    Ich habe eigentlich keine Lust mehr darüber zu diskutieren, denn ich habe einen tollen Beruf und bin zufrieden und glücklich mit ihm. Bin eher die Lehrerin X, die alles spät bis in die Nacht und am WE erledigt. Zwischen etwa 15 Uhr und 20 Uhr sind die Kinder und der Haushalt dran. Da bleibt wenig Freizeit und wenig Schlaf und das zerrt an den Kräften. In einem verantwortungsvollen akademischen Beruf sind diese Arbeitsbelastungen aber normal wie ich meinem Partner sehen kann. Trotzdem finde ich, dass ich auch mal Jammern darf, genau das tun andere auch, nur ich bekomme dann zu höre, ich hätte ja so viel Ferien und sei ja Beamtin. Ihr mich auch, denke ich dann, ärgere mich aber trotzdem. Wenn ich die Oster-, Herbst- und Weihnachtsferien frei mache dann bezahle ich danach mit schlaflosen Nächten in denen ich durchkorrigiere. Das ist dann auch meine Entscheidung, aber ich arbeite deswegen nicht weniger als die, die keine Ferien haben. Sommerferien sind 25 freie Tage, denn die letzte Woche ist schon Arbeitszeit. Also sehe ich den Unterschied zu anderen Arbeitnehmern nur in der Arbeitseinteilung. Insofern finde ich die Berechnungen von Herrn Mess interessant sowie auch den Artikel. Ich glaube woran es uns Lehrern tatsächlich mangelt ist an der Anerkennung für unseren Beruf. Unfähige gibt es überall, aber die meisten Kollegen stecken viel Energie und Herzblut in ihre Arbeit. Warum kann man das nicht schätzen?

    schrieb Sandra Guerrero am

  • #7

    Ein vertrauensvolles Verhältnis zu den SuS, erzeugt durch z.B. Fußballnachmittage, ist leider nicht messbar. Und nur darauf kommt es - PISA und OECD sei dank - noch an: Outputorientierung oder - nach unserem Exkanzler Kohl: “Wichtig ist was hinten rauskommt!” Und das muss eben operationalisier- bzw. messbar sein.

    schrieb Das DeuLe am

  • #8

    Wieviele Schüler*Innen saßen im Mathe-Lk? Mein erster Deutsch-Lk hatte 6 Schüler*Innen, mein letzter deren 18 - heute sitzen, je nach Profil, bis zu 30 im Abiturjahrgang. Zwei Stunden sind da nicht mehr drin. Wie lange hat die angeberische Kolleg*In im Grundkurs Mathe gebraucht?
    Folgt man den Auskünften aktuell in der Oberstufe arbeitender Kolleg*Innen, sind zwei Stunden selbst bei guten Schüler*Innen schlichtweg nicht mehr möglich - vor allem erzwingen die Krakeleien und nicht vorhandene Grundkenntnisse in Grammatik und Rechtschreibung (soviel zu dem *witzigen - HAHA-SCHNARCH*-Schnack zum Thema “Germanistikstudium”) eine deutliche Mehrarbeit - übrigens auch in Chemie, Physik, Biologie.

    schrieb Ulschmitz am

  • #9

    Ich geben dir SO was von recht!! Ein absolut ehrlicher und lesenswerter Kommentar! Bin selber Lehrerin und fühle mich ständig wie kurz vor dem BurnOut. Man muss schon ganz schön auf sich aufpassen in diesem zwar schönen, aber absolut anstrengenden Job!!

    schrieb Britta am

  • #10

    Nur 60 Stunden? Ich arbeite durchschnittlich 68 Stunden - in Hochzeiten mehr. Ich habe über 4 Wochen protokolliert. Mag vielleicht abhängig von den Fächern sein…traurig finde ich eher die zeitliche Verschiebung. Während ich vor 5-7 Jahren noch Zeit hatte mit meinen Klassen einmal in der Woche etwas außerhalb der Schule zu unternehmen wie Fußballnachmiitag und Co.  Kann ich das zeitlich,  wenn überhaupt, nur noch zweimal im Schuljahr. Das ist, was mich am meisten nervt. Mir ist ein vertrauensvolles Verhältnis zu neinen Schülern wichtig. Die Zeit, die ich dafür benötige, stehlen mir absolut unnötige Dinge. Jede Schule muss Räder neu erfinden, teilweise eine unglaubliche Ressourcenverschwendung. Finde es traurig, wie wenig oder auch falsch in die Zukunft der Kinder investiert wird.

    schrieb Corinbe am

  • #11

    Es ist mir absolut klar, dass viele Lehrer sehr viel arbeiten, aber ich kenne so einige Lehrer, die (nciht in der Anfangszeit) sehr viel Freizeit haben, deren Erklärung: “hat man mal seinen Unterrichtsstil, muss man kaum ncoh was zusätzlich machen, Arbeitsblätter können lange verwendet werden…”.
    Da bin ich ja froh mit nur 45 min Vorbereitungszeit für meinen einzigen Schüler (2 Stunden Unterricht pro Tag). :-)

    schrieb Evelin Camponovo am

  • #12

    Ganz ehrlich, klar ist es allen anderen Menschen wurscht, wo und wann Lehrer ihre Arbeit erledigen, Hauptsache sie wird erledigt. Mir als Lehrer ist es auch egal, wie genau mein Versicherungsmakler arbeitet, Hauptsache er tut seine Arbeit.
    Der entscheidende Unterschied liegt doch vor Allem darin, dass ich mich als Lehrer dabei ständig belächeln lassen muss und mir anhören muss, was für eine faule Sau ich doch bin, weil ich z.B. Schulferien habe, oder auch mal nach 6 Stunden Unterricht um 2 Uhr nachmittags nach Hause gehen kann, um weiterzuarbeiten! Lehrer beschweren sich darüber, nicht über ihren Job! Und das finde ich nur verständlich. Mehr Toleranz, Leute!

    schrieb Oberlehrer am

  • #13

    Ich verstehe schon, dass manche meinen, man solle sich nicht über den selbst gewählten Beruf beschweren. Man ist seines Glückes Schmied… Dennoch: Mit welchem Wissen wählt man seinen Beruf? Ich hatte mehrere Praktika während meines Studiums und habe insgesamt ein Jahr in zwei verschiedenen Ländern außerhalb Deutschlands unterrichtet, allerdings nicht meine eigenen Fächer und ohne eigene Klassen. Diese Erfahrungen aus den Kurzzeitpraktika von 2-3 Wochen an deutschen Schulen und die Praktika im Ausland sind jedoch nicht einfach auf den Alltag übertagbar gewesen. So kam es, dass ich im ersten Halbjahr meines Referendariats wirklich “geschockt” war von der Praxis. Denn erst mit eigenen Klassen und der langfristigen Unterrichtsplanung, Korrekturen etc. (was eben alles dazugehört) konnte ich mir vorstellen, was es bedeutet VOLLZEIT als Lehrer zu arbeiten (denn das Ref. ist ja auch noch nicht mit dem Alltag vergleichbar). Man versteht den Lehrerberuf noch nicht als Student und als Schüler vor dem Studienbeginn sowieso nicht. Und selbst wenn ich einige Dinge vielleicht kognitiv wusste (aus Erzählungen, Studien etc.) - für mich war bzw. ist es immer noch ein Lernprozess, diese nun zu e r f a h r e n, zu fühle und damit umzugehen. Dazu gehört auch, mich hin und wieder zu beklagen…. und dann abzuwägen: Will ich das? Um dann entweder zu entscheiden, mich umzuorientieren oder am Ball zu bleiben.

