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Ein rascher Notenschlüssel…

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Burnout-Prävention

5 Tipps: Arbeitsbelastung als Lehrer/in reduzieren 02.07.2016, 14:20

Entspannter Weihnachtsmann
Bild: Shutterstock/Mirelle

Auch wenn man sich mittags durchaus mal auf dem Tennisplatz tummeln kann: Die meisten Lehrer/innen leisten Knochenarbeit, nicht selten mit 70-Stunden-Wochen. Als besonders anstrengend wird von vielen Lehrer/innen der hohe energetische Aufwand in Unterrichtsituationen und in der Kommunikation mit Eltern empfunden. Hier helfen einige organisatorische Kniffe, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

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Original-Beitrag vom 27.11.2010, Ergänzung 02.07.2016

Die Arbeitsbelastung von Lehrer/innen führt oft zu Burnout oder zu Burnout-ähnlichen Erkrankungen. Deshalb ist eine Reduktion der Belastung in vielen Fällen überaus wünschenswert.

Im Falle des Lehrerberufs ist Reduktion der Arbeitsbelastung entweder durch weniger Arbeit (= Reduzierung des Deputats) zu erreichen oder durch effizientere Verwendung der verfügbaren Ressourcen. Das bedeutet:

Übersicht

  1. Arbeit und Freizeit trennen
  2. Korrekturaufwand reduzieren
  3. Papierberge reduzieren und strukturieren
  4. Im Unterricht Energie sparen
  5. Kommunikation mit Eltern im Griff behalten

Dies sind relevante Dimensionen, die weit gehend außerhalb des pädagogisch-didaktischen Bereichs angesiedelt sind. Kompetentes Handeln gerade in pädagogisch-didaktischer Hinsicht gehört zwangsläufig zu den zentralen Merkmalen der Lehrerprofessionalität und trägt wesentlich zur Zufriedenheit mit der Arbeit bei. Wir grenzen diesen uferlosen Bereich hier bewusst zu großen Teilen aus und konzentrieren uns vor allem auf organisatorische Aspekte.


1) Arbeit und Freizeit trennen

Ein großer Teil der Arbeit von Lehrer/innen findet am heimischen Arbeitsplatz statt. Viele Lehrer/innen können deshalb zu Hause keine Distanz vom Job bekommen. Es liegen unkorrigierte Klassenarbeiten herum, man sollte den Unterricht für übermorgen vorbereiten (da morgen Konferenz ist) und die Notenlisten für den Elternsprechtag ausdrucken. Es fällt vielen Lehrer/innen schwer, Feierabend zu machen oder abzuschalten, wenn im Nebenzimmer ein Haufen unerledigte Arbeit wartet.

Ziehen Sie also eine deutliche räumliche und zeitliche Grenze zwischen Privatleben und Arbeitsleben.

Räumliche Trennung
Wenn Sie die Möglichkeit haben, benutzen Sie zur Erledigung Ihrer Privatgeschäfte einen anderen Ort. Dies ist dann möglich, wenn Ihnen ein zweiter Arbeitsplatz und/oder Rechner zur Verfügung steht. Schließen Sie nach Feierabend die Tür zu Ihrem Arbeitszimmer; Sie wollen nicht, dass Ihnen beim Turteln mit Ihrer Ehepartner/in drei Stapel unkorrigierter Klassenarbeiten zuschauen.

Zeitliche Trennung
Seien Sie sich bewusst, wann Sie arbeiten und wann sie nicht arbeiten - und vermeiden Sie jegliche Vermischung. Rufen Sie Ihre privaten Mails erst dann ab, wenn Sie Ihr schulisches Pensum erledigt haben. Wenn Sie für die Schule arbeiten, dann arbeiten Sie nur für die Schule. Wenn Sie aber damit fertig sind, machen Sie RICHTIG Feierabend.
Wenn Sie damit Probleme haben, sollten Sie sich vielleicht zur Selbstdisziplinierung aufzeichnen, wann Sie wie lange woran gearbeitet haben. Dazu empfehlen sich z.B. kleine, meist einfach zu bedienende Programme, die die Zeit für einzelne Arbeitsbereiche messen (Software zu Zeitmanagement).


2) Korrekturaufwand reduzieren

Lehrer/innen verbringen - je nach Fach - einen großen Teil ihrer Zeit mit dem Korrigieren von Klassenarbeiten, Vokabeltests usw. Versuchen Sie die Zeit für die Leistungsbewertung (Korrigieren, mündliche Noten machen) zu reduzieren. Einige Inspirationen aus dem Lehrerfreund-Bereich Bewerten und Korrigieren, z.B.:


3) Papierberge reduzieren und strukturieren

Lehrer/innen haben innerhalb und außerhalb des Unterrichts sehr viele organisatorische Aufgaben zu erledigen: Unterricht vorbereiten, Notenlisten verwalten, Noten eintragen, Klassenbücher überprüfen, Arbeitsblätter kopieren, Termine festhalten, Elternbriefe schreiben ...

Bei den meisten Lehrer/innen führt das zu einem wahnwitzigen Papier- und Zettelchaos - und sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, genervt und hektisch etwas zu suchen oder zehntausend Mal den gleichen Zettel in die Hand zu nehmen. Das führt zu Stressaufbau, denn man sitzt ununterbrochen vor großen Häufen Papier, die weggeräumt werden sollten. Die meisten Lehrer/innen beginnen in der letzten Ferienwoche damit, das Chaos des vergangenen Schuljahres aufzuräumen und kommen so nicht dazu, das kommende Schuljahr vorzubereiten - womit die schwarze Saat für neues Chaos schon wieder gut ausgebracht ist.

