Frage einer Referendarin: Wie organisiert man sein Leben als Lehrer/in?
Wie kann man das stressige Leben als Lehrer/in durchhalten, ohne nach wenigen Jahren energetisch völlig einzuknicken? Wie organisiert man Arbeit und Freizeit?
Eine Referendarin hat auf Dem Lehrerfreund in den Kommentaren um Tipps gebeten, wie man sein Lehrerleben am besten organisiert, damit man noch Spaß am Leben hat. Wir drucken diesen Kommentar hier ab - vielleicht hat ein/e mitlesende/r Lehrer/in eine hilfreiche Meinung dazu.
“Hallo! Ich bin Referendarin und schreite gerade mit großen Schritten auf meine schriftliche Hausarbeit zu. Der Beruf macht mir sehr viel Spass, auch wenn es mal stressigere Stunden (z.B. in 9. Klassen) gibt. Man kann wohl einfach nicht erwarten, dass ALLE übermäßig interessiert sind, auch wenn ich mir bei der Vorbereitung und Durchführung sehr viel Mühe gebe. Die letzte Aussage führt mich auch sogleich zu meiner Frage an erfahrene KollegInnen: Wie schafft ihr es, eure Arbeit adäquat und professionell in allen Bereichen (Stunden, Korrekturen, Elterngespräche etc.) zu erledigen, ohne dass ihr Nachtschichten einlegt und so gut wie keine Freizeit mehr habt?
Ich merke jetzt nach ca. 9 Monaten Referendariat, dass ich mit meinen Energien besser haushalten muss, um nicht nach spätestens 5 Jahren ausgebrannt zu sein. Das Problem ist, dass mich schnell das schlechte Gewissen plagt, wenn ich abends mal ferngesehen und nicht noch zusätzlich weitere Stunden in eine noch bessere Vorbereitung gesteckt habe. Das ist wohl das Kreuz einer Perfektionistin?
Bin ich schon beinahe ein Klischee? Vollauf begeisterte Lehrerin steigt in ihren Beruf ein und hat nach spätestens 5 Jahren sämtliche Energien verbraucht = Burnout? Das möchte ich mir auf jeden Fall ersparen!!!
Ich freue mich auf eure Tipps!
Zusätzlich möchten wir zur weiteren Inspiration auf entsprechende Beiträge im Lehrerzimmer (Wie ich mir meine Arbeitskraft erhalte (13.12.2006)) und die Ergänzung auf Dem Lehrerfreund (Als Lehrer/in fit bis ins hohe Alter - 3 Grundsätze (15.12.2006)) verweisen.
Bitte posten Sie Ihre Tipps in den Kommentaren.
Beitrag vom 03.04.2007, 23:51 | diesen Beitrag versenden
Im Ernst: Ganz ohne ungewöhnliche Arbeitszeiten geht es - bei mir jedenfalls - nicht. Aber das ist ja der besondere Vorteil unseres Berufs: die relativ flexible Zeiteinteilung. Darum habe ich Zeit, am Nachmittag das eine Kind in die Musikschule, das andere zum Volleyballtraining zu fahren, wieder abzuholen und zwischendurch einzukaufen. Dann kann ich am Abend meine Korrekturen erledigen und den Unterricht vorbereiten - wenn es sein muss, auch bis nach Mitternacht.
Das führt nicht zwangsläufig zum Burn-out, keine Sorge - ich mach das schon zwanzig Jahre lang, und ich bin immer noch recht munter. Wichtig ist (finde ich), dass man den Spaß an der Sache nicht verliert. Vieles, was einem als Referendar zeitraubend erscheint, geht mit wachsender Erfahrung schneller. Dafür kommen andere Aufgaben hinzu, die einem mit der Zeit zuwachsen (oder: aufgedrängt werden) - merke: auch mal nein sagen, auf bereits vorhandene Belastung hinweisen (merke aber auch: kann bei manchen Vorgesetzten ungünstigen Eindruck verursachen ... "ist nicht voll belastbar" ...).
Wichtig auch: Prioritäten setzen (dazu gehört: Perfektionismus abfedern; ein absolut perfektes Arbeitsblatt ist eine Augenweide, aber wenn man mit etwas weniger ausgefeiltem Layout eine Stunde länger schlafen kann, dann tut's das auch).
