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Statistik

Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat 02.09.2005, 18:51

Über den Presseverteiler des Statistischen Bundesamtes erklärte der Bundeswahlleiter heute noch einmal die Modalitäten der Bundestagswahl (Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat usw.) verständlich und ausführlich.

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  • (geändert: )

 


Es folgt die vollständige Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Johann Hahlen vom 02.09.2005, Präsident des Statistischen Bundesamtes, Hervorhebungen vom Lehrerfreund.

 

 

 

Bei der Bundestagswahl 2005 hat jeder zwei Stimmen


WIESBADEN - Der Bundeswahlleiter macht darauf aufmerksam, dass bei der Wahl des 16. Deutschen Bundestages am 18. September 2005 jeder Wähler – wie bei den vorausgegangenen Bundestagswahlen zwei Stimmen hat:
- Eine Erststimme für die Wahl eines Wahlkreisabgeordneten (auf der linken, schwarzgedruckten Hälfte des Stimmzettels) und
–eine Zweitstimme für die Wahl der Landesliste einer Partei (auf der rechten, blaugedruckten Hälfte des Stimmzettels).

Auf jeder Hälfte des Stimmzettels darf der Wähler nur einen Wahlvorschlag kennzeichnen, zum Beispiel durch jeweils ein Kreuz in den aufgedruckten Kreisen. Kennzeichnet der Wähler auf der linken Seite des Stimmzettels mehrere Wahlkreisvorschläge, führt dies zur Ungültigkeit seiner Erststimme. Mehrere Kreuze auf der rechten Seite des Stimmzettels (Landeslisten der Parteien) haben die Ungültigkeit der Zweitstimme zur Folge.

Der Wähler braucht seine Erststimme sowie seine Zweitstimme nicht derselben Partei zu geben. Vielmehr kann ein Wähler seine Erststimme und seine Zweitstimme „splitten“ (sogenanntes Stimmensplitting), indem er seine Erststimme für den Wahlkreisbewerber eines bestimmten Wahlvorschlagsträgers und seine Zweitstimme für die Landesliste eines anderen Wahlvorschlagsträgers abgibt.

Der Wähler kann sich auch darauf beschränken, nur eine Stimme, sei es die Erst- oder die Zweitstimme, abzugeben; in einem solchen Fall zählt die jeweils nicht abgegebene Stimme als ungültig.

Mit seiner Erststimme bestimmt der Wähler unmittelbar, welcher Bewerber seines Wahlkreises ihn im Deutschen Bundestag vertreten soll, während er mit der Zweitstimme die Landesliste der von ihm bevorzugten Partei mit allen von der Partei aufgestellten Bewerbern in der dort festgelegten
Reihenfolge wählt. Für die Sitzverteilung, das heißt für die Stärke der Parteien im Deutschen Bundestag, sind grundsätzlich die für die Landeslisten der Parteien bundesweit abgegebenen Zweitstimmen ausschlaggebend. Denn die 598 Sitze im Deutschen Bundestag werden im Verhältnis der jeweils von
den einzelnen Parteien bundesweit erzielten Zweitstimmen auf die Parteien verteilt. Es handelt sich also im Grundsatz um ein Verhältniswahlsystem. Unberücksichtigt bei der Sitzverteilung bleiben Parteien, die weniger als fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen im
Bundesgebiet erhalten oder die nicht mindestens drei Wahlkreissitze errungen haben.

Durch die Erststimme für Wahlkreisbewerber wird die Verhältniswahl aber durch Elemente der Mehrheits- und Persönlichkeitswahl ergänzt. In jedem der 299 Wahlkreise ist der Bewerber gewählt, der die einfache Mehrheit der gültigen Erststimmen erhalten hat.

