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Braunschweiger Studie

Einführung von interaktiven Whiteboards an einer Realschule 12.07.2011, 14:10

Schülerin am interaktiven Whiteboard
Bild: flickr-User pablog61 [CC by]

Forscherinnen der TU Braunschweig studierten die Einführung von interaktiven Whiteboards an einer Realschule in Braunschweig. Ihre Ergebnisse widersprechen in großen Teilen dem PR-Geschwätz der Whiteboard-Mafia, die in den Massenmedien von "Interaktion", "Zeitersparnis" und "Motivation" tönt.

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Die Auszüge aus diesem Beitrag erfolgen mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Folio und der Autorinnen (danke!). Die auf Französisch und Deutsch erscheinende Zeitschrift richtet sich an Lehrer/innen an Berufsschulen, enthält aber regelmäßig qualitativ hochwertige Themen, die für Lehrer/innen aller Schularten interessant sind (z.B. “Unterrichtsvorbereitung”, “Disziplin”, “Mut zur Lücke”, “Schulführung” oder “Motivation”). Die bisherigen Ausgaben von Folio können kostenlos als pdf-Dateien im Folio-Archiv heruntergeladen werden.

PD Dr. Gabriele Graube und Susanne Kannenberg (beide TU Braunschweig, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Weiterbildung und Medien) haben eine Studie über die Einführung von interaktiven Whiteboards an einer Braunschweiger Realschule (485 Schüler/innen, 35 Lehrer/innen) von 2007 bis 2009 durchgeführt. Im Zentraum stand die Frage nach dem Mehrwert der Nutzung interaktiver Whiteboards im Unterrichtsalltag. Im Zeitraum von eineinhalb Jahren wurden Lehrer/innen und Schüler/innen an drei Terminen befragt. Im Beitrag "Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht?" (Folio 02/2010, S. 36ff (PDF)) sind die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammengefasst. Diese sind auch deshalb lesenswert, weil sie sichin großen Teilen deutlich von dem tendenziösen Geseier der Whiteboard-Lobby unterscheiden.

Wird der Unterricht für die Schüler interessanter?

In der Studie wurden die Schüler befragt, ob das digitale Whiteboard ihr Interesse für den Unterricht wecken würde. Zu Beginn des Projekts gaben 40% an, dass ihr Interesse am Unterricht stark mit dem Whiteboard-Einsatz verknüpft sei. Im Verlauf der Studie sahen das aber nur noch 22% der Jugendlichen so. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Motivations- und Interessensveränderungen durch die Neuartigkeit des Mediums begründet sind und nur zu kurzfristigen Effekten führen.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 36

Das klingt ganz anders als das, was man sonst immer und überall liest. Eine Google-Suche nach "interaktives whiteboard motivation" ist symptomatisch: "gewaltiger Motivationsschub" hier, "motivieren Schüler mit lebhaften Bildern" dort.

Google-Suche nach 'interaktives whiteboard motivation' - erste 7 Treffer (12.07.2011)

Nimmt die Medienkompetenz der Schüler zu?

Die Studie kann diese Erwartung der Hersteller nicht bestätigen.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 36

Arbeiten die Lehrer gerne mit dem digitalen Whiteboard?

Der Anteil der Lehrer, die völlig zustimmten, gerne mit Whiteboard zu arbeiten, betrug von Anfang an etwa ein Drittel – ein Wert, der sich im Verlauf des Projekts kaum veränderte (Grafik). Viel stärker schwankte die Zahl der Lehrkräfte, die dem digitalen Whiteboard ambivalent gegenüberstehen: Der Anteil, der anfangs überwiegend zustimmte, war mit 56% relativ hoch, er sank im Laufe des ersten Halbjahres aber dramatisch auf 24%, um nach anderthalb Jahren wieder auf 47% zu steigen.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 37

Diese außerordentlich starken Schwankungen sollte man nicht allein auf das Medium beziehen. Stellen Sie sich vor, man fragt Sie, ob Sie gerne mit der Tafel oder mit dem Overheadprojektor arbeiten. Ihre Antwort wird höchstwahrscheinlich zu großen Teilen von anderen Faktoren (behandelter Stoff, Unterrichtssituation, Klassenstufe) abhängen.

Diagramm: Arbeiten Lehrer gerne mit dem Whiteboard (Braunschweiger Studie)

Ersetzt das digitale Whiteboard andere Medien?

