Unterricht mit interaktivem Whiteboard - 3 Tipps zum Einstieg
Was kann man als Lehrer/in tatsächlich mit einem interaktiven Whiteboard anstellen, ohne sich monatelang einarbeiten zu müssen oder den Unterricht zum Medienzirkus werden zu lassen? Drei Tipps für die Praxis.
Immer mehr Schulen besitzen ein oder mehrere interaktive Whiteboards. Die zugehörigen Berichte in den Medien sind jedoch meistens realitätsfremd und von den PR-Abteilungen der Whiteboard-Hersteller beeinflusst (lesen Sie dazu Der Lehrerfreund 08.10.2008: Vom Sinn und Unsinn interaktiver Whiteboards im Unterricht).
Ihr neues Whiteboard. Und dann? - Alltägliches Szenario
Wenn Sie an Ihrer Schule plötzlich ein interaktives Whiteboard bekommen, werden Sie wahrscheinlich eine kurze methodische Einführung von einem Mitarbeiter der Herstellerfirma oder von einem eigens dafür ernannten Kollegen erhalten. In dieser Einführung werden Sie die grundlegende Bedienung erlernen; außerdem wird man Ihnen eine Menge toller Spielereien vorführen (unvermeidlich: Google-Earth), die Sie als Whiteboard-Anfänger/in allerdings in Ihrem Unterricht kaum brauchen werden. Sie planen eine Stunde, in der das Whiteboard zum Einsatz kommt. Die Stunde wird jedoch in die Hose gehen, weil Sie viel zu viel Medienschnickschnack eingebaut haben, der Sie völlig von der inhaltlichen und pädagogischen Arbeit abhält. In der Phase, in der es gerade mal richtig gut läuft, müssen Sie das Whiteboard zur Erheiterung der Klasse neu kalibrieren. Sie beschließen, erst mal auf “konkrete Unterrichtskonzepte” zu warten. Wenige Wochen später haben Sie vergessen, wie man die Whiteboard-Software bedient. In der Fortbildung (6 Monate später) sitzen Sie und werden wie 80% Ihrer KollegInnen denken, dass es eine herkömmliche Kreidetafel für Sie doch eigentlich auch tut. Extra wegen eines Videos das Whiteboard anschmeißen ... da holt man doch lieber den Beamerwagen.
In diesem Szenario ist die gängige Medienfalle des deutschen Bildungswesens dargestellt: Viel Technik, viel heiße Luft, keine unterrichtsrelevante Aus-/Fortbildung. Doch zum Glück gibt es Den Lehrerfreund!
Drei Tipps für den Unterricht mit Ihrem neuen Whiteboard
Ob Sie punktuellen oder dauerhaften Zugriff auf ein interaktives Whiteboard haben - man kann den Unterricht damit sehr bereichern, wenn man sich zuerst einmal an die Devise “weniger ist mehr” hält. Vergessen Sie nicht: Das meiste Gequatsche in den Medien ist nichts weiter als eine große Politiker- und Marketinglüge - glückliche Schüler, Zeitersparnis für die Lehrer/in, Tafelbilder herummailen usw. Natürlich nutzen Sie mit den folgenden Tipps erst mal nur (die wichtigen!) 10% dessen, was ein solches Whiteboard kann. Kein Grund zur Nervosität - ein gutes computergestütztes Unterrichtsprojekt nutzt auch nur 10% der vorhandenen Rechnerleistung.
Die folgenden Beispiele sind fachunabhängig formuliert. Es gibt weitere einfache, empfehlenswerte Anwendungsmöglichkeiten für einzelne Fächer (z.B. mathematische Geometrie ), die wir aussparen.
Wichtige Grundregel: Die Bedienung von Toolbars, Menüs etc. erfolgt ausschließlich durch die Lehrer/in
Wahrscheinlich haben Sie auf der Oberfläche des Whiteboards eine Toolbar, ein Softwaremenü o.ä. zur Verfügung. Legen Sie für die erste Zeit als eherne Regel fest: Wenn ein/e Schüler/in etwas an die Tafel schreibt, bedient er/sie keine dieser Optionen. Es stört den Unterricht, wenn Schüler/innen beginnen, in Schriftformatierungsmenüs herumzuklicken, statt einfach das Gruppenarbeitsergebnis anzuschreiben. In der ersten Zeit schreiben Schüler/innen ausschließlich ohne Handschrifterkennung (obwohl das später gerade für krakelige Schüleranschriebe eine nützliche Funktion sein kann).