    schrieb Frau R. am

  • #14

    ich kenne keinen Akademischen Beruf welcher diese Durschnittsarbeitszeit (der angegebenen Büroperson) inne hätte.
    Das mag sich ja ggf auf nicht Akademische (Studierte) Berufe, mit Stechuhr, so ungefähr verhalten. Aber auch nur in der Theorie…!
    Bei einer theoretischen 40 Stundenwoche (mittels durschnittlichen Tarifarbeitsvertrag) für einen Akademiker (was nie eintrifft, mir nicht bekannt ist) kommt man für das Jahr 2015 (in D) schon auf 1768h. In der Regel ist jedoch ein 9-10 h/Tag, Praxis. Das wären im Schnitt zwischen 1989 & 2210 Stunden pro Jahr.

    & am Wochenende nicht Arbeiten ist in der freine Wirtschaft auch nur Wunschdenken.
    Angebote schreiben, Präsentationen für Kundentermine vorbereiten, Aufarbeiten & diverse andere terminbedingte Tätigkeiten erhöhen die Arbeitszeiten um ein vielfaches nach oben.
    Ich wäre froh so viele Pausen über den Tag verteilt zu haben, bei denen man noch mal Kraft tanken & sich aufs neue, nächste Vorhaben konzentrieren kann. Hinzu kommt, dass sich der Urlaub des Lehrers sicherlich nicht nur auf 30 Tage beschränkt!

    Für Baden Würtemberg bspw. für 2015 ergab sich folgende Konstellation;
    Anzahl Tage (Jahr) Mo, Di, Mi, Do, Fr insgesamt:  261
    Davon Anzahl der Arbeitstage:  191
    Durch ges. Feiertage entfallene Arbeitstage:  9
    Durch Ferien entfallene Arbeitstage:  61
    (exklusive Feiertagen in Ferien)

    Auch wenn in den Ferienzeiten 1/3 vorgearbeitet werden würde (Schulkonferenz, Lehrplanvorbereitung etc.) ist es dennoch wahrlich nicht zu vergleichen.

    schrieb scout14 am

  • #15

    Hm, ja, ich bin Frau Sonstwie. :-) Das, was bei mir da als “Freizeit” eingezeichnet ist, sind die Beschäftigung mit meinem Haushalt und meinen beiden Kindern - gesundes Mittagessen zubereiten, Hausaufgabenbetreuung, Taxidienst. Müssen andere Mütter auch, ich weiß. Aber das zur Definition “Freizeit”.

    schrieb Maya am

  • #16

    Ach ja, und ‘Haare’, natürlich mit ‘aa’ - aber diese kleinen Orthographiefehler sind Ihnen bestimmt nicht unabsichtlich passiert. Ich wollte es nur angemerkt haben, denn wir wollen ja korrekt sein, nicht wahr?

    schrieb Kritzelkratzel am

  • #17

    ‘Genitiv’ schreibt man mit ‘i’ - und nicht mit ‘e’, lieber Herr Hans Wurst. ;-)

    schrieb Kritzelkratzel am

  • #18

    Liebe Julia!
    Als Junglehrerin ging´s mir genauso. Damals habe ich mir mal ausgerechnet, dass ich für 5 Euro die Stunde arbeite - und ich war noch eine der effektiv arbeitenden Lehrerinnen.
    Ich kann Dir nur versichern, dass es mit dne Jahren etwas leichter wird.
    Was sich nicht ändern wird:
    1. Dass Du langfristig nur Lehrer sein kannst, wenn Du aus der Sache irgendetwas anderes Sinnvolles ziehst, was nicht in Zeit und Geld zu messen ist.
    2. Das Vorurteil, dass Lehrer eher faul sind und übermäßig viel frei hätten, wird bleiben. Nicht mal meine Freunde und mein Partner haben über die Jahrzehnte wahrgenommen und gewertschätzt, dass ich in der Zeit, in der ich mich nicht im Schulgebäude aufhalte, etwas für die Schule zu tun habe. Es wird einfach ignoriert oder als lästig abgetan oder dauernd unterbrochen - ist offensichtlich für den Rest der Welt nicht wichtig. Damit musst du klar kommen (oder einen Lehrer heiraten).

    schrieb Barbara Cojaniz am

  • #19

    Ich mache das oft, weil ich auch gerne arbeit und Freizeit trennen möchte (ich habe auch nicht genug Geld für eine große Wohnung und demnach wenig Platz, um zu Hause zu arbeiten). Das Ergebnis ist, dass ich oft ganz alleine in der großen Schule um 23 Uhr oder um 1 Uhr nachts sitze… ganz ungemütlich… Alle Kollegen nehmen nämlich ihre Arbeit nach Hause mit (und arbeiten auch spät… ich sehe das an den ganz späten Rundmails die ich nachts bekomme, und an den sehr vielen anwesenden Lehrern in Unterrichtsmaterialien-seite, ebenfalls spät in der Nacht.) Oft teile ich das so ein : was schwer zu tragen ist wird in der Schule korrigiert, Dokumente werden auch in der Schule ausgedruckt und kopiert, gegebenfalls laminiert, aufgehängt, gebastelt… aufgeräumt, sortiert… mit Kollegen, Leitung oder Eltern wird besprochen, und die losen Arbeitsblätter nehme ich mit. so wird dann zu Hause korrigiert, geplant, recherchiert, vorbereitet und werden emails beantwortet oder verschickt. Alles in der Schule im direkten Anschluss an den Unterricht in einem Stück zu erledigen ist so gut wie unmachbar… ich zumindest bin anschließend kein richtiger Mensch mehr!

    schrieb Sabine am

  • #20

    Nettogehalt einer Grundschullehrerin im 20sten Berufsjahr (ich)  ; 1380 Euro. Arbeitszeit . sowie eine duetsche Grundschullehrerin, mit den gleichen anforderungen, Recherchen, Vorbereitungen, Korrekturen, Meetings, Elterngesprächen, Zeugnissen zu schreiben, Ausflügen vorzubreiten u d viele, vieles, mehr. Tage von 7 Uhr früh bis 1 Uhr nachts sind keine Seltenheit, arbeit am Wochenende die Regel, sowie in einem Teil der Ferien. Nun habe ich eine Zusatzprüfung bestanden und verdiene 250 Euro (brutto) mehr. Trotzdem. Was ist das denn für einen Lohn für einen so zeitintensiven (und anstrengenden) Job??? Deutsche Lehrer haben vielleicht keine Spitzengehälter, aber trotzdem fast doppelt so hoch wie in einigen Nachbarländern. Als ich den Beruf (in Frankreich) gewählt habe, habe ich mich nicht danach erkundigt, wieviel man da verdient… Nun bleibe ich doch dabei…  und versuche, mich nicht auf den Lohn zu konzentrieren… Aber huhu deustche Lehrer, ihr seid wirklich weltweit privilegiert. Nur von der Schweiz und dem Luxemburg knapp getoppt!