Schließlich: Einerseits ist es vernünftig, auf den Rat erfahrener Kollegen zu hören. Viele Tipps zur Bewältigung des Alltags findest du beispielsweise bei Jochen Lüders -> jochenenglish.de
Andererseits muss man selbst herausfinden, was einem guttut.
Viel Erfolg im Beruf wünsche ich!
Zum Beispiel bin *ich* ganz schlecht im Nachtschicht schieben - es nervt mich, wenn ich ab einer bestimmten Zeit abends noch nicht fertig bin. Deswegen versuche ich, nachmittags, so rasch wie möglich am Schreibtisch zu sitzen. Ich kenne aber Kollegen, die nach der Schule erst mal 1-2 Stunden Pause machen und dafür abends problemlos länger arbeiten.
Im Gegensatz zum Referendariat ist es auch aus meiner Sicht wichtig, nicht zu perfektionistisch zu sein bzw. den Tätigkeiten einen zweiten und dritten "Durchgang" zuzugestehen, bevor sie richtig rund laufen. Wenn ich etwas zu ersten Mal tue, erwarte ich nicht, dass es gleich perfekt läuft. Ich merke mir aber die Probleme und versuche, diese beim nächsten Mal zu vermeiden. Viele Schwierigkeiten kann man ohnehin nicht antizipieren, so dass zu viel Planung oft Zeitverschwendung ist.
Was für mich auch wichtig ist (obwohl ich es noch zu selten schaffe): 1-2 Mal pro Woche Sport oder einen anderen körperlichen Ausgleich. Dabei habe ich auch oft die besten Ideen für die längerfristige Planung des Unterrichts.
Die Korrekturen sind für mich viel weniger zeitaufwändig, seitdem ich mit Beurteilungsbögen arbeite. Beispiele zum kostenlosen Download findest du im Forum Deutschunterricht (http://www.schule-deutsch.de/forum), z.B. unter "Korrekturerleichterungen, also hier: http://www.schule-deutsch.de/forum/board.php?boardid=36&sid=72f213c0ce25e751e27ab3b76192c1f4
Viele Tipps enthält auch das Buch von Klippert: "Lehrerentlastung", etwa im Kapitel "Der Schüler als Helfer und Miterzieher".
Entlastungstipps speziell für den handlungsorientierten Musikunterricht, der ja durchaus anstrengend sein kann, findest du hier:
http://www.schule-musik.de/Musikunterricht/Tipps_zur_Entlastung/tipps_zur_entlastung.html
Im Übrigen: Lass dir viel Zeit und Ruhe und wähle für dein Engagement Schwerpunkte!
Viel Erfolg dabei wünscht dir
Gerd Haehnel
ich selbst bin seit 4 Jahren im Beruf. Mir geht es ähnlich wie dir. Auch ich könnte, wie von rip erwähnt, stundenlang am Layout rumfeilen.......aber wozu? Die Schüler danken es einem nicht, die Eltern auch nicht und so versuche ich immer mehr die mir wichtigen Dinge zu ändern und es dann auch gut sein zu lassen. Auch ich gehöre zu denen, die mittags erst einmal ihre Ruhe brauchen. Leider ziehen sich dann Korrekturen und Vorbereitungen in den Abend../Nacht... hinein.
Mir fällt es schwer, diese Gewohnheit abzustellen und mitttags gleich zu beginnen.
Da an unsrer Schule gerne "die jungen Kollegen" mit Arbeit zugehäuft werden, japst man recht bald. Aber wirklich: "Nein" sagen, mit Begründung finde ich wichtig! Leider leidet nicht nur dein Unterricht darunter, sondern man selbst als Person (Schlappheit, burnout-ähnliche Zustände....), erst REcht, wenn man perfektionistisch ist und wenn einem auch viel Eltern bzw- Jugendarbeit ewichtig ist! An welcher Schule bist du denn?
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und die Fähigkeit sich an jeden kleinem Fortschritt zu freuen....