Tipp 1: Erstellen Sie ein Tafelbild.
Viele Lehrer/innen fühlen sich geradezu verpflichtet, das Whiteboard von Anfang an voll auszunutzen: ein Filmchen zeigen, eine Webseite aufrufen, Texte herumschieben usw. Das führt (wenn Sie neu im Metier sind) zu einem ungesunden Übermaß an Medieneinsatz.
Verwenden Sie das interaktive Whiteboard zu Anfang wie ein normale Tafel und realisieren Sie einfach Ihr Tafelbild (wie meistens haben Sie - interaktives Whiteboard hin oder her - nur eines). Vergessen Sie nicht, dass es um den Inhalt geht. Wenn am Schluss der Stunde nur sieben Wörter an der Tafel stehen, ist das völlig in Ordnung.
Wenn Sie es sich zutrauen: Benutzen Sie die Handschrifterkennung, unterstreichen Sie die Überschrift, formatieren Sie die Überschrift fett. Fertig.
Wenn Sie Ihr Tafelbild zuhause mit einer Präsentationssoftware (z.B. Keynote, Powerpoint) am PC erstellen, können Sie es via USB-Stick auf den Whiteboard-Rechner aufspielen und sparen Sich im Unterricht die Schreiberei. Passen Sie auf, dass es trotz Powerpoint ein Tafelbild bleibt und keine Klickklickklick-Präsentation wird.
Tipp 2: Zeigen Sie ein Bild.
Mit Ihrem interaktiven Whiteboard brauchen Sie keine Folien mehr. Statt ein Bild, einen Text, ein Schaubild auf Folie zu kopieren, scannen Sie es ein und speichern es auf dem Whiteboard-Rechner. Mit Klick rufen Sie es auf. Verwenden Sie die “Folien” wie bisher: Nicht zu illustrativen Zwecken, sondern als Lerngegenstand oder inhaltlichen Impuls.
Tipp 3: Zeigen Sie ein Video.
Zeigen Sie in Ihrem Unterricht ein kurzes Video. Wenn Sie keines auf DVD oder digital vorliegen haben, hilft Ihnen häufig YouTube weiter. Wenn Sie befürchten, dass das Internet just in Ihrer Stunde ausfällt, speichern Sie den Film auf die Festplatte (z.B. mit einem Firefox-Addon). Wenn Sie die Videos direkt über youtube.com zeigen: Klicken Sie auf keine Links. Unterbinden Sie Kommentare in der Art “Ich kenne auf YouTube auch ein geiles Video, das ...”. Reden Sie selbst im Unterricht nicht über YouTube (Sie reden sonst ja auch nicht über die Herstellerfirma des DVD-Players). Klicken Sie nicht auf Links, deren Anwahl vor Stundenbeginn nicht geplant war.
Zeigen Sie auf keinen Fall Ausschnitte, die länger als vier Minuten dauern.
Beispiele:
- Physikunterricht: Zeigen Sie ein Experiment zur schiefen Ebene. Besprechen Sie den Vorgang, spielen Sie das Video bei Bedarf erneut ab. Verhalten Sie sich so wie bei einem “echten” Experiment.
- Deutschunterricht: Sie behandeln Schillers “Maria Stuart”, das zentrale Aufeinandertreffen von Maria und Elisabeth in III,4. Sehen Sie sich einen Ausschnitt des SchülerInnenvideos zu Maria Stuart III,4 an. Verhalten Sie sich wie bei einem “normalen” Video.
- Religionsunterricht, Gemeinschaftskunde/Sozialkunde: Vergleichen Sie die Koranrezitation von Scheich Abdul-Basit mit der Bibellesung von Ben Becker.
- Geschichte/Politik: Erörtern Sie die in der Bundestagsdebatte zur Online-Durchsuchung (Wieland/Grüne, Schäuble/CDU) genannten Argumente.
Zwei grundlegende Funktionen interaktiver Whiteboards
Diese drei Hinweise operieren mit den zwei wesentlichen Grundfunktionen interaktiver Whiteboards: Zum einen können auf sehr komfortable Weise Anschriebe erstellt werden (evtl. inkl. Handschrifterkennung, Schriftformatierung ...); außerdem können Sie digitale Formate (Bilder, Filme, Texte) darstellen. Der Medieneinsatz in Ihrem Unterricht verbessert sich dadurch imposant - sofern Sie sich nicht mitreißen lassen und in 45 Minuten 15 Folien zeigen. Bisher waren es doch auch nur höchstens drei.