    schrieb Sabine am

  • #21

    Es wird niemand gezwungen, Lehrer zu werden. Was soll die Jammerei, wie schlecht es einem gemessen an anderen Arbeitnehmern geht? Das weiß ich doch vorher. Wir sind doch alle zur Schule gegangen. Studiert, um 12 Wochen Ferien zu genießen und dann von der Realität eingeholt.

    schrieb Mutter am

  • #22

    @eine schuelerin
    Gerade als angehende Abiturientin (die Sie ja offenbar sind) würde ich mich so nicht äußern. Sie haben doch auch ein Interesse daran, dass Ihre Klausuren nachhaltig, auf Grundlage eines vertretbaren wissenschaftlichen Standard, mit individuellen Tipps sowie mit Auge für die individuelle Entwicklung korrigiert werden, oder nicht? Ich (u.a. De-Lehrer) habe an einzelnen (!) Klausuren schon mehr als zwei Stunden gesessen, andere aber schon deutlich zügiger korrigiert. Das hängt vom Einzelfall ab und insbesondere davon, ob die/der Kandidatin differenziert argumentiert oder so pauschal, wie Ihre Andeutung hier vermuten lässt. Es ist eben so, dass alle Fächer des Schulkanons unterschiedliche Ansprüche ans Korrigieren stellen. Es gibt z.B. Lehrer, die einen Satz von 20 Oberstufenklausuren Deutsch in 10 Stunden korrigiert haben, weil Sie niemals länger als 30 Minuten pro Klausur und Gutachten brauchen. Aber wollen SIE das? Sie als Schülerin haben doch davon kaum etwas. Oder sind Ihnen Kommentare in Gutachten völlig egal? Wenn ja, dann teilen Sie das doch bitte dem KM mit, denn dann bin ich zukünftig auch mit jeder Klausur nach 15 Minuten fertig.
    Herzlichste Grüße

    schrieb Straßenlaternenbewunderer am

  • #23

    Ich will trotzdem Lehrerin werden! ^^

    schrieb M. Seel am

  • #24

    Hierzu ein Zitat meiner Mathelehrerin, die unsere Leistungskursklausur in zwei Stunden korrigiert hatte: “Es wird niemand dazu gezwungen, Germanistik zu studieren.”

    schrieb Eine Schülerin am

  • #25

    Ich habe zwischen Referendariat und Schuldienst als Netzwerktechniker gearbeitet und in diesem Zusammenhang auch die Schulungsabteilung einer großen Krankenversicherung mit neuen PCs versorgt. Dort gab es fest angestellte Lehrer. Die hatten 2-Mann-Büros und wie jeder andere auch eine Stempelkarte. Warum ist das bei “normalen” Lehrern nicht möglich? Ich will keine Arbeit mit nach Hause nehmen! Ich möchte meine ARbeitszeit wie andere Arbeitnehmer auch erfassen und nur meinen Feierabend zu Hause verbringen. Dann würde auch das GErede der Nachbarn weniger werden…

    schrieb Das DeuLe am

  • #26

    Oh, oh - da hätte einer in Deutsch besser aufpassen sollen :-)

    schrieb Franz am

  • #27

    “detailliert” schreibt man mit zwei “ll”! :)

    schrieb Christina am

  • #28

    Liebe Julia, ich befürchte Ihr Anliegen wird scheitern. Ihr Anliegen, dass endlich aufgehört wird zu erzählen, was für faule Menschen Lehrer sind. Studien (nicht nur eine sondern alle Studien in den letzten 20 Jahren) zeigen, dass Lehrer im Durchschnitt ca. 2200 Stunden pro Jahr arbeiten. Auch diese Erkenntnis, wird seit Jahren einfach “übersehen”, sowohl von der “nicht-lehrenden Bevölkerung” also auch von den Kultusministerien. Arbeitet man als Lehrer viel, weil man guten Unterricht machen will heißt es schnell, man arbeite nicht effektiv, man sei zu Perfektionistisch. Arbeitet man zu wenig, ist man die faule Sau. In unserem Land können Sie es niemandem Recht machen. Jeder will die Ferien aber keiner will die Arbeit. Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen und Glück bei Ihrem Anliegen.

    schrieb GriasDi am

  • #29

    Ich würde so gerne, alle, die denken, über meinen Beruf Bescheid zu wissen, mal zu mir für EINEN Schultag einladen. Es ist äußerst anstrengend an der Grundschule zu unterrichten. Und ich bin zwar erst 4 Jahre im Beruf - aber nur zur Information: ich habe heute um kurz vor 23 Uhr meine Arbeit beendet (ohne größere Pausen!!! Maximal insgesamt eine Stunde!). Und ja- ich arbeite effektiv - mein Manko ist mein Perfektionismus! Und seid froh, dass eure Kinder auch Lehrer mit Perfektionismus haben. Denn eure Kinder profitieren davon.

    Zum Geldaspekt: nennt mir eine Büroangestellte, die ihr eigenes Papier und ihre Stifte mitbringen muss! Ich habe monatlich mindestens (!) 200 Euro Ausgaben. Wer rechnet das ab? Davon sind noch keine Fortbildungen bezahlt. Und ja - die liebe Steuerrückzahlung… Leider auch nicht in Ansätzen gerecht mit den Ausgaben verrechnet.

    Ich will nicht sagen, dass mein Job anstrengender ist als andere Jobs. Ich habe vor jedem Job Hochachtung und ich finde auch, dass es viele Jobs gibt, du ungerecht bezahlt werden. Und ich habe als Lehrerin auch viele Vorteile, die sich andere nur wünschen können. Aber wie alles im Leben hat mein Job auch viele Nachteile (Zwangsversetzung, personelle Unterbesetzung, Stigmatisierung der Gesellschaft…) die ich keinen anderen Berufen zumuten möchte.

    ICH WILL NUR, DASS ENDLICH AUFGEHÖRT WIRD ZU ERZÄHLEN, WAS FÜR FAULE MENSCHEN LEHRER SIND!

    schrieb Julia am

  • #30

    Es tut mir sehr leid, aber ich würde dich äußerst gern mal für nur EINEN Vormittag in die Schule einladen. Lehrer sein ist deutlich anstrengender, als du dir überhaupt vorstellen kannst. Das kann man nicht in Ansätzen mit Schülern vergleichen! Da spricht jemand, der denkt, er habe pädagogisches Grundwissen… “Konzentrationsspanne”... etc. Vergleiche Studenten und Schüler und ich gebe dir recht. Über den Vergleich Lehrer und Schüler kann ich nur lachen…

    schrieb Julia am

  • #31

    Eine zusätzliche Belastung für alle Lehrer/innen ist es außerdem, sich zunächst in der Deutschen Spache fortzubilden und das Prinzip des generischen Genetivs zu verstehen.

