Saarschmidt-Studie

25% aller Lehrer/innen leiden unter Burnout-Syndrom 21.02.2009, 12:04

Herzblut oder Herzinfarkt? Das kommt auf die Lehrer/innen selbst an, wie Schulexpert/inn/en diese Woche in Trier feststellten.

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Jede/r vierte Lehrer/in fühlt sich überfordert, ausgebrannt und leer, was sich dann auf Magen, Kreislauf oder Seele legt. Diesen Fakt gab der Psychologe Uwe Schaarschmidt auf einer Fachtagung in Trier bekannt (dradio). Nur ein Viertel aller Pädagog/inn/en unterrichten engagiert und mit gesundem Ehrgeiz. Die restlichen Kolleg/inn/en haben schon innerlich gekündigt oder sind auf dem Weg zum Burnout. Schaarschmidt veröffentlichte schon früher dazu die Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie (2004) mit den vier Mustern beruflichen Verhaltens und Erlebens“ (vgl. Lehrerfreund 27.02.2008: Lehrertypen).

Um diese Zustände zu verbessern, müssten die zukünftigen Lehramtsanwärter/innen tunlichst mehr vom Berufsalltag wissen. Viele der Student/inn/en haben falsche Vorstellungen, was den späteren Beruf angeht. Aufklärung tut Not, denn der Job ist zwar krisensicher, aber mehr und mehr zeitaufwändig. Das Klischee vom frühen Feierabend stimmt schon lange nicht mehr. So ergab eine Langzeitstudie der Universität Frankfurt, dass etwa ein Drittel der Studierenden für den Beruf nicht genügend aufgeschlossen und interessiert oder schlicht ungeeignet waren. Genau diese Gruppe ist später ausgebrannt, denn ihre persönlichen Interessen passten nicht zum Beruf.

Ein häufiges “Problem” ist die Verbeamtung: Viele Studierende entscheiden sich “erst einmal” für das Studium des Lehramts; nach dem Studium bekommen sie einen Platz als Referendar/in, absolvieren das Referendariat - und wenn sie dann einen Job als Lehrer/in angeboten bekommen (mit der Aussicht auf Verbeamtung!), sagt keiner nein - egal wie gut oder schlecht das Referendariat gelaufen ist.

Eine Möglichkeit, dieser Falle zu entkommen, bietet der von Prof. Uwe Schaarschmidt entwickelte Fragebogen „Fit für den Lehrerberuf“. Der Test schult (nicht nur) bei Referendar/innen die Selbstseinschätzung und bewahrt sie eventuell vor einer Fehlentscheidung. Nur wer kommunikativ, pädagogisch interessiert und kinderfreundlich ist, kann ein/e gute Pädagog/in werden. In Finnland müssen sich Studienanwärter/innen für das Lehramt sogar einem Zulassungstest unterziehen. Auch das wurde in Trier diskutiert. Ob die Ergebnisse dieses Tests wirklich aussagekräftig sind, konnte die Expertenrunde aus Lehrerbildung und Schulministerien nicht eindeutig klären. Dennoch plädierte man für höhere Startklauseln, damit später an den Schulen motivierte, zum Wohl der Kinder bedachte Lehrer/innen unterrichten.

Unabhängig vom Dienstalter soll gute Arbeit honoriert werden, dann wäre der Beruf attraktiv für karriereorientierte Menschen. Anne Sliwka, Professorin für Schulkultur an der PH Heidelberg, denkt noch einen Schritt weiter. Sie wünscht sich engagierte Quereinsteiger/innen im Lehrkörper. Sie wünscht sich ein “flexibles System, wo man auch noch mit Mitte 30, Anfang 40, teilweise auch noch später für sich entscheiden kann, ich möchte jetzt Lehrer werden [...]“

mehr: dradio.de 17.02.2009: Ein Viertel der Lehrer leidet unter Burnout

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