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Beitrag vom 21.01.2009, 00:23 | diesen Beitrag versenden
Wenn man sich an diese Tipps hält dann klappt's auch mit dem Whiteboard.
Übertrieben gesagt, ist es doch wie mit dem Programm "PowerPoint" am PC: Erst wenn man sicher im Ungang mit einfachen Textfeldern ist, kann man den nächsten Schritt wagen und mit Animationen fortfahren.
Wir stellen unseren Kunden die Software für das ActivBoard immer als Kampus-Lösung zur Verfügung. Damit kann jeder Kollege die Software auf seinem eigenen PC installieren. So besteht die Möglichkeit, sich im Lehrerarbeitszimmer oder zu Hause mit den Grundlagen vertraut zu machen, eine spannende und atraktive Unterrichtsstunde vorzubereiten ohne später böse Überraschungen zu erleben.
Vielleicht müsste man solche Widerstände nicht überwinden, wenn man von vornherein "auf dem Teppich" bliebe?
Neben der Einarbeit erzeugt es aber noch etwas: riesige exakte Vorbereitung. Dies widerspricht einer "Türklinkenpädagogik", bei der die meisten (guten wie schlechten) Lehrenden in vielen Fällen doch wohl enden: Die guten, weil sie es einfach so "drauf haben", die schlechten, weil sie es nicht besser können.
In diesem Sinne finde ich die Bodenständigkeit des Vortrags sehr befreiend. Sie nimmt die Scheu vor "neuer Technik" und im zunehmenden Vertrautsein wird auch der spielerische und vertiefende Umgang kommen.
Letztlich kann gegen diese Boards (und ähnliche Ableger) ganz andere Dinge sprechen: Haltbarkeit, Handhabung, Verfügbarkeit und Energiebilanz.
Da kann ein einfaches Tafelbild doch lieber an eine einfache Tafel kommen: Robust, verfügbar, selbst mit vielen Schrammen, Quietschen, Rostflecken, Eddingschmierereien, Splittern...nutzbar.
Und eine oft genutzte Folie? Auch diese könnte in der Gesamtenergiebilanz vielleicht besser dastehen. Aber hier nimmt das Unglück seinen Lauf: einen funktionierenden, hellen, nicht verschmierten, scharfzustellenden, vorhandenen OHP mit einer freien, abzudunkelnden, im gesamten Klassenraum lesbaren Projektionsfläche....Wer hat es schon so gut und einfach?
Technik und Schule: ein wundervolles Thema, besonders wenn diese schüler- und lehrerkompatibel ist...
"Technik und Schule: ein wundervolles Thema, besonders wenn diese schüler- und lehrerkompatibel ist..."
In meiner Schule wurde niemandem ein interaktives Whiteboard aufgezwungen. Alle Kollegen die heute mit einem ActivBoard arbeiten dürfen haben sich dazu freiwillig, aus eigenen Stücken bewusst entschieden. Für mich ist ganz klar, dass neue Medien nicht vor der Schultüre warten dürfen, sondern ganz dringend in die Schule herein geholt werden müssen.
Schüler- und lehrerkompatible Technik in der Schule, was gibt es besseres als ein alltagstaugliches interaktives Whiteboard? Als Lehrer erleichtert mir so ein Board die tägliche Arbeit. Meine Schüler freuen sich, dass wir zur nächsten Stunde die Anschriebe der vergangegen Stunde noch einmal kurz anschauen können. Ich habe die Möglichkeit meinen Tafelbilder und -anschriebe zu speichern und jederzeit wieder zu öffnen. So kann ich im Handumdrehen genau dort weiter machen, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Für mich ein sehr großer Vorteil.
Sicherlich sind interaktive Tafeln nicht für jeden Lehrer empfehlenswert. Da diese Tafeln im Endeffekt ja nichts anderes sind, als Eingabegeräte für einen Computer, fällt mir dazu ein netter Spruch unseres IT-Beauftragten ein: Ein Computer ist nur so schlau wie sein Bediener. Der tiefgehende Umgang mit einem interaktiven Whiteboard setzt also die persönliche Kompetenz des Bedieners voraus. Einfache Tafelanschriebe hingegen kann jeder machen - Ein einfaches Textdokument am Computer kann ja auch jeder...
