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Ihr Tag auf der didacta in 5 Phasen

Der alternative didacta-Messeführer

didacta 2012 - Logo

Nutzen Sie Ihren Tag auf der didacta sinnvoll, lassen Sie sich nicht von den Marketing-Abgasen der Ausstellerfirmen einlullen. Einige Vorschläge zu Planung und Ausrüstung; außerdem Tipps dazu, welche Stände einen Besuch lohnen würden und was Sie vermeiden sollten.

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Eingetragen am 01.02.2012, 14:42 Uhr in Nachrichten |

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Selbstverständlich ist dieser Beitrag in keiner Weise von irgendwem gesponsort. Beim Lehrerfreund sind alle Anzeigen IMMER entsprechend markiert, Schleichwerbung gibt es hier nicht. Sämtliche Tipps und Nicht-Tipps entsprechen zu 100% der Meinung der Lehrerfreund-Redaktion.

Im Vorfeld der Bildungsmesse didacta läuft die Marketingmaschine an: Die ausstellenden Firmen versprechen interessante Produkte, rabattierte Angebote und revolutionäre Neuerungen. Kostenlose Flyer und Zeitungen informieren scheinbar unabhängig über die Vorteile der Ganztagesschule, interaktive Whiteboards und die positiven Effekte uniformer Schulkleidung.

Sollten Sie auf die didacta gehen: Lassen Sie sich nicht die Zeit stehlen. Nutzen Sie Ihren didacta-Tag lieber sinnvoll. Der inoffizielle Messeguide vom Lehrerfreund.

Ausrüstung

Auf jeden Fall brauchen Sie gutes, leichtes Schuhwerk, am besten Joggingschuhe. Auf der didacta Hannover legen Sie an einem Tag schnell mal zwischen fünf und zehn Kilometer.

Wenn Sie nicht shop-resistent sind, bringen Sie sich gleich einen großen Rucksack mit. Sie können ihn ja erst mal einschließen. Es gibt jedoch nichts Schlimmeres, als morgens die Duden-Gesamtausgabe zum Schnäppchenpreis zu erwerben und sie dann den ganzen Tag in drei Baumwollsäckchen durch die Messehallen zu schleppen.

Ein Äpfelchen und eine Stulle können auch nichts schaden; in den Kantinen ist es voll, das Essen ist mittelmäßig und teuer.

Der richtige Tag

Am Dienstag (erster Tag) haben viele Aussteller sich noch nicht richtig organisiert und sind teilweise noch am Ausräumen der Kisten. Analog sind viele am Samstag schon am Einräumen der Kisten, außerdem ist der Standverantwortliche bereits nach Hause gefahren; die Mitarbeiter/innen am Stand sind völlig ausgemergelt vom vielen Stehen und übermäßigen Kaffeekonsum. Und natürlich ist die didacta am Samstag und am Freitag Nachmittag ziemlich voll, was nicht zu einem entspannten Messebesuch beiträgt.

Gehen Sie, wenn Sie die Möglichkeit haben, also am Mittwoch oder Donnerstag, am besten tagsüber. Ihre Schulleitung hat sicher Verständnis, wenn Sie einen entsprechenden Antrag auf Unterrichtsbefreiung stellen.

Warnung: Vorsicht bei Vorträgen und Veranstaltungen

Auf der didacta werden zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen angeboten: "eLearning" steht beispielsweise auf dem Programm wie auch "Sprache als Mittel zur Inklusion" oder "Mathematik zum Anfassen". Allein zum Thema "Interaktive Whiteboards" werden mehr als 20 Veranstaltungen angeboten.

Selbstverständlich sind da interessante Themen dabei, die von kompetenten Leuten vorgetragen werden. Vergessen Sie aber nicht: Es ist eine Messe, auf der es um Marketing und Profit geht. Die Veranstaltungen und Vorträge von privatwirtschaftlichen Anbietern sind grundsätzlich nicht objektiv, und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Das gilt uneingeschränkt auch für Vorträge und Diskussionsrunden mit Politiker/innen.

Auch die großen Schulbuchverlage bieten Workshops und Vorträge an. In vielen Fällen wird der Anschein erweckt, es ginge um didaktisch-methodische Verbesserungen, dabei will man nur Produkt X vermarkten. Und Sie sitzen eine halbe Stunde in einem stickigen Raum und verschwenden Ihre kostbare Zeit.

Mehr Vertrauen verdienen natürlich öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Institutionen (z.B. Schulfernsehen, Goethe-Institut, Deutsche Gesellschaft für Ernährung etc.), die durch Distribution ihrer Materialien keinen direkten Profit erzielen.

Phase 1: Bücher wühlen

Beginnen Sie Ihren Tag damit, dass Sie für Sie interessante Schulbuchverlage und Anbieter besuchen. In vollgestopften Regalen zu wühlen, in die Bücher und Arbeitshefte reinzuschauen ist immer wesentlich unmittelbarer als die staubtrockenen Online-Shops der Schulbuchverlage.

Am Nachmittag werden Sie reizüberflutet und erschöpft sein; da können Sie nicht mehr engagiert wühlen. Machen Sie das also lieber zuerst.

Neben den großen Schulbuchverlagen und denen, die Ihr persönliches fachliches oder pädagogisches Interesse treffen, lohnt sich zum Wühlen immer der Stand des Lehrerselbstverlags (Halle 16, E32), da hier teilweise sehr gute Materialien zu absolut fairen Preisen angeboten werden.