Die Studie zeigt, dass das Whiteboard im Laufe der Untersuchung immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Anfangs setzten es 40% der Lehrer ein, schliesslich 69%. [...] Parallel dazu sank die Einsatzhäufigkeit anderer Präsentationsmedien: Der Hellraum-Projektor scheint dabei der Verlierer zu sein. Wurde er zu Beginn noch von 40% häufig eingesetzt, so kommt er anderthalb Jahre später nur noch punktuell zum Einsatz. Auch die klassische Tafel verliert an Bedeutung: Zuerst wurde sie noch von 40% der Lehrer eingesetzt; dieser Anteil verringerte sich auf ungefähr 10%. Parallel dazu stieg der Anteil der Lehrer, die die klassische Tafel nie benutzen, von anfänglichen 8% auf 32% an. Man kann an dieser Stelle noch nicht von einem völligen Wegfall der Tafel im Unterricht sprechen, auch wenn die Benutzungsintensität abgenommen hat.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 37f

"Das Ende der Kreidezeit" ist der zentrale Spruch der Whiteboard-Lobby. Er suggeriert, dass man mit Kreidetafeln keinen anständigen Unterricht machen kann - was natürlich nicht richtig ist. Was aber zutrifft: Wer ein interaktives Whiteboard im Klassenzimmer stehen hat, der wäre verrückt, wenn er weiterhin Kreidestaub fressen würde, wo er doch mit weich gleitenden Markern in hübschen Farben auf dem Board schreiben kann. Deshalb verwundert, dass die Kreidetafel überhaupt noch benutzt wurde.

In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Nutzen für die Lehrer?

Die Studie zeigt, dass die Lehrer den Aufwand für Vor- und Nachbereitung des whiteboardgestützten Unterrichts kritisch bewerten. So gab knapp die Hälfte der Lehrer an, dass die Möglichkeiten des digitalen Whiteboards den Aufwand für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts rechtfertigten. Der Anteil sank im Befragungszeitraum von 48% auf 42%.

Die Einschätzung zur Aufwändigkeit bei der Nutzung des Whiteboards im Unterricht zeigt ein gegenläufiges Bild: Empfanden anfangs nur 28% der Lehrer den Einsatz im Unterricht als nicht aufwändig, so waren es anderthalb Jahre später bereits 58%. Das zeigt, dass die Lehrer mit fortschreitendem Einsatz mehr Routine in der Bedienung entwickelt haben.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 41

Interaktive Whiteboards werden gerne mit dem Argument angepriesen, dass sie die Arbeitsbelastung reduzieren. Den Gipfel bildet die Studie von SMART, nach der Whiteboards nicht nur die Zeit zur Unterrichtsvorbereitung verkürzen, sondern auch Burnout vorbeugen. Das steht den Aussagen von Graube/Kannenberg diametral entgegen. Wem glauben Sie?

Verleitet das digitale Whiteboard zu mehr Frontalunterricht

So gaben anfangs 72% der Lehrer an, überwiegend frontal zu unterrichten, ein halbes Jahr später stieg dieser Anteil auf 86%. Anderthalb Jahren später gaben nur noch 63% Lehrer an, überwiegend frontal zu unterrichten. Der anfänglich hohe Anteil sowie der folgende Anstieg des Frontalunterrichts können in der Unsicherheit der Lehrerinnen im Umgang mit dem Medium begründet liegen. Gleichzeitig veränderte sich der Anteil von Gruppen- und Partnerarbeit: Diese Formen nahmen ab und wurden von mehr als der Hälfte der Lehrpersonen nur gelegentlich initiiert. Demgegenüber stieg die Häufigkeit der Einzelarbeit: 68% der Lehrer setzten sie häufig ein.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 41

Interaktive Whiteboards sind Tafeln. TAFELN. Also Flächen, auf die man etwas draufschreibt oder wo man etwas anbringt oder etwas verschiebt - ob dazu nun digitale oder analoge Technologien verwendet werden. Die Vorstellung, dass man mit interaktiven Whiteboards etwas anderes als Frontalunterricht machen könnte, ist abstrus. Genau das wird aber weithin von der Whiteboard-Mafia unter dem Stichwort "Interaktivität" in Wort und Bild verkündet. Sogar eigentlich neutrale Institutionen tappen in die Falle, so z.B. das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, wenn es unter dem Stichpunkt "Vorteile interaktiver Whiteboards im Unterricht" verkündet:

* Die Interaktivität ist ein großer Vorteil, da alle am Unterricht Beteiligten durch bloßes Berühren des Bildschirms Probleme lösen, Bilder verschieben und Strategien entwickeln können. Jeder einzelne Schritt kann dokumentiert und zu jeder Zeit wieder reproduziert werden. [...]
* Schüler können mit dem Whiteboard interagieren, um z. B. ein mathematisches Problem zu lösen oder den Satzaufbau in der Fremdsprache handelnd zu üben. [...]
* Dies führt zu einer höheren Attraktivität und Motivation bei den Schülern, da hier einfach mehrere Lernkanäle angesprochen werden können.