Papierberge reduzieren, Strategie 1: Legen Sie sich eine Todo-Liste an

Die Betonung liegt hier auf EINE. So haben Sie alles, was Sie zu erledigen haben, kompakt im Blick. Wenn Sie in einer Situation Ihre Liste nicht dabei haben, schreiben Sie den Auftrag auf einen Zettel und übertragen Sie ihn zuhause sofort auf Ihre Todo-Liste.

Todo-Listen führt man am besten in digitaler Form, da häufig gelöscht, geändert oder verschoben werden muss, was auf papiernen Zetteln häufig zu Chaos führt. Legen Sie sich Ihre Todo-Liste in Excel oder Word an und speichern Sie sie gut zugänglich (z.B. auf den Schreibtisch). Sehr effizient ist auch die Arbeit mit entsprechender Software (meist angelehnt an das Konzept Getting Things Done). Für iPhone, iPhone Touch und Apple Macintosh ist Things eine äußerst empfehlenswerte Anschaffung. Mehr: Überblick über GTD-Software (englischsprachig)

Papierberge reduzieren, Strategie 2: Ordnen Sie verschiedene Materialtypen bestimmten Orten zu.

Vermeiden Sie die Arbeit mit temporären Ablagesystemen (“Eingang”, “Sortieren”, “Deutsch divers”, “Arbeitsblätter allgemein”). Vermeiden Sie auch die Arbeit mit Stapeln (“Diese GEW-Zeitschrift lege ich jetzt auf diesen Haufen/Stapel, heute abend oder morgen lese ich sie und dann werfe ich sie weg.”).

Bestimmen Sie vielmehr Orte, wo einzelne Materialtypen hingehören und räumen Sie sie SOFORT dorthin, wenn Sie sie nicht mehr (oder noch nicht) brauchen. Bei den folgenden Beispielen sind v.a. analoge Ablageformen (= Zettel in Leitzordnern usw.) berücksichtigt. Digitale Ablageformen (siehe nächster Punkt) dürften wesentlich angenehmer sein, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.

Der zentrale Trick dieser Strategie besteht darin, alles wegzuräumen oder wegzuwerfen, was man nicht / nicht mehr / noch nicht braucht. Der unspezifische Gedanke “Das könnte ich nochmal gebrauchen” ist eine der wichtigsten Ursachen für den Zettelwahnsinn.

Materialtypmögliche Orte
Schulinterne Kommunikation (Einladungen zu Konferenzen, Listen mit Terminen, Hinweise zur Pausenaufsicht etc.)Papierkorb (nachdem Termine eingetragen wurden oder Aufträge in eine Todo-Liste eingetragen wurde). Zettel, die aufzuheben notwendig ist, in einen Ordner "Schulinterne Kommunikation".
Unterrichtsvorbereitung (Stundenverlaufsplan)Papierkorb (nachdem Stunde gehalten wurde und eventuelle Anmerkungen auf der digitalen Version des Verlaufsplans festgehalten wurden) - siehe auch Effiziente Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung mit dem ADA-System).
Arbeitsmaterialien (für aktuelle Unterrichtsstunden)Nach dem Einsatz im Unterricht noch am gleichen Tag (!) in digitalen oder analogen Ordnern ablegen (zur Frage der Organisation von Unterrichtsmaterialien (Klassen? Fächer? Themen?) vgl. Organisation von Unterrichtsmaterialien auf der Festplatte)
Arbeitsblätter (ohne festgelegten Einsatzbereich, z.B. Arbeitsblatt vom Referendar, Zeitungsartikel ...)Sofort in den zugehörigen Ordner einordnen. Wenn Sie keinen Ordner dafür haben und Sie keine Idee haben, wo dieses Arbeitsblatt gut aufgehoben wäre, werfen Sie es umgehend in den Papierkorb. Sie werden es sowieso nicht mehr finden.
überschüssige ArbeitsblätterFür fehlende Schüler/innen: Auf keinen Fall selbst mitnehmen, sondern anderen Schüler/innen geben. Zu viel kopierte Arbeitsblätter: Schmierpapierstapel
Entschuldigungsschreiben von Schüler/innen oder ElternNach Auswertung (z.B. entsprechendem Eintrag im Klassenbuch) in eine Tüte stopfen, die man im Keller gebunkert hat (da es aus juristischer Sicht ratsam ist, die Entschuldigungen aufzubewahren - in der Regel braucht man sie nie mehr). Datum auf die Tüte schreiben und nach Ablauf der juristisch erforderlichen Frist Tüte im Sekretariat “zur Vernichtung” abgeben.
Elternkommunikation (Elternbriefe ...)Legen Sie einen Ordner "Elternbriefe" an und legen Sie dort alle Elternbriefe (evtl. auch Kopien der von Ihnen versendeten) ab.
KlassenlistenSobald Sie alle Schülernamen in Ihrem Notenverwaltungssystem abgelegt haben (z.B. Notenbuch, Excel-Tabelle, Notenverwaltungssoftware), werfen Sie die Klassenlisten weg (bzw. geben Sie sie zum Vernichten im Sekretariat ab).

