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Ein rascher Notenschlüssel…

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Ohne Konzept

Mehr als die Hälfte der Deutschen wollen Ganztagsschule (Bildungsbarometer-Umfrage 2009) 20.02.2009, 11:46

Die das zepf heute bekanntgegeben hat, unterstützen 53% der im Bildungsbarometer befragten Deutschen die Ganztagsschule als alleinige künftige Organisationsform der Schule. Man könnte auch sagen: Fast die Hälfte der Deutschen lehnen sie ab. Das liegt auch an den negativen Erfahrungen, die nach PISA mit Husch-Husch-ich-bin-eine-Ganztagsschule gemacht wurden.

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  • (geändert: )

Bei der Rezeption dieser Ergebnisse gilt es zu berücksichtigen, dass die Stichprobe (n=1816) nach Aussage der durchführenden Kräfte “spezifisch repräsentativ” ist. Die Umfragen des Bildungsbarometers werden nur online vorgenommen, sodass soziologisch beschreibbare Bevölkerungsanteile an der Studie nicht teilnehmen können.


Der Sinn von solider Ganztagsbetreuung steht seit langem außer Frage; deshalb ist eine grundsätzliche Akzeptanz des Konzepts in der Bevölkerung gegeben. In der Ganztagsschulumfrage des Bildungsbarometers erwarten viele Befragte deshalb auch die entsprechenden zusätzlichen, notwendigen Angebote (“Mittagsessen, Sport- und Freizeitangebote ebenso wichtig wie Hausaufgabenbetreuung, Förderangebote und Rhythmisierung der Unterrichtszeit”).

Was spricht aus Sicht der Bevölkerung gegen die Ganztagsschule?

In der aktuellen Umfrage werden vor allem pragmatische Gründe genannt, die gegen die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule sprechen:

Trotz einiger Vorteile werden aber negative Aspekte der Ganztagsschule betont. Dazu zählen: Zu wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten (27%), Lernen zuhause auch nach der Schule (24%), zu wenig außerschulische Kontakte (22%), Ermüdung durch zu langen Schulalltag (19%) und zu niedriger Gewinn durch die Ganztagsschule insgesamt (7%).
[...]

Bildungsbarometer, Pressemitteilung vom 20.02.2009

Es ist allgemein bekannt, dass viele Schulen unmittelbar nach PISA hektisch zu Ganztagsschulen umfunktioniert wurden; in der Praxis bedeutete das jedoch nichts anderes, als dass man den Schüler/innen einfach noch ein paar Stunden Nachmittagsunterricht aufs Auge drückte. So konnte man stolz das innovative Label “Ganztagsschule” tragen, obwohl keinerlei curriculare, pädagogische und organisatorische Konzepte vorlagen bzw. realisiert wurden. Kurz: Bei vielen Ganztagsschulen handelte es sich um Mogelpakete der politisch Verantwortlichen, die eine rasch wirkende Medizin gegen den PISA-Schock suchten.

Dass immer noch knapp die Hälfte der Personen die Ganztagsschule mit Skepsis betrachten, liegt sicher auch an diesen negativen Erfahrungen (wo die Kinder tatsächlich ausgehungert, müde und genervt um 16.30 nach Hause kamen, um dann noch Hausaufgaben machen zu müssen). Dabei kann Ganztagsschule sinnvoll und schön sein - wenn durchdachte Konzepte vorliegen und entsprechende Geldmittel zur Verfügung stehen, damit nicht unqualifizierte Kräfte sinnlose Hausaufgabenbetreuung vornehmen oder die Schüler mittags einen 1.86-Euro-Fraß in sich hineinstopfen müssen.

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Kommentare

8

Zum Artikel "Mehr als die Hälfte der Deutschen wollen Ganztagsschule (Bildungsbarometer-Umfrage 2009)".

  • #1

    Diejenigen, die selbst von ihrer Ganztagesschulzeit erzählen, sollten nicht vergessen, dass sich unsere Zeit und Gesellschaft grundlegend geändert hat. Kannten wir etwa Lehrer, die unter “Burn-out”-Syndrom gelitten haben? Eher selten; genauso wie wir noch einen gesunden Respekt zum Lehrer hatten. Mir erzählte eine Realschullehrerin, dass sie ihren Unterricht nur noch mit knapp einem Drittel der Klasse abhielte - die restlichen Schüler spielen mit Handys, iPods und sonstigem Zeug, dass die Eltern ihren Kindern geben und die Lehrer nicht verbieten dürfen. Immer mehr Eltern überlassen den Einrichtungen die Erziehung ihrer Kinder und wirken selbst kaum noch mit, gehen aber auf die Barrikaden, wenn ihre Kinder keine Leistungsbereitschaft mehr zeigen. Es herrscht immer häufiger ein völlig konträres Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule. Die Kinder selbst aber sind nur noch Leistungsmaschinen: Noten, Förderung, pädagogisch sinnvolles Spielen, und und und - bloß keine Langeweile aufkommen lassen. Und wenn die Langeweile (nach dem ganzen Entertainment in der Ganztagschule) zuhause dann aufkommt, tja, dann darf das Kind sich doch mal am Computer entspannen, oder etwa nicht? Aber ich kaufe es den Eltern nicht ab, dass die sich mit ihren Kindern, die erst spät (und geistig erschöpft) nach Hause kommen, wirklich sinnvoll widmen können oder es wirklich tun!
    Und ich bleibe dabei: Wo bitte schön, sind denn die ganzen vielen Arbeitsplätze für die dann tagsüber-arbeitslosen Erziehungsberechtigten? Und noch was: Wo bleibt der Verdienst? Wie kommt es wohl, dass qualifizierte Arbeitskräfte immer weniger verdienen? Alles NUR Wirtschaftskrise? Oder doch schon ein Quentchen zuviel Mitarbeiterangebot? Und Amokläufer an Schulen, alles NUR durch überforderte Eltern?
    Wenn es nicht so sinnlos wäre, dann würde ich in die Politik gehen und versuchen, die Eltern zu unterstützen, die eben ihre Kinder nicht am vom “Frosch/Kommentar 2” erwähnten Standard ausrichten wollen. Aber dafür bräuchte man Rückendeckung - und es traut sich ja scheinbar keiner mehr was zu sagen, oder?

