Präsentationstechnik

3 Tipps zum Umgang mit dem Beamer 20.05.2014, 10:43

Fast jede Lehrer/in benutzt heute mindestens gelegentlich einen Beamer. Die wichtigsten Möglichkeiten der Arbeit mit einem Beamer werden jedoch nur selten genutzt: schwarzschalten, einfrieren, zoomen/markieren.

Beamer-Fernbedienung: Ausschnitt
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1) Beamer schwarzschalten

Sie kennen das - von Fortbildungen, von Schülerpräsentationen, von sich selbst: Jemand redet vorne - und hinter ihm ist auf 6 Quadratmetern irgendetwas ganz anderes zu sehen.

Der Klassiker ist "fachlicher Vortrag vs. Windows-Desktop":

Person redet vor einem Windows-Hintergrund über etwas ganz adneres

Dieser Mann redet über eine Revolution; er will seine Zuhörer begeistern und ihnen neue Erkenntnisse vermitteln. Wie soll das gehen, wenn im Hintergrund das Firefox-Symbol über einer grünen Windows-Wiese lacht?

Ein weiterer Klassiker: "organisatorische/Metakommunikation vs. fachliche Inhalte". Der Vortrag wird beendet oder unterbrochen, um etwas abseits des Themas zu klären, etwas zu organisieren, einen Hinweis für das weitere Vorgehen zu geben o.ä.

Mann spricht vor einer Powerpoint-Folie, auf der etwas ganz anderes zu sehen ist.

Im obigen Beispiel möchte der Mann kurz aus dem Thema aussteigen und auf die Zuhörer einwirken (nämlich: Sie sollen bitteschön aufhören, auf ihren Smartphones rumzutippen). Das wird aus zwei Gründen nicht funktionieren:

  1. Es wird nicht klar, dass sich die Kommunikationssituation geändert hat. Diejenigen, die mit ihren Smartphones heimlich surfen, merken gar nicht, dass der zähe Informationsfluss gerade unterbrochen wurde - und surfen heimlich weiter.
  2. Diejenigen, die von ihren Smartphones aufblicken, beschäftigen sich mit der Ansprache der Person UND mit den Inhalten der Folie. Ihre Blicke schweifen von der Person zum Text und zurück.

Der Kommunikationsversuch des vortragenden Mannes wird kläglich scheitern. Und er versteht gar nicht mal, warum das so ist.

Jede Beamerfernbedienung hat einen Knopf, mit dem der Beamer kurzfristig abgeschaltet werden kann. Dieser Knopf heißt "Mute", "A/V-Mute", "Black", "Black Screen", "No Show", "Blank" o.ä. Wenn Sie Ihre Folie auch nur 30 Sekunden lang nicht brauchen, dann drücken Sie diesen Knopf. Den Beamer ganz auszuschalten ist keine Alternative, da aus- und anschalten zu lange dauert (Abkühlungsphase).

Das Schwarzschalten des Beamers hat zwei Funktionen:

a) Sie stellen Konzentration auf SICH und/oder DEN AKTUELLEN GESPRÄCHSGEGENSTAND her. Das Publikum kann seine Aufmerksamkeit fokussieren - auf Sie oder das Thema. SIE kommunizieren mit dem Publikum. Es gibt NUR das Thema, über das kommuniziert wird - keine anderen Dinge, die hinter Ihnen ein Eigenleben führen. Das gilt natürlich nicht nur für Vorträge, sondern auch für bspw. Brainstormings, Plenumsdiskussionen, Rückmelderunden, organisatorische Absprachen usw.

b) Ihr Vortrag, Ihre Präsentation oder was auch immer tritt in eine neue Phase. In dem Moment, in dem Sie den Beamer schwarzschalten, ändert sich alles. Offensichtlich geschieht nun etwas: Sie sind mit Ihrem Vortrag fertig. Sie kündigen ein neues Kapitel an. Sie möchten Rückmeldung einholen. Sie unterbrechen Ihren Vortrag. Undsoweiter.

Gezieltes Schwarzschalten des Beamers führt dazu, dass Ihre Kommunikation mit der Zuhörerschaft strukturierter und erfolgreicher verläuft. Machen Sie Gebrauch von dieser Möglichkeit. Der Beamer MUSS nicht 90 Minuten lang Bilder anzeigen, einfach nur weil er da ist.