Das Prinzip der Verhältniswahl bleibt für das Ergebnis der Bundestagswahl grundsätzlich bestimmend, weil die von den Parteien auf Grund der Erststimmen errungenen Wahlkreissitze im jeweiligen Bundesland von den Sitzen abgezogen werden, die ihnen in diesem Bundesland nach ihrem Zweitstimmenergebnis auf Bundesebene zustehen. Vom Grundsatz, dass die Zweitstimme die maßgebende Stimme für die Verteilung der Sitze im Deutschen Bundestag ist, weicht das Bundestagswahlrecht ab, wenn für eine Partei Überhangmandate entstehen. In diesen Fällen verbleiben der jeweiligen Partei alle Wahlkreissitze, so dass auch die Erststimme das Stärkeverhältnis zwischen den im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien mitbestimmt.

Überhangmandate fallen dann an, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreissitze erlangt hat, als ihr dort auf Grund der Zweitstimmen Landeslistensitze zustehen. Die direkt erworbenen Wahlkreissitze verbleiben dann der Partei und die Gesamtzahl der Sitze im Deutschen Bundestag erhöht sich um die Zahl der Überhangmandate.

Die Gründe für das Entstehen von Überhangmandaten sind vielfältig, wobei die Gründe für sich und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich wirksam sein können. Zum Entstehen von Überhangmandaten kann auch das erwähnte Stimmensplitting beitragen. Bisher wurde verschiedentlich vor Bundestagswahlen das Stimmensplitting als Möglichkeit herausgestellt, wie Anhänger einer Partei, die voraussichtlich im Deutschen Bundestag vertreten sein wird, durch ihre Zweitstimmen einer anderen Partei das Überwinden der sogenannten fünf Prozent-Klausel ermöglichen können. Die Möglichkeit von Überhangmandaten gibt dem Stimmensplitting eine weitere Bedeutung für das Wahlergebnis: Anhänger einer Partei, die kaum Aussicht auf Wahlkreissitze hat, können ihre Erststimmen einer anderen Partei geben und damit für diese die Möglichkeit des Anfalls von Überhangmandaten vergrößern.

 

Pressemitteilung des Bundeswahlleiters Johann Hahlen vom 02.09.2005



Weitere Auskünfte gibt:
Heinz Christoph Herbertz, Telefon: (0611) 75-2345, bundeswahlleiter@destatis.de

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Kommentare

43

Zum Artikel "Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat".

  • #1

    CDU/CSU versteht z.B. unter Haushaltsabgabe etwas mehr noch

    schrieb Fadir am

  • #2

    Hallo Markus,

    vielleicht ist die Bahn ja doch etwas einsichtig und schränkt den Bau S21 nicht nur vorübergehend ein!
    Eine Meldung Gestern neue Aufträge werden vorerst nicht vergeben was immer das auch heißt!
    Nun ja träumen kann man ja mal!

    Vg J.D.

    schrieb Joachim D. am

  • #3

    Inzwischen habe auch ich die Meinung geändert…

    Was ich gestern gewählt haben bleibt geheim - nur soviel - ich freue mich dass sich was ändert in Stuttgart !!!

    Aber S21 soll trotzdem gebaut werden !

    Liebe Grüße
    Markus

    schrieb Markus am

  • #4

    Hallo Markus,
    war das 2005 wirklich eine gute Entscheidung so zu wählen. Würde mich im Hinblick der aktuellen Situation mal echt interessieren.

    Grüße

    auch markus

    schrieb Markus S. am

  • #5

    Was man noch hinzu erwaehnen sollte:

    Der Bundestag kann aufgrund der Uebrhanhsmandate groesser werden.

    schrieb annabell am

  • #6

    Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei so wenige (Zweit-)Stimmen erhalten hat, daß ihr proportional weniger Mandate zustehen, als sie aufgrund von Direktmandaten erhielt. Diese „Überhangmandate“ (für die fehlenden Stimmen) verbleiben bei der Partei.