Phase 2: Fachbezogene Lehrmittel

Biologielehrer/innen interessieren sich eher für Mikroskope, wer Geographie unterrichtet, bevorzugt Wandkarten. Viele Dinge kennen Sie noch nicht, denn sie sind neu oder Nischenprodukte. Nutzen Sie Ihren Ausflug: Im Produktgruppenverzeichnis können Sie sich vor allem unter "Allgemeine Lehr- und Lernmittel", "Verlagserzeugnisse", "Geräte und Systeme für Naturwissenschaften und Technik" bzw. "... für die berufliche Bildung" und "Raum- und Laboreinrichtungen" einige interessante Anbieter heraussichen.

Phase 3: Lehrerzubehör

Auf der didacta haben Sie die wirklich einmalige Möglichkeit, sämtliche für Lehrer/innen nützliche Hilfsmittel auf einem Haufen vorzufinden: Lehrertaschen und -trolleys, nicht schmierende Korrekturrotstifte, flüssige Kreide, Lärmampeln, Terminplaner in allen Größen und Formen, Bastelmaterialien usw. usf.

Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und sehen Sie sich um. Unangefochtener Marktführer mit vielen nützlichen, auf den zweiten Blick auch manchmal überflüssigen Utensilien ist TimeTEX, gleich dreimal vertreten (Halle 16, Stand E13; Halle 17, Stand B02; Halle 17, Stand F29). Eher auf klassische Büromaterialien fokussiert sind Anbieter wie Pelikan, Brunnen, Lamy usw. - die natürlich auch alle vertreten sind.

Betrachten Sie auf der didacta-Homepage das "Produktgruppenverzeichnis", dort finden Sie unter dem ersten Punkt "Allgemeine Lehr- und Lernmittel, Verbrauchsmaterialien" interessante Aussteller.

Phase 4: Meinungsbilder

Die ganze Zeit lesen Sie von Intranets, Schulessen, digitalen Schulbüchern und Interaktiven Whiteboards - und haben möglicherweise keine Ahnung, was das alles bedeutet. Wenn Sie noch Zeit und Nerven haben, können Sie sich hier mal all das anschauen, was Sie sonst niemals sehen und vielleicht auch gar nicht sehen wollen (aber wahrscheinlich eines Tages sehen werden). Bilden Sie sich Ihre Meinung! Zum Beispiel:

a) Interaktive Whiteboards

Dauernd lesen Sie von Interaktiven Whiteboards, haben aber noch nie eines gesehen. Nehmen Sie die Möglichkeit wahr und besuchen Sie Halle 23. Dort finden Sie die großen Player wie SMART oder Promethean; nur wenige sind in anderen Hallen angesiedelt (traditionell z.B. Legamaster, Halle 14 Stand G06). An überdimensionierten Ständen zeigt man Ihnen gerne, wie ein interaktives Whiteboard funktioniert und was man damit alles machen kann.

Vergessen Sie nicht, dass der ganze Zauber von professionellen Marketingabteilungen fabriziert wurde - und nicht von Pädagog/innen, auch wenn das alles den Anschein erwecken soll. Für eine Abwägungsgrundlage lesen Sie die Lehrerfreund-Beiträge zum Interaktiven Whiteboard.

b) Schulverpflegung, Catering, Verpflegung

Das muss man einmal gesehen haben: Spazieren Sie in Halle 15 ins Auge des Schulverpflegungstornados. Dort wird an mehreren Ständen bestens und gesund gekocht, nette, rosige Köche mit lustigen Kochmützen bieten Ihnen einen kleinen Snack an. Mmmmmh - lecker! Während Sie die Rigatoni della Mama an einem Kräuter-Schaumsahne-Sößchen vom glücklichen Basilikum genießen, können Sie bei einem der zahlreichen Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen für Schulmensen einen Kugelschreiber schnorren (schnorren Sie ruhig einen, das Mensakarten-Kartell hat genug Rücklagen).

Während Sie die restlichen Partikel mit einem Schluck klaren Gebirgsquellwassers hinunterspülen, erinnern Sie sich an die permanenten Berichte darüber, dass Schulverpflegung von Cateringdiensten bei fast allen Untersuchungen unappetitlich schlecht abschneidet. Kaum zu glauben, der nette, rosige Koch hat doch so lieb gelächelt, als er die bissfesten Rigatoni zärtlich in das Schüsselchen gab ...

Phase 5: Mitbringsel für die Kinder und Neffen

Bringen Sie kleinen Verwandten etwas mit - es gibt wirklich Stände mit originellen Spielsachen. Im Produktgruppenverzeichnis klappen Sie z.B. "Musik-, Spiel- und Sportmaterialien" auf, dort sind bspw. "Lehr- und Lernspiele", "Spiel-, Theater- und Artistenbedarf" interessant, außerdem natürlich "Spielwaren (Holz- und Plüschwaren)"

Tappen Sie nicht in die Lernspielfalle. Auf der didacta dürfen Kinder nicht einfach "spielen". Wenn Sie irgendwo fragen, wie das Spiel funktioniert, wird man Ihnen weit ausholend von motorischer und sozialer Entwicklung, Hand-Auge-Koordination und Lesekompetenzen erzählen. Dabei wollen Sie den Kindern doch etwas mitbringen, was ihnen Spaß macht. Wenn ihnen bei IQ 180 der Kopf explodiert, wäre das doch auch nicht schön.

Entspannung zwischendurch

Die Messe ist groß, voll und anstrengend. Wo es immer gemütlich ist, ist am 4teachers-Stand (Halle 16, F31). Das dürfte didacta-weit der einzige Stand sein, an dem keinerlei Kommerz getrieben wird. Es gibt freie Sofaplätzchen, die (netten, ehrenamtlichen) Mitarbeiter/innen, fast alle Lehrer/innen, hängen herum und kochen Kaffee. Keiner erzählt Ihnen, was Sie zu kaufen haben oder nicht.

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