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Rechtschreibreform

Die wichtigsten Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung 28.02.2006, 16:38

Die wichtigsten Änderungen an der Rechtschreibreform, die am 27.02.2006 der KMK übergeben wurden, finden Sie hier.

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  • (geändert: )

Diese Zusammenfassung ist auch bei der KMK als PDF downzuloaden. Kurzübersichten über die Änderungsvorschläge bei der Berliner Morgenpost oder der Welt.

Zusammenfassung der wichtigsten Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung

Die Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung betreffen die Bereiche der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung, der Zeichensetzung und der Worttrennung am Zeilenende.

1 Getrennt- und Zusammenschreibung

Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung wird der den Traditionen des Deutschen entsprechenden Tendenz zur Zusammenschreibung Rechnung getragen. Als wichtiges Kriterium wird das Akzentmuster benannt: Zusammenschreibung korreliert mit (einem zusammenfassenden) Wortakzent.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Schreibung von Partikel + Verb
Partikeln werden mit Verben grundsätzlich zusammengeschrieben. An die Stelle der formalen Regel, nach der Elemente wie z.B. aufeinander und abwärts immer getrennt vom folgenden Verb zu schreiben sind, tritt das Kriterium des einheitlichen Wortakzents.
Liegt ein einheitlicher Wortakzent vor, dann ist zusammenzuschreiben, zum Beispiel:
abhandenkommen, abwärtsfahren, anheimfallen, aufeinanderstapeln,
querlesen
Anderenfalls, d.h. bei adverbialem Gebrauch, ist getrennt zu schreiben, zum Beispiel:
aufeinander achten, quer (im Bett) liegen, rückwärts einparken
b) Schreibung von Adjektiv + Verb
Die vorgeschlagene Hauptänderung besteht darin, dass bei einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung generell Zusammenschreibung eintritt. Formale Regeln, wie insbesondere die Regel, nach der Adjektive auf -ig, -isch und -lich stets vom folgenden Verb getrennt zu schreiben sind, entfallen.
Beispiele: müßiggehen, (sich) näherkommen, schwerfallen (= Mühe
verursachen), (jmdn.) zufriedenlassen (= in Ruhe lassen), seligpreisen
Bei den sog. Resultativa (= Verbindungen, bei denen das Adjektiv eine Eigenschaft des Objekts bezeichnet) ist grundsätzlich Zusammen- wie Getrenntschreibung möglich, zum Beispiel:
(eine Wand) blau streichen/blaustreichen, (Zwiebeln) klein schneiden/kleinschneiden, (Essen) warm machen/warmmachen
c) Schreibung von Substantiv + Verb
Der Rat schlägt vor, die Liste der Zusammensetzungen aus Substantiv + Verb, bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbständiger Substantive weitgehend verloren haben, um eislaufen, kopfstehen und nottun zu erweitern und leidtun entsprechend einzustufen (d.h. die Variante Leid tun zu streichen). Weiterhin sollen in vier Übergangsfällen Doppelschreibungen zulässig sein: achtgeben/Acht geben, achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten.
Ansonsten gilt die Regel, nach der in Verbindungen aus Substantiv + Verb das Substantiv groß- und getrennt vom Verb geschrieben wird (z.B. Rad fahren).
d) Schreibung von Verb (Infinitiv) + Verb
Verbindungen aus Verb (Infinitiv) + Verb werden prinzipiell getrennt geschrieben. Die Zusammenschreibung soll aber ermöglicht werden bei übertragen gebrauchten Verbindungen mit zweitem Bestandteil bleiben oder lassen (wie z.B. bei „in der Schule sitzenbleiben“, “die Freundin stehenlassen“ ) sowie bei kennen lernen.
e) Schreibung von Verbindungen mit Adjektiven als ersten Bestandteilen
Bei Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender Bestimmung ist Getrennt- wie Zusammenschreibung möglich, zum Beispiel: eng verwandt/engverwandt, schwer krank/schwerkrank.
f) Schreibung mehrgliedriger Anglizismen
Die Schreibung mehrgliedriger Anglizismen aus Adjektiv + Substantiv wird an das Akzentmuster gekoppelt: Zusammenschreibung, wenn der Hauptakzent auf dem adjektivischen Bestandteil liegt, Getrenntschreibung, wenn beide Bestandteile einen Akzent tragen.
Beispiele: Freestyle, Hightech, Shootingstar; Golden Goal, Private Banking, Round Table
Sind beide Akzentmuster möglich, dann kann getrennt- wie zusammengeschrieben werden, zum Beispiel:
Big Band/Bigband, Hot Pants/Hotpants, Small Talk/Smalltalk