    Bei der Bundestagswahl entstehen Überhangmandate in Ländern, in denen einer Landesliste weniger Mandate nach Zweitstimmen zustehen als sie (aufgrund ihrer Erststimmen) Direktmandate erhalten hat.
    Quelle:
    http://www.diepolitik.de/bundestagswahlrecht.html

    schrieb Akguec am

  • #7

    Meine Frage jetzt.. was sind denn nun Überhangmandate.. ich hab kein Wort verstanden…

    schrieb Sanny am

  • #8

    Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat
    Bei diesem Thema empfehle ich Ihnen Onlinezeitung http://www.diepolitik.de

    schrieb Akguec am

  • #9

    ich bin hier auch nur zufällig gelandet, weil ich morgenb gemeinschaftskunde schreibe… überwahlen.
    ich habe das mit dem überhangsmandat eigentlich verstanden, aber irgendwie kapier ichs immernoch nicht :(
    tortzdem ist das hier eine gute seite!!

    schrieb Claudia am

  • #10

    Hallo bin hier auf der Seite gelandet, weil ich morgen eine Klausur in Politik schreibe…
    Über Zweitstimme und 5%-Klausel usw…Hier wird man gut Informiert :) War mir eine große Hilfe
    Danke :)
    Bis dann Maike

    schrieb Maike am

  • #11

    Hallo?????
    Kann mir mit dieser Frage niemand helfen????

    :-(

    schrieb MB am

  • #12

    Inwiefern sind Überhangmandate geeignet,das Verhältniswahlsystem in ein Mehrheitswahlsystem umzuwandeln?

    Wer kann mir helfen?

    schrieb MB am

  • #13

    Gratulation Deutschland !!!

    Jetzt haben wirs geschafft…

    Dass was alle als schlechteste Lösung angesehen haben wird nun eintreten!!! Toll !!!

    schrieb Markus am

  • #14

    Hallo Herr Hahner,

    ich kann Ihren Beitrag nur beipflichten. Da kann man nur sagen den Nagel auf den Kopf getroffen “leider”. Da wird sich aber auch künftig nichts ändern!

    schrieb Joachim Dix am

  • #15

    Jeder, der gegen Multi-Kulti ist, ist ein Rechtsradikaler, ein Neonazi, ein Faschist, ein Rechtsextremer, ein ewig Gestriger, ein Brauner, ein Volksverhetzer, ein Chauvinist, ein Neofaschist, ein ewig Zurückgebliebener, ein Abgedrehter, ein böser Mensch.

    schrieb Bundesintegrationsminister am

  • #16

    Wenn ich mir den Beitrag von “wahlmann” so anschaue, hoffe ich, dass hier nicht nur Lehrer mit von der Partie sind…

    schrieb TC am

  • #17

    wow jetzt gab es richtig viele Einträge ;-)

    Was ist heute schon demokratisch???

    Aber so wie ich Deutschland kenne schaffen wir es ein große Koaliation zu wählen - Dann muss ich denn Deutschen und auch mir echt gratulieren dass wir dann einen sehr großen Rückschritt gemacht haben…Dann wird erst recht nicht besser dann geht es mit Deutschland erst richtig abwärts ...

    Aber wir das Souverän haben das ja in der Hand ;-)

    Viel Spaß beim wählen!!!

    Es lebe die Demokratie!!!

    schrieb Markus am

  • #18

    Das war jetzt aber wirklich schön zusammengefasst :-)

    schrieb sina am

  • #19

    Hi Leute,

    seht die zweite Stimme als Basis an und die erste als Überhangmöglichkeit.
    So versteht man es am einfachsten.

    Was das taktische Wählen betrifft finde ich es nicht so schlimm nur den möglichen bzw. den gewünschten Koalitionspartner taktisch zu wählen, da letztlich sowieso keine Partei alleine regiert.