    (Entschuldigung, aber in den ersten zwei Sätzen Ihres Artikels kringeln sich mir die Nackenhare!)

    schrieb Hans Wurst am

  • #32

    Schon mal darüber nachgedacht, dass die Büroangestellte aber ein Einkommen hat, seit sie 16 ist, während Lehrer oft mit Bafög-Schulden starten und das erste Gehalt erst 10 Jahre später kommt und man bis dahin in den 10 Jahren Differenz statt einfach nur kein Gehalt zu haben auch noch Studiengebühren u.Ä. zu zahlen hatte?

    schrieb Lehrerin am

  • #33

    In den Ferien arbeiten wir auch, da liegen immer noch Klausuren auf dem Tisch, Unterricht muss geplant werden u.Ä.. Ich bin auch schon einige Jahre raus aus dem Referendariat, aber Schüler und Klassen ändern sich, da kann ich nicht einfach immer das gleiche abspulen, da muss das Material je nach Voraussetzung anders aufbereitet werden. Als Schülerin hatte ich auch meine Vorurteile, das spiegelt aber noch lange nicht die Realität wieder! Schlimm ist auch, dass jeder, der mal eine Schule von innen gesehen hat, meint, er weiß wie die Arbeit der Lehrer aussieht… Ich maße mir so etwas bei anderen Berufen auch nicht, ich sage auch nicht “Ach der Flieseleger, was macht der schon groß!”

    schrieb Lehrerin am

  • #34

    Ihr Kommentar
    Manchmal weiß man nicht wirklich schon vorher, wie schwer es nachher ist, seine Ideale im Job umzusetzen… aber ich versuche es.
    Ich stimme Ihnen zu, dass die meisten Schüler heute überfordert werden mit vorwiegend intellektuellem Stoff zum Auswendiglernen, den sie großenteils nie wieder brauchen werden. Es müssten viel mehr Wahlmöglichkeiten bestehen, damit Schüler Ihre Interessen und Persönlichkeit entwickeln könnten und auch noch Freiräume nach der Schule haben . Bis etwa Klasse 6 sollte in Kursen mit verschiedenen Niveaustufen Basiswissen in den üblichen Fächern erworben werden, und dann sollten Wahl- und Abwahlmöglichkeiten bestehen. Auch künstlerische Fächer und Gartenarbeit, soziale Arbeitsbereiche, Werken und inhaltliche Themen die selbstständiges Denken, Kreativität und Einfühlungsvermögen fördern, sollten angeboten werden.
    Ich bemühe mich, dies in meinem Unterricht zu tun und Schüler möglichst wenig mit für sie sinnlosem Wissen, was wirklich nur eine Minderheit interessiert, zu belasten.

    schrieb Sommer am

  • #35

    Der Vergleich von Lernen und Lehren hinkt leider.

    schrieb GriasDi am

  • #36

    Ich bezweifle ja gar nicht, das der Lehrerjob anstrengend ist.  Aber wieso können “erwachsene Lehrer” nicht auch die Dinge die sie von ihren Schülern verlangen. Hier schreiben einige nach dem Unterricht sind sie
    völlig fertig….. Wie geht es denn einem
    Schüler? Der den Stoff erst neu lernt?

    Der muß auch nach 6 Stunden Schule
    für Arbeiten üben, Hausaufgaben
    machen und Mappen ordentlich
    pflegen…. da fragt keiner ob er sich noch konzentrieren kann oder auch völlig fertig ist von den ganzen, neuen Informationen, die ihm in der Schule vermittelt worden sind. Und ein Kind hat noch nicht die Konzentrationsspanne wie ein Erwachsener! Gehalt gibt es als Schüler auch nicht, obwohl dort auch schon eine hohe Wochenarbeitszeit anfällt. Daran denkt irgendwie keiner…. und auch an die Eltern, die zusätzlich zu ihrem Job, auch ihre Freizeit für das Üben mit den Kindern “opfern”. 

    Übrigens hat sich doch jeder selbst seinen Job ausgesucht und wird nicht
    dazu gezwungen.

    schrieb Blume am

  • #37

    Zum Thema niemand sollte sich über Lehrer beschweren: Ich denke, dass das eh niemand macht, aber im Gegenzug sollten sich Menschen die sich diesen Beruf ausgesucht haben, nicht über die Eckdaten und Umstände dieses Berufes aufregen und sie anprangern. Das ist das Selbe, wie bei den Leuten, die sich billiges Bauland an der Autobahn kaufen, und nach dem Bauen dann über den Autobahnlärm beschweren.
    Ich bin selbständiger Unternehmer und schreibe hier mit, weil meine Freundin derzeit ihr Reffjahr macht und ich ihr so gut es geht mit ihren Vorbereitungen für ihre Unterrichte helfe. Ich sehe sehr wohl, wie viel Zeit wir beide da investieren, allerdings sehe ich auch ein Ende dieser Arbeit. Denn das was wir jetzt zusammen auf die Beine stellen, um ihren Schülern einige geniale Unterrichte zu Pressentieren, werden wir nach ihrer Referendarzeit nicht mehr so machen können. Denn das ist Zeitlich definitiv nicht mehr drin. Pro Unterrichtseinheit plane ich für 2 Stunden Unterricht ca. 10 Stunden Vorbereitung ein. Dafür hat sie jetzt bei ihrem ersten Unterrichtsbesuch eine geniale Beurteilung erhalten und ihre Seminarleiterin fand nur lobende Worte.
    Wenn sie allerdings dann irgendwann mal ein Volldeputat hat, wirds wohl auch in den meisten Unterrichtseinheiten entweder vorgefertigte Unterrichte oder einfach Frontalunterricht geben.
    Bisher muss sie ja auch noch keine Arbeiten korrigieren und keine Stundenpläne vorbereiten oder KVs übernehmen.

    Egal wie man es dreht, habe ich als selbstständiger Unternehmer auch Massen an Zeit in meine Arbeit investiert. Ich habe auch einen 12 Stundentag, und ich habe ungefähr die selbe geistige Leistung zu bringen, wie ein Lehrer. Meine Zeiteinteilung sieht wohl genauso Chaotisch aus wie die in der Lehrergrafik. Aber das hat den Hintergrund, dass meine Firma nur aus mir und meinem Vater besteht und wir eben alles alleine machen müssen. Neue Konstruktionen (Mittlerweile habe ich 15 Patente geschrieben), Kundenberatung, Produktion von Teilen für die Eigenprodukte, Einkauf, Verkauf, Buchhaltung und Wahrenwirtschaft, ebenso wie Verpackung und Versand. so wie Lagerverwaltung und Ordersystematik, programmieren von Fräß- und Drehprogramme auf den Maschine.
    Das alles sind Sachen, die einen auch zeitlich fesseln können und man manchmal kein Ende sieht.
    Aber: ES MACHT VERDAMMT VIEL SPASS !!!!