    schrieb Anja am

  • #2

    @Henry:
    Bitte verwechseln Sie nicht Pädagogen mit Bildungspolitikern und anderen Ideologen. Die wenigsten Lehrkräfte wollen die Ganztagsschule, da sie ganz genau wissen, dass der Staat den Ganztagsschulen in der Breite niemals die finanziellen Mittel bereitstellen wird, um eine vernünftige Betreuung zu organisieren. Was in (auskömmlich finanzierten) Modellprojekten gut funktioniert, muss unter Alltagsbedinungen noch lange nicht funktionieren. Als Bürger bleibt uns nur, bei den Wahlen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    schrieb Mister M. am

  • #3

    Also ich sehe Ganztagsschule skeptisch in die Augen. Habe zwar die Grundschule in einer Ganztagsschule verbracht und hatte dort wirklich eine sehr schöne Zeit. Auch für Freizeit und so hatte man zwar weniger Zeit, aber dennoch.
    Außerdem hatte man sogar weniger Hausaufgaben.

    Aber ob das wirklich eine Lösung ist, die ist jedoch meiner Meinung nach fraglich!?

    schrieb Sabine am

  • #4

    Ich lehne zumindest geschlossene Ganztagesschulen grundsätzlich ab. Was mir wirklich Sorge bereitet ist mit welchem Ehrgeiz alle Erziehung nur noch vom Staat ausgehen soll und die Eltern als pure Lebensspender degradiert werden. Gleichzeitig ist es bei vielen Eltern regelrecht “in”, die komplette Verantwortung für ihre Kinder in fremde Hände zu geben. Was soll da herangezogen werden - sieht mir doch sehr nach Kaderschmiede aus… Ich habe meine Kinder nicht bekommen, damit sie am späten Nachmittag müde nach Hause kommen und ich sie gerade mal noch ins Bett legen darf. Und wenn ich höre, (z.B. in unserem Ort Normalfall)das sie dann in der Schule nur noch Essen aus dem Alunapf bekommen, was dann plötzlich wahnsinnig gesund sein soll, dreht sich mir der Magen um. Und 100 m weiter ist ihr Elternhaus zu dem sie nicht mehr gehen dürfen, weil die sog. Pädagogen ja alles besser können. Die Befürworter sollen sich mal vor Augen stellen, dass hier Parolen verbreitet werden, wie “Eltern können grundsätzlich keine Kinder erziehen”...

    schrieb Henry am

  • #5

    Die Kinder werden sozusagen von ihren Eltern entfremdet und kennen ihre Schulfreunde besser als ihre Geschwister. Außerdem wächst der Schulstress in den Schulen und bei Ganztagsschulen lernt man den ganzen Tag in der Schule und zuhause auch noch.

    schrieb Biggi am

  • #6

    Ich versuche mich dagegen zu wehren, Kinder brauchen Eltern, Kindern brauchen auch zeit für Spiele, Musik, Sport und die Freizeit ist genausowichtig wie die Schule, das sich Kinder entwickeln können.
    Ich finde diesen Trend schade…

    schrieb ludi am

  • #7

    Ich gebe dir völlig recht, aber die Zeiten haben sich geändert: Die heile Familienwelt, von der du schwärmst, GIBT es für viele nicht mehr. Beide Eltern gehen malochen (entweder weil sie müssen oder weil sie den dicken Daimler abbezahlen müssen) und haben mangels ausreichender Bildungsstandards (haha) ihren Kids eine Glotze und eine Spielkonsole ins Zimmer gestellt. Genau das ist der Standard, an dem sich die Ganztagesforderungen ausrichten!

    schrieb Frosch am

  • #8

    Ganzstagsschule - das Schlagwort der letzten Monate schlechthin. Ich frage mich, wie sich unser Leben zukünftig gestaltet: Ich finde den Lärm der Kinder schön, der sich mit dem Frühling wieder einstellt. Ich genieße die gemeinsamen Nachmittage, bestaune die Individualität. Ich will nicht glauben, dass das alles nicht mehr sein wird. Ich bin gegen Ganztagsschulen, zumindest in der Grundschulzeit. WIR konnten auch ohne Ganztagsschulen studieren! Ja, wir sind aber abdekradiert, die heutigen Eltern sind ja nicht mehr fähig, ihre Kinder selbst zu fördern. Die heutigen Eltern müssen ja alle arbeiten gehen - bei den vielen freien Arbeitsstellen…
    Macht dem Wahnsinn ein Ende - oder schaltet zumindest einen Gang runter, sonst sieht es in Zukunft trübe aus.

    schrieb Anja am

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