    Grüße an alle Wähler

    SPD der gesunde Mittelweg

    schrieb Siebert am

  • #20

    @wahlmann

    Du schreibst:
    ich wähle nämlich die republikaner. (lest euch das programm mal durch, das ist wirklich gut! und das sind auch keine nazis, wie viele glauben (im gegenteil)!)

    Ich möchte nur einige Punkte dem Programm der Republikaner herausgreifen. Ich lasse mal Details wie die Rede von “Mitteldeutschland” aus.
    “Deshalb lautet die wichtigste Forderung der Partei DIE REPUBLIKANER:
    Bewahrung der deutschen Heimat, keine multikulturelle Gesellschaft, kein Vielvo?lkerstaat!

    Das heißt mit andere Worten: Ausländer raus. Keine Nazis ... aha. Abgesehen davon: Angesichts der demographischen Lage wirklich kein besonders intelligentes Vorhaben. Weiter:
    “Um ihren Auftrag zu erfu?llen, braucht sie [die Bundeswehr]innere Sta?rke durch Verwurzelung im Volk und durch die Besinnung auf Traditionen deutschen Soldatentums”
    Das heißt mit anderen Worten: Militarisierung der Gesellschaft erwünscht.

    Und so geht es weiter. Der Abschnitt “Kultur” ist besonders aufschlussreich: In der Schule soll deutsche Kultur vermittelt werden, auch das deutsche Liedgut (“einschließlich desjenigen der Vertreibungsgebiete” - hmpf!!!!) soll gepflegt werden, und “keine Fo?rderung sogenannter multikultureller oder interkultureller Projekte” (genial) usw. usf. Und dann kommt ein Kapitel Namens “Ausländer” (weit weit vor dem Kapitel “Wirtschaft”), in dem unmissverständlich klargestellt wird, dass Ausländer in Deutschland nichts verloren haben, Asylanten? “Unterbringung in Sammelunterku?nften [=Lagern] und ausschließlich Gewa?hrung von Sachleistungen”. Und jetzt bin ich auf Seite 17 und es reicht.

    :down:

    schrieb schmitt am

  • #21

    an Dietmar:

    “wenn der Direktkandidat eine Chance hat”

    genau darum geht es mir aber! woher will der wähler wissen, WER eine chance hat? durch umfragen? durch das, was im fernsehen gesagt wird?

    natürlich SCHEINT es für den einzelnen ziemlich pfiffig, wenn er glaubt, das system zu durchschauen. doch wenn das alle machen, ist das doch eine beeinflussung des ergebnisses, oder nicht?

    angenommen, (ich nehme einfach mal ein beispiel) 30% der deutschen würden FDP wählen. aber nur 10% tun das tatsächlich, weil die anderen 20% glauben, die FDP hätte keine chance. würde jeder nach seiner meinung und nicht nach chancen wählen, hätte dann die FDP vielleicht tatsächlich 30%.

    unabhängig davon, ob erst- oder zweitstimme:
    chancen auszurechnen ist sinnlos, weil man die chancen SELBST BESTIMMT (auf das ganze volk gesehen).

     

    an JK:

    “Ich wäre dafür, die Stimmen um zwei zu ergänzen: Und zwar für die Erst- und Zweitstimme je eine b)-Stimme, die dann wirksam wird, wenn die mit der a)-Stimme gewählte Partei bzw. die Partei des Kandidaten nicht die Regierung (mit)bildet.”

    warum sollte man es noch komplizierter machen, als es jetzt schon ist?

    ich bin der meinung, es sollte nur eine einzige stimme geben (entsprechend der zweitstimme).
    jeder sollte dann einfach die partei ankreuzen, die er bevorzugt. wenn die partei es beispielsweise nicht schafft, an der regierung beteiligt zu sein oder gar nicht erst über die 5%-hürde kommt - dann pech gehabt!

    und ich sage das, obwohl die partei, die ich wählen werde, warscheinlich unter 5% haben wird!
    ich wähle nämlich die republikaner. (lest euch das programm mal durch, das ist wirklich gut! und das sind auch keine nazis, wie viele glauben (im gegenteil)!)

    schrieb wahlmann am

  • #22

    “in jedem fall meine ich:

    jeder sollte den direktkandidaten und die partei wählen, die er für die besten hält!
    nur dann ergibt sich ein reelles und demokratisches ergebnis.”