Ergänzend: Wie man mit dem Chaos auf dem Schreibtisch umgeht - Lehrer/innen und das Chaos auf dem Schreibtisch und Lehrer/innen-Schreibtisch: Ordnung herstellen und bewahren

Papierberge reduzieren, Strategie 3: Daten digitalisieren/in digitaler Form verwalten

Alle Materialien, Briefe und Listen, die Sie in digitaler Form vorliegen haben, verringern das Chaos auf dem Schreibtisch und in Ihrer Schultasche. Das Konzept des “papierlosen Büros” oder der “digitalen Schultasche” wird von vielen Lehrer/innen teilweise mit Erfolg umgesetzt. Jeder digitalisierte Zettel ist ein Zettel weniger. Wenn Sie die entsprechenden Kompetenzen im Umgang mit Computer haben, seien hier als Inspiration genannt:

  • Arbeiten Sie nach der ADA-Strategie. Hierzu benötigen Sie nur rudimentäre Computerkenntnisse und sparen Zeit und Nerven: Effiziente Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung mit dem ADA-System. Ähnlich: Die ‘Stunden- und Spickzettel’ von JochenEnglish
  • Einscannen überflüssiger Zettel - Lesen Sie dazu den überaus befruchtenden Beitrag Der papierlose Schreibtisch, wo Holger Hunger erklärt, wie man die Papierberge durch Einsatz eines Einzugsscanners drastisch minimiert: “So lassen sich die anfallenden Formularberge schnell abarbeiten, wichtige Infos dauerhaft und wiederauffindbar speichern und selbst Arbeitsblätter von Kollegen können so fast nebenher digitalisiert und für spätere Verwendung abgelegt werden.”
  • Verwalten der Dateien auf der Festplatte - Hier hat jede/r seine eigene Methode. Verwiesen sei auf die inspirierenden Beitrag Tags, tags, tags von Andreas Kalt. Lesen Sie ergänzend dazu nicht nur den Lehrerfreund-Beitrag Organisation von Unterrichtsmaterialien auf der Festplatte, sondern auch die sehr nützlichen Kommentare u.a. von Andreas Kalt zu diesem Beitrag.
  • Klassen-/Notenverwaltung mit Excel (Lehrerfreund) - eine Anleitung für das einfache und effiziente Vorgehen, Schüler/innen, Klassen und Noten mit einem Tabellenkalkulationsprogramm (z.B. Excel) zu verwalten.
  • Digitalisierung sämtlicher schulorganisatorischer Materialien - Hier haben viele bloggende Kolleg/innen interessante Beiträge verfasst. Drei Systeme haben wir hier zusammengefasst: Unterrichtsvorbereitung mit Evernote. Weiterhin lesenswert:
    • Felix Schaumburg gibt eine gute Übersicht über verschiedene Möglichkeiten, den Schulalltag zu digitalisieren: Workflow Lehrerzimmer ; Die digitale Schultasche – Materialsammlung ; Zwischenbericht ‘Digitale Schultasche’ - eine Übersicht über Schaumburgs Techniken des papierfreien Alltags, über Dateiverwaltung und: “Meine (fast) papierlose Schultasche besteht also aus 1. dem iPad (700 g), 2. einer blauen Mappe mit ein paar weißen Blättern und ggf. den Arbeitsblätter (250 g) und 3. einem Kugelschreiber."
    • René Scheppler hat sich in Lehrer-Workflow – die papierfreie Schultasche vorgenommen: “In meiner Schultasche (siehe Bild oben – übrigens bin ich schon ab der 7. Klasse mit eben dieser zur Schule gegangen) darf kein Papier in jeder Form zwischen Schule und Privatwohnung transportiert werden.”

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nur wirkliche Medienprofis das Ziel vollständiger Papierlosigkeit anstreben sollten. Aber auch Lehrer/innen, die gerade mal Word starten können, sollte es möglich sein, einen begrenzten Anteil ihrer Materialien in digitaler Form zu verwalten und so Arbeit und Papier zu sparen, gerade seit Tablets immer erschwinglicher und potenter werden. Ob man lieber in den Rechner tippt oder von Hand Zettel befüllt, ist zudem oft eine Geschmacksfrage.


4) Im Unterricht Energie sparen

Letztendlich tragen alle in diesem Beitrag genannten Punkte dazu bei, anstrengende und energieraubende Tätigkeiten etwas einfacher oder angenehmer zu machen. Einen Sonderfall bilden unterrichtliche Situationen; hier ist es mit einigen schnellen Tipps nicht getan, da in unterrichtlichen Kontext methodisch-didaktische und pädagogische Kompetenzen unabdingbar sind. Nicht umsonst dauert die pädagogische Ausbildung zur Lehrer/in zwischen eineinhalb und zwei Jahren (vgl. Quereinsteiger als Lehrer).

Dennoch gibt es einige grundsätzliche Kniffe, wie man den eigenen Energieaufwand im Unterricht reduzieren kann.

Grundsatzfrage: Unterricht gut vorbereiten oder Spontanunterricht?

Schlechte Unterrichtsvorbereitung führt oft zu erhöhtem energetischen Aufwand bei der Unterrichtsdurchführung - man spart aber am Tag zuvor Zeit. Weitere Ausführungen: Was ist anstrengender: Unterricht vorbereiten oder Tennis spielen?.

Redeaufwand reduzieren

Reden vor der (oft: unaufmerksamen Klasse) ist sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht anstrengend: Je mehr Sie reden (oder gar schreien), desto erschöpfter werden Sie sich am Ende eines Unterrichtstages fühlen.

Die meisten Lehrer/innen reden viel, man spricht von 60 bis 80 Prozent der Brutto-Unterrichtszeit. Warum das so ist, lesen Sie hier: Warum reden LehrerInnen so viel? (Reden als “Schmiermittel, um den Unterricht in Gang zu halten”, Hilbert Meyer).

