Ich benutze Powerpoint. Meine LernerInnen benutzen Powerpoint. Alle benutzen Powerpoint. Dabei ist es die satanischste Erfindung, die jemals gemacht wurde.

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Das Schlimmste an Powerpoint sind die Bullet-Listen. Stumpfsinnig werden sie heruntergelesen, die Welt wird in Listenformat gebracht - Argumentationsmuster oder Zusammenhänge werden irrelevant.

Sorry. Ich meinte natürlich:

Bullet-Liste in Powerpoint

Clifford Stoll bringt es auf den Punkt:

Clifford Stoll hat 1999 einen Aufsatz geschrieben: “Die PowerPoint-Pest” (Clifford Stoll (2002): LogOut, 202-209) . Auch wenn die Verhältnisse damals anders lagen (rotierende Cliparts waren revolutionär, heute sind sie schlichtweg peinlich), trifft sein Aufsatz doch in großen Teilen erschreckend die heutige Realität. Es hat sich nichts geändert: Powerpoint ist "der Feind jeden guten Vortrags" und, was öffentliches Reden betrifft, "die Wahl der Feiglinge" (Seite 202f). Powerpoint entmenschlicht Vorträge - statt sich mit der Person auseinanderzusetzen, über Anekdoten oder kleine Schwächen zu lächeln, starrt die Meute paralysiert auf die Leinwand oder blättert durch Handouts. Der Vortragende, so Stoll, ist "nebensächliches Zubehör". Und genau das ist das Problem: Im Zentrum steht nicht jemand, der uns etwas erklärt oder veranschaulicht - im Zentrum steht die Folie; der, der sie vorliest, ist völlig austauschbar. Erstaunlich, dass diese 2002 von Stoll geäußerte Weisheit auch noch Jahre danach völlig gilt.

Im gleichen Buch berichtet Clifford Stoll von einem Schüler, der für seinen Vortrag inhaltlich nichts gearbeitet hat, sondern in einer halben Stunde eine Powerpoint-Präsentation zusammengeklickt und die vorgelesen hat. 

Andere in der Klasse haben sich die Köpfe zermartert, um ihren Vortrag auswendig zu lernen, und ich steh einfach da und les vor, was gerade auf die Leinwand projiziert wird.

Clifford Stoll (2002): LogOut, 206

Und wer hat’s erfunden? ... Wenn wir Software benutzen, um Medien zu gestalten, beeinflusst sie uns mehr, als wir denken. Aber wir können dem ausweichen und einfach keine Bulletlisten generieren - Powerpoint bietet genügend Alternativen: Autoformen, Verbindungslinien, Pfeile usw. Lesen Sie dazu auch unsere Beiträge Präsentieren wie Steve Jobs - Foliengestaltung im Unterricht und Powerpoint-Präsentationen: Da rein, da raus.






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