Haltbarkeit, Handhabung, Verfügbarkeit und Energiebilanz sind ganz wichtige Punkte. Wer hier nur nach dem Preis, bzw. dem billigsten Angebot, entscheidet ist ganz klar selber Schuld. Wir haben uns die Zeit genommen und uns unterschiedliche Möglichkeiten angesehen. Nach einer fast einjährigen, internen Entscheidungsphase haben wir uns für die ActivBoard von Promethean entschieden. Gut Ding will eben Weile haben, wir haben unsere Entscheidung nicht bereut.
Haltbarkeit: nahezu unverwüstlich, top.
Handhabung: eine ausgeklügelte, alltagstaugliche Software die keine Wünsche offen lässt.
Verfügbarkeit: in 6 von 9 Klassenräumen, leider aus Kostengründen. Aber dennoch sehr gut.
Energiebilanz: während dem Unterricht laufen PC und Beamer. Aber schon vor der Anschaffung waren die PCs in unseren Klassenräumen immer am laufen. Also auch hier keine große Veränderung. Das Board selbst benötigt keinen Strom!
Wir haben uns bewusst für die ActivBoards entschieden, denn hier sind uns im Vergleich zu den alten Tafeln nicht viele Vorteile verloren gegangen. Ganz im Gegenteil, wir haben viele Vorteile hinzu bekommen. Die ActivBoards sind immer einsatzbereit, auch mit Schrammen oder Dellen. Höhenverstellbar sind sie natürlich auch, aber ohne Quitschen. Bedient werden sie mit einem Stift, so wie ich früher die Kreide in der hand hatte halte ich heute einen Stift. Dies hat auch den Vorteil, dass die Klasse in einer kurzen Pause ohne den Stift nichts anstellen kann. Und Schmierereien mit Eddingstiften machen dem Board auch nichts aus - Sie müssen eben entfernt werden, wie auch früher auf den alten Schultafeln.
OHP - ein ganz tolles Thema.
Die gibt es in den Klassenräumen, die mit ActivBoards ausgestattet sind, nicht mehr. Auch hier, für mich ein großer Vorteil. Wir haben umgestellt auf Dokumentenkameras. Ich muss keine lästigen und zeitraubenden Kopien auf Folie anfertigen und diese dann mühevoll archivieren. Ich lege das Original einfach unter die Kamera und habe das Bild direkt auf meinem Board. Und das natürlich so groß, dass es auch alle Schüler sehen können. Dieses Bild speichere ich ab und kann so jederzeit wieder darauf zurückgreifen. Aber nicht nur Papierblätter oder Bücher lassen sich unter die Kamera legen. Auch Gegenstände, z.B. aus dem Biologieunterricht, lassen sich super ablichten. Und das, ebenfalls zeitraubende, Vorhänge zuziehen entfällt auch. Das ActivBoard, bzw. der Beamer ist so hell und hat eine so gute Projektionsfläche, dass selbst bei voller Sonneneinstrahlung alles gesehen wird.
Wie schon gesagt, ich bin mit der Anschaffung der ActivBoards in unserer Schule mehr als zufrieden. Für mich hat sich dadurch viel zum Vorteil entwickelt.
Nicht jeder muss unbedingt ein Freund der neuen, interaktiven Schultafeln sein. Aber generell schlechtreden darf man sie auch nicht. Solange jeder Lehrer noch frei entscheiden kann ob er so eine neue Tafel haben möchte oder nicht muss das jeder mit sich selbst vereinbaren.
Ich persönlich würde mir wünschen, zum Vorteil der Lehrer UND der Schüler, dass es mehr interaktive Tafeln in den Schulen gibt.
Ich bin meiner Schulleitung für die getroffene Entscheidung und die investierten Kosten sehr dankbar und möchte auf mein ActivBoard nicht mehr verzichten.
- tut mir leid, lieber Kollege über mir...
Aus diesem Grunde rate ich als IT-beaufttragter Lehrer meinen Kollegen mittlerweile davon ab; die teuer angeschafften Smartboads fristen nur mehr ein Schattendasein, mit Ausnahme von speziell angeschaffter Software von Verlagen.
ich bin ein Schüler und ich muss mal was loswerden zu diesen "Whiteboards", ich drücke es mal in "Schüllersprache" aus: Es ist SCHEIßE!
Tut mir leid, aber sie sind einfach schrecklich unbequem und... es fühlt sich einfach nicht nach "Schule" an. Bei uns in der Schule hat kein Lehrer dafür gestimmt und die wurden trotzdem eingeführt.
Ich wünsche mir die alte grüne Tafel wieder...