    JA!


    Ich wäre dafür, die Stimmen um zwei zu ergänzen: Und zwar für die Erst- und Zweitstimme je eine b)-Stimme, die dann wirksam wird, wenn die mit der a)-Stimme gewählte Partei bzw. die Partei des Kandidaten nicht die Regierung (mit)bildet.

    Bsp.: Mit den a)-Stimmen wähle ich den grünen Kandidaten und Die Grünen, und mit den b)-Stimmen die SPD und den SPD-Kandiaten.
    Vorteil: Ich kann mit den a)-Stimmen die Partei / den Kandidaten wählen, von der / dem ich eigentlich am liebsten regiert werden würde.
    Falls aber zu wenige in diesem Lande so denken (also die Grünen nicht an der Regierung beteiligt sein werden), sollen meine b)-Stimmen dafür sorgen, dass auf keinen Fall CDU/CSU an die Macht kommt.

    Was haltet ihr davon?
    Es grüßt, Johannes
    .(JavaScript must be enabled to view this email address)

    schrieb JK am

  • #23

    “nicht unbedingt besser, aber anders” is gut hehe

    schrieb witch am

  • #24

    Ich muss Dietmar völlig Recht geben !!!

    So sehe ich das auch!!!

    Auf jeden Fall finde ich es gut dass sich Leute überhaupt dafür interessieren wie unser Wahlsystem eigentlich funktioniert (das verstehen nämlich die wenigsten) und was Sie für Möglichkeiten haben.

    Ab morgen 18 Uhr wird sowieso alles anderst ;-)
    Vielleicht nicht unbedingt sofort besser aber anderst ;-)

    Spaß beiseite jeder soll wählen zu was er Bock hat und was er für richtig hält - das ist Demokratie!

    schrieb Markus am

  • #25

    Grundsätzlich gebe ich dir Recht. Man sollte immer nach seinem Herzen wählen, sonst werden die Wahlen auf Sinnlosigkeit reduziert.

    Aber: Taktisches Wählen bedeutet nicht einfach zwischen den beiden Platzhirschen auszuwählen. Taktisches Wählen bedeutet auch:
    - eine kleine Partei (z.B. Grün) mit Erststimme zu wählen, wenn der Direktkandidat eine Chance hat (auch wenn man eigentlich für die “zugehörige” große Partei (z.B. SPD) ist, deren Direktkandidat aber keine Chance hat)
    - eine große Partei (z.B. CDU) mit Erststimme zu wählen, um Überhangmandate des Konkurrenten zu verhindern und ein Direktmandat zu erreichen (auch wenn man eigentlich für die “zugehörige” kleine Partei (FDP) ist, die man dann mit der Zweitstimme wählt).

    Gruß Dietmar

    schrieb Dietmar am

  • #26

    ich finde das sogenannte “taktische wählen” reichlich sinnlos. es entspricht ungefähr dem niveau von nichtwählen.

    ein nichtwähler sagt sich:
    “meine stimme ist doch eh nur eine von vielen millionen, das macht doch gar nichts aus. es macht keinen unterschied, ob ich wähle oder nicht”

    ein taktischer wähler meint, er sei schlau, und sagt sich:
    “die meisten wählen sowieso nur CDU und SPD. somit haben andere direktkandidaten/parteien gar keine chance. wenn ich also [beispielsweise] FDP wählen würde, brächte es gar nichts.”

    beides ist soweit richtig.

    doch muss man bedenken, was es für folgen hat, wenn plötzlich JEDER so denkt!
    wenn gar der wahlleiter oder eine zeitung das taktische wählen empfiehlt.