LMZ-BW: Interaktives Whiteboard im Unterricht? Entscheidungshilfen

Was einem dann an in der Realität über den Weg läuft, sieht ganz anders aus. Die Klasse pennt, während eine Schüler/in vorne ein Bildchen verschiebt. Wenn wenigstens die Kreide quietschen würde, um den ein oder anderen zu wecken ...

Abschließende Bemerkungen der Autorinnen

Im Rückblick auf die Studie finden die Autorinnen klare Worte:

Wer sich dafür entscheidet, digitale Whiteboards einzuführen, sollte sich der Konsequenzen in ihrer Breite und Reichweite bewusst sein. Eine Einführung kann nur dann erfolgreich sein, wenn den vielfältigen Erfordernissen auf personaler, technischer und organisatorischer Ebene entsprochen wird. Dabei sollte klar sein: Der Unterricht verbessert sich nicht allein mit der Bereitstellung eines Mediums.

Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht? Folio 02/2010 (PDF), S. 41

Das ist der Punkt. Dabei wird genau gegenteilige Erwartung von den Herstellerfirmen und ihren medialen Schergen geschürt: "Wenn Sie ein interaktives Whiteboard haben, wird Ihr Unterricht besser." Genau dieser Marketing-Humbug führt dazu, dass Tausende von interaktiven Whiteboards angeschafft werden, um die Bildung zu revolutionieren - und kurze Zeit später in maßloser Enttäuschung in der Ecke verrotten. Dabei könnte man mit den Geräten so viele sinnvolle Dinge tun, wenn man sie als das benutzt, was sie sind: ein Frontalmedium.

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Kommentare

17

Zum Artikel "Einführung von interaktiven Whiteboards an einer Realschule".

  • #1

    Hallo Herr Götz, ich nahm an, dass Sie sich auf diese meine obige Bemerkung beziehen:
    “Aber wo sind die Lehrer, die das Interaktive Whiteboard sinnvoll einsetzen oder sich darum bemühen??? Die deutschen Foren, die mir bekannt sind, erscheinen verweist. Ich hätte großes Interesse an Erfahrungsaustausch.”
    Scheinbar habe ich Sie falsch verstanden. Entschuldigen Sie dies bitte.
    Mir geht es nicht um eine Diskussion über Sinn oder Unsinn. Das können die Kollegen hier gerne weiter tun.
    Ich arbeite mit diesem Gerät, denke über eine Stilllegung definitiv nicht nach und möchte einen gegenseitig bereichernden ERFAHRUNGsaustausch. Dafür erscheint mir das verwaiste Forum sehr geeignet.

    schrieb abohn am

  • #2

    @abohn,
    warum sollen wir auf der anderen Plattform kommunizieren, deren
    Einträge im Juli 11 enden? Es geht doch auch hier, oder was spricht dagegen?
    MFG
    j. Götz

    schrieb Joachim Götz am

  • #3

    Da gehe ich völlig mit, Herr Gutenberg. Die Möglichkeiten KENNEN und gezielt auswählen KÖNNEN. Dann KANN ich auch gut mal ein paar Stunden ohne Smartboard unterrichten. Früher habe ich ja auch nicht in jeder Stunde die Tafel voll geschrieben.
    Was mir in der Diskussion immer wieder unklar ist: Welche Möglichkeiten hat die Kreidetafel schülerzentrierten Unterricht zu geben, die das Interaktive Whiteboard nicht hat?

    schrieb abohn am

  • #4

    @ abohn
    Ich schleppe auch Atlanten in den Computerraum und habe auch das EK-Buch weiterhin als Leitmedium, denn die Mischung zwischen analogen und digitalen Medien sowie Papiernotizen und den sauberen Darstellungsmöglichkeiten am Computer bringt erst die Qualität. :-)

    schrieb U.Gutenberg am

  • #5

    @ Hugo Schuster: Da muss ich ja nun mal schmunzeln: “Und noch einmal, die Handschriftenerkennung leistet in manchen Fächern gute Dienste. Ich komme damit nicht klar.” Ein sauberes gut lesbares Tafelbild sollte man als Lehrer auch mit Kreide hinbekommen. Wenn schon der Computer das nicht lesen kann, wie sollen das dann die Schüler schaffen? Ich bin immer erschrocken, welche Kritzelei meiner Schüler das Smartboard noch erkennt. Meine Toleranzschwelle liegt da wesentlich niedriger.