    Mein früherer Lehrherr hat mir eine Weisheit auf den Weg gegeben, die ich heute noch beherzige und der ich nicht viel hinzufügen kann:
    “Wenn dir irgendwann mal dein Beruf keinen Spaß mehr macht und dein Herz blutet, weil du zur Arbeit musst und du kein Herzblut mehr in die Arbeit stecken kannst, dann mach etwas anderes.”
    Recht hat er…..

    schrieb Stephan am

  • #38

    @Schüler
    die meisten der angesprochenen Feiertage liegen in den Ferien (zumindest in BY).

    schrieb GriasDi am

  • #39

    Vielleicht hat Frau Sonstwie ja Kinder, um die sie sich nachmittags kümmert?

    schrieb GriasDi am

  • #40

    Liebe Lehrer, warum rechtfertigt ihr euch überhaupt noch.
    Aus der Süddeutschen Zeitung vom 18.2.2013:
    “Überlange Arbeitszeiten sind laut Darstellung der Bundesregierung “nach wie vor eine Ausnahme”. Sie nahmen in den untersuchten zehn Jahren allerdings zu. Mehr als 48 Stunden die Woche schufteten 2011 etwa 1,92 Millionen Arbeitnehmer. 2001 waren es noch 1,56 Millionen, ein Zuwachs von 23 Prozent. Besonders weit verbreitet sind solche überlangen Arbeitszeiten bei Lehrern, Ingenieuren und - wenig überraschend - bei “Berufen der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung”.”

    Außerdem in Spiegel Online vom 20.03.2012
    “Viele Angestellte in Deutschland sind nicht gerade sehr motiviert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 1300 Beschäftigten, die die Unternehmensberatung Gallup am Dienstag vorstellte.
    Laut der Studie sind nur 14 Prozent aller Arbeitnehmer mit Herz und Verstand bei der Sache. 63 Prozent der Deutschen machten demnach nur “Dienst nach Vorschrift”.
    Und der Anteil jener Arbeitnehmer, die “innerlich gekündigt” haben, sei von 2001 bis 2011 kontinuierlich gestiegen: von 15 auf 23 Prozent. “

    Noch Fragen?

    Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2006 ermittelte für Gymnasiallehrer eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 2092 Stunden. Auch Lehrer anderer Schulformen erreichten ungefähr diesen Wert. Der Vergleich mit anderen Berufsgruppen zeigt, dass zum Beispiel Ärzte mit 2102 Arbeitsstunden pro Jahr unwesentlich mehr arbeiten als Lehrer. Architekten und Ingenieure liegen bei 2081 beziehungsweise 2037 Stunden – Journalisten und Publizisten bei 1987 Stunden.

    schrieb GriasDi am

  • #41

    ostsee:
    “Warum kann der Lehrer nicht gleich nach dem Unterricht Vorbeireitung machen??? Fehlt ihm Selbstdisziplin??? Nein, nach dem Unterricht ist der Lehrer tot. Er kann nicht weiter arbeiten, weil er körperlich und geistig erschöpft ist. Er braucht Pause, um neue Kraft zu sammeln.”

    Ja, so ist es! Die ganzen Besserwisser aus der “freien” Wirtschaft sollten einmal versuchen, TÄGLICH 5-6 Stunden z.B. in Meetings die Präsentationen zu halten oder diese zu moderieren, das ganze natürlich gut vorbereitet (und nicht nur in Meetings herumzusitzen und das dann “Arbeit” nennen) und ANSCHLIESSEND als Ingenieur komplexe Berechnungen durchzuführen oder als Jurist seitenlange Verträge wasserdicht zu entwerfen (diese beiden Tätigkeiten sollten ungefähr mit dem Konzentrationsbedarf übereinstimmen, den Lehrer bei der Korrektur von z.B. Klausuren haben: auch so etwas muss heutzutage “justiziabel” korrigiert werden, Note darunterschreiben reicht schon lange nicht mehr). Wer so ein Programm TÄGLICH in der “freien” Wirtschaft durchzieht, der darf mitreden, die anderen sollten besser ruhig sein.

    schrieb Mister M. am

  • #42

    Ich bin derzeit in einem Berufskolleg unterwegs (als externer Mitarbeiter) und kann sagen: es gibt Solche und Solche.

    Ein wirklich engagierter Lehrer, der auch noch eine Leitungsfunktion und / oder Abendunterricht übernimmt, kommt locker auf 50-60 Stunden. Entscheidend ist für mich aber: wenn man es nicht will und wenn man sich nicht vorbereitet, wenn man wirklich nur alten Stoff weiter verarbeitet und in Fächern ohne Tagesaktualität arbeitet, dann kann man den Job auch in 35 Stunden machen und zwar ohne Probleme. Und das sagen hier sogar die erfahrenen Kollegen und Kolleginnen. Ein echtes Problem dabei ist, dass diese Kollegen zwar hier wirklich die Minderhait darstellen, dass man sie aber nicht los wird. Aufgrund des Beamtenstatus, den die meisten in D genießen, werden sie dann von einer Schule zur nächsten gelobt. Und sind wir mal ehrlich: ein Lehrerexemplar der Marke “Wenn der nicht Lehrer geworden wäre, würde er nicht überleben” kennen doch die meisten von uns noch aus ihrer Schulzeit oder spätestens bei den eigenen Kindern.

    schrieb DaHansa am

  • #43

    Ich bin Lehrer in der Hauptschule im sozialen Brennpunkt und kann bestätigen dass die Arbeitszeit enorm ist. Auch wenn ich in der Hauptschule nicht so viel Zeit mit der Vorbereitung verbringen muss - was Zeit und vor allem Nerven frisst sind Elterngespräche, Klassenkonferenzen und Verwaltungsarbeit. Akten ablegen, Briefe nach Hause schreiben, darauf achten dass die Schüler eine Struktur erlernen und sich organisieren. Jemand der noch nie als Lehrer gearbeitet hat kann hier nicht mitreden. Ich empfehle allen mal ein 4-wöchiges Praktikum zu machen. (Mit 27 Wochenstunden und eigenverantwortlichem Unterricht am besten.)
    Man kann sich nicht vorstellen wie die Lehrer-Schüler Gespräche an die Nerven gehen. Um 13 Uhr bin ich platt und würde am liebsten nur noch schlafen - muss dann aber vorbereiten und die erwähnten Dinge erledigen…
    Ich diskutiere schon gar nicht mehr mit Freunden und Bekannten was genau ich arbeite - es ist einfach nur lächerlich dass Außenstehende meinen sie würden genau wissen was ein Lehrer macht, nur weil sie mal selbst in der Schule waren.
    In jedem Beruf habe ich eine Pause. Ich kläre in meinen Pausen Probleme zwischen Schülern, greife in Schlägereien ein oder sitze in Kurzbesprechungen. Und die Mittagspause geht für kurze Konferenzen oder Absprachen mit Kollegen drauf, wenn ich nicht selbst Aufsicht habe.