    jeder meint, dass sowieso nur die SPD und CDU als große parteien chancen haben und wählt sie deshalb, um “etwas zu erreichen”.

    folge:
    es werden nur die großen parteien gewählt.

    parteien wie die FDP haben keine chance, weil die wähler glauben, sie hätten von vornherein keine chance (placebo-effekt???).


    in jedem fall meine ich:

    jeder sollte den direktkandidaten und die partei wählen, die er für die besten hält!
    nur dann ergibt sich ein reelles und demokratisches ergebnis.

    schrieb wahlmann am

  • #27

    also ich möchte keinen wechsel; ich bin für atomausstieg, möchte nicht ins außenpolitische schlepptau der usa geraten und glaube, dass nach einem wechsel der einfluss der wirtschaftsverbände (automobil-, pharmalobby usw.) außerordentlich zunehmen würde. deshalb werde ich (wie du :-)) taktisch wählen, um den wechsel zu verhindern. wenn du so direkt fragst :coolsmile:

    schrieb Sabi am

  • #28

    So langsam wirds kompliziert aber auch umso interessanter ;-)

    Aber ich habe jetzt die Lösung für mich persönlich gefunden. Wir in unserem Wahlkreis wählen eher CDU d.h. der Kandidat müßte es packen 100% sicher ist das aber nicht - deshalb gebe ich ihm auf jeden Fall meine Erststimme denn der FDP-Kandidat wird als Direktkandidat nicht reinkommen ;-)
    Und der FDP gebe ich die Zweitstimme dass die auf ein besseres Ergebnis kommen - so um die 8% wären fein ;-)

    Was wählst eigentlich du???

    schrieb Markus am

  • #29

    yep, so stimmt’s :-)

    allerdings erhöhst du die möglichkeit für überhangmandate für die cdu schon auch, wenn du 1.fdp 2.cdu wählst. denn deine stimme könnte ja (unwahrscheinlicher weise) dafür sorgen, dass die zahl der landeslistensitze, die der cdu aufgrund zweitstimme zusteht, ausgeschöpft wird. ohne deine stimme wäre es einer weniger und es würde kein überhangmandat entstehen.

    glaube ich :-)

    aber ist ja auch egal: wenn du wechsel wählen wolltest (bleiben wir im irrealis ;-)), müsstest du mit der erststimme den kandidaten deiner favorisierten koalition wählen, der die besseren chancen hat; mit der zweitstimme müsstest du dann die partei wählen, die du mit der erststimme gewählt hast, um die möglichkeit für überhangmandate zu erhöhen. oder??

    nehmen wir folgendes an: in deinem wahlkreis hat der fdp-bewerber sehr gute chancen und konkurriert eigentlich nur mit dem spd-bewerber, der cdu-bewerber ist weit abgeschlagen. dann wählst du mit der erststimme den fdp-kandidaten (denn erststimme für cdu wäre in diesem falle vollständig verschenkt), mit der zweitstimme auch, selbst wenn du eigentlich die cdu präferieren würdest.

    kann mir jemand bestätigen, dass das, was ich geschrieben habe, so richtig ist?  :ahhh:

    schrieb Sabi am

  • #30

    Sabi du hast doch Recht ;-)
    Du hast mir die Erleuchtung gebracht - ich war zu stark auf die FDP fixiert!
    D.h. ich wähle mit Erststimme CDU und mit Zweitstimme FDP (und helfe ihr somit, denn mit der Erststimme bringt es ja nix da der FDP Direkt Kandidat aus dem Wahlkreis eh keine Chance hätte)
    Anderst herum (1. Stimme FDP - 2. Stimme CDU) würde ich der FDP gar nicht helfen und der CDU nur teils teils da ich die Möglichkeit von Überhandmandaten für die CDU nicht erhöhe!!!

    Ja so müßte dass doch passen oder ???