Versuchen Sie, Ihren Redeaufwand zu reduzieren. Bei den meisten Lehrer/innen, die schon einige Jahre im Beruf sind, dürfte eine Reduktion der Netto-Redezeit von 60 bis 70 Prozent möglich sein, ohne dass die Unterrichtsqualität darunter leiden würde. Wie Sie sich und Ihre Stimme durch a) wenig reden und b) richtig reden schonen, lesen Sie hier: Stimmbeschwerden bei Lehrer/innen - Tipps zu Prävention und Behandlung. Hier können Sie z.B. Tipps wie diese lesen (aus Kapitel 3: “Leise reden, dosiert schreien”):

Gehen Sie während einer Stunde durch die Gänge des Schulhauses, Sie werden aus jedem zweiten Klassenzimmer die erhobene Stimme der Lehrer/in hören. Dabei können Sie als Einzelperson niemals 30 Pubertierende übertönen! Die Klasse gewöhnt sich daran, dass Sie laut oder sehr laut reden; Sie selbst gewöhnen sich an den daran angepassten Geräuschpegel der Klasse und können gar nicht mehr leiser als laut reden.
Gewöhnen Sie sich also an, leise oder normal zu reden. Wenn Ihnen niemand zuhört, brechen Sie ab und klären Sie die Situation - aber erhöhen Sie nicht Ihre Lautstärke; es wird Ihnen immer noch keiner zuhören.

Lehrerfreund 12.07.2010: Stimmbeschwerden bei Lehrer/innen - Tipps zu Prävention und Behandlung

Ergänzend dazu gilt die eherne Regel: Geben Sie Arbeitsaufträge ausschließlich dann, wenn wirklich alle zuhören.

Schüler/innen arbeiten lassen

In vielen Situationen können Sie einen Teil des energetischen Aufwands an Schüler/innen abgeben. Warum sollten Sie persönlich die Arbeitsergebnisse noch einmal zusammenfassen? Lassen Sie das eine Schüler/in tun, wenn das ohne inhaltlichen Verlust geht. Warum sollten Sie persönlich den Arbeitsauftrag ein zweites Mal wiederholen? Lassen Sie das eine/n Schüler/in tun (und wenn er/sie es nicht kann, dann soll es der/die nächste probieren; wenn der/die das auch nicht kann, ist Ihr Arbeitsauftrag nicht angekommen). Warum sollten Sie persönlich die aus einem Text extrahierten Adjektive an die Tafel schreiben? Setzen Sie sich entspannt nach hinten und lassen Sie das die Schüler/innen tun - man wird Sie bei überraschenden Evaluationsbesuchen für Ihren schülerzentrierten Unterricht loben.

Professionelle Emotionen

Ein Fünftklässler berichtete kürzlich:

Wir hatten alle die Aufgabe in Mathe noch nicht fertig, da ist die Lehrerin voll ausgeflippt und hat rumgeschrien, dass wir alle faul seien und wir müssten am Mittag kommen und das nacharbeiten.

Nicht nur die Fünftklässler/innen waren durch die Schreierei gestresst - sicher war es auch die Lehrerin, denn sie hat sich in dieser Situation mit ihren persönlichen Emotionen eingebracht. Lesen Sie hierzu: »Nicht persönlich nehmen« - Konflikte mit Schüler/innen entschärfen.

Transparente und gerechte Notengebung

Wenn Ihre Notengebung fair und transparent ist, werden Sie weniger sinnlose und energieintensive Streitgespräche mit Schüler/innen und Eltern führen müssen. Fast alle Schüler/innen können sehr wohl schlechte Noten akzeptieren - sofern sie erkennen, dass sie selbst (und nicht SIE als Lehrer/in) für die schlechte Note verantwortlich sind.

Für eine transparente Notengebung agieren Sie so:

  • Geben Sie den Schüler/innen regelmäßig den Notenstand (mündlich, schriftlich, gesamt) durch, am besten bei jeder Klassenarbeit (vgl. Rückmeldung zu Klassenarbeit + Leistungsstand mit Seriendruckfunktion). Nichts ist schlimmer, als wenn ein Schüler am Ende des Schuljahres erfährt, dass er bei Ihnen mündlich auf einer 5 steht - wo er doch mit einer 2-3 gerechnet hat.
  • Erstellen Sie mündliche Noten nach der ICE-Methode.
  • Seien Sie immer diskussionsbereit, wenn ein/e Schüler/in etwas an einer Note zu meckern hat. Das setzt allerdings voraus, dass Ihre Noten von Ihrer Seite aus gut begründet sind.

5) Kommunikation mit Eltern im Griff behalten

Für viele Lehrer/innen sehr anstrengend ist die Kommunikation mit den Eltern: Mein Sohn ist in Deutsch doch keine 3!, Ich wollte fragen, was in der nächsten Klassenarbeit drankommt, Wie machen Sie eigentlich mündliche Noten, Meine Tochter hat erzählt, dass Sie sie heute morgen vor die Tür gestellt haben, das wird ein Nachspiel haben, Bitte rufen Sie mich wegen meines Sohnes X sofort zurück, Sie haben dies, Sie haben jenes, Nach meiner Berechnung ist eine 4,44 aber keine Fünf! Meine Tochter ist auf LRS diagnostiziert, könnten wir einmal ....

In den meisten Fällen ist die Position der Eltern nachvollziehbar - sie wollen eben das beste für ihre Kinder. Sie dürfen auch mal sauer auf kleinkarierte Eltern sein; grundsätzlich müssen Sie den Faktor “Eltern” jedoch akzeptieren. Wenn Sie damit nicht klarkommen, sollten Sie den Beruf wechseln.