    Ich liebe meinen Beruf - ich bewege etwas. Aber erdreistet euch bitte nicht und bezeichnet uns als Faulenzer. Ich wage mich ja auch nicht zu sagen dass ihr nichts leistet. Faulenzer sind die Eltern, die die Erziehung ihrer Kinder der Schule überlassen. Und Dummschwätzer sind die, die denken sie wüssten was wir den ganzen Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr leisten.
    Die vielen Ferien, selbst wenn wir tatsächlich so viele Ferien ohne Vorbereitung, Konferenzen oder ähnliches hätten, brauchen wir auch um nicht verrückt zu werden.

    Und wenn ihr das immer noch nicht glaubt, dann werdet doch selbst Lehrer wenn das so ein schönes Leben ist! Berufswahl ist schließlich Intelligenzsache.

    schrieb Lehrer am

  • #44

    Ferien sind, mit Verlaub, nicht gleichzusetzen mit Urlaub. Ferien bedeuten zwar unterrichtsfreie Zeit, dennoch fallen Korrekturen, Konferenzen und vor allem Planung und Vorbereitung des Unterrichts auf lange Sicht in eben diese Zeit.

    Zur Arbeitszeit möchte ich noch sagen, dass ein erheblicher Vortei in der flexiblen Arbeitszeit für mich darin besteht, dass ich nach dem Unterricht erst einmal mein eigenes Kind bespaßen kann, bis mein (im Angestelltenverhältnis arbeitender) Partner nach Hause kommt und das Kind übernimmt.  Danach gehte s für mich an den Schreibtisch. So kann ich mir “erlauben”, mehr zu arbeiten und dennoch Zeit fürs Kind zu haben, als evtl. in anderen Berufen.

    schrieb Jule am

  • #45

    Schade, dass diese Diskussionen oft so emotional und vorurteilsbehaftet geführt werden wie von manchen hier: Als noch relativ junger Lehrer gewöhne ich mich noch an so manche Belastung im ersten Jahr. Lehrersein und Büroarbeit lässt sich schwer miteinander vergleichen und ich würde keiner Fraktion absprechen, einerseits hart für ihr Geld zu arbeiten, andererseits ein paar Privilegien zu genießen. Wir Lehrer sollten uns nicht immer über alle möglichen Unzulänglichkeiten beschweren, da wir viele Freiheiten genießen, die andere Berufe nicht bieten, wie z.B. die Ferien. Ich glaube aber, dass sich wenige Nicht-Lehrer wirklich vorstellen können, wie belastend ein Unterrichtstag mit den einzelnen Stunden, mit Vor- und Nachbereitungen, Gesprächen, Aufsichten und Zusatzaufgaben an der Schule ist. Netterweise war jeder selbst mal Schüler und hat sicherlich unter mindestens einem faulen und/oder ungerechten Lehrer gelitten. Von diesem Erlebnis auf alle Lehrer (zumal Jahrzehnte später) zu schließen, ist allerdings nicht gerade differenziert… Der Halo-Effekt lässt grüßen.
    Und trotzdem dürfen Nicht-Lehrer gerne auf uns neidisch sein, da der Lehrer-Beruf bei allem Stress in der Nicht-Ferienzeit zu den sicher schönsten und erfüllendsten Berufen gehört! - und das nicht mal, weil man manchmal mittags um 2 segeln, Tennis spielen oder schlafen kann.

    schrieb Lehrer im ersten Berufsjahr am

  • #46

    Als Beispiel dafür, wie groß die Bandbreite von Lehrerarbeitszeiten ist, darf ich mein eigenes Beispiel anführen.
    Ich habe schon als Student Schwierigkeiten gehabt, direkt nach dem Mittagessen in der Bibliothek schwierige Aufsätze durchzuarbeiten. Schon als junger Lehrer habe ich daher bei Bedarf (relativ häufig) Mittagsschlaf gehalten. Entsprechend bei Bedarf bis 2:00 oder 3:00 morgens korrigiert. Diese Flexibilität habe ich durchaus zu schätzen gewusst.
    Wie ich als Ingenieur nach dem Mittagessen schwierige Berechnungen hätte durchführen sollen, ist mir unklar geblieben, bis im Ausland meine Mittagspause inmitten der Unterrichtszeit lag und ich merkte, dass ich nur halbe Portionen essen durfte, um fit zu bleiben. Freilich, die wenigsten Lehrer schlafen während des Unterrichts so gut wie ihre Schüler. Dafür sind sie bei Aufsichten und Korrekturen umso mehr sekundenschlafgefährdet.
    Als ich älter wurde, musste ich zwischen 22:00 und 23:00 Uhr mit Korrigieren aufhören, weil ich sonst den Unterricht des nächsten Tages nicht sinnvoll hätte bewältigen können.
    Deshalb habe ich in Druckzeiten bis zu acht Wochen lang auch an jedem Wochenende pro Tag etwa 8 Stunden gearbeitet. Dabei kam ich freilich kaum über 7 Stunden Korrektur pro Tag, denn auch so kam es in diesen Phasen dazu, dass ich zeitweise im Halbschlaf korrigiert habe. Jedenfalls erinnere ich mich, in mindestens zwei Fällen Korrekturbemerkungen von mir gefunden zu haben, die ich selbst beim besten Willen nicht nachvollziehen konnte. (Allerdings kann mich an keinen Fall erinnern, in dem solch eine “geniale” Korrekturbemerkung zu Schülern durchgedrungen wäre.)
    Die Zeiteinsparungen aufgrund wachsender Routine bei der Vorbereitung wurde später durch Schulleitungsaufgaben und notwendige Pausen zwischen Korrekturen aufgefressen. (s.o.)
    Ein Vorteil war, dass ich mich bei Schlafstörungen nachts erfolgreich müde korrigieren konnte. Eine Methode, die bei 7 Stunden Unterricht am folgenden Tag, freilich auf die Unterrichtsqualität durchschlug.
    Die freie Zeiteinteilung ermöglichte also durchaus unkonventionelle Arbeitszeiten, nicht zuletzt - in den Zeiten mit geringerem Arbeitsdruck - Fortbildung, wie sie in einen Angestelltenarbeitstag nicht unterzubringen gewesen wäre.

    schrieb Fontanefan am

  • #47

    @Jennifer: Lehrer in Deutschland verdienen gegenüber ihren Kollegen in USA und Österreich mehr. Die in USA verdienen relativ wenig und beschweren sich noch viel weniger, weil niemand sie für allmächtig hält.

    schrieb Yannick Versley am

  • #48

    Eine klare Vorstellung, warum Lehrer so arbeiten, bekommt man nur, wenn man selbst als Lehrer und als Büroangesteller gearbeitet hat. Wenn Sie in beiden Branchen gearbeitet hätten, dann hätten Sie hier so lange nicht diskutiert. Warum kann der Lehrer nicht gleich nach dem Unterricht Vorbeireitung machen??? Fehlt ihm Selbstdisziplin??? Nein, nach dem Unterricht ist der Lehrer tot. Er kann nicht weiter arbeiten, weil er körperlich und geistig erschöpft ist. Er braucht Pause, um neue Kraft zu sammeln. Ich habe mehrere Jahre als Lehrerin (im Ausland und in Deutschland) gearbeitet, und zwischen durch auch als Büroangestellte, und ganz ehrlich, ich suche mir jetzt Arbeit als Büroangestellte.  Und 12 Wochen Urlaub für Lehrer… so ein Quatsch! Ferien gibt es für die Schüler, aber nicht für die Lehrer.