    Jetzt weiß ich endlich wie ich wähle um das bestmögliche für den Wechsel in Deutschland herauszuholen ;-)
    Darf man das hier überhaupt - seine Gesinnung preisgeben und Wahlwerbung betreiben ??? ;-)

    schrieb Markus am

  • #31

    hmmm ...

    fdp gibt *erststimme* (also die stimme des aussichtslosen wahlkreiskandidaten) an cdu ab. dann kommt der cdu-kandidat statt des spd-kandidaten rein. und dann kann ein überhangmandat entstehen:

    “Überhangmandate fallen dann an, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreissitze erlangt hat, als ihr dort auf Grund der Zweitstimmen Landeslistensitze zustehen. “

    mir schwirrt der kopf, aber so wie ich es jetzt geschrieben habe, ist es doch richtig, oder??!  :-S

    schrieb Sabi am

  • #32

    Also ihr habt beide Recht - aber die Lösung von Thomas erscheint mir die sinnvollere - logischerweise müßte es “Zweitstimmen” heißen dann würde alles zusammenpassen! Kann das jemand rausfinden was nun richtig ist denn die Lösung so wie sie Sabi erklärt hat ist zwar richtig interpretiert aber schlicht und einfach unlogisch. Wer könnte uns hier weiterhelfen?
    Ich weiß das ist alles ziemlich kleinlich von mir aber das interessiert micht jetzt echt mal ;-)

    Danke für die vielen Antworten!!!
    Freue mich schon auf weitere….

    schrieb Markus am

  • #33

    klar hilfst du dann der cdu, wenn ich das richtig verstehe. es heisst ja:

    ... können ihre Erststimmen einer anderen Partei geben und damit für DIESE die Möglichkeit des Anfalls von Überhangmandaten vergrößern.

    wenn auf dem wahlplakat “zweitstimme fdp” steht, und der wahlkreiskandidat der fdp auffordert, den kandidaten der cdu zu wählen, dann sind doch sämtliche “anforderungen” erfüllt, oder?

    🐍

    schrieb Sabi am

  • #34

    ....können ihre “Erststimmen” einer anderen Partei geben und damit für diese die Möglichkeit….
    Normalerweise sollte das “Zweitstimmen” heißen wenn ich das mit den Überhangmandaten richtig verstanden habe. Oder???

    Thomas

    schrieb Thomas am

  • #35

    So ich habe eine kleine Frage, ich habe das System nun soweit verstanden aber eine Frage hab ich noch: Folgender Satz steht oben:

    Die Möglichkeit von Überhangmandaten gibt dem Stimmensplitting eine weitere Bedeutung für das Wahlergebnis: Anhänger einer Partei, die kaum Aussicht auf Wahlkreissitze hat, können ihre Erststimmen einer anderen Partei geben und damit für diese die Möglichkeit des Anfalls von Überhangmandaten vergrößern.

    Das ist mir ein wenig unklar also nur als Beispiel:
    Anhänger einer Partei, die kaum Aussicht auf Wahlkreissitze hat (in unserem Wahlkreis die FDP)

    können ihre Erststimmen einer anderen Partei geben und damit für diese die Möglichkeit des Anfalls von Überhangmandaten vergrößern. (z.B. CDU)

    Aber in diesem Beispiel helfe ich der CDU und nicht der FDP oder wie seh ich das. Ich will ja die Überhangmöglichkeit für die FDP erhöhen….

    Habt ihr mein Anliegen verstanden??? Oder hab ich da was falsch verstanden???

    Würde mich über Antworten sehr freuen !!!

    schrieb Markus am

  • #36

    Wahlen,Wahlen, Wahlen, was haben wir für eine reelle Chance, sachliche Regierungsarbeit zu erwarten? Wir wählen, dennoch sieht das Resultat fast jedes Mal so wie beschrieben aus.