2 Groß- und Kleinschreibung

Die Änderungsvorschläge im Bereich der Groß- und Kleinschreibung werden auf das systematisch Nötige (vor allem im Hinblick auf Getrennt- und Zusammenschreibung) beschränkt und beschreiben den existierenden Gebrauch präziser.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Einzelne Schreibweisen
▪ zwecks Unterscheidung zwischen substantivischem und nichtsubstantivischem Gebrauch ist in einigen Fällen Kleinschreibung vorgesehen:
zu eigen machen, geben (versus sein Eigen nennen)
jmdm. feind sein versus jmds. Feind sein (er ist ihm feind versus er ist mein
(ärgster, größter, schlimmster … ) Feind; ebenso: freund, klasse, spitze,
not u.a. in Verbindung mit den Verben sein/bleiben/werden
▪ aufgrund des unklaren Wortartstatus:
Zusammenschreibung von bankrottgehen, pleitegehen (versus in den Bankrott gehen)
Groß- wie Kleinschreibung bei recht/Recht und unrecht/Unrecht in Verbindung mit Verben wie geben, haben, tun
b) Regeln
▪ Dem Schreibgebrauch entsprechend ist bei Verbindungen aus Adjektiv + Substantiv mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung die Großschreibung des Adjektivs möglich, zum Beispiel:
der Blaue Brief (= Mahnschreiben), der Runde Tisch (in der Politik), das Schwarze Brett (= Anschlagtafel)
▪ Die Schreibung von Verbindungen mit fachsprachlichem oder terminologischem Charakter richtet sich nach dem Gebrauch in dem jeweiligen Bereich, zum Beispiel:
die Erste Hilfe (bei Unglücksfällen), die Rote Karte (im Sport), die Große Kreisstadt; seltene Erden, die eiserne Lunge
▪ Dem Wunsch nach einer „Höflichkeits“-Großschreibung beim Pronomen Du und den dazugehörigen Fällen in Briefen wird durch Zulassung der Großschreibung Rechnung getragen
In weiteren Bereichen (Pronomina/Zahlwörter) schien in dem vorgegebenen Rahmen keine Lösung möglich, die weniger Variation erzeugt hätte, so dass auf Änderungsvorschläge verzichtet wurde.

3 Zeichensetzung

Bei der Zeichensetzung zielt der Vorschlag des Rats auf Änderungen im Bereich der Kommasetzung, um das eindeutige Textverstehen zu sichern.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Komma bei selbständigen Sätzen, die mit „und“, „oder“ usw. verbunden sind
Der Vorschlag des Rats bringt eine wesentliche Änderung mit sich: die Beschränkung auf „selbständige“ Sätze. Dies hat zur Folge, dass in Sätzen wie „Es war nicht selten, dass er sie besuchte(,) und dass sie bis spät in die Nacht zusammensaßen, wenn sie in guter Stimmung war“ (amtliches Regelwerk 2004, § 73) ein Komma nach „besuchte“ nicht mehr zulässig ist.
b) Komma bei Infinitivgruppen
Der Rat bestätigt grundsätzlich die Regelung der Rechtschreibreform, nach der Infinitivgruppen, die von einem Korrelat oder Verweiswort abhängen, durch Komma abgesetzt werden (z.B. Anna hat es nie bereut, diese Ausbildung gemacht zu haben). Er schlägt aber vor, dieses Komma bei einem bloßen Infinitiv freizustellen (z.B. Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen). Darüber hinaus spricht er sich für ein obligatorisches Komma bei Infinitivgruppen aus, die mit “um”, “ohne”, “statt”, “anstatt”, “außer” oder “als” eingeleitet sind (z.B. Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen) bzw.
von einem Substantiv abhängen und mehr als den bloßen Infinitiv umfassen (z.B. Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter überrascht).

4 Worttrennung am Zeilenende

Für den Bereich der Worttrennung am Zeilenende empfiehlt der Rat an der Oberfläche nur eine Änderung: die Abtrennung von Einzelvokalen am Wortanfang und -ende prinzipiell auszuschließen (nicht: E-sel, Feiera-bend, Bi-omüll; bisher bereits nicht zugelassen: Klei-e).
Darüber hinaus plädiert er für eine Umstrukturierung der Regeln, um deutlicher darauf hinzuweisen, dass es beim Trennen um sinnvolles Trennen eines komplexen Wortganzen geht. Demnach soll zuerst die Trennung nach Wortbestandteilen (z.B. vollenden, Pro-gramm) und dann die Trennung im Inneren von Wörtern (z.B. Bau-er, rosten) dargestellt werden. Diese Regeln gelten auch für fremde Wörter; wo das zu erwartende Wissen über die Wortteile von fremden Wörtern enden soll, ist nicht auf der Regelebene zu klären.


Zusammenfassung der wichtigsten Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung (PDF bei kmk.org)


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Kommentare

11

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  • #1

    @Schülersicht:

    Ich gebe Dir grundsätzlich Recht: Die Verwirrung ist grenzenlos, und gerade Schüler/innen leiden darunter.

    Interessant finde ich jedoch, dass die Fehler, die Du in Deinem Beitrag machst, unabhängig von der Rechtschreibreform sind. Du schreibst das konsekutive “dass/daß” mit einem s, setzt vor Konjunktionalsätzen mit “wenn” kein Komma. In Deinem Beitrag sind 7 Fehler - und alle haben nichts mit der neuen/alten Rechtschreibung zu tun.