    schrieb ostsee am

  • #49

    Haha - wieviel glaubt ihr eigentlich, dass Lehrer verdienen? Einstiegsgehalt Lehrer = soviel wie ein HTL - Abgaenger in der Privatwirtschaft als Einstiegsgehalt bekommt und dafuer musste dieser nicht studieren. Zumindest in Oesterreich ist das so!

    schrieb Jennifer am

  • #50

    “Sicherlich ist es anstrengend, eine “zerfetzte Tagesstruktur” zu haben “und keinen Tag frei”… aber da die Arbeitseinteilung im Lehrerberuf ja gerade so individuell ist, sind doch diese Probleme absolut selbst geschaffen. Wer hindert denn eine Lehrkraft daran, sich bereits im Mittag an den Schreibtisch zu setzen bzw. in Freistunden zu arbeiten, anstatt Kaffee zu trinken? (An dieser Stelle bitte nicht die Antwort mit dem fehlenden Arbeitsplatz - ein stilles Plätzchen zur Korrektur wird sich finden, es muss ja nicht das Lehrerzimmer sein.) Mangelnde Selbstdisziplin und fehlende Organisationskompetenz werden hier wohl die Hauptgründe sein. Sicher finden teils Elternabende statt oder Konferenzen… aber man sollte den Lehrerberuf schließlich auch mit dem Arbeitspensum eines (netto!) vergleichbar bezahlten Berufs mit universitärem Abschluss vergleichen, in dem auch Meetings oder ähnliches stattfinden. Und zum Abschluss: Ich bin übrigens selbst Lehrkraft - und würde meinen Beruf noch ein klein wenig lieber ausüben als ohnehin schon, wenn ein klein wenig weniger um mich herum gejammert werden würde!”

    Diesem Kommentar ist von meiner Seite -selber auch Lehrer- wirklich nichts hinzuzufügen.
    Ja, auch Lehrer arbeiten. Nein, Lehrer arbeiten im Jahresschnitt nicht mehr als andere.

    schrieb Wonka am

  • #51

    @Yannick Versley

    Im Gegenzug finde ich es ironisch, wenn ein Herr Mess Arbeit aufs Wochenende verlagert [...] und sich dann beschwert, keinen freien Tag zu haben.

    Er beschwert sich nicht (oder falls doch, tut er es im Geheimen). Wir stellen lediglich fest, dass er keinen freien Tag hat.

    @pinguin

    Sicher macht dies deutlich, dass Lehrer anders arbeiten! Aber das lässt sich ja auch ändern. Kein Lehrer ist gezwungen so “zerfetzt ” zu arbeiten. Hier ist sicher Struktur und Disziplin gefordert ( ach, was wird dies von unseren Schülern immer verlangt…). Sich selbst zu strukturieren und im Anschluss an den Unterricht weiter zu arbeiten, warum ist dies denn bitte nicht möglich ?

    Gute Frage. Wenn man die Lehrer/innen so anschaut, ist es offensichtlich nicht möglich. Warum nicht?

    @Yannick Versley

    Ein Angestellter, der vergleichbar mit Lehrern verdient (TV-L E13 oder A13) wird zu Hochzeiten auch die von Ihnen vorgebrachten 60 Stunden arbeiten.

    Interessanter Punkt. Stimmt das?

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #52

    Ich möchte gerne darauf hinweisen, dass nicht nur Lehrer einen sehr “simplen” Zeitplan ihrer Arbeitszeiten haben. Ich persönlich bin Landwirtin, stehe jeden Tag um 5:00 auf und kann meinen Urlaub nur sehr schwer planen. An Ausnahmetagen beträgt meine Freizeit am Tag maximal 4 Stunden von 1:00 bis 5:00, wenn ich wieder aufstehen muss. Und nein, ich erhalte kein fixes Gehalt.
    Aber ich stehe zu meinem Beruf, da ich ihn mir ja SELBER ausgesucht habe.

    schrieb Elisabeth am

  • #53

    Ihr “fiktive/r Angestellte/r” ist leider sehr stark fiktiv, gerade wenn Sie es mit einer “Hochphase” vergleichen. Ein Angestellter, der vergleichbar mit Lehrern verdient (TV-L E13 oder A13) wird zu Hochzeiten auch die von Ihnen vorgebrachten 60 Stunden arbeiten.

    Im Gegenzug finde ich es ironisch, wenn ein Herr Mess Arbeit aufs Wochenende verlagert (meistens hat man die Wahl, ob man sich mit überschüssiger Arbeit nun die Abende oder das Wochenende vermiest) und sich dann beschwert, keinen freien Tag zu haben.

    schrieb Yannick Versley am

  • #54

    Das ist jetzt nicht euer Ernst?
    Eine Fiktive Büroangestellte????
    Ok dann halt so: Die Büroangestellte hat ein Monatliches Einkommen von 1500 Euro Brutto. Ihr Mann hat sie gerade verlassen und strebt eine Kariere als Harz 4 Empfänger an, weil er weiß, dass Sie ihn mit den Alimenten für die beiden Kinder (16 und 17 Jahre) ausziehen wird.
    Sie hat nach erneuter Steuerkartenänderung nun keine “Gute” Steuerkarte mehr und muss sich mit 2 Nebenjobs über Wasser halten. Beide Jobs bringen ihr nach steuerlicher Abgabe zusätzliche 600,-Euro aufs konto. Die Festgehaltsauszahlungen belaufen sich nach neuer Steuerkarte auf 900,-Euro. Die Frau bekommt nun also 1500,- Euro Monatlich gut geschrieben.
    Dafür macht sie eine Putztätigkeit in einer Firma und bekommt dafür 5 Euro pro Stunde. in dieser Tätigkeit hat sie einen Vertrag über 80 Monatsarbeitsstunden. Zusätzlich arbeitet die Frau noch in einem Nachtclub und erhält je nach Kundenfrequentierung zusätzlich auch noch einmal 400 Euro. Allerdings muss sie für diese Arbeit weniger Stunden arbeiten, da dieser Job recht gut bezahlt wird. Sie arbeitet in diesem Gewerbe nur 20 Stunden in der Woche.
    also insgesammt 100 Stunden Monatlich zusätzlich. sie arbeitet 40 Stunden Generel, plus durchschnittlich zusätzlich 22,71 Stunden also 2,71 Stundne mehr als ein Lehrer und das ganze für die Hälfte der Bezüge. immer schön die Kirche im Dorf lassen.