*mariechen*
1) Den eigenen Rhythmus finden:
Ich weiß, dass ich nachts am kreativsten bin. Deshalb bereite ich neue Unterrichtseinheiten am liebsten von ca. 21.00 bis 01.00 Uhr nachts vor. "Handwerk", also unterrichten, korrigieren und bereits gehaltene Einheiten vorbereiten mache ich tagsüber. Ein Vorteil des Lehrerjobs ist, die freie Zeiteinteilung: Nütze sie, mach sie nicht zum Fluch. Freie Zeiteinteilung heißt: Sich die Zeit einzuteilen, nicht rund um die Uhr zu arbeiten. Ich setzte mir aber auch ein Limit pro Woche: 50 Stunden (Schule + Internatsdienst) sind für mich genug. Geht es mal drüber, dann arbeite ich nächste Woche weniger. Ich könnte an einer Unterrichtsstunde 5 Stunden, ja 10 Stunden vorbereiten. Aber ich will nicht. Das Funktioneren einer Unterrichtsstunde hängt zu einem großen Teil von meiner guten Laune und Ausgeglichenheit ab, nicht von einer perfekten Vorbereitung.
2) Kultur des Teilens und Tauschens:
Ich tausche so viel es geht mit Kollegen. Ich nutze so viel es geht das Internet. Ich verstehe Lehrer nicht, die mit Unterrichtseinheiten anderer nichts anfangen können, an diesen "herumbasteln" müssen (... meist ist es ja nur ein Grafik verschieben und eine Schriftart ändern...). Um zu teilen, ist es notwendig, mit Winword, Powerpoint, E-Mail, Google, USB-Sticks, DVDs, CDRoms usw. umgehen zu können. Unterrichtsvorbereitungen in Form von Papier-Kopien sind Schrott.
3) Sport:
Ich laufe 3 - 5 Mal die Woche mindestens eine Stunde an der frischen Luft (NICHT AM LAUFBAND!!), zweimal im Jahr einen Marathon, dazwischen kleinere Läufe. Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt, ist somit produktiver, ich bin gelassener, ärgere mich weniger. Wenn es geht, baue ich Einheiten in Freistunden ein. Der Tag ist somit zweigeteilt. Ich gehe als neuer Mensch in die zweite Hälfte. Durch die Marathons steigt der Selbstwert extrem. In kritischen Situationen im Unterricht und im Internet (zB Situationen in denen Gewalt, Tabletten, Krankheiten usw. eine Rolle spielen) hilft mir das. Ich habe 35 Jahren keinerlei Sport betrieben, nun weiß ich, wie wichtig das ist!
4) Don´t do anything, that isn´t play (Zitat von Marshall Rosenberg). Was mir Spass macht, macht auch den Schülern Spass. Wenn ich mich im Unterricht langweile, dann langweilt sich der Schüler schon lange! Unterricht ist ein Spiel: Wie bringe ich den Stoff, damit der Schüler sich diesen merkt, ohne daheim lange zu lernen?
5) Mentoren:
Habe ich leider keine im Umkreis. Mir helfen aber die Bücher und Videos von Vera Birkenbihl, Alfie Kohn (nur in Englisch erhältlich), Daniel Goleman, Manfred Spitzer, Paul Watzlawick usw.
6) Offener Unterricht:
Oft muss aufgrund Zeitdruck und Lehrplan der Frontalunterricht sein, okay. Aber Schüler arbeiten gerne alleine. Ich plane bewusst eine Stunde pro Tag dafür ein, um meine Stimme und Ressourcen zu schonen. In dieser Einheit ist das Unterrichten anders. Abwechslung.
7) Positive Grundstimmung:
Ich denke positiv. Wie schaffe ich das? Ich nehme keine Probleme mit nach Hause, ich nehme aber auch keine Probleme mit in die Schule. Einige Lehrer bleiben nach Unterricht noch länger in der Schule, um mit Schülern ihre privaten Probleme zu besprechen. Ich bewundere das, kann das aber nicht und will das auch nicht. Ich bin Lehrer, um zu unterrichten und nicht zu therapieren. Es ist schön, wenn es Kollegen gibt, die das machen.
8) Gedanken:
Ich mache mir keine Gedanken, was andere über mich denken. Das geht mich nichts an. Punkt.
http://teacher.twoday.net/stories/3502027/
ich bin also nicht die Einzige, die sich mit dieser Frage beschäftigt (mittlerweile 10 Jahre im Beruf und hin- und hergerissen zwischen Engagement, Spaß, dem Bedürfnis, mich für meine Klientel einzusetzen und der ständigen Nähe zum Burnout). Wer Lust hat, kann einen Blick auf meine eigene Liste werfen: http://deutschundenglisch.wordpress.de/
Viele Grüße und Frohe Ostern!
