Burnout

“Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer” - Rezension 06.10.2004, 22:13

Burnout, Belastung, Beamtenstatus, - man kann es kaum noch hören. Dennoch ist das Burnoutsyndrom Risikofaktor Nummer 1 des Lehrerberufs: Mindestens jede/r Zweite ist mehr oder minder betroffen. Das neu erschienene Anti-Burnout-Buch für Lehrer soll Abhilfe schaffen.

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Vorschau Anti-Burnout-Buch, Koesel-Verlag 2004
Andreas Hillert:
Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer
Kösel Verlag September 2004
256 Seiten, 16,95€

Das steht auf der hinteren Umschlagseite

Über 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer scheiden vorzeitig aus ihrem beruf aus. Die meisten davon aus medizinischen Gründen. Bis zu 50 Prozent der Betroffenen quittieren aufgrund psychosomatischer oder psychiatrischer Erkrankungen den Dienst - erschöpft, überfordert und ausgebrannt (...)

Andreas Hillert liefert konkrete Anregungen, wie Sie als angehende oder schon im Beruf stehende Lehrkraft problematische Aspekte Ihrer Täigkeit reflektieren können. Neben möglichen Präventionsmaßnahmen stellt er Strategien vor, die Ihnen helfen, Schwierigkeiten im Sapnnungsfeld von Schulrealität, eigenen Ansprüchen und Möglichkeiten zu bewältigen.
hintere Umschlagseite

Der Autor: PD Dr. phil. Dr. med. Andreas Hillert

Andreas Hillert ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und psychotherapeutische Medizin und arbeitet an der Medizinisch-Psychosomatischen klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Zu seiner Hauptklientel zählen psychosomatisch erkrankte Lehrpersonen. Ein Profi also, der dabei doch bescheiden bleibt:

Was dieses Buch nicht sein kann und sein will: Bekanntermaßen gibt es für fast alle Belange des menschlichen Lebens “How-to-do-Bücher”. Der jeweilige Autor glaubt dabei zu wissen, wie man etwas richtig macht, und schreibt darüber ein “Kochbuch”, ein Punkteprogramm mit Erfolgsgarantie und Spaßfaktor. Ein solches Kochbuch zum Thema “Lehrer” liegt jenseits des Möglichen, zumindest für mich.
S. 10

Konzept des Buches

Wie das obige Zitat zeigt, will der Autor die Leser/innen nicht belehren, was sie zu tun und lassen haben. Er verfolgt viel mehr - durchgängig dominierend - die Strategie, zu Reflexionsprozessen anzuregen, die lesenden Lehrpersonen dazu zu bringen, sich mit verschiedenen Aspekten ihres Berufs und ihres Handelns auseinanderzusetzen. Aus unserer Sicht genau das richtige Konzept: Wir Lehrerfreunde glauben, dass eines der größten Mankos im deutschen Schulsystem darin liegt, dass Lehrpersonen zu kaum einem Zeitpunkt mit ihrem eigenen Tun bewusst konfrontiert sind. Während in anderen Ländern Supervision und Evaluation wichtige Bestandteile des Schulsystems sind (z.B. England, Niederlande, USA), teils durch nationale Agenturen durchgeführt wird, ist die deutsche Lehrperson auf sich selbst gestellt und muss ihr Handeln kaum hinterfragen.

Inhalt

Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer ist in fünf große Bereiche unterteilt:

  • Lehrer sind Ansichtssache
  • Fokus Lehrerbelastung
  • Lehrer: Einzelkämpfer als Räder im Getriebe
  • Lehrerschicksal Frühpensionierung?
  • Für die Schule geplaudert: Individuelle Lösungsstrategien

Andauernd gibt der Autor Anstöße zum Nachdenken über sich selbst, die schulische Arbeitsumwelt und die Modalitäten des eigenen Handelns - illustriert durch anschauliche Beispiele oder Forschungsergebnisse. Und wie gesagt: Er erspart uns dabei den belehrenden Zeigefinger durchgängig. Wir werden konfrontiert mit Stress und Stressfaktoren, die Kluft zwischen Realität und Idealen, sehen die Lehrperson aus verschiedenen Perspektiven und staunen über Hillerts scharfsinnige Ausführungen zum Phänomen Lehrerkollegium (“die offenste geschlossene Gesellschaft der Welt”). Eine Menge Selbsttests und Denkimpulse führen zu einer näheren Auseinandersetzung mit dem eigenen Sein als Lehrperson, wobei die meisten dieser Anregungen sich wohltuend von den üblichen ätzenden “Jetzt schreib einfach mal deine Gefühle auf”-Amateurkrückstöcken abheben.
Im Bereich “Lösungsstrategien” bietet der Autor kein statisches Programm an (das wahrscheinlich nur bei den wenigsten funktionieren würde), sondern zeigt Möglichkeiten auf, an verschiedene problematische Bereiche heranzugehen (“Von der Bestandsaufnahme zur Zieldefinition”; “Zeitmanagement”; “Supervision ist eine Zumutung!” usw.).

Fazit

Ein Buch, das nichts Esoterisches hat und ganz offensichtlich von einem richtigen Profi geschrieben wurde. Man hat durchgehend den Eindruck: Der Mann weiß, wovon er schreibt. Der Schreibstil ist sympathisch und eingängig, die sporadisch aufkommende Kumpelhaftigkeit hält sich zum Glück in Grenzen. Wer vom Burnoutsyndrom betroffen ist oder befürchtet, eines Tages davon betroffen zu sein, sollte die 17 Euro unbedingt investieren.

  • Produktseite [url=http://www.koesel.de/Detail.asp?isbn=346630664]Das Anti-Burnout-Buch für Lehrer[/url] beim Kösel-Verlag
  • [url=http://www.koesel.de/Leseprobe.asp?isbn=346630664]Leseprobe aus der Einleitung[/url]
  • taz-Artikel [url=http://www.taz.de/pt/2004/10/06/a0274.nf/text]Lehrer, du kannst stark sein![/url], der sich u.a. ebenfalls mit dem Anti-Burnout-Buch befasst

Passende Links:

  • [url=http://www.welt.de/data/2004/10/05/341908.html]GEW: Übervolle Klassen machen Lehrer krank[/url]
  • [url=http://www.aachener-zeitung.de/sixcms/detail.php?id=392611&_wo=News:Politik&_wobild=menue_news.gif&template=detail_standard]GEW: Jeder dritte Lehrer ist erschöpft[/url]
  • [url=http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/burnout.htm]Zum Burnoutsyndrom[/url]
  • [url=http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040930/berlin/story706738.html]Schulgebäude in Berlin mit hoher Feinstaubbelastung[/url]
  • [url=http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/pah/13434.html]Hausarbeit zum Burnout bei Lehrern[/url]
  • Buchbesprechung [url=http://www.sgipt.org/lit/burnout.htm]“Burnout-Seminare für Lehrer”[/url] (haben wir leider nicht gelesen)
  • [url=http://www.abendblatt.de/daten/2004/03/27/277693.html]Lehrer unter Druck - Ausgebrannt: Immer mehr Pädagogen leiden am so genannten Burnout-Syndrom.[/url]
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