    schrieb Stephan am

  • #55

    Sicher macht dies deutlich, dass Lehrer anders arbeiten! Aber das lässt sich ja auch ändern. Kein Lehrer ist gezwungen so “zerfetzt ” zu arbeiten. Hier ist sicher Struktur und Disziplin gefordert ( ach, was wird dies von unseren Schülern immer verlangt…). Sich selbst zu strukturieren und im Anschluss an den Unterricht weiter zu arbeiten, warum ist dies denn bitte nicht möglich ?
    Und die arbeitenden Mütter mit kleinen Kindern können andersrum ebenfalls froh sein, dass sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder mittags und nachmittags zu betreuen. welche Büroangestellte hat denn bitte solche Freiheiten ? Hier kann Frau dann wieder mal nur auf die Resterampe Teilzeit zurück, während die Männer an ihr vorbei Karriere machen. Also bitte: dieses Lehrerproblem ist ja wohl hausgemacht !

    schrieb Pinguin am

  • #56

    Wenn Herr X. nur Latein unterrichtet - was ist dann z.B. mit LehrerInnen wie mir - Deutsch - Geschichte - mitunter Philosophie - alles Korrekturfächer; Beratungslehrer, permanent Abitur schriftlich und/oder mündlich - da kann etwas nicht stimmen.
    Schon die ersten Erhebungen zur Lehrerarbeitszeit in den 50er Jahren zeigen Durchschnittsarbeitszeiten von rd. 55-56 Wochenstunden. Wie werden Telefonate gezählt (“Frau Müller bittet um Rückruf nach 20:00 Uhr?” oder ruft selbst an - hat schon mal jemand nach 17:00 Uhr seinen Steuerbeamten zu Hause angerufen?
    Seit Jahr und Tag arbeitet eine Arbeitszeitkommission in S-H angeblich an verbindlichen Aussagen und Festsetzungen - keine Chance! Wenn es nämlich eine klare Regelungen zur Maximalarbeitszeit gäbe, würde es erhebliche Probleme geben; nehmen wir die Kolleginnen (meist sind es Kolleginnen) in Teilzeit, die davon ausgehen, das alle unteilbaren Zusatzaufgaben von denen mit zu tragen sind, die “Volle Stelle” arbeiten. Der gesamte Vertretungsbereich müsste bei präzisen Arbeitszeitvorschriften neu geregelt - und bezahlt werden!
    Ferien? Toll - Herbst-, Weihnachts- und Osterferien sind vorbehalten a) Krankheiten, b) Korrekturen, c) Abiturplanungen. Selbst wenn ich z.B. Weihnachten auf Lanzarote bin - der Laptop ist dabei. Führungskollegen haben von den “Großen” Ferien mit Glück 14 Tage, manchmal auch 21 Tage tatsächlich “Urlaub” sind aber auch am Ferienort auf “stand by” - dies gilt für Mitgleider des öPR und Beratungslehrer genauso.

    schrieb Ulschmitz am

  • #57

    Schöne Darstellung, die auf den Punkt bringt.

    schrieb Marco am

  • #58

    Sicherlich ist es anstrengend, eine “zerfetzte Tagesstruktur” zu haben “und keinen Tag frei”… aber da die Arbeitseinteilung im Lehrerberuf ja gerade so individuell ist, sind doch diese Probleme absolut selbst geschaffen. Wer hindert denn eine Lehrkraft daran, sich bereits im Mittag an den Schreibtisch zu setzen bzw. in Freistunden zu arbeiten, anstatt Kaffee zu trinken? (An dieser Stelle bitte nicht die Antwort mit dem fehlenden Arbeitsplatz - ein stilles Plätzchen zur Korrektur wird sich finden, es muss ja nicht das Lehrerzimmer sein.) Mangelnde Selbstdisziplin und fehlende Organisationskompetenz werden hier wohl die Hauptgründe sein. Sicher finden teils Elternabende statt oder Konferenzen… aber man sollte den Lehrerberuf schließlich auch mit dem Arbeitspensum eines (netto!) vergleichbar bezahlten Berufs mit universitärem Abschluss vergleichen, in dem auch Meetings oder ähnliches stattfinden. Und zum Abschluss: Ich bin übrigens selbst Lehrkraft - und würde meinen Beruf noch ein klein wenig lieber ausüben als ohnehin schon, wenn ein klein wenig weniger um mich herum gejammert werden würde!

    schrieb Allnighter am

  • #59

    Frau Muster arbeitet im Büro 49 Stunden die Woche? Ob das mal nicht gegen die Arbeitszeitverordnung verstößt (maximal und ausnahmsweise 48 Stunden pro Woche). Naja, vielleicht ist sie ja auch keine einfache Büroangestellte sondern Geschäftsführerin mit 6-stelligem Jahresgehalt. Dann sieht das natürlich wieder anders aus. Es wurde zudem auch die Mittagspause vergessen (siehe Arbeitszeitverordnung).

    Übrigens auch so ein “Schmankerl” des Lehrerberufs: Die Mittagspause. Fast nie ist sie so eingerichtet, dass man in Ruhe Pause machen und zu Mittag essen kann. Stattdessen Aufsichten, Vertretungen, Besprechungen oder mit 50 anderen Kollegen im viel zu kleinen Lehrerzimmer hocken… Gesund ist anders.

    schrieb Mister M. am

  • #60

    das glaubt ihr wohl selbst nicht, dass jeder lehrer bis auf freitag, jeden tag durchgehend bis um 15 uhr unterricht hält. auch die stundenvor- und -nachbereitung nimmt spätestens nach dem referendariat ab, wenn genug stoff vorhanden ist aus dem man schöpfen kann oder es werden einfach arbeitsblätter aus dem netz kopiert. das geht in anderen berufen leider nicht. es sind auch mehr als 12 wochen urlaub, dazu kommen noch ein paar feiertage, die nur für schüler/lehrer gelten. beschwehrt euch nicht so oft, sondern seht lieber, welche vorteile ihr anderen gegenüber habt.

    schrieb Schüler am

  • #61

    Ich stimme zu, dass Lehrer mehr als nur die reine Unterrichtszeit arbeiten. Ich stimme des Weiteren zu, dass andere Umstände wie z.B. die Unterrichtsbedingungen einen großen Einfluss auf die tatsächliche Belastung haben. Ich finde jedoch im Vergleich zur detalierten Darstellung des Lehreralltags die Darstellung des Angestellten etwas zu kurz gekommen. Sicherlich gibt es auch Angestellte die einen klar definierten Tagesablauf haben, aber ebenso gibt es Angestellte, die je nach Arbeitsanfall äußerst flexibel sein müssen und ggf. auch Dienstreisen haben, die diesen geregelten Alltag leider nicht eintreten lassen. Mich nervt etwas, dass jeder immer jammert und meint ihm gehe es gerade am schlechtesten von allen. Hier wirkt es etwas so, als wenn alle Angestellten gefälligst unsere armen Lehrkräfte zu bemitleiden hätten… Ich denke man darf nicht vergessen, dass Lehrer insgesamt auch nicht so schlecht bezahlt werden - vergleichen wir doch nur mal mit dem Einzalhandel und schauen wir uns jetzt dort mal die Arbeitszeiten an! Ich denke alles hat Vor- und Nachteile! Und ein wichtiger Faktor sollte auch sein, welche Tätigkeit einem Spaß bringt - denn wenn der Beruf jeden Tag eine Qual ist, dann sind auch schon 2-3 Stunden täglich furchtbar!

    schrieb Benjamin am

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