Zu den vielen guten Tipps gibt es noch einen ganz entscheidenden: Teamarbeit! Und diese bis zum Exzess!!!!! Die Einsamkeit unserer Berufsstruktur und der im Referendariat antrainierten und später nicht mehr überdachten Arbeitsweise besorgt einen Großteil der berechtigten Burnout-Sorgen. Es ist aber doch nicht einzusehen, dass alle parallel unterrichtenden Kollegen die selben Stunden alleine vorbereiten. Das Ganze richtig koordiniert erspart einem die angesprochene Nachtarbeit etc.
Nicht abschrecken lassen, es ist bei aller Arbeit ein wunderbarer Beruf!
Gruß Jörn
Das hilft nicht weiter, sondern macht nur unzufrieden und krank. Ich habe mir angewöhnt, auf die schönen Seiten meines Lehrerdaseins zu blicken - und da gibt es viel zu sehen. Wenn ich meinen Beruf liebe, hat das Auswirkungen auf meinen Schulalltag. Leider wird in der Lehrerausbildung und im Fortbildungsbereich in dieser Richtung zu wenig getan.
Ich empfehle auch mein "Mutmachbuch für Lehrerinnen und Lehrer"(http://www.auer-verlag.de/titelansicht.asp?id=2821) - sie finden dort sicherlich einiges zum Schmunzeln und Nachdenken.
Viele Grüße aus den Ferien
Arthur Thömmes
Hier spricht die Referendarin, die Tipps von erfahrenen Kollegen sammeln wollte (s.o.). Erst einmal bedanke ich mich sehr für die hilfreichen Antworten.
Ich bin an einem Gymnasium im Rheinland, an dem sich eigentlich ausschließlich Kinder aus der Mittelschicht befinden. Im Vergleich zu anderen Ref. mit Gesamtschulen in sozialen Brennpunkten kann ich mich nicht beschweren. Wahrscheinlich ist es gerade in der Anfangszeit von Vorteil, sich nicht hauptsächlich um Disziplinprobleme kümmern zu müssen.
Jetzt in den Osterferien habe ich mir über das Osterwochendende "frei" genommen und nichts für die Schule getan. Dennoch habe ich die Zeit genutzt, mir über meine Prioritätensetzung Gedanken zu machen.
Einigen von Euch muss ich auf jeden Fall zustimmen, dass das Gelingen einer Stunde häufig eher von meiner Ausgeglichenheit und guten Laune abhängt als von einer zusätzlichen Vorbereitungsstunde am späten Abend zuvor. Ich möchte eben gern ein Gleichgewicht finden, das es mir erlaubt, sowohl gut vorbereitet in die Stunde zu gehen und mir auf der anderen Seite ein wenig Freizeit ermöglicht.
Was den Sport angeht, so empfinde ich mich selbst auch als viel lebendiger und belastbarer, wenn ich an der frischen Luft war, um zu schwimmen oder zu laufen. Getreu dem Motto: Mens sana in corpore sano.
Die Einzelkämpfermentalität einiger Kollegen kann ich ebenso wenig nachvollziehen. Ein anderer Ref. und ich tauschen uns immer aus (Arbeitsblätter, Pläne von Unterrichtsbesuchen etc.). Bei diversen Gesprächen fällt mir auch jedes Mal die Fruchtbarkeit dieser Unterhaltungen auf. Nichtsdestotrotz hüten einige Kollegen ihre Arbeitsblätter wie einen Schatz - obwohl doch jeder nur profitieren kann.
Im Moment mache ich mir eher Sorgen um die Zusatzaktivitäten, die stillschweigend von den Ref. an meiner Schule verlangt werden. Ich frage mich nur, wie ich noch einen tollen Musical-Abend oder eine tolle Literaturaufführung organisieren und durchführen soll, ohne Energien von anderen 'Baustellen' abzuziehen. Das Zauberwort ist wohl nach wie vor 'Prioritäten'!
In diesem Zusammenhang denke ich dann an die 25% der Endnote, die vom Direktor vergeben werden und der wahrscheinlich nur nach auffälligen Aktivitäten Ausschau hält und weniger nach meinen Stunden. Wenn keine Überwachungskameras im Klassenzimmer installiert sind, wird er von meinen Stunden wohl nichts mitbekommen. Ist das Fazit also eine schlechtere Vorbereitung der Stunden zu Gunsten von lauten und bunten Aktivitäten vor seiner Nase?