    So lange wir zuückschauen, egal welche Partei die Regierung in den letzten 25 Jahren gestellt hat, kam eines mehr und mehr zum Vorschein: Nicht Sach - und Fachkompetenz, sondern politische Erwägungen, lassen Leute in Ämter rutschen wo sie von Rechts wegen überhaupt nichts zu suchen hätten! Das Spiel “wechselt das Bäumchen” hat massgeblich zu diesem desolaten Zustand beigetragen.Dann soll man sich über die Wahlmüdigkeit der Leute noch wundern? Wir werden nach Strich und Faden gemolken, Steuern,Abgaben, Soldaritätszuschlag, Mehrwertsteuer, Versicherungssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer,Tabak- ,Alkohol-, Vergnügungssteuer, u.u.u. Die Liste ließe sich durchaus noch erweitern.Dabei ist eines klar:wir werden noch eine Steuer erfinden müssen: Bundestagsabgeordnetensteuer, damit für jede Falschaussage und Vertrösterei, zu Lasten des Volkes, ein Fonds für die Gebeutelten zu finanzieren.Was sich da wohl ansammeln würde, innerhalb einer Legislaturperiode?

    schrieb Horst W. Hahner am

  • #37

    Hallo…,

    ich finde dass mit den kleineren Übel bzw. taktieren   schon etwas seltsam. Wir hatten in der letzten Zeit eine große Koalition. Sprich die eine hat gesagt wo es langgeht im Bundestag und die Andere im Bundesrat. (Gesundheitsreform usw.)
    Wir haben nun fast jeden Tag gehört das Deutschland so gut wie Pleite ist. Wir leisten uns aber weiterhin 16 Länder samt Beamte, viele Krankenkassen usw. es wird sich auch nach der Wahl nicht so viel ändern. Vor einiger zeit hatten wir hier in Baden-Württemberg eine Auseinandersetzung zwischen Politikern einer ist dann gegangen und hat dann nach kurzer Zeit im Landtag eine Rente bekommen wo von wir nur trämen können.

    schrieb Joachim Dix am

  • #38

    Mehr Bildung, damit wir alle unser Wahlsystem verstehen lernen !

    schrieb Peter Schulz am

  • #39

    Das ist doch wieder typisch deutsche Bürokratie! Ich glaube, die wenigsten Wähler wissen so recht um diese Erst-und Zweitstimme. Ich bin ein politisch interessieter mensch, in den Medien wird man mit dummem geschwafel zugeschwallt, über das wahlverfahren habe ich mich erst hier schlau gemacht!

    schrieb siegfried stumkat am

  • #40

    Die Möglickeit des “Taktierens” bietet für Wähler “kleiner” Parteien die legitime Chance, mit der Erststimme Eifluss zu nehmen. Wer nicht taktieren will kan ja beide Stimmen der gleichen Partei geben oder keine Erststimme ankreuzen.

                    Georg Blanchard

    schrieb Georg Blanchard am

  • #41

    ich bin auch der auffassung das das ganze so nicht richtig funktioniert.der eigentliche wählerwunsch wird durch ein taktieren in den hintergrund gedrängt.ich wähle zum wiederholten mal das für mich kleinere übel.

    schrieb michael kracht am

  • #42

    :gulp:

    schrieb Gulp am

  • #43

    Solange der Wähler das Gefühl hat, taktieren zu müssen -was er natürlich nicht wirksam tun kann- scheint mir das Wahlsystem nicht ausgereift.
    Wenn ich eine Partei wähle, die ich nicht an der Macht haben will, nur um zu verhindern, daß eine andere, die ich noch weniger will, dorthin kommt, so kann das Ganze nicht funktionieren, weil sich jeder anders entscheidet und niemals das prozentuale Verhältnis am Ende steht, daß den tatsächlichen Gegebenheiten, also den Wählerwünschen, entspricht.

    schrieb Wolfgang Siegel am

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