    Warum also - und ich interessiere mich wirklich für eine Antwort auf diese Frage - regst Du Dich über die Reform der Rechtschreibung auf?

    schrieb Eine Lehrersicht am

  • #2

    ich finde das mit diesen tausend verschiedenen Rechtschreibreformen langsam nervig. Was soll man als Schüler denn bitte schön noch glauben??! Jedes Jahr kommt ein anderer Lehrer und meint das bestimmte Wörter jetzt aber ganz anders geschrieben werden. Oder gerade im Thema Kommasetzung. Da steigt man als Schülerin überhaupt nicht mehr durch. Kann man nicht mal eine einfache Rechtschreibreform entwickeln. Andere Länder haben das auch geschafft. Warum muss Deutschland wieder alles umständlich machen wenn es doch eigentlich auch einfach geht? Unser Lehrer hat uns letztes gesagt das nächstes Jahr schon wieder eine neue Fassung rauskommt! Wie soll man sich das bitte schön alles merken??!  :-S 😠

    schrieb von Schülersicht! am

  • #3

    Unterrichten: Fassung 2006 ab 1. August 2006.
    Korrigieren: Alte Fassung bis 1. August 2006
    Beide Fassungen 1. August 2006 bis 31. Juli 2007
    Fassung 2006: 1. August 2007 bis zu deiner Rente ;-)

    schrieb H. Lenz am

  • #4

    Sind diese Regeln jetzt verbindlich oder haben wir in NRW jetzt noch, wie zu Schuljahresbeginn angegeben, eine Übergangsphase, in der alle Regelungen zulässig sind. Nach welchem Regelwerk muss ich Rechtschreibung unterrichten, nach welchem korrigieren?

    schrieb Birgitta Jetzek-Berkenhaus am

  • #5

    ich kann nicht mehr!

    schrieb jens schuessler-jens schüßler am

  • #6

    Ich würde sagen: In speziellen Fachgebieten oder Institutionen gilt das Gewohnheitsrecht bzw. gar die Orthografiehoheit. Der Kreis der FußballerInnen und die damit in beliebiger Weise assoziierten Personen bestimmen die Schreibung “Gelbe Karte” (nicht: “gelbe Karte”). Die UNO bestimmt, dass das UNRIC (UN Regional Information Centre) sich im Deutschen als “Regionales Informationszentrum der UNO” schreibt, obwohl es eigentlich nur ein regionales Informationszentrum der UNO ist.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #7

    Hallo,
    ich bräuchte ma hilfe bei dem satz:
    “Die Schreibung von Verbindungen mit fachsprachlichem oder terminologischem Charakter richtet sich nach dem Gebrauch im jeweiligen Bereich.”

    was zum teufel bedeuted der!!!

    schrieb Factor am

  • #8

    “selbständig”/“selbstständig” und “sodass”/“so dass” waren schon bei der alten neuen Rechtschreibung beide erlaubt; das bleibt <strike>wohlauch</strike> wohl auch so.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #9

    Gerade habe ich die Zusammenfassung der wichtigsten Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung gelesen. Folgendes ist mir dazu aufgefallen. Unter Punkt 1 c)Schreibung von Substantiv + Verb wird in diesem Schreiben der KMK in der zweiten Zeile das Wort “selbständige” verwendet. Heißt das, dass man selbstständig jetzt wieder wie früher, sprich ohne das zweite “st” schreibt?? Über eine Antwort würde ich mich freuen. Des Weiteren ist im gleichen Dokument unter dem Stichwort Pronomina/Zahlwörter “so dass” getrennt geschrieben?! ist das auch neu? Auch hier würde ich mich über eine Antwort freuen. Mfg G.Bride

    schrieb Gabriele Bride am

  • #10

    Ich verstehe NICHT Ihren Text. Er geht weiter
    über meinen Sprach-IQ.  Und das, obwohl ich als
    Germanist natürlich Literatur gelesen habe.

    Als Deutschlehrer, versteht sich, bin ich nicht mehr in der Lage, meinen Schülern eine
    halbwegs “brauchbare” Ort[h]ografie plausibel
    zu machen.
    Es gibt mittlerweile 6 Schreibungen. Überlegen
    Sie mal, welche ich meine.
    Rolf Hahner, Mittwoch 6.März

    schrieb Rolf Hahner am

  • #11

    Diese jüngsten Revisionen erscheinen mir in dem ganzen jahrelangen Hickhack um die Rechtschreibung endlich sinnvoll. Jetzt steht zu hoffen, dass die Diskussion endlich mal ein Ende hat - denn es ist doch wirklich so: wir Deutschlehrer gehören zu den wenigen, die mit Konsequenzen von den ständigen Änderungen betroffen sind, und selbst hier ist die Toleranzgrenze erreicht, wenn nicht längst überschritten…

    schrieb meliur am

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