2) Bild einfrieren

Jede Beamer-Fernbedienung hat noch einen zweiten wichtigen Knopf: den "Freeze"-Knopf (der i.d.R. auch die Aufschrift "Freeze" trägt). Wenn Sie diesen Knopf drücken, bleibt das Bild an der Wand stehen - unabhängig davon, welche weiteren Signale Sie dem Beamer übermitteln.

Diese Funktionalität ist sinnvoll, wenn Sie den Lernenden/Zuhörer/innen eine Projektion zeigen möchten, dabei auf Ihrem Rechner aber etwas anderes arbeiten. Der Klassiker: Sie projizieren einen Arbeitsauftrag und möchten Ihren Rechner während der Arbeitsphase anderweitig nutzen (z.B. Materialien in einen Tauschordner kopieren, eine Linkliste vorbereiten o.ä.).

Die Freeze-Funktion hat einen weiteren angenehmen Nebeneffekt: Wenn das projizierte Bild während einer Arbeitsphase wichtig ist und Sie herumgehen, um den Schüler/innen zu helfen, wird irgendwann der Bildschirmschoner starten. Wenn das Bild eingefroren ist, kann er bis zum Erbrechen schonen - Ihre Schüler/innen sehen das, was sie sehen sollen.

3) Bildschirmlupe

Wenn Sie am Beamer über Webseiten diskutieren, Textausschnitte aus Scans oder dem Internet zeigen, wenn Sie erklären, wie Programme funktionieren, wo man klicken muss, wenn Sie Programmcode zeigen usw., dann brauchen Sie eine ordentliche Bildschirmlupe, die den Bildschirminhalt so vergrößert, dass er für die Zuschauer/innen angenehm wahrzunehmen ist. Windows, Mac OS und einige Linux-Distributionen bringen eine solche Bildschirmlupe mit (Eingabehilfen). Diese systemeigenen Vergrößerungstools sind für didaktische Situationen jedoch nur sehr eingeschränkt geeignet.

Für Windows ist die erste Wahl das kostenlose und winzig kleine Programm ZoomIt. Es läuft direkt nach dem Download ohne Installation, Sie brauchen also keine Administratorberechtigungen o.ä.

Eine Alternative, die auch auf Mac OS X und Linux läuft, ist Virtual Magnifying Glass. Dieses Programm ist in der Bedienung etwas gewöhnungsbedürftiger; wer mit Windows arbeitet, ist mit ZoomIt auf jeden Fall besser bedient.

Auf Knopfdruck vergrößern Sie einen Bildschirmausschnitt (ZoomIt: bis zu 4-fach, VMG: bis zu 16-fach). Die Standardeinstellung 2-fach reicht für die meisten Situationen im Klassenzimmer aus.

Mit ZoomIt können Sie in der vergrößerten Ansicht Markierungen vornehmen. Mit Strg zeichnen Sie ein Rechteck, mit Shift (Umschalt) eine gerade Linie, ohne nichts zeichnen Sie Freihand. Diese Funktionalität ist überaus nützlich. Ansichtsbeispiel:

Beispiel Bildschirmlupe (zoomIt)

Webseiten bzw. Texte im Browser können Sie übrigens auch ohne zusätzliches Tool mit der Tastenkombination Strg und + (Mac OS: Cmd und +) vergrößern.

Fazit: Mediendidaktik vs. Technik

Medieneinsatz ist immer mit einem gewissen technischem Aufwand verbunden: ein Kabel einstecken, einen Knopf drücken. Auf Aufwärmen oder Hochfahren warten, einen USB-Stick einschieben, sich irgendwo einloggen etc. Und darüber vergisst man oft, worum es eigentlich geht.

Die Technik ist ein Hilfsmittel, um inhaltlich zu arbeiten. Wenn wir die Technik nicht brauchen, muss sie verschwinden und darf nicht nerven. Häufiges Schwarzschalten und Einfrieren des Beamers ist ein wichtiger Baustein dieser Philosophie.

Und wenn wir die Technik brauchen, dann muss sie unseren didaktischen Intentionen entsprechen. Wenn die Hälfte der Zuhörerschaft nicht erkennt, was Sie gerade zeigen, hätten Sie den Beamer erst gar nicht einschalten müssen.

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