Gruß, Kasi!
ja, das kenne ich: Zusatzaktivitäten so "nebenbei" organisieren. 100 % ist nicht genug, MEHR, MEHR, MEHR. Ich praktiziere zwei Varianten:
a) Nein sagen. (Ist klar, hilft dir heute nicht weiter, weil das Damokles-Schwert der 25 % in luftiger Höhe schwebt). Aber um der geistigen Gesundheit willen: Es gibt einige Bücher, die mir weitergeholfen haben. (August Höglinger: "Grenzen setzen für Erwachsene", Herbert Fensterheim: "Sagt nicht Ja, wenn du Nein sagen willst.", Antja Balters: "Mut zum Neinsagen. Grenzen setzen ohne Schuldgefühle" und Tanja Baum: "Die Kunst, freundlich NEIN zu sagen."
b) Wenn ich schon JA sage, dann muss ich voll dabei sein: Ich muss innerlich überzeugt sein, etwas Wertvolles zu tun. Es muss mir Spass machen. Halbherzig geht da überhaupt nichts. Es kommt ganz schlecht rüber, wenn du nicht voll dahinterstehst, das habe ich leider schon erlebt. Dann besser nichts machen.
Und das Wichtigste dabei: Marketing. Diese Leistung muss exzellent "verkauft" werden. Mit Fotos, einem Projektbericht, mit einem selbstgedrehten Video. Schüler lieben es, in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Stelle das Ergebnis in ein Wiki oder Weblog, sodass es die ganze Welt erfährt. Schalte einen Bericht in der Regionalzeitung. Wenn zu Zugang zur Schulhomepage hast, dann kommt dort auch ein Bericht rein. Nein, besser zwei: Ein Vorab-Bericht (Beschreibung der Vorbereitungen) und eine Nachlese. Schülerinterview. Beitrag in Schülerzeitung. Gibt es ein Regionalradio? Wie wäre es mit einem Podcast von Aufnahmen vor, während und nach der Veranstaltung?
Während meiner Laufbahn als Lehrer bin ich auf einige tolle Projekte von Kollegen gestoßen. Allerdings nur am Rande und oft nur per Zufall: Manchmal erfahre ich von solchen Projekten bei der (immer lobenden) Erwähnung in der Notenkonferenz, manchmal wird ein Projektblatt beim Kopierer vergessen. Manchmal erfahre ich auch aus der Zeitung von unseren Schulprojekten. Viele Lehrer können nicht ihre Arbeit nicht kommunzieren und haben keine Ahnung von Marketing. (Buchtipp: Jay Conrad Levinson: "Guerilla Marketing" - Offenes Werben und Verkaufen für kleine und mittlere Unternehmen; Die Zusammenfassung habe ich eben auf mein Experimentier-Wiki http://lernenheute.wikispaces.com/buch ) gestellt.
Das sind zweifellos alles wunderbare und wichtige Dinge, aber sie verursachen noch mal wesentlich mehr ARBEIT. Ob das jemand hilft, der eh schon an der Grenze der Belastung steht?
Ein großes Problem während eines Schultages sind allerdings die vielen Informationen, die auf einen einprasseln, die Fragen, die gestellt werden, die vielen kleinen Nebenschauplätze, die vielen kleinen Dienstleistungen, die erbracht werden, und das immer SOFORT, während Kollege X oder Schülerin X schon ungeduldig von einem Bein auf das andere hüpft.
Stress entsteht gerade dann, wenn man eigentlich 5 Dinge gleichzeitig zu tun hat und versucht, allen gerecht zu werden. Das kann nicht gehen, man macht Fehler, vergisst Dinge wieder und ist frustriert oder hat doppelte Arbeit.
Ein paar Tips:
1. Wenn nicht gerade Blut fließt oder die Schule brennt, haben Schüleranfragen während der großen Pause meist nur den Charakter von: "Ich wollt nur mal wissen, ob Sie die Arbeit dabei haben."
Lösung: Schülern deutlich klar machen, dass das Lehrerzimmer während der Pausen tabu ist, außer bei Notfällen oder nach Absprache.