    @Joachim Götz- Wo können wir in Kontakt treten? ich schlage diese Oberfläche vor: http://www.myboard.de/board-forum/forum.html

    @Ulrich Gutenberg: Dischba ist immer einen Besuch wert-wenn das nur die Erdkundelehrer bei uns auch so sehen würden, aber die schleppen lieber die dicken Atlanten in in die 4. Etage in den Raum mit dem Smartboard…

    schrieb abohn am

  • #6

    Lieber J. Götz,
    ich gebe gerne Rückmeldungen auf die aufgeworfenen Fragen und lade interessierte Kolleginnen und Kollegen auch ein, in meinen Unterricht zu kommen oder stelle medienkonzeptionelle Überlegungen in Fachkreisen dar. Die Lehrerfreund-Seite halte ich aber nicht für eine angemessen Plattform für solche komplexen Themen. Ansonsten gibt es über die Seite Dischba.de Hinweise und Quellen einer größeren Anzahl von Veröffentlichungen, die alle aus meiner erlebt Praxis hervorgegangen sind.

    schrieb U.Gutenberg am

  • #7

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    ich bin sehr an einem Erfahrungsaustausch über interaktive Whiteboards interessiert. Als Netzwerkadministrator stehe ich der IT-Technologie sicher offen gegenüber, bin aber nicht vom Sinn und Zweck der Whiteboards überzeugt. Sie können nur dies mehr, einen Anschrieb direkt speichern. Alles andere kann ein Laptop mit Beamer oder ein interaktiver Beamer auch.
    Zudem können einfache hochauflösende Cam´s eine Aktion auf einem Tisch (Lehrer/Schüler), eine Petrischale mit lebenden Insekten, ein von einem Schüler entworfenes Plakat etc…... direkt an das Whiteboard projezieren. Ein Zusammenfassung oder Präsentation am Whiteboard ist immer Frontalunterricht, egal ob vom Lehrer oder Schüler.
    Gruppenunterricht mit z.B. Laptops für jede Gruppe ist da schüleraktivierender und die Ergebnisse können danach via Beamer präsentiert werden.
    Meiner Meinung nach sind das alles Lösungen, die deutlich billiger als die interaktiven Whiteboards sind und wesentlich flexibler eingesetzt werden können.
    Ich freue mich auf Rückmeldungen.
    J. Götz

    schrieb Joachim Götz am

  • #8

    Wichtig ist es, unbedingt eine weitere Tafel zu montieren, auf der mit Filzstiften gearbeitet werden kann. Man muss sich das einmal vorstellen, da läuft das Whiteboard während einer Deutschschulaufgabe mehrere Stunden. An der Tafel steht lediglich:
    Abgabe: 12:20 Uhr

    Die Schüler blicken den ganzen Tag in ein ziemlich grelles Licht. Sicher, man kann einen Hintergrund in dunkelgrün oder schwarz wählen und als Stiftfarbe weiß oder gelb. Sobald eine Zeichnung die Farben rot, blau und grün verwendet, ist das bei uns nur mit dem weißen Hintergrund einigermaßen lesbar.
    Und noch einmal, die Handschriftenerkennung leistet in manchen Fächern gute Dienste. Ich komme damit nicht klar.

    schrieb Hugo Schuster am

  • #9

    Ich kann es nicht fassen! Nur eine Schule wurde untersucht? Das soll wissenschaftlichem Anspruch genügen?
    Ist es nicht so, dass viele technische Innovationen Eingewöhnungsprozesse von mehreren Jahren erfordern?

    Wenn man solch eine Studie macht, müsste man meiner Meinung auch untersuchen, inwieweit andere Unterrichtsmittel wie Diaprojektor oder Filmprojektor eingesetzt werden. Veraltete Technik? Aha. Dann sehen die Schüler, wenn nicht der Computer mit Beamer zum Einsatz kommt, eben keine Bilder in Geo und keine Filme in Geschichte. Ach so - es gibt ja die DVD - der Player lässt sich eigentlich leicht zu bedienen, da man das von Haus aus kennt. Das reicht dann aber auch an Technik.