Der Elternwahnsinn lässt sich jedoch ziemlich gut eindämmen. Weitere Tipps dazu finden Sie im Lehrerfreund-Bereich »Eltern«, z.B. zur konstruktiven Lösung von Eltern-Lehrer-Konflikten.

  1. Informieren Sie die Eltern in Belangen, die alle Schüler/innen betreffen, möglichst ausführlich - lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Damit fällt schon mal ein Großteil der organisatorischen Telefonate oder Mails (“Wann treffen sich die Kinder morgen am Bahnhof?” “Wie viel Arbeiten schreiben Sie eigentlich pro Halbjahr?”) weg.
  2. Richten Sie an der Schule eine Sprechstunde ein, wo Sie ausschließlich nach Anmeldung (per Mail oder im Sekretariat der Schule) Eltern empfangen und sich Zeit für sie nehmen. Verweigern Sie Termine außerhalb dieser Sprechstunde (außer in seltenen, begründeten Ausnahmefällen).
  3. Überlegen Sie sich, welche Kontaktdaten die Eltern von Ihnen bekommen. Wenn Sie private Daten herausgeben (E-Mail, Telefonnummer zu Hause, Handy), dann geben Sie ganz deutlich zu verstehen, welche Modalitäten für die Kontaktaufnahme gelten, z.B. Zeitfenster für Anrufe. Verweigern Sie Gespräche außerhalb dieser bekannten Zeiten.
  4. Kommunizieren Sie in jedem Fall transparent. Wenn Sie gerade beim Abendessen sitzen und ein ergrimmter Vater ruft Sie zu Hause an, bitten Sie ihn, in 15 Minuten zurückrufen zu dürfen. Viele Lehrer/innen machen den Fehler, sich in diesem Fall umgehend das Abendessen versauen zu lassen - was der Qualität des Gesprächs meist nicht zuträglich ist. Teilen Sie mit, wie viel Zeit Sie haben (“Ich kann mir jetzt 15 Minuten Zeit für Sie nehmen, bitte verstehen Sie das. Wenn wir mehr Zeit brauchen, kommen Sie doch bitte in meine Sprechstunde.”). Wer in der Kommunikation mit Eltern immer gute Miene zum bösen Spiel macht, darf sich nicht wundern, wenn der Stresspegel hinter der höflichen Fassade steil ansteigt.

Grundsätzlich ist die Kommunikation per E-Mail eine gute Möglichkeit, da man zeitlich relativ flexibel reagieren kann (d.h.: eine Mail kann auch mal einen Tag warten). Leider ist diese Form der Kommunikation nicht mit allen Eltern möglich - einen Versuch, E-Mail als Standardkommunikationskanal einzurichten, ist es jedoch wert, sofern man seine E-Mails tatsächlich täglich abruft.


Das soll schon alles sein?

Wie eingangs erwähnt: Pädagogisch und didaktisch professionelles Handeln (das einen entsprechenden fachwissenschaftlichen Fundus zwangsläufig einschließt!) bildet einen wesentlichen Baustein für die Berufszufriedenheit von Lehrer/innen. Ebenso ist die individuelle Konstitution der Lehrer/in nicht zu ignorieren: Es gibt Lehrer/innen, denen Ärger mit Eltern oder Schüler/innen einfach nichts ausmacht - und andere, die von der gleichen Situation eine Woche schlechte Laune bekommen.

Wer aufgrund solcher fachlicher oder menschlicher Probleme unter seiner beruflichen Belastung enorm leidet, der sollte sich nach grundlegenden Lösungsstrategien aus den Bereichen Fortbildung oder Therapie umsehen - oder vielleicht einen Berufswechsel in Betracht ziehen.

Alle anderen können durch Befolgen der fünf Tipps ihren Stresspegel deutlich reduzieren - und dadurch auch harte äußere Bedingungen (zunehmende Klassengrößen, hohe Pflichtstundenzahlen etc.) zumindest teilweise kompensieren.

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Kommentare

17

Zum Artikel "5 Tipps: Arbeitsbelastung als Lehrer/in reduzieren".

  • #1

    Moin,
    ich liebe meinen Job und es kann gar kein Ende finden und habe deshalb die beste Unterrichtsvorbereitung und 15 mündliche Leistungsnachweise pro Schüler in einem Halbjahr, dann kann ich alles belegen.

    Nein, so geht das nicht. Man hat dann ganz schnell mehr Arbeitsstunden als der Arzt erlaubt.
    Der Lehrer selber muss seine Ansprüche herunter fahren. Klare Arbeiten und klare Zielvorgaben helfen bei der Korrektur viel Zeit zu sparen.
    Außerdem kann und muss der Schüler auch arbeiten, dann lernt er mehr, als wenn der Lehrer vorne steht und viel erzählt oder versucht zu erklären.

    Mein Job ist es, die Schüler zur Arbeit anzuhalten PUNKT und das zu überwachen. Zur Motivation gibt es von mir gute (aber kurze) Erklärungen, Flipped Classroom (meist mit passenden Videos) und animierende Spiel/Gruppenarbeiten usw.

    Außerdem kaufe ich mir gutes Material, welches ich dann verwende.

    Ach ja, ich mache wirklich in meinen Hauptfächern (Mathe) fast jede Woche einen kurzen Test (10-15 Min.) auf einem Arbeitsblatt mit vorgegebenen Antwortfeldern. So einen Test habe ich meist noch im Unterricht, während die Schüler arbeiten korrigiert. Das motiviert die Schüler, das diszipliniert die Schüler und das hilft den aktuellen Wissensstand zu erkennen. Das ist nicht viel Arbeit für mich als Lehrer, aber zwingt die Schüler regelmäßig selber zu arbeiten. Und das entlastet mich ganz ordentlich.
    Und damit die Schüler selber arbeiten können, habe ich gutes Material gekauft. Mehr als 50 Stunden die Woche arbeite ich nicht, trotzdem gelte ich als fleißiger und klarer Lehrer. Ich tue aber nicht viel, ich lasse die Schüler arbeiten.