2. Eltern kommen immer häufiger unangemeldet in die Schule und erwarten sofortige Bedienung.
Lösung: Wenn die Sache nicht mit 2 Sätzen zu klären ist, sofort das Gespräch abbrechen und einen Termin ausmachen, bei dem man in Ruhe und ungestört reden kann.
Der Sekretärin sagen, dass Telefongespräche von Eltern während nur in Notfällen durchgestellt werden sollen. Eltern können ihre Telefonnummer hinterlassen, wir rufen so bald wie möglich zurück. IN RUHE.
3. Kollegen in den kleinen Pausen: "Wir müssen mal über den Heinzi aus deiner Klasse reden". "Wie wollen wir denn das jetzt machen mit der Theaterfahrt?"
Lösung: Häufig können längere Gespräche mit Kollegen viel besser nachmittags am Telefon geführt werden als am Kopierer in der kleinen Pause.
Wichtige Gespräche nicht zwischen Tür und Angel führen, sondern einfach mal sagen: "Lass uns heute nach der 6. stunde in Ruhe darüber reden."
4. Infos zwischen Tür und Angel oder während eines stressigen Vormittags gehen häufig gedanklich verloren.
Lösung: "Schreib mir das mal kurz auf und leg mir den Zettel auf den Tisch!" Es wirkt Wunder und man kann in einer stillen Stunde alles abarbeiten.
5. Man soll eine Antwort geben oder eine Lösung parat haben - und zwar sofort. Oft sind spontane Entscheidungen - gerade die organisatorischer Art - fehlerbehaftet.
Lösung: "Darüber muss ich mal nachdenken. Sprich mich in der nächsten Pause/morgen noch mal an."
6. Acht verschiedene Schüler kommen in den Pausen in 50 Sekunden Abstand und geben einen Zettel oder ein Heft ab.
Lösung: Sammlertätigkeiten so weit wie möglich auf wenige vertrauenwürdige Schüler delegieren. Dazu sollte man immer leere Klassenlisten in der Tasche haben. Die Sammler geben den Packen NUR dann ab, wenn er vollständig ist.
Grundsätzlich:
Es lohnt sich, NICHT mit dem Klingeln in die Schule zu kommen und mit dem Klingeln wieder zu gehen.
Tägliche zusätzliche 20 Minuten Anwesenheit nach dem Unterricht sind Gold wert. Vieles kann dann in Ruhe besprochen werden und der Vormittag wird entlastet.
Man sollte in der Schule einen Zufluchtsort haben. Wenn alles zu viel wird, sind 10 Minuten Ruhe in einem abgelegenen Bibliotheksraum ein Quell der Erholung. Man muss sich wundern, welche "dringenden" Sachen plötzlich nicht mehr so dringend sind. Immer daran denken: wäre man krank, könnte diese "unaufschiebbare" Sache auch nicht erledigt werden.
Viel Glück in einem durchaus schönen und abwechslungsreichen Beruf!
Da finde ich den abschließenden Wunsch von pacificus schon hilfreicher: Wenn man einmal mehrere Monate hintereinander das Gefühl haben sollte, der Beruf sei *nicht* schön und abwechslungsreich, dann macht man etwas falsch.
ich hab mir das jetzt alles mal durchgelesen.
Ich bin momentan ->noch<- Student der Wirtschaftsinformatik.
Aber immermehr merke ich, dass dieses Gebiet mich nicht glücklich macht.
Ich habe mir schon oft überelegt Lehrer zu werden.
Die Frage ist ob ich mit 23 Jahren nicht schon zu "alt" bin um den Lehrerberuf zu ergreifen?
Und wie ist es mit den Stellenangeboten?
Wenn ich sagen wir Mathe und Geographie als Fächer nehme....woher weiß ich das genau diese beiden Fächer auch gesucht werden und ich nicht auf der Straße lande?
Welche Fächerkombination ist am meisten gesucht?
Ich hoffe ich verfälsche hier nicht das Thema und bitte vielmals um Entschuldigung falls doch.
Bin eben etwas verzeifelt und suche Rat bei Erfahrenen.
Viele Grüße
Vielen Dank Laura
Schau doch mal in die Standard-Didaktik Bücher rein. Gut ist z.B. Timm "Englisch lernen und lehren" (http://tinyurl.com/3bbc7w)
 
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