    Ist es nicht so, dass es sich bei der mangelnden Akzeptanz von IWBs in Wirklichkeit um ein Fortbildungs-, um ein Trainingsproblem handelt?! Inwieweit wurde dies untersucht?

    Schlimm wäre, wenn sich Fortbildungsunwilligkeit mit Technikfeindlichkeit paaren würde ...

    schrieb M. Werner am

  • #10

    Die Qualität solcher Kommentare hat hier ja Tradition. Man begegnet leider unter Kollegen auch in der analogen Welt immer mal wieder diesen Stil.

    Konzentrieren wir uns lieber auf die aus der Praxis heraus entstandenen Erfahrungen mit den Informations- und Kommunikationsmedien im Unterricht und deren Bedeutung für die zeitgemäße Anpassung des Bildungsbereichs. 

    Wer sich in dieser Richtung interessiert, kann sich vielleicht mit einigen Gedanken bei Dischba (http://www.dischba.de) anfreunden oder Anregungen finden.

    schrieb Ulrich Gutenberg am

  • #11

    Wie schade, dass sich der Autor auf die gleiche Ebene wie die von ihm gescholtene Whiteboardmafia begibt. So kann kein objektives Bild entstehen. Ich selbst nutze seit fast 2 Jahren ein Smartboard und stelle fest, dass mit der zunehmenden Sicherheit auch der Weg geebnet ist, die Tafel und ihre Möglichkeiten tatsächlich zu nutzen. Ausschließlich frontal muss nicht sein, wenn auch die Schüler via Tablet die Tafelsoftware nutzen können, wie es zB mit den classmates http://1edu.de/de/hardware/classmate-pc?gclid=CMqss_KNk6oCFdQOfAodU3sWxg ist. Es geht doch nicht darum, die Technik jederzeit zu nutzen, sondern sie nutzen zu KÖNNEN, wenn es angemessen erscheint.

    Aber wo sind die Lehrer, die das Interaktive Whiteboard sinnvoll einsetzen oder sich darum bemühen??? Die deutschen Foren, die mir bekannt sind, erscheinen verweist. Ich hätte großes Interesse an Erfahrungsaustausch.

    schrieb abohn am

  • #12

    Ich kann Thomas nur vollinhaltlich zustimmen: der Ton ist eindeutig tendenziös und zeigt nicht gerade Unvoreingenommenheit! Damit ist auch die inhaltliche Qualität des Beitrags zu hinterfragen. Und - nein, ich bekomme kein Geld von der “Whiteboardmafia”.

    schrieb Christine Pöschl am

  • #13

    Ob Whiteboard oder altes blackboard - gelungener Unterricht steht und fällt mit (1) dem Lehrpersonal und (2) dessen Unterrichtsvorbereitung. Wenn der Unterricht durch interaktive Whiteboards anschaulicher und aktueller wird - gut so. Wenn die Schüler dazu verdonnert werden, dem Lehrer beim Mediengekasper zuzusehen und sonst nichts lernen, besteht noch Optimierungsbedarf. Dann muss sich der (1) sicher willige Lehrer eben (2) überlegen, wo und wie er mehr Schülerteilhabe und -teilnahme am Unterrichtsgeschehen erzeugen kann.

    Den Mittelweg finden zwischen medialer Überforderung und unzeitgemässem Maschinenstürmen - das ist Aufgabe jedes einzelnen Lehrers. Dazu braucht er Informationen, und dazu braucht es wiederum selbstverständlich auch verschiedene Blickwinkel. Vielen Dank deshalb hier dem lehrerfreund, selbst wenn ich nicht seiner Meinung bin!

    schrieb M-A Hennekes am

  • #14

    Ich möchte den Ton des Autors hier auf Lehrerfreund kritisieren.
    Vermutlich stehen Ausdrücke wie “Whiteboardmafia”, “Geschwätz” und “Geseiere” nicht für allerhöchste Objektivität oder Unvoreingenommenheit.

    Nein, ich bekomme kein Geld von Whiteboardherstellern. Ich würde mich nur freuen wenn nicht alles Neue gleich polemisch verteufelt wird.

    schrieb Thomas am

  • #15

    Vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der Braunschweiger Studie.