    Ergänzung: Meine Fächer sind Mathe, Informatik und Wipo an einem Gymnasium und ich habe ca. 40-50% Oberstufenunterricht und trotzdem frei. ;-)

    schrieb Egon W. am

  • #2

    Natürlich ist es verständlich, wenn man mit zwei Korrekturfächern, voller Stundenzahl, Klassenleitung und LK nicht immer eine 40 Stundewoche hat, wobei man aber nicht ganz vergessen sollte, dass dies in dieser Form überhaupt nur 9 Monate im Jahr der Fall sein kann. Es scheint mir aber “typisch” für einige Lehrer zu sein, immer die Politik, die Eltern usw. verantwortlich zu machen. Natürlich spielt dies eine Rolle, aber wer nur darauf schielt, vernachlässigt die eigenen Veränderungsmöglichkeiten. Das Heil wird dann immer in der Stundenreduzierung gesucht, statt in der eigenen Veränderung, wobei wir dann dabei landen, dass Lehrer sich kaum einmal als Teil des Problems begreifen. Im Übrigen fängt der Job schon bei der Fächerauswahl an. Wer sich schon gleich für zwei korrekturintensive Fächer am Gymnasium entschieden hat, hat an der Stelle schon den ersten Fehler begangen und den Lehreralltag völlig falsch eingeschätzt.

    schrieb Roemy am

  • #3

    Moin,
    ein paar Tips vom Informatiker.

    1. Man kann (kostenlos) mehrere Telefonnummern erhalten. Ich gebe gerne meine “private” Telefonnummer heraus, aber diese Nummer läuft auf einem Telefonapparat im Büro oder Anrufbeantworter auf. Alle haben ein gutes Gefühl mich erreichen zu können und in Wirklichkeit bin ich nur dann erreichbar, wenn ich es will! D.h. nicht beim Familienabendbrot, nicht um 5:30 Uhr usw.

    2. Eine dienstliche E-Mail-Adresse ist existentiell wichtig!!! Trennung von privater und dienstlicher Post und bitte nicht immer sofort beantworten, ein- bis zweimal am Tag reicht.

    3. Digitale Standards verwenden, d.h. mit Kollegen gemeinsam Aufgaben, Merksätze und Arbeiten erstellen und sammeln und das in dem standardisierten Officeformat von Open/LibreOffice, das können alle auf allen Systemen und ist kostenlos. D.h. man muss sich auch auf Standardschriften einigen, damit jede Datei auf jedem Computer gleich aussieht. Und nun Vorsicht: ARIAL, TIMES NEW ROMAN usw. sind Eigentum der Firma Microsoft, müssen i.d.R. gekauft werden und lieben nicht bei jedem vor. Man sollte sich auf eine Sammlung von schönen und freien Schriften einigen!

    4. Nutzung von Tools auf dem Computer oder Tablet zu Verwaltung nutzen, überall Zeit sparen. Das häufige Eintragen in Listen und übertragen in andere Listen ist zum .... und sollte von einem Lehrer, der Menschen für die Zukunft ausbildet nicht mehr gemacht werden. Das ist zeitaufwendig, fehleranfällig und einfach nicht mehr zeitgemäß.

    5. Test sollten Schüler online erledigen, dann gibt es auch kein Korrekturaufwand, die Software übernimmt das dann. VORSICHT Datenschutz, es gibt aber genügend Möglichkeiten, so etwas umzusetzten. Bei Klassenarbeiten und Klausuren ist das leider nicht so umsetzbar, aber wenn man wenigstens die Tests nicht mehr korrigieren muss, ist das schon eine erhebliche Arbeitsentlastung.

    6. Zusammenarbeit unter Lehrern, damit nicht jeder alles alleine machen muss. Wie blöd ist man, wenn 4 Lehrer die gleiche Arbeit machen, die in 4 Parallelklassen anfällt, da kann man mindestens 50% Arbeit bei der Vorbereitung einsparen. Und dann kann man ja immer noch ein wenig individualisieren.

    schrieb Thomas Fröhlich am

  • #4

    Vielen Dank für die Tipps. Sie helfen mir ein wenig im Alltag, aber als Lehrerin mit zwei Korrekturfächern, voller Stundenzahl, Klassenleitung und LK kann ich bestätigen, dass durch die starke Belastung 70 Stunden Wochen für mich die Regel sind (jedes Wochenende ist dicht!) und da auf Dauer nur eine Stundenreduzierung wirklich Abhilfe schaffen kann. Und das ist keine Übertreibung! Korrekturfrei bin ich, Tipps hin oder her, nur am Ende eines Halbjahres, Oberstufenkorrekturen lassen sich nun mal nicht noch stärker beschleunigen, vor allem nicht in den Sprachen (bin schon recht fix und nicht pingelig). Da müsste sich dringend was in Sachen Politik ändern, damit junge Lehrer weiter motiviert und stressfreier arbeiten können.

    schrieb Gast_2 am

  • #5

    Probleme ERSCHEINEN immer als SACHprobleme, sie SIND aber immer MENSCHLICHE Probleme. Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich die einfachste Möglichkeit der Lösung darin, nicht die SCHEIN- sondern die SEINSprobleme zu lösen.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #6

    Ich würde auch Belastung nicht in jedem Fall mit geleisteter Arbeitszeit gleichsetzen. Es gibt tatsächlich Lehrer (genauso wie Menschen in anderen Berufen, die 70 Wochenstunden leidenschaftlich arbeiten und sich dabei erfüllt und zufrieden fühlen. Andere fühlen sich auch bei 40 Stunden überfordert, gelangweilt, unzufrieden etc. Neben all den wichtigen hier genannten Möglichkeiten effizienter Arbeitsweisen und eines sinnvollen Zeitmanagements liegt das Problem manchmal auch eher an soften Faktoren wie Motivation, Haltung, Wunsch der Bestätigung etc. etc.

