Merkblatt

Abitur: Wie man einen befriedigenden Deutschaufsatz schreibt - 3 Grundregeln

Von allen Abitur(s)fächern ist Deutsch dasjenige, worauf Schüler/innen am wenigsten lernen - denn den meisten ist unklar, nach welchen Kriterien ihr Aufsatz bewertet wird. Dabei korrigieren viele Deutschlehrer/innen nicht (nur) willkürlich, sondern haben bestimmte Vorstellungen davon, was einen guten Abituraufsatz ausmacht. Diese Vorstellungen gilt es als Schüler/in zu befriedigen. Mit Merkblatt zum Ausdrucken (PDF).

Ausschnitt des Übersichtsbildes 'Tipps für den Deutschaufsatz im Deutschabitur'
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Originalbeitrag vom 27.02.2009, Ergänzung 08.04.2013

Die meisten Schüler/innen glauben, dass man auf Deutscharbeiten “nicht lernen kann. Entweder man kann gut schreiben oder nicht.” Deshalb wiederholen sie fürs schriftliche Abitur noch einmal rasch die Inhalte der Lektüren, Merkmale der Epoche und die Schritte einer Texterörterung - und das war’s. Kein Vergleich zu dem, was man auf Mathe oder Geschichte alles lernen kann.

Diese (nicht unberechtigte) Passivität rührt auch daher, dass viele Schüler/innen außer “schwallen” kaum Kriterien für die Qualität von Deutschaufsätzen (v.a. Interpretationsaufsätzen) kennen. Wann gibt es 8 Punkte? Wann 7? Erschwerend kommt hinzu, dass Deutscharbeiten dazu noch als das Chamäleon unter den Notentieren gelten: Die Bewertung kann je nach korrigierender Lehrer/in sehr unterschiedlich ausfallen. Als Lehrer/in sollte man seine Mindestanforderungen transparent machen bzw. den Schüler/innen vor dem Abitur noch einmal als gute Ratschläge auf den Weg geben.

Strukturbild: Grundregeln fuer den (mindestens befriedigenden) Deutschaufsatz

Wer diese Ratschläge befolgt, dürfte mindestens eine befriedigende Note erreichen. Voraussetzung dafür ist allerdings auch die Lesbarkeit des Aufsatzes (= Rechtschreibung, Schrift und Stil sollten halbwegs ordentlich sein).

Ein (mindestens befriedigender) Abituraufsatz im Fach Deutsch braucht:

1. Klare Struktur
Die Arbeit liest sich viel besser, wenn sie in formaler und inhaltlicher Hinsicht deutlich und nachvollziehbar strukturiert ist. Grundstruktur ist in jedem Fall Einleitung, Hauptteil, Schluss. Im Hauptteil muss die Bearbeitung einzelner Aufgaben und/oder Themen in klar getrennten Blöcken erfolgen, die nach Möglichkeit mit Übergängen verbunden sind. Absätze erhöhen die Übersichtlichkeit. Viele Lehrer/innen (Zweitkorrektor/innen!) wollen nicht, dass man den Absätzen Überschriften gibt. Wer damit Schwierigkeiten hat, gibt den Absätzen Überschriften mit Bleistift und radiert sie dann vor Abgabe weg.
2. Inhaltliche Angemessenheit & Abschnittstreue
Als Lehrperson hat man gewisse inhaltliche Erwartungen:
  • Die Einleitung führt zum Thema hin. In Interpretationsaufsätzen stehen in der Einleitung Infos zu Autor(en) ... (mehr zu Einleitung zum Interpretationsaufsatz), nicht aber die abschließende Meinung. Sehr gut kommt an, wenn die Einleitung eine Frage/ein Grundproblem formuliert, das dann im Hauptteil beantwortet wird.
  • Der Schluss zieht in irgendeiner Weise ein Fazit. Dabei werden Gedanken aus dem Hauptteil aufgegriffen. Sehr elegant ist es, wenn so die Frage aus der Einleitung beantwortet werden kann.
  • Auch an die Blöcke des Hauptteils (können sich z.B. an Unteraufgaben orientieren) hat die Lehrperson gewisse Erwartungen. Hier wird das Gelernte/Geübte nützlich (Kenntnis der Inhalte/Interpretationsansätze einer Lektüre, Fähigkeit Argumente zu erörtern). Wichtig ist in jedem Fall auch hier, dass ein deutlicher Bezug zu den jeweiligen Unterpunkten gegeben ist. In einem Abschnitt mit der (unsichtbaren) Überschrift “Ist Kohlhaas ein Antiheld?” wird man sich nur dann länger mit dem Gerechtigkeitsbegriff Kleists auseinandersetzen, wenn es der Beantwortung der Frage dient.
3. Keine Redundanz
Viele Schüler/innen glauben, dass man in Deutsch eine bessere Note bekommt, wenn man viel schwallt. Das ist nicht richtig. Man bekommt eine gute Note, wenn man sich an die oben genannten beiden Punkte hält. Nach Möglichkeit sollte jeder Satz für den zugehörigen Abschnitt eine Bedeutung haben. Im Abschnitt über die Nachteile des Markenzwangs hat ein Satz wie “In einer Zeitschrift gab es vor einiger Zeit einmal eine achtseitige Werbung für Markenklamotten, die Anbieter haben in den letzten Jahren offensichtlich gute Gewinne gemacht.” nur dann etwas zu suchen, wenn er irgendwie auf die Nachteile des Markenzwangs verweist.






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