    Zum Schluss zitieren Sie daraus Folgendes: „Der Unterricht verbessert sich nicht allein mit der Bereitstellung eines Mediums.“ Dem stimmen wir absolut zu. „ Nach wie vor ist der Lehrer mit seinen pädagogischen und fachlichen Kompetenzen entscheidend für guten Unterricht“ (Graube/Kannenberg in Folio Nr. 2 (2011), S. 41). Technik unterstützt den Lehrer darin, ein Thema interessant und sinnvoll zu vermitteln.
    Auch in vielen weiteren Punkten der Studie, die Sie leider nicht berücksichtigt haben, wird der Einsatz interaktiver Whiteboards durchaus positiv gewertet:

    „Die Studie zeigt, dass das Whiteboard immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Anfangs setzten es 40% der Lehrer ein, schließlich 69 %.“ (S. 37) Zudem hat der Studie zufolge der parallele Einsatz der Kreidetafel (S. 41) und anderer Präsentationsmedien (Tageslicht-Projektor) zugunsten der interaktiven Whiteboards deutlich abgenommen. Das interaktive Whiteboard vereint viele zeitgemäße Medien in sich, die für die Schüler später im Berufsleben ebenfalls zum Alltag gehören – Film, Audio, Präsentationen, die Recherche im Internet sowie die Arbeit mit Office-Programmen – und wird offensichtlich in der Praxis auch so genutzt.

    Interessant ist auch, dass der Anteil der Lehrer, die anfangs überwiegend frontal mit dem interaktiven Whiteboard arbeiteten, anderthalb Jahre später stark gesunken war (S. 41). Nach einer guten Einarbeitungszeit und häufigem praktischen Einsatz wurden offenbar Unsicherheiten im Umgang mit der Technik abgelegt und die Whiteboards für viele weitere Unterrichtsszenarien eingesetzt.

    Um sich ein umfassendes Bild zu machen, sollte man auf jeden Fall die Studie selbst lesen.

    Kerstin Fischer, SMART Technologies (GmbH)

    schrieb Kerstin Fischer am

  • #16

    Ich bin Lehrer der oben genannten Realschule und sehe viele Dinge ähnlich wie oben beschrieben. Ein Whiteboard macht allein keinen besseren Unterricht und nur weil da so ein Ding steht ist der Unterricht nicht interaktiv.
    Die Schlussfolgerungen die aus dem Bericht er TU BS gezogen werden sind aus meiner Sicht aber nicht ganz richtig. Beispielsweise ist die Zwischenzeitliche Abnahme des Interesses bei Lehrern darauf zurückzuführen, dass erst im Aug. 2008 ein didaktisch/ methodisches Fortbildungsangebot bereitgestellt werden konnte und bis Mitte 2008 auch noch keine PC`s an den Boards installiert waren.

    Die Arbeitsbelastung, die hier als so riesig beschrieben wird ist ein normaler Vorgang beim Einsatz neuer Medien. Natürlich müssen in den ersten Jahren die Unterrichtsvorbereitungen digitalisiert werden, danach sind sie allerdings immer wiederzuverwenden und können im Gegensatz zur Kopiervorlage schnell und einfach aktualisiert werden.

    Ein wichtiger Punkt der in dem oben stehenden Artikel leider nicht angesprochen und auch im Beitrag “Revolutionieren digitale Whiteboards den Unterricht?” nicht vollständig wiedergegeben wird, ist der Zuwachs an Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern, die für das spätere Berufsleben von großer Bedeutung ist.

    Aus meiner Sicht ist es dazu aber besonders wichtig die SuS ans Board zu holen und sie daran arbeiten zu lassen. Dies ist zum Beispiel beim Lernen an Stationen möglich bei dem das Board eine Station darstellt.

    schrieb Markus Kucharek am

  • #17

    Neben der besagten Realschule haben mittlerweile sehr viele Braunschweiger Schulen interaktive Whiteboards im Einsatz (in der Regel beschafft aus den Mitteln des Konjunkturpaketes II), allerdings nur selten in Form einer Vollausstattung.
    Häufig ist zu hören, dass die Boards gerne eingesetzt werden. Aber natürlich darf man auch die Schwierigkeiten nicht verschweigen. Noch immer ist die Technik zu wenig intuitiv und zu fehleranfällig. Dennoch: Wenn, wie in Braunschweig erfolgt, die Einführung von interaktiven Tafeln mit umfangreichen Lehrerfortbildungen einhergeht, so überwiegen aus meiner Sicht die positiven Aspekte. Nach meiner Wahrnehmung haben die Boards in vielen Schulen einen enormen Innovationsschub ausgelöst.

    Ulf Blanke, Lehrer und Medienpädagogischer Berater am Medienzentrum Braunschweig

    schrieb Ulf Blanke am

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