    Wenn man mit “technischem” Zeitmanagement nicht weiterkommt, liegt das dann oft nicht an einer Unfähigkeit Ordnung zu schaffen, sondern es steht möglicherweise eine Auseinandersetzung mit Sinnfragen und verwandtem an.

    Herzliche Grüße
    Ulrike Rheinberger

    schrieb Ulrike am

  • #7

    ... uns sich Supervision leisten…

    schrieb E.S. am

  • #8

    Vor meiner 2.LAP gab man uns so heiße Tips wie dass wir in unserer Klausur die wichtigen Worte mit 4 Farben unterstreichen sollten. Ich sah schon vor meinem geistigen Auge, wie die Krankenschwester den Korrektor im Rollstuhl zum Schreibtisch fuhr, ihm die Infusionsflasche nachtragend.
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer bleibt mir schon das Lachen im Halse stecken, wenn ich sehe, wie wir 35 Jahre später immer noch so tun, als sei die Bewältigung dieses Augiasstalles, den wir ganz irreführend Schule nennen, ein rein technisches und formales Problem.
    Wenn wir den ENERGIEVERBRAUCH (oder nur einfach die Vitalfunktionen) bei den einzelnen Tätigkeiten des Lehrers konkret messen würden, käme heraus, dass viele bei den meisten ihrer Arbeiten viel zu ineffektiv arbeiten. Nehmen wir nur ein kleines Beispiel, das ich für die Ich-kann-Schule genauer unter die Lupe genommen habe: Immer wenn sie erZIEHen machen sie DRUCK, und wenn es nicht klappt, machen sie noch mehr DRUCK, und dann klappt es noch weniger. Und weil sie die Probleme auf diese Weise alles andere als lösen sondern vermehren und großmachen, entsteht eine neue Krankheit nach der anderen.
    Noch ein Beispiel gefällig? Im April 1978 beschloss die KMK die Förderung der sog. Legasthenie - heute schreiben wir doppelt soviele Fehler wie damals: ein stolzes Ergebnis.
    Auch in der Krankheitsstatistik stehen die Lehrer ganz oben an der Spitze. Da ist nur der Zufall und die anderen schuld???
    Nein, es gibt auch andere, die auf über 60 Arbeitsstunden kommen, wenn sie alles als Arbeit rechnen, und die überleben das besser: und sie leben in derselben Welt!
    Wenn wir bei der Überschrift den “/” weglassen, kommen wir schon in die Richtung, wo wir´s lernen können: “Wie Lehrer innen ihre Arbeitsbelastung reduzieren können”. Gute Fortschritte auf dem Weg dahin!
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #9

    Hallo,
    vielen Dank für die vielen tollen Tipps. Beim Durchlesen habe ich bemerkt, dass ich eine ganze Menge von dem, was hier empfohlen wird, schon mache :-)

    Nach über 6 Jahren Lehrerfahrung an einer Schule mit knapp 100 Lehrern kann ich auf die Frage, wie Lehrer ihre Arbeitsbelastung verringern können, ein paar Antworten geben:

    1. Im Team arbeiten! Gleichgesinnte Kollegen suchen und sich die Arbeit aufteilen, z.B. bei der Erstellung von Aufgaben, Klassenarbeiten o.ä.

    2. Verstärkt EDV-gestützt arbeiten! Hier zeigt sich, dass die EDV-Affinität innerhalb eines Kollegiums erheblich streut. Wenn ich sehe, wie umständlich manche Kollegen ohne EDV arbeiten, ist es kein Wunder, wenn sie so lange brauchen.

    Zur Unterstützung von 1 und 2 gibt es an unserer Schule seit drei Jahren ein Intranet. (http://www.hla-intranet.de)

    3. Auch mal “nein” sagen! Wir sind zwar für die Schüler da, aber nicht unbegrenzt. Darum auch einmal Bitten der Schüler abwehren, stattdessen an deren Eigenverantwortlichkeit appellieren.

    4. Pragmatismus statt Perfektionismus! Gerade viele Lehrer (ich auch übrigens…) neigen dazu, alles zu 100 % erledigen zu wollen. Ich bin für ein hohes Ansprcuhsniveau, aber der Aufwand, um von 95% auf 100% zu kommen, übersteigt meistens den zusätzlichen Ertrag, den sowieso keiner merkt (Schüler, Kollegen, Schulleiter).

    5. Schwerpunkte setzen! Es gibt Kollegen, die innerhalb des Schulbetriebs alles mitmachen, dabei aber Gefahr laufen, sich zu verzetteln und das Kerngeschäft Unterricht zu vernachlässigen. Lieber auf ein paar Aktivitäten konzentrieren, zu denen man Lust hat und wo man seine Kompetenzen einbringen kann. Ich engagiere mich z.B. in 3 Arbeitsgruppen zur Schulentwicklung, halte mich jedoch z.B. bewusst von der Lehrerausbildung fern. In ein paar Jahren kann das anders sein, dann würde ich jedoch die AG-Tätigkeiten reduzieren.

    6. Entlastung von Verwaltungstätigkeiten! Nicht alles, was hier geleistet werden muss, hat einen praktischen Nutzen. hier gilt es mit der Schulleitung und dem ÖPR nach pragmatischen Alternativen zu suchen.

    Herzliche Grüße
    Kai Teichmann

    P.S. Die weibliche Form ist stets mit gemeint, jedoch wurde aus Zeitgründen nur die männliche Form gewählt ;-)

    schrieb Kai Teichmann am

  • #10

    Super Artikel, vielen Dank für all die Mühe!

    Ich möchte da noch anmerken, dass ich an der ersten Schule an der ich unterrichtet habe, einmal meine private Telefonnummer herausgegeben habe. Ich hatte fast 4 Jahre lang das Vergnügen, am Wochenende um 5 Uhr morgens Anrufe von betrunkenen Jugendlichen zu bekommen…

    schrieb Helmut am

  • #11

    Ich stehe morgens um 5:30 Uhr auf, da unsere Schule um 7:30 Uhr beginnt und ich eine Stunde Anfahrt habe. Wenn man da vorher noch was kopieren will oder so wie ich einen Zug erwischen muss, muss man halt früher aufstehen.

    Damit bin ich wahrscheinlich eine Ausnahme, aber gut. Ich nutze die Zeit morgens beim Tee und im Zug um Arbeitsblätter zu erstellen.

    schrieb Ingo am

  • #12

    Das Hauptproblem sind an unserer Schule die vielen Nachschreiber, da einige Lehrkräfte ihre Klassleitertätigkeit äußerst locker sehen. Wir schreiben, wenn möglich, gemeinsame Schulaufgaben in einer Jahrgangsstufe, dann müssen wir nur zwei Leistungsnachweise ausarbeiten und beaufsichtigen(Leistungsnachweis + Nachtermin). Bewährt hat es sich auch, wenn ein gutes Schülerheft kopiert wird und die dazu gehörenden Unterrichtsvorbereitungen und Arbeitsblätter digitalisiert an andere Kollegen weitergegeben werden (TEAM = Toll ein anderer macht’s?).Wichtig ist dabei, dass die Lehrkräfte einigermaßen parallel arbeiten.

    Leider gibt es welche, die nur nehmen, aber nie etwas beisteuern. Manche zicken unheimlich herum: “Was ist, wenn ein Kollege mein Arbeitsblatt verwendet, und der Chef bei einem Unterrichtsbesuch dies niedermacht?”
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Deutschlehrern als Klassleiter die Fehlzeiten wesentlich höher sind als beispielsweise bei Mathematik- oder Physiklehrern.
    Warum ist das so? Weil in manchen Fächern die hohe oder auch mangelnde Effizienz des Unterrichts doch nur recht langfristig sichtbar wird. Diese kleine Bosheit musste ich einmal los werden, weil hier im Forum viel von “Vielkorrigierern” lamentiert wird.
    In Deutsch ist eine Nachholschulaufgabe wohl recht schnell zusammengestellt, die Arbeitszeit, die es zu beaufsichtigen gilt, und die Korrektur ist aber sicher aufwändiger als in anderen Fächern.
    Ronald Reagan brachte es einmal auf den Punkt, als er sinngemäß sagte: “Es gibt Leute, die kommen mir vor wie ein Hund, der auf einem Kaktus sitzt und jault, weil es gar so weht tut. Aber, dass sie ihren Hintern heben und sich daneben setzen, dazu sind sie dann doch wieder zu faul”.

    schrieb HugoSchuster am

  • #13

    Hallo! Vielen Dank für die Tipps. Ich persönlich würde allerdings keinesfalls meine private Telefonnummer an Eltern geben. Einem persönlcihen Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist nichts ebenbürtig. Wenn jemand zu meiner Sprechstunde keine Zeit hat bekommt er/sie natürlich einen alternativen Termin angeboten. Ich empfehle zudem (mindestens) eine “dienstliche” E-Mail Adresse zu unterhalten, die man den ELtern auch guten Gewissens geben kann, um ggf. irgendwelche Kleinigkeiten zu klären. Meine Kommunikation auf diesem Kanal ist aber zu 99% mit Schülern.

    schrieb Philipp am

  • #14

    Hallo!

    Zwar bin ich ich noch nicht im Referendariat, aber ich lese Ihre Artikel immer mit Begeisterung und hoffe, die Tipps und Vorschläge auch umsetzen zu können.

    Besten Dank!

    schrieb Jochen am

  • #15

    @gymno
    Sie haben völlig Recht mit Ihrer Mahnung, 70-Stunden-Wochen sind schon Ausnahmen. Aber sie kommen bei Lehrer/innen mit Korrekturfächern in der Oberstufe durchaus vor (unter der Woche Elternabende, Konferenzen + durchkorrigiertes Wochenende).

    @Matthias
    Gerne doch!

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #16

    Generell finde ich es in Ordnung, über diese Problematik zu sprechen. Als ich allerdings den Zeitmangement-Plan überfolgen habe, wunderte ich mich: Wer beginnt als Lehrer seine Arbeitszeit um 6:00 Uhr in der Früh? Kommen so die 70 Wochen-Stunden-Arbeitszeit zustande?
    Wir sollten als Lehrer nicht untertreiben, aber auf keinen Fall übertreiben, sonst werden wir unglaubwürdig…..!

    schrieb gymno am

  • #17

    Ein sehr interessanter Artikel der unglaublich gut verlinkt ist. Da muss eine Wahnsinnsarbeit dahinter stecken. Vielen Dank!

    